dazu gehört Mut

Bruce Schneier, primus inter pares in puncto Sicherheitstechnologien, spricht in seinem Essay: My Open Wireless Network von dem Umstand, daß er dieses offen betreibt, ohne Verschlüsselung und Passwörter. Kennt man den Namen Schneier nicht, so wird man wohl als erstes an bodenlose Dummheit denken in der heutigen Zeit. Und in der Tat mutet es doch recht seltsam an, wenn gerade jemand seines Kalibers derartiges von sich gibt.

Aber er tut es auch nicht unbedacht, primär zählt für ihn die Höflichkeit, dem Gast etwas zu bieten, gemäß dem Prinzip mi kasa et su kasa vertraut er ebenso darauf, wenn er unterwegs ist. Die Risiken und Nebenwirkungen sind ihm bewußt, auch das u.a. die RIAA auf seiner Türschwelle stehen könnte, ob der aufgezeichneten IP, die zu seiner Haustür führt. Dieses Risiko hat für ihn jedoch nicht mehr Wahrscheinlichkeit als der Einschlag eines Asteroiden, ebenso wie die Tatsache das u.U. ausgerechnet bei ihm jemand Unfug treiben könnte.

Er argumentiert im Gegenteil weiter, jemand der trotz Verschlüsselung (z.B. WPA) mit derartigen Dingen belastet wird, ob eines Einbruchs, hat es weitaus schwerer diesen Einbruch und somit seine Unschuld nachzuweisen.

Imho ist die Argumentation schlüssig und das mit der Wahrscheinlichkeit kann man so hinnehmen, allerdings muß man dazu auch bemerken, daß ich nicht Bruce Schneier heiße und weder eine derartige Koryphäe in diesem Bereich bin, noch die sonstigen Ressourcen für einen Anwalt der Spitzenklasse aufbringen könnte, geschweige denn die Möglichkeit zu nutzen, die Klage medienwirksam umsetzen. Dieser Lapsus unterlief ihm anscheinend in der Argumentation, denn für Otto-Normal-User ist es ein weitaus größeres Risiko und die Behörden sind weltweit in ihrem Eifer die Aufklärungsquote zu toppen auch gerne bereit einen gewaltigen Kolateralschaden in Kauf zu nehmen. Insofern mein Rat, Offenheit ist schön, aber in diesem Fall verschlüssele ich und fahre gar zu ungenutzten Zeiten das WLan herunter, Schutz im System usw. ist ohnehin der Fall.

Quelle: WikiCommons, GFDL

8 Antworten zu “dazu gehört Mut”

  1. ugugu sagt:

    Die Argumentation, ich öffne meine Schleusen, damit ich die Schuld allenfalls vor Gericht auf andere abschieben kann, finde etwas tollkühn. Und trotzdem irgendwie einleuchtend. Mein Lieblingszitat ist hingegen: «If you’re a file sharer, you know that the likelihood of you being caught is very similar to that of being hit by an asteroid.» 😉

  2. corax sagt:

    In Deutschland schiesst man sich mit sowas über kurz oder lang ins Knie wegen der Störerhaftung
    Kann beispielsweise ein tatsächlicher Filesharer nicht ermittelt werden, kriegt man für das Zurverfügungstellen des offenen Netztes eins „übergebraten“.
    So ähnlich wie beim Volltrunken Autofahren. Da wird man nicht fürs Fahren bestraft weil man zu dem Zeitpunkt schuldunfähig war (weil sturzbesoffen) sondern stellvertretend fürs sich in einen „Vollrausch“ saufen, obwohl man da noch gar nicht fuhr. :-)
    Verstehen muss man das vielleicht nicht, ich hab ja auch kein Jura studiert, aber zur Kenntniss nehmen und sich drauf einstellen. Leider.

    Pax

  3. Oliver sagt:

    >In Deutschland schiesst man sich mit sowas über kurz oder lang ins Knie wegen der Störerhaftung

    Ich spreche dem nicht in Deutschland ein minderes Risiko ab, nur verhält es sich en detail anders und man kann derart pauschal die Störerhaftung nicht anwenden. Wurde auch kürzlich erst so entschieden,

    http://www.fixmbr.de/file.….-urteil/

    Aber davon abgesehen, selbst bei einer nachträglichen Entschuldigung ist erst einmal das Equipment sicher gestellt und damit beginnt für die meisten die große Freude per se.

  4. corax sagt:

    Das Urteil passt nicht ganz. Dort ging es wohl um ein geschlossenes Netz auf das auch minderjährige bzw andere Familienangehörige zugriff hatten, die dies zum sharen nutzten. Es wurde entschieden, dass dem Anschlussinhaber und Familienoberhaupt keine Haftung trifft, weil er nicht gegen Prüfpflichten verstoßen habe, da er nicht mit einem Verstoß seiner Angehörigen rechnen musste, da dies ja bislang auch noch nicht vorgekommen sei.
    Ein Netz vollkommen für Fremde offen zu halten, dürfte sehr wohl weiter (sofort) unter die Störerhaftung fallen. Aber wir brauchen uns über Feinheiten ja gar nicht zu streiten, wir sind uns ja offenbar einig, dass man, wollte es man in Deutschland durchführen, sehr sehr leidensfähig sein müsste. (Vorsichtig formuliert) 😉

    Pax

  5. Sammy sagt:

    «[…] verteidigte sich dieser mit eben dem Umstand, dass er nicht wisse, wer für die Rechtsverletzungen verantwortlich sei, da das unverschlüsselte Netzwerk innerhalb eines gewissen Umkreises von faktische jedem genutzt worden sein könne.

    Das LG Hamburg teilte dieser Argumentation jedenfalls in Bezug auf die Störerhaftung eine Absage. Wer seine Internetverbindung drahtlos betreibt, muss für die Sicherung seines Routers sorgen, anderenfalls verstößt er gegen zumutbare Prüfungspflichten.»

    Unverschlüsseltes WLAN kann teuer werden! — Gericht bejaht Störerhaftung

    In den USA sieht das anders aus. Soweit ich weiß, kann man dort ziemlich Ärger bekommen, wenn man einen offenen AP zum Surfen nutzt. Unabhängig von der Technik ist ein AP also durch das Gesetzt geschützt. Deswegen nehme ich an, dass es in den USA weniger Konsequenzen hat, wenn der eigen AP für illegales missbraucht wird. Kurzum, hier mache ich den Router lieber dicht.

  6. Oliver sagt:

    In HH wirds auch … okay lassen wir das 😀

    In den USA mußt du davon ausgehen das der Weg nicht über die Staatsanwaltschaft führt, sondern direkt zum Kunden. Die RIAA beispielsweise wendet sich an deinen ISP und klopft dann höflich direkt an. Aber auch dort gibt es ein immens starkes Gefälle in derlei Belangen, da der Förderalismus weitaus tiefschürfender daherkommt als hierzulande.

  7. Annika sagt:

    Ich war bisher auch immer für möglichst stark verschlüsseln, aber was Bruce Schneier schreibt leuchtet mir durchaus ein (primär das Argument, höflich gegenüber anderen zu sein, die auf das Netz evtl. angewiesen sind. Zu den juristischen Aspekten kann ich als absoluter Laie wenig sagen, aber aus genau diesem Grund gehe ich quasi ein Risiko ein, egal was ich tu, weil ich die ganze Thematik sowieso nicht überblicke (den rechtlichen Aspekt).
    Was mir aber auffällt ist, wie unterschiedlich sowas in Europa gehandhabt wird. Viele Niederländer setzen noch auf WEP, während die Hälfte aller Norweger erst gar nicht verschlüsselt, Deutschland dagegen sieht aus wie ne Festung mit 60–70% WPA/WPA2/WPA-PSK (das sind zumindest meine persönlichen Erfahrungen). Ob das an der Gesetzgebung, der Mentalität oder noch was anderem liegt?

  8. Oliver sagt:

    Realität gehört hier in D einfach dazu, in Zeiten in denen Betreibern von Tor-Servern mit exit node hopps genommen werden, ist das alles wirklich nur ratsam für Leute mit dicker Börse und Hardware auf die sie für Wochen oder Monate verzichten können. Im Fall von Tor führte dies auch zu einem massiven Schwund an Tor exit nodes bzw. gar ganzer Server.

    Und auf WEP zu setzen hat ungefähr soviel Sinn, wie gar keine Verschlüsselung zu nutzen. Du bist selbst heute schnell dabei die bloße Aufmerksamkeit zu erregen, ob einer Google Suche oder den Besuch einer Seite per se. Beispiele dafür gabs in der jüngeren Vergangenheit zu genüge.

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