Das Transrapid-Desaster

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Ede Stoibers legendäre Transrapid-Rede, via YouTube, aufgearbeitet von F!XMBR… 😀

Transrapid

Oliver schreibt nebenan zum Transrapideine Wissensgesellschaft handelt umsichtig, insofern sind wir vielleicht wieder auf dem Weg dorthin. Wie gern würde daran glauben. Ich denke, auch in dieser Sache hat der schnöde Mammon regiert. 1,85 Milliarden Euro waren für 37 Kilometer Strecke [sic!] eingeplant — und auf einmal sollte das sogenannte Prestigeprojekt bis zu 3,4 Milliarden Euro kosten. Selbst im tiefschwarzen, gläubigen CSU-Land hätte man das nicht mehr verkaufen können. Zumal der größte Fan, Edmund Stoiber, nach Brüssel abgeschoben wurde — und Günther Beckstein und Erwin Huber diese Lücke bisher nicht annähernd füllen konnten. Ich denke, in dieser Mitte liegt die Wahrheit. Weder Beckstein noch Huber hätten glaubhaft diese kleine Preiserhöhung verkaufen können — ich bin mir sicher, Stoiber hätte auch in diesem Fall noch leidenschaftlich dafür gekämpft.1 Dazu ein Minister Tiefensee, auf dessen Agenda die Bahnprivatisierung ganz oben steht, ein weiterer Kriegsschauplatz ist nicht zu gebrauchen — und über Siemens muss man keine großen Worte verlieren. Die Kollegen dort sind mehr mit sich selbst beschäftigt, als gute Produkte für die Kundschaft herzustellen. Eine Bayerische Landesregierung unter der Leitung Edmund Stoibers, ein etablierter Verkehrsminister und ein vor Kraft strotzendes Weltunternehmen wie Siemens — und wir würden uns heute darüber unterhalten, dass der Transrapid ein Milliardengrab geworden ist, aber dennoch gebaut wird.

Dass dem ist nicht so ist, macht den Transrapid zu einem Desaster — für die Bayerische Landesregierung, für Siemens und natürlich auch für den Technologiestandort Deutschland. In Konkurrenz– Unternehmen werden heute die Sektkorken geknallt haben. Deutschland hat sich nach Toll Collect hat weiteres Mal weltweit blamiert. Nichtsdestotrotz ist es unterm Strich eine gute Entscheidung. Von Anfang an war der Transrapid, zumindest für diese kurze Strecke, ein völlig größenwahnsinniges Projekt von wenigen Politiker und Unternehmern, die jeglichen Realitätssinn verloren haben. Edmund Stoiber wollte sich selbst ein Denkmal bauen — auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Die Siemens– und ThyssenKrupp-Geschäftsführungen hatte Dollarzeichen in den Augen — und so entstand ein Plan, der niemals das Reißbrett hätte verlassen dürfen. Und wenn nun binnen weniger Monate von den beiden deutschen Weltunternehmen Berechnungen vorgelegt werden, die um 1,6 Milliarden Euro voneinander abweichen, dann beweist das eindrucksvoll, warum unser Land am Scheideweg steht. Unsere Führungselite lebt fernab von Gut und Böse in einer eigenen Traumwelt, jeglicher Realitätssinn ist in den Führungsetagen unserer Eliten verloren gegangen. Sie ruiniert seit Jahren dieses Land, unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft, unser Miteinander — das Transrapid-Desaster ist dabei nur ein Zwischenstopp. Wir werden noch mehr Meldungen dieser Art in der Zukunft lesen und zu hören bekommen.

Das Positive an dieser Megapleite ist, dass dem Steuerzahler eine weitere Milliardenverschwendung erspart bleibt. In einer Zeit, wo Schulen verkommen, Brücken kurz vor dem Einsturz stehen, andere öffentliche Bereiche abgebaut werden, muss man auf solche Projekte verzichten — dementsprechend ist heute ein guter Tag für Deutschland. Ein politisch Verantwortlicher, Edmund Stoiber, ist bereits Geschichte, von seiner Partei entsorgt worden. Doch war an diesem Desaster nicht nur der ehemalige Ministerpräsident beteiligt. Die gesamte CSU, andere bayerische Granden waren ebenso involviert. Es müssen weitere Köpfe rollen, es wurden bereits Millionen von Steuergeldern verschwendet. Es kann nicht sein, dass die Amigos in Bayern so weiter machen, wie bisher. Wenn Bayern endlich mal beweisen will, dass es eine Demokratie ist, dann muss dieses Moloch unfähiger Politiker und Unternehmer ausgehoben werden. Die Verantwortlichen müssen für ihr Versagen gerade stehen. ThyssenKrupp erwägt nun den den Verkauf des kompletten Transrapids an China — eine weise Entscheidung. Die Chinesen haben Strecken zu überbrücken, die den Transrapid rentabel machen könnten. Nicht aber Deutschland auf einer Strecke, auf der ich, Ein– und Auschecken mit eingerechnet, mit dem Fahrrad schneller bin, als mit deutscher Hochtechnologie. Heute ist ein guter Tag für den deutschen Steuerzahler — ein hochnotpeinlicher aber für die Politik und die Unternehmen Siemens und ThyssenKrupp.

Foto: genesis3000 unter dieser Creative-Commons-Lizenz stehend.

  1. Irgendwie vermisse ich den Ede ja doch… 😉 []

11 Antworten zu “Das Transrapid-Desaster”

  1. […] wenn die halbe Welt lukrative Geschäftskontakte mit diesem pflegt, inklusive unserem eigenen. Lukrative Geschäfte denen auch in der heutigen Zeit immer noch das Flair der kolonialen Ausbeutung anhaftet. Auch […]

  2. LeSpocky sagt:

    Wäre schön gewesen, wenn hier wenigstens in einem Satz konkret gestanden hätte, dass es darum geht, dass das Projekt Transrapid in München beerdigt wurde. Man konnte es zwischen den Zeilen lesen, aber wer nicht jeden Tag die Nachrichten verfolgt… 😉

    Transrapid-Pläne für München beerdigt

  3. Oliver sagt:

    >Man konnte es zwischen den Zeilen lesen, aber wer nicht jeden Tag die Nachrichten verfolgt…

    Man könnte auch den Links folgen, denn Gaudi sind diese nicht, sondern essentielle Informationsquellen!

  4. Chris sagt:

    Links folgen? Nein, wie kommst Du darauf. Das ist doch nur unser Privatvergnügen. 😉

    Und selbst wenn ich keine Links eingepflegt hätte — dieses Allgemeinwissen setze ich voraus. Wenn das schon nicht ausreicht, wie soll man dann erst bei den restlichen Artikel folgen. Ich hab hier heute morgen einen Kommentar gelöscht, der fragte allen Ernstes wo sich denn Deutschland blamiert hätte…

  5. Robert B. sagt:

    Links folgen? Aber nicht doch in Deutschland, wo links anrüchig ist 😉

    Ich verstehe bei der ganzen Sache ja nicht, warum TTR (Siemens ist ja als Garant für kostengünstige, schnelle und fehlerfreie Projekte auch mit am Start) nicht selbst eine Referenzstrecke gebaut hat. Ich glaube denen, dass die Technik gut ist und bei den zu erwartenden Exporterlösen wäre das eine gute Startinvestition. Der Zug könnte schon seit Jahrzehnten schweben und solange warten die auch auf die Politik.

    Aber vielleicht ist das Ding auch überdimensioniert: Gütertransport ist nur eingeschränkt möglich und so hohe Endgeschwindigkeiten sind auch ganz schön Energie-intensiv, da der Luftwiderstand mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zunimmt. Wobei: Für einen Flughafenzubringer ist der Zug deutlich überdimensioniert. Die Alternative MEAX soll ja wohl auch kein ICE werden.

  6. Heiko sagt:

    Ich bin ein Beführworter des Transrapid. Das die Münchner Strecke scheiterte finde ich nicht wirklich schlimm. Der Transrapid ist eine Hochgeschwindigkeitsbahn und kein teuerer S-Bahn Ersatz.
    Wozu Milliarden in den Sand setzen, um nur zu zeigen das der Transrapid funktioniert. Wo er diese Aufgabe doch schon in china mit bravur erledigt hat.
    Die Strecke Berlin — Hamburg, als Erbe des fliegenden Hamburgers wäre ihm würdig gewesen.
    Einen Tiefflieger durch bewohntes gebiet in München zu hetzen, eine Vision eines gescheiterten, Politikers.

    Übrigens war ja schon seit der Amtsantrittsrede Becksteins klar, was nun für den letzten eindeutig formuliert wurde. Damals sagte er schon das er zum Transrapid steht, aber es keinerlei Budget Erhöhungen geben wird. Eine einfache Frage — welches staatlich geförderte Großprojekt im Verkehrswesen hat bis zum Baubeginn jemals den Preis gehalten 😉
    Seine Aussage war seinerseits schon ernst zu nehmen, wie er nun bewiesen hat.

  7. Oliver sagt:

    Zum Thema Transrapid in Hamburg-Berlin. In China funktioniert vieles, da kann man gewaltig die Kosten drücken mittels diverser Dinge die in normalen Ländern nicht möglich sind.

  8. Dr. Dean sagt:

    Die diversen Bundesregierungen waren so freundlich, Thyssenkrupp und Siemens rund 2,4 Milliarden Transrapid-Entwicklungskosten zu spendieren. Ein technisches Prestigeprojekt ohne Nachfrage am Markt, das von Anfang an, seine Lage erkennend, Heerscharen von Lobbyisten finanziert hat.

    Tja — und nun zahlen sich diese 2,4 Milliarden Euro offenbar doch noch mal aus. Für den Verkauf dieser Technologie an die Chinesen erwartet das Industriekonsortium Einnahmen in Höhe von knapp 100 Millonen Euro.

    Großartig.

    (ich bin kurz davor, jegliche Form von Industriepolitik für eine Form des Korruptions– und Subventionsverbrechens zu halten)

    Und dieser unterirdische Tiefensee, der wohl als OB halbwegs funktionierte, aber null Plan von Ökonomie hat, der findet das alles total super.

    100 Millionen Euro sind übrigens garnicht mal so wenig Geld. Davon könnte man z.B. alle Schulen in Deutschland mit einem tauglichen Tonstudio ausstatten — und die verbleibenden 80 Millionen Euro den hart arbeitenden Bürgern zurückgeben.

  9. Grainger sagt:

    Im Zusammenhang mit dem TransRapid muss ich immer an das getürkte Gutachten denken, dass das NRW-Verkehrsministerium im DOC-Format ins Internet gestellt hatte.

    Das Gutachten warf scheinbar nicht das (gewünschte) positive Bild auf die Rentabilität einer TransRapid-Strecke und so hatte man natürlich so lange an den Zahlen gedreht, bis das erwünschte Resultat fabei heraus kam.

    Unglücklicherweise hatten die Doofmänner das aber in Word irekt gemacht. dabei die Funktion «Änderungen verfolgen» aktiviert und die Datei mit allen Metadaten zum DL zur Verfügung gestellt. 😀

    Jeder Interessierte konnte so ganz leicht feststellen, dass das TransRapid-Projekt ein weiteres Milliardengrab geworden wäre und sich niemals gerechnet hätte.

    Quelle

    (Die Chinesen scheinen mit ihrer TransRapidstrecke auch nicht so ganz glücklich zu sein, die Betriebskosten sind um Größenordnungen höher als erwartet und die technische Zuverlässigkeit dafür viel niedriger).

    Das erklärt vielleicht auch die Zurückhaltung der Industrie, sich an der Finanzierung zu beteiligen.

    In Deutschland ist das Thema Transrapid hoffentlich ein für allemal vom Tisch.

  10. Dr. Dean sagt:

    @ Grainger

    Vom Tisch? Ich hoffe sehr darauf, allerdings sollte man die Selbsthauptungskräfte dieses irrsinnigen Prestige-Technologieprojektes nicht unterschätzen. In der Bundesregierung sitzt z.B. dieser abartig schlechte Minister Tiefenseee — und der ist ein radikaler Befürworter des Transrapids. Nach wie vor. Für andere Mitglieder der Bundesregierung und Spitzenministeriale gilt entsprechendes. Die Verfilzung der Transrapdid-Befürworter reicht sehr weit, wenig überraschend auch bis in die FDP, deren verkehrspolitischer Sprecher immer zu den klarsten Befürwortern des Transrapids gehört hat.

    Und ich rechne damit, dass wir innerhalb der nächsten sechs Monate das nächste Sumpfgeschöpf erleben werden, dass dieser Szenerie entsteigt: Das nächste Transrapid-Projekt. Und auch das muss dann mitleidslos geötetet werden.

    Denn: Der lobbyistische Transrapid-Sumpf lebt noch. Dem werden immer neue Sumpfgestalten entsteigen.

  11. blu_frisbee sagt:

    Chris schrieb
    > Deutschland hat sich nach Toll Collect weiteres Mal weltweit blamiert

    Toll Collect war in der vertraglich vereinbarten Zeit technisch garnicht darstellbar (wie jedes Projekt dieser Größenordnung). Zusätzliche Verzögerungen ergaben sich dadurch, daß sich die Kosortialführer Telekom und Daimler gegenseitig behinderten. Richtig ist, daß die abgeschlossenen Verträge dafür etwa 1 Jahr weniger vereinbarten und als der Termin nicht einzuhalten war sah das natürlich aus wie eine Blamage. Ein Jahr später lief das System dann auch. Ein Bekannter hat mir damals erzählt, daß er noch nie so viele Typen mit Nadelstreifenanzug rumlaufen gesehen hat wie bei TollCollect. 😮 Andrerseits ist road pricing exportierbar und der Transrapid offenbar nicht.

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