Debian GNU/Linux

Debian ist immer für zweierlei Dinge gut: Qualität und Kritik. Diese Ambivalenz erklärt sich einerseits ob den eigens formulierten Zielen dieser GNU/Linux-Distro und andererseits dem Grad der Komplexität — imho jedoch noch immer recht ausgewogen. Was aber ist Debian? Debian ist ebenso wie Slackware eine der ältesten noch existierenden Distros und wie bei gutem Wein üblich reifen auch diese Systeme mit den Jahren. Junger Wein mag dem einen oder anderen munden, kann jedoch auch erhebliche Bauchschmerzen verursachen — aber man hat in diesen freien Gefilden zumindest die Wahl.

Debian wurde anno 93 von Ian Murdock ins Leben gerufen, der Name leitet sich von seinem Vornamen und dem seiner Frau Debra ab, die Code-Namen für die einzelnen Releases sind den Namen der Protagonisten von Pixars Toy Story entlehnt. Und darüber hinaus fördert man massiv freie Software, besitzt einen Gesellschaftsvertrag und stellt die Basis für vielerlei Derivate. Kurzum findet man nicht nur Software für lau oder Dogmatik, sondern auch eine echte Community in der jeder angehalten ist mitanzupacken, um das System der Wahl zu verbessern. Zwar können all die genannten Dinge auch so manches mal recht seltsame Blüten treiben, in dieser durchaus als gesund zu bezeichnenden Community greifen jedoch auch wiederum oft selbstreinigende Prinzipien. Von daher verbleibt im Nachhinein oftmals nur von einem Sturm im Wasserglas zu künden, selbst wenn die Medien derlei Dinge gerne überkochen.

Charakteristisch für Debian ist also: freie Software, eine funktionierende Community die ebenso gefördert wird wie die Distro selbst, mannigfaltige unterstützte Architekturen, ein großer Pool an Software, ein ausgereiftes Entwicklungmodell inkl. adäquater Werkzeuge für Developer und User gleichermaßen, ein Platz für jeden der an freier Software, aber auch einer gesunden Community per se partizipieren möchte. Schattenseiten können ein etwaiges Übermaß an Politik sein oder eine nicht zu verachtende Komplexität in der Organisation dieses Projekts. Aber das eine geht eben nicht ohne das andere und bisher hielt sich im Nachhinein betrachtet alles doch irgendwie im Rahmen.

Beschränkt man sich rein auf die Qualitäten der Distro, wie bei vielen recht pragmatisch geleiteten Distros usus, sowird man bei Debian auch nicht enttäuscht. Im Gegenteil, dank des erwähnten Reifegrads schaut man hier Qualitäten, die man bei jüngeren Semestern oft vergeblich sucht und die meist dort durch Oberflächlichkeit kompensiert wird. Nicht umsonst stellt Debian das Gros der Basis für diverse Derivate oder ist auch in der Regel auf zahllosen Servern vorzufinden. Und das wohlgemerkt für ein System welches Community-gestützt aggiert und nicht mittels Konzernen im Hintergrund massiv gestützt wird. Zum kritisieren wird man immer mal wieder etwas finden, sucht man jedoch Opensource oder besser noch freie Software und eine Community die den DAU als auch den UNIX-Wizard gleichermaßen bedient, so ist man dort bestens aufgehoben.

Wer nun das übliche technische Bohei erwartete wird sich wohl enttäuscht sehen, aber ich wollte diese Distro einmal anders präsentieren. In Form von Qualitäten, die weit über für lau oder just opensource hinausgehen, man schaut eine Lebenseinstellung der Partizipierenden, ein gereiftes Projekt mit einer äußerst vitalen Community. Heute sind derlei Dinge selten anzutreffen.

Über die Technik etc. bietet das Projekt selbst zu genüge Auskunft, ähnlich wie bei FreeBSD erfreut man sich hier einer optimierten Organisation und einer extensiven Dokumentation. Wer zudem schon lange mit sich haderte und eine adäquate Lösung sucht Windows als schlechten Traum hinter sich zu lassen, dem sei Say goodbye to Microsoft empfohlen — aus dem redmondschen Ungetüm heraus installiert man Debian.

Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.

–Marie von Ebner-Eschenbach

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2 Antworten zu “Debian GNU/Linux”

  1. gnokii sagt:

    Schöner Beitrag, gibt hier in letzter Zeit recht häufig wieder FLOSS-Beträge zu lesen.
    Allerdings werde ich eher den Eindruck nicht los, dass es debian als Community doch nicht so gut geht.

  2. Oliver sagt:

    Die Politik, die komplexen Strukturen … man wird sehen. Auf jeden Fall hat man eine echte Community und kann somit auch über deren Probleme reden.

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