Das Versagen der Berliner All-Star-Blogger und deren Anhang

Wenn man im wunderschönen Hamburg in der U-Bahn sitzt, kann es schon einmal passieren, dass man gestört wird. Meist betritt ein junger Mann den Zug und fängt laut an zu reden: Entschuldigung, dass ich Sie störe und anspreche. Aber ich bin obdachlos und möchte Sie um eine kleine Spende bitten. Ähnlich vernimmt man es seit Jahren aus Berlin, genauer: aus der so genannten Blogossphäre. Seit Jahren schreien sie nach Geld, nach Aufmerksamkeit — nur kein Mensch hört sie. Naja, vielleicht die eigekauften Jubelperser aus Funk und Fernsehen. Da erlebt die Medienbranche gerade einen riesigen Umbruch, hat einen kleinen nuklearen Winter hinter sich — und wer kann davon nicht profitieren? Die Berliner All-Star-Blogger mit Anhang. Don Alphonso bringt es auf den Punkt: Wie repräsentiert man eine Veränderung, wenn man seit Jahren nichts auf die Reihe gebracht hat? Da sitzen im Moment also 1.400 Leute1 in Berlin und — mir sei dieser Ausdruck verziehen — man krault sich gegenseitig die Eier. Seit Jahren wird immer wieder der gleiche Blödsinn erzählt, mittlerweile muss man mit den Leuten fast schon Mitleid haben.

Die Damen und Herren glauben allen Ernstes, Blogs seien relevant und Twitter sei im Mainstream angekommen. Genau, und das Christkind gibt es wirklich. Wenn das Startpanel mit den Worten endet, Blogs hätten Potential, dann muss man nicht mehr zu dieser Veranstaltung sagen. Sie karikiert sich selbst. Selten war Realsatire lebendiger. Die gleichen Worte gab es schon vor Jahren — genauso verpackt, ähnlich dröge, nur folgten danach keine Taten. Das neue Spielzeug, die Web-2.0–140-Zeichen-Bulimie, Twitter, soll es nun richten. Über so einen Blödsinn sollte man nicht weiter nachdenken. Obwohl — konsequent ist es ja. Inhalte waren meist auf deutschen Blogs nicht zu finden. Wenn die Verkäufer-Karawane bald auf Twitter Ihr Zuhause findet, gerne. 140 Zeichen reichen für die meisten Damen und Herren völlig aus.

Seit Jahren erzählen die gleichen alten Leute den gleichen Mist. Da hört man nichts Neues, nicht im Ansatz Innovatives — es ist der gleiche langweilige Kram, wie jedes Jahr. Und immer wird zwischen den Zeilen darauf hingewiesen, dass man ja bereit ist, die Beine breit zu machen. Kauft mich! Tessa bringt das hervorragend auf den Punkt: Die Männer, die sich so freigeistig und unabhängig im Beifall von Fans und Followern sonnen, erinnern merkwürdig stark an eine Komponente, die in der Ursachenforschung der Krise von Finanzmärkten und Wirtschaft oftmals in der Kritik stand: Vorstände. Alteingesessene Chefetagen, die vielleicht hinter ihren Eichenschreibtischen Pläne aushecken, vielleicht des Nachts eine Sitzung in den Stripclub verlegen und gerne unter ihres Gleichen weilen. Den Text sollte man sich ausdrucken und einrahmen — ich hoffe sehr, dass er den Weg in den Print findet. Ich hatte vor Monaten schon einmal darauf hingewiesen: Nicht nur in Riga wird die mediale Revolution von 16-jährigen geplant — in Rumänien lacht man sogar über die deutschen Top-Blogger: I listened to some German journalists turned bloggers and that made me sad. In Romania, bloggers are 20-something geeks that are happy to share things and glad to be up on the stage. At Blogging in Germany and America i saw old journalists trying to teach us about new media and the tech revolution.

Den wichtigsten Punkt aber beschreibt Fefe: Draußen geht die Welt unter und in Berlin treffen sich die belanglosen Labertaschen zum gemeinsamen Synchron-Twitter-Wichsen mit eigener Flickr-Group? Ich glaube, peinlicher kann man die re:publica nicht in Szene setzen, wie es derzeit geschieht. Wir erleben eine Weltwirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes — die Folgen sind noch lange nicht abzusehen. Diese Krise ist auch Folge einer medialen Unfähigkeit, kritisch die Mächtigen, die Elite zu hinterfragen, zu recherchieren, Alternativen aufzuzeigen. Die Medien selbst erleben gerade ihren nuklearen Winter — zurecht. Und was passiert? In Berlin werden auf der re:publica Häkelkurse angeboten. Da philosophiert man über Todsünden beim Webdesign, lässt sich von IBM in Werbeveranstaltungen berieseln und freut sich darüber, das man endlich mit Twitter im Mainstream angekommen ist. Unglaublich. An dieser Stelle manifestiert sich das komplette Versagen einer ganzen Internetgeneration. Gerade in diesem Jahr hätte man unglaublich große Chancen gehabt. Man hätte bei der medialen Präsenz, die dort durchaus vorhanden ist, den gesellschaftlichen Diskurs beginnen können — aber Obamas Wahlkampf zu analysieren und auf Angie zu übertragen ist ja immerhin auch Etwas. Das Problem ist halt: Obama wurde auch von realen Menschen im realen Leben gewählt — und diese Komponente fehlt bei den Berliner All-Star-Bloggern.

Niemals wurde die eigene Unfähigkeit besser zur Schau getragen, als auf der re:publica in diesem Jahr. Um eine kritische Öffentlichkeit aufzubauen, einen neuen gesellschaftlichen Diskurs zu beginnen, hätte man alle Möglichkeiten gehabt. Man organisiert da einen Kongress mit 1.400 Leuten, sehr hoher medialer Präsenz — und was passiert? Nichts. Wir vermeiden hier auf dieser Publikation nicht umsonst den Begriff Blogger — soweit es möglich ist. Wie enden Fefes Worte so schön treffend: Ein Bekannter meinte zu dem Programm nur trocken, er würde dann mal sein Blog einstampfen. Mit solchen Leuten wolle er nichts zu tun haben. Die re:publica dieses Jahr erinnert mich an Frank Mill. Der Fußballer und ehemaliger Stürmer von Borussia Dortmund stand mal zwei Meter vor dem freien Tor, der Torwart war bereits umspielt — er setzte den Ball an den Pfosten. Man hatte alle Möglichkeiten, hat keine genutzt — wundert sich wirklich irgendwer, dass diese Internetgeneration im realen Leben nur ausgelacht wird? Das gesamte Versagen einer Internetgeneration gibt derzeit in Berlin ihr Stelldichein.

  1. Ja, es gibt wenige positive Ausnahmen, die ich mag und schätze. []

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27 Antworten zu “Das Versagen der Berliner All-Star-Blogger und deren Anhang”

  1. Jochen Hoff sagt:

    Sei nicht so streng mit ihnen. Immerhin werden die Eintrittgelder und das Sponsering für den Kongress ausreichen um die Spitze der Bewegung diesen Sommer überleben zu lassen. Nur darum geht es noch.

  2. caschy sagt:

    Der gute Frank Mill 😉 — ich will nur einmal wieder danke für deinen Text sagen. Hier mekrt man, dass eigener Content dahinter steckt — kein hingeschissener «Ich blogge über was, was jetzt erst auf den Markt kommt — und wegen den Keywords muss ich trotzdem drüber bloggen damit Google mich findet»-Scheiss.

    Übrigens — kleines Zahlenspiel am Rande — die Summe der Teilnehmer auf der RP09 ist so hoch wie die derer, die jetzt im Hafen von Bremerhaven in diesem Monat die Kündigung in die Hand gedrückt bekommen — nicht gesamt — EINE Firma. Hört man nicht soviel von, wa? Abgewichste Welt…

  3. Ina sagt:

    Und jetzt bin ich neugierig geworden auf einen Beitrag über die von Dir in der Fußnote angesprochenen wenigen positiven Ausnahmen.

  4. ich fand es frappierend, dass auf meine Frage zu Gewerkschaften (Kontext: Abmahnungen, Blogger-Interessenvertretung) entweder wortloses Abwiegeln («Ne, Gewerkschaften, damit haben wir alle nicht so viel zu tun») oder Polemik (Basic) kam. Wenn man über Bloggen als «Arbeit» und über «Journalismus» spricht, dann sollte man auch die Arbeitnehmervertretungen mitdenken.

    Dieses «Bloggen ist Graswurzel» oder «Wir brauchen uns nicht zu organisieren» finde ich höchst unpolitisch und realitätsfern.

  5. creezy sagt:

    Hm, vor zwei Wochen war ich hier in Berlin auf der Weltgesundheitskonferenz. Über 2.000 Leute haben sich getroffen und ausgetauscht. Was war in der Konsequenz das große allumfassende Ergebnis für gesundheitliche Weltpolitik? Es gab keines, denn das ist auch überhaupt nicht zwangsläufig das Ergebnis einer Konferenz.

    Konferenzen werden veranstaltet, um sich im kleinen und im großen auszutauschen über Themen, Probleme, Diskussionsinhalte, Erfahrungen. Sie sind gar nicht per se dazu da, Situationen zu verändern oder verbessern oder gar «die Welt aus den Angeln zu heben.» Geht man hinterher aus einer Konferenz raus und nimmt neue Meinungen mit, neues Wissen – ist das ein persönliches Ergebnis, das für das Individuum «den Konferenzbesucher» sehr wohl zählt.

    Nicht mehr, nicht weniger. Es ist schade, dass der Autor dies den 1.500 Teilnehmern nicht zugestehen will. Es ist schade, dass einem Medium wie dem Internet – das in seiner Vielfältigkeit nun mal gar nicht messbar noch in eine Schublade gepackt werden kann – gerade von jemand, der sich darin bewegt offensichtlich in eine Schublade gepackt wird. Es ist auch sehr schade, dass der Autor der Begriff Konferenz nicht in seiner Bedeutung hinterfragt hat, bevor er diesen Artikel geschrieben hat.

    Ich gehe dann jetzt mal zum Ort der Veranstaltung: mir selbst die Muschi kraulen.

  6. […] ich im Nachhinein froh bin nicht auf der re:publica zu sein:FixMBR — das Versagen der Berliner Allstarblogger und deren AnhangFreitag — Helden in HosenträgernBlogbar — Shifttaste hilft nicht bei alten […]

  7. «Wir vermeiden hier auf dieser Publikation nicht umsonst den Begriff Blogger«
    .

  8. Hannes sagt:

    Ok, und was wäre die Alternative gewesen, die republica abzusagen wegen der ‘weltwirtschaftskriese’ ?

    Ich will ja nicht wissen was dann vom Zaun gebrochen worden wäre…

    Es ist einfach eine Veranstaltung wie viele andere die man entweder beachten kann oder auch nicht, die einem entweder positive Impulse gibt… oder eben nicht, und wenn sich einige Menschen gern im Rahmen einer kleinen Konferrenz austauschen ist das sicher kein ‘gemeinsames Synchron-Twitter-Wichsen ‘.

    Und ich glaube vor 2 Jahren war eine der Hauptthematiken der Veranstaltung Creatice Common Lizenzen … und das dieses Jahr leider sinnlere gehypte Themen wie Twitter in den Vordergrund gedrängt worden ist bedauerlich aber sicher kein Anlass für die Schmähschrift da oben…

    naja, lg

  9. John Dean sagt:

    Die Alternative wäre eine Veranstaltung gewesen, die wirklich interaktiv gewesen wäre, wo man sich ernsthaft mit Themen beschäftigt hätte, und durchaus mit dem Ziel, etwas zu bewegen, und eine Veranstaltung, wo man sich tatsächlich gestritten hätte, weil es um etwas geht. Man hätte in ein paar Panel richtige Politiker und Staatssektretäre einladen können, und sei es nur, um ihnen dort z. B. die negativen Folgen des Abmahnwahns und Sykophantentums aufzuzeigen. Mehr noch, man hätte was bewegen können.

    Aber so?

    Und was genau war der Unterschied zur re:publica 08? Die internationalen Gäste? Das am Publikum desinteressierte Frontaldesign der Veranstaltung? Weniger Lobo? Ja, was?

  10. Cary Grant sagt:

    Also, dass Leute sich während der Weltwirtschaftskrise treffen und über ein gemeinsames Interesse austauschen, das nicht in makroökonomischer Forschung besteht, das ist ja wohl kein Argument gegen so eine Veranstaltung. Nichts gegen Kritik an der republica, aber dann doch lieber mit stichhaltigeren Argumenten. Als nächstes wird dann wohl dem Fußballreporter vorgeworfen, wie könne er bloß über Fußball schreiben, wo doch gerade die Weltwirtschaftskrise tobt…

  11. Chris sagt:

    @Jochen: Ich bin doch ganz brav… 😀

    @caschy: Danke. Es ist schon verrückt da draußen…

    @Ina: Auch solche Dinge werden hier oft genug thematisiert, zum Beispiel Cem Basmann mit seiner Sprechblase oder Marco Kaiser, der Gründer von Twhirl. Aber wieso werde ich das Gefühl nicht los, dass Du hier nur Deine URL loswerden willst und wir Dich nie wieder sehen?

    @Julia: Die Idee der Bloggergewerkschaft halte ich auch für großen Blödsinn. Obwohl, die Berliner All-Star-Blogger sicherlich gute Funktionäre abgeben würden… 😉

    @creezy: Hach, gerne würde ich jetzt machohaft antworten… 😀

    @Hannes: Du hast den Artikel nicht kpl. gelesen, Von absagen war nie die Rede. Im Gegenteil.

    @John Dean: Es ist der gleiche Mist wie im letzten Jahr…

    @Cary Grant: Das «Das» ist nicht das Problem, das «Wie» wird kritisiert.

  12. David sagt:

    Ich bin absolut deiner Meinung, dass eine politischere Konferenz eine tolle Sache wäre. Eine weniger politische Konferenz hat aber auch seine Daseinsberechtigung. Das eine schließt ja das andere eigentlich nicht aus. Dass keine politisch-kritische Konferenz stattfindet, müssen wir uns allen vorwerfen, die wir keine solche organisiert haben, und nicht denen, die immerhin eine unkritische Konferenz organisiert haben.

  13. Ich habe aus den Antworten auf die Frage nach den Gewerkschaften die Antwort herausgehört, dass das — leider — eben auch in ihren Strukturen gefangene Institutionen seien, in denen Beharrungskräfte größer als Innovationspotenzial seien (Googlen: «Konken»).

    Zur allgemeinen Kritik hier im Blog habe ich gerade im Blog noch mal den verlinkten Beitrag über Riga gelesen:

    Die Stadt stellt ferner jedem der Mitorganisatoren ein Zertifikat aus, dass er/sie an der Organisation dieses Events mitgearbeitet hat. Eine große Sache für deren Chancen im späteren Berufsleben.

    Jetzt überlege ich, wer hier was falsch einschätzt.

  14. Chris sagt:

    In Riga ging es um 15-, 16-jägrige Kids und Mädels. In Berlin geht es um alte Menschen, die auf die 50 zugehen…

    Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun…

  15. Teresa sagt:

    So, jetzt hatte ich endlich Zeit zu lesen, und bin fast ein wenig erstaunt, dass diese art der ferndiagnose möglich ist, was aber wiederum auch nur zeigt, wie wenig tatsächlich passiert. man trifft auf der re:publica zwar immer noch interessante leute, hat aber dennoch das gefühl, dass es dort nicht um ein miteinander und eine veränderung geht, sondern wie ich bereits schrieb, um die eigene profilierung und das sonnen im beifall und den eigenen wortschleifen. blogs, netzpublikationen — how ever you may call it — könnten eine gewisse relevanz entwickeln, wenn sie sich nicht um sich selbst drehen würden. zwar kommt die konferenz in der tagesschau an, denn die klassischen medien haben entdeckt: «das ist irgendwie hip» — die namen der figuren, die sich dort für den heißen scheiß halten, wird aber stets nur in debatten mit ihres gleichen zu ähnlichen themen auftauchen, die ebenfalls nur für ihre «peer group» bedeutsam ist. gesellschaftliche relevanz entfaltet sich nämlich auch nicht dann, wenn man experte genug ist, eine partei hinsichtlich ihrer onlinestrategie zu beraten. dieses engagement würde mit verlaub noch nicht ein mal für einen kaffee mit der kanzlerin reichen. für eine büste im museum vielleicht, wenn der eigene töpferkurs dies angeht.

  16. Sandy sagt:

    Worum geht es hier eigentlich? Ich war die beiden letzten Tage in Berlin und finde die re:publica toll. Eine sehr schöne Konferenz mit vielen tollen Menschen.

  17. Gunnar sagt:

    Naja…
    Twitter-Hype in und her. Hätte man Anfang/Mitter der Neunziger so über das World Wide Web geredet? War das nicht auch ein Hype?

  18. Anne sagt:

    Ich glaube Du hast etwas falsches erwartet von der re:publica.

    Trendy, trendy, und «was kommt als nächstes?». Early Adopters die schnell alles Neue feiern aber keine langfristigen Programme entwickeln. Nette Menschen treffen und diskutieren — mehr passiert da nicht.

    Ich vermute das Politcamp wird ähnlich verlaufen. Aber mit eigenen Sessions kann man ja alles verändern. Jedes Camp wird so gut, wie wir es gestalten! Also nicht meckern, sondern eigene Sessions halten!

    Über langfristige Veränderungen wird woanders diskutiert! Mcplanet.com & co
    Aber «Wenn immer nur die gleichen Leute zusammen hocken…» -> Events und Ideenansätze mischen.

  19. Oliver sagt:

    Denke ich über ‘re publica’ nach, dann hätte ich ebenso etwas anderes erwartet und nicht das wiederholte Durchkauen von neuen/alten ‘Ideen’, die letztendlich doch nur in Verkaufsstrategien kulminieren. Streitbare Geister könnten auch vermeinen einzig mit Community-foo kaschierte Verkaufsstrategien zu schauen. Wie dem auch sei, während einige vom großen Geld träumen und von der digitalen boheme, verdienen andere schon Geld, wirken als Community und unterhalten sich prächtig ohne derartige Veranstaltungen.

    >Also nicht meckern, sondern eigene Sessions halten.

    Pure Zeitverschwendung. Man wird dort immer die ‘Gleichen’ antreffen, die auch ‘morgen’ noch über die ‘gleichen’ Dinge reden, während andere schon längst etwas tun. Aber hey wenigstens die Organisatoren können davon leben, indem sie Träume verkaufen an willfährige Web2-Nuller :-)

  20. Martina sagt:

    Ich ahne schon zu wissen, weshalb die meisten Alpha-Blogger hinter Werbeeinnahmen, generiert über Banner und Bezahlartikel, her sind. Aber um diese Behauptung zu beweisen, müsste ich erstmal meine Idee umsetzen. Näheres dazu irgendwann.… 😉

  21. […] Twitter = Web-2.0–140-Zeichen-Bulimie (Rebloggeria) […]

  22. Oliver sagt:

    Wer hier von Innovation im Web schwafelt und zugleich nur so vor SEO trieft, muß sich nicht wirklich wundern die ureigens abgesonderte Sinnbefreitheit hier nicht vorzufinden. Keine Innovation ist es beispielsweise eine gehypte Thematik a la Apple, Netbook & Co zu nehmen, diese mit einer Art paraphrasiertem Pressespiegel zu garnieren und mittels Werbung abzukassieren. Der Aufbau von derlei Angeboten ist nahezu identisch, der kaum auszumachende Gehalt ebenso. Wer über haste mal ne Mark nicht hinaus kommt, muß sich auch nicht wundern entsprechendes Echo zu erfahren.

  23. Tom sagt:

    Hm — volle Zustimmung.

    Nach Deinen — sorry! — Pöbeleien gegen den Freitag vor ein paar Tagen (so in der Art «Jetzt habe ich denen schon zigmal erklärt, wie sie das machen sollen, und sie hören noch immer nicht auf mich»), die ich unsäglich fand, heute ein Beitrag, bei dem ich jede Zeile unterschreiben kann.

    Dieses Gepose und wir-sind-Blogger-Getue geht mir schon lange auf den Sack.

  24. Will keine eigene Bloggergewerkschaft.

    Will, dass die Leute Realitäten zu «Arbeit» zur Kenntnis nehmen und ernsthaft diskutieren und versuchen, in die Gewerkschaften (DJV, ver.di) hineinzugehen und diese mitgestalten. Das würde beiden Seiten nützen. Gewerkschaften müssen sich ja auch auf die veränderte Arbeitswelt (zB mehr Freiberuflichkeit) einstellen, wenn sie zukunftsfähig sein wollen. Verstehe zwar, dass nicht jeder Mensch Lust auf Gewerkschaften hat und sehe auch ein, dass die bei der re:publica sichtbare «Blogosphäre» (nach meinem Eindruck «männlich, 40 Jahre, Freiberufler») für diese Institution nicht gerade offen ist.

    Man sollte zu Gewerkschaften aber doch zumindest eine Haltung haben und diese als Akteuere im Politikfeld «Arbeit» zur Kenntnis nehmen.

    Die einzige politische Forderung zu «Arbeit», die ich vernommen habe, ist eine nach einem «Grundeinkommen». Das wäre auf den ersten Blick eine «allumfassende Lösung», ich halte das aber für politisch falsch, so etwas zu fordern und auch nicht ernsthaft lösungsorientiert. Kurzum: Da macht man es sich zu einfach.

    Gut wäre es, über Freiberuflichkeit, Künstlersozialkasse, Hartz-IV und eben über Interessenvertretungen zu sprechen. Und das mit der Finanzkrise bei Fefe fand ich auch gar nicht so schlecht. Das wäre ein aktuelles Thema gewesen, zu dem man sich doch irgendwie hätte einbringen können.

    Und dass beim Thema «Journalismus» sich immer wieder einer meldet und darüber klagt, dass er keinen Presseausweis bekommt (und sich wahrscheinlich noch nicht mal über die Bedingungen für einen solchen informiert hat) trägt auch nicht gerade zu einem guten Bild bei.

  25. Oliver sagt:

    >Man sollte zu Gewerkschaften aber doch zumindest eine Haltung haben und diese als Akteuere im Politikfeld “Arbeit” zur Kenntnis nehmen.

    Zählt auch ein Weggang?

    >Das wäre auf den ersten Blick eine “allumfassende Lösung”, ich halte das aber für politisch falsch, so etwas zu fordern und auch nicht ernsthaft lösungsorientiert.

    Warum nicht, wenn man sich _ernsthaft_ Gedanken dazu macht und entsprechende Schritte dorthin mitgestaltet?

    >Gut wäre es, über Freiberuflichkeit, Künstlersozialkasse, Hartz-IV und eben über Interessenvertretungen zu sprechen.

    Schritte hin zu obigem — okay. Als Einzellösungen, sprich politische Flickschusterei a pain in the back.

  26. […] Das Versagen der Berliner All-Star-Blogger und deren Anhang (F!XMBR) Vor dem Friedrichstadtpalast schien sich der Teil der Bloggerszene zu sonnen, bei dem nicht mal dann ein „Shift“ stattfindet wenn er vom Stuhl geschubst wird. […]

  27. Hallo Chris,

    danke für den Beitrag. Ich kam überhaupt erst durch Fefe an die Info dieses Kongresses. Nein, ich war nicht erschrocken oder traurig, dass ich das verpasste. Was mir jedoch im Zusammenhang mit der Kritik an der «Blogger-Szene» auffällt, ist die Tatsache, dass es anscheinend immer noch nicht begriffen wird, was das so genannte Netz ist. Man schreibt eine Nachricht/Information/Mail/Newseintrag/Blogeintrag/usw., also eigentlich immer das Gleiche und bekommt — unter der Voraussetzung es interessiert jemanden — eine Nachricht zurück. Das ist alles. Ob Textmail oder CMS. Speicherfressender Unsinn macht das nicht anders, besser oder effizienter. Ob Twitter, WordPress oder welche Informationsplattformen auch immer — sie alle leben vom Inhalt und der Vernetzung desselben. Ohne Inhalt ist es Wurst was wo wie warum für wen steht. Solange die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt, wird es mehr oder weniger nette Verpackungen geben und sicher immer eine Menge kluger Leute, die den vorgeblichen Anwendern, sprich dafür Geld zahlen Sollenden, erzählen, was man nicht alles Tolles damit machen kann. Kaffeekochende Telefone inklusive. Das Problem sind die Nutzer. Diese machen zum größten Teil nicht anderes, als sich über den neuen Rechner auf eine neue Plattform zu begeben und zu rufen: Hallo, ich habe einen neuen Rechner, nutze Plattform X und warte auf Eure Zeichen! Hier stehe ich, ich armer Tor und bin so klug wie nie zuvor! Das wird Ihnen suggeriert und sie glauben es. Aus diesem Grunde besteht der Inhalt des Netzes aus — ich vermute — 99% Verpackung. Ich brauche schon gar keine Suchmaschine mehr, ich finde nur noch Autocontent. Usw. usw. usw. Ich sehe mir diese Entwicklung seit 1994 an und muss sagen, es wird Zeit ein neues Netz zu knüpfen. Ich hätte da eine Killerapplikation — PTM — die Plain-Text-Mailingliste!

    Schöne Woche :-)


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