Das seltsame Verhalten von Großstädtern an der Supermarktkasse

Deutschland im Jahre 2010. Muttern, Vattern und die Kinder sitzen Samstagmorgen am Frühstückstisch und diskutieren über den bevorstehenden Einkauf. Der Einkaufszettel wird hervorgeholt, Muttern plant den Vormittag generalstabsmäßig wie die Alliierten den D-Day geplant haben, der Vater wünscht sich den Montagmorgen herbei und die Kinder freuen sich, beim Einkauf etwas abstauben zu können. Dann geht es los, man sitzt im Auto und kommt am Supermarkt an. Schon aus der Ferne ist zu sehen, dass viele Menschen die gleiche Idee hatten. Niemand würde ernsthaft erwarten, dass noch mehr Menschen am Samstagmorgen einkaufen gehen. Ein Parkplatz wird gesucht. Und obwohl etwas weiter hinten mehrere Plätze frei sind, muss Vattern natürlich zeigen, was er kann, fährt bis zur Tür heran, wartet, sucht, wartet, sucht, um dann festzustellen, hinten ist ja noch ein Platz frei. Der entstandene Stau löst sich über den gesamten Tag nicht auf.

Im Supermarkt angekommen, gehen die Kinder auf Entdeckungstour, wenn Muttern und Vattern abgelenkt sind, wird der Einkaufswagen vollgepackt, Vattern schiebt lustlos den Einkaufswagen vor sich her, denkt an seine Junggesellen– und Bundeswehrzeit. Muttern kauft ein und um Interesse zu zeigen, wird der geliebte Ehemann ab und zu gefragt, ob man dies und jenes benötigen würde. Vattern sollte es in dieser Situation auch nur einmal wagen, «nein» zu sagen. Die Kinder werden zu den Süßigkeiten geschickt und mitten im Supermarkt beginnt das vorbildliche Ehepaar eine spannende Grundsatzdiskussion.

Während Muttern weiter auf die Jagd geht, darf sich Vattern schon einmal an der Fleischtheke anstellen. Ist er dann an der Reihe, wird er mit Sicherheit die falsche Wurst und das falsche Fleisch einkaufen. Muttern stellt sich dann noch einmal schlecht gelaunt in die Schlange, wird den übrigen Gästen zeigen, wie unfähig der Ehemann doch ist, um dann das begehrte Angebot zu ergattern. Die Kinder sind derweil wohl erzogen, ihnen wird das Stück Fleischwurst gar nicht mehr angeboten, sie fragen direkt danach. Vattern fragt sich im Geheimen, warum man das Angebot nun noch benötige, da man ja mittlerweile genügend andere Dinge im Wagen liegen hat. An dieser Stelle vermeidet es Vattern dann, die geliebte Ehefrau danach zu fragen. Aus der vorherigen Diskussion wurde gelernt.

An der Kasse angekommen wird dann erst einmal geschaut, an welcher Masse man am schnellsten bedient wird, welche Schlange sich am zügigsten auflöst. Ehemann und Ehefrau diskutieren, planen, während das Kind die Überraschungseier in den Wagen packt. Nach gefühlter endloser Planung und Diskussion entscheiden sich die Eheleute endlich für eine Kasse, um nach 5 Minuten festzustellen, dass Oma und Opa mit Kleingeld bezahlen, die Bezahlung per Kreditkarte an dieser Kasse nicht funktioniert und sich  die Kassiererin noch in der Ausbildung befindet. Während es an der Kasse nebenan schnell voran geht, ist die Familie auf engstem Raum miteinander verbunden. Das Wochenende ist schön.

Die wahre Herrschaft des Menschen über die Tiere beweist sich aber erst, wenn die eingekauften Dinge auf das Transportband gelegt werden. Die gesamte Familie achtet darauf, eben genau neben den eigenen Sachen stehen zu bleiben. Nach vorne können 2 Meter Platz sein, egal, das eigene Revier wird verteidigt. Es wäre ja auch zu einfach, 2 Meter nach vorne zu gehen, damit die nachfolgende Person auch seine Dinge auf das Band legen kann. Muttern, Vattern, die Haxe ist bereits tot, auch wenn sie nicht im Angebot war, die hüpft nicht einfach vom Band, Ihr könnt also ruhig bis nach vorne durchgehen. Etwas später können dann die eingekauften Dinge bezahlt werden, Vattern wundert sich, woher die ganzen Bonbons auf einmal herkommen und Muttern plant bereits den Gang zum Bäcker, danach geht es nach Hause.

Das Wochenende mit der geliebten Familie kann beginnen…

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23 Antworten zu “Das seltsame Verhalten von Großstädtern an der Supermarktkasse”

  1. Torben sagt:

    Das mit dem Transportband verstehe ich nicht. Wenn sie genau neben den eigenen Sachen stehen, bringt das «2 Meter nach vorne gehen» doch gar nichts. Die Person dahinter rückt dann auf die frei gewordene Position auf und wiederum steht direkt neben dem auf dem Band liegenden Familieneinkauf. Soll er seine Sachen dann dazu packen oder wie?

  2. Geh doch einfach mal in den Supermarkt an eine volle Kasse. Wenn die Leute das Band blockieren, weil sie stehen bleiben und so immer die Hälfte des Bandes leer ist. Selbstverständlich hat das zur Folge, dass es so viel länger dauert…

  3. Franse sagt:

    Herrlich, mehr davon :) Leider nur zu bekannt, grade das mit den Blockierern am Band.

  4. oje sagt:

    40 Minuten einkaufen. 5 Minuten an der Kassenschlange stehen und dann wieder 30 Minuten mit Bekannten quatschen.
    Aber sich über die 2 Minuten Wartezeit durch bar zahlende Rentner bis zum Herzinfarkt aufregen.

  5. nb sagt:

    Was wirklich helfen würde: EINE Warteschlange für ALLE Kassen.

  6. Thaniell sagt:

    A Propos Einkaufen im Supermarkt, ich finde die Briten, unsere stärksten Konkurrenten im sich-korrekt-verhalten-und-Schlange-stehen, haben was das Übel der «Kasse an der es am längsten dauert» angeht oftmals eine effiziente Lösung, da gibt oft nur eine Schlange für alle Kassen und man geht eben immer zu der die gerade frei ist. Während man dann auspackt, packt der Kassierer nach dem über den Codeleser ziehen direkt wieder ein, in mitgebrachte Tasche oder Tüte, wie es dem Kunden beliebt. Das spart erfahrungsgemäß jede Menge Zeit und Frust über eine Blockade der ‘eigenen Kasse’. Hab ich bei uns noch nicht gesehen, wäre aber doch dem deutschen Streben nach der totalen Gerechtigkeit durchaus zuträglich. (Ja ich weiß, geht nicht sinnvoll in jedem Markt).

  7. Thaniell sagt:

    Verflucht, da war einer schneller, ich sollte mich kürzer fassen. Dann an der Stelle wenigstens noch schöne Jahresendzeitstimmung und beschauliche Weihnachten.

  8. Reinhard sagt:

    Wie auf der Autobahn im Stau.
    DU stehst immer in der langsamsten Spur, gleich wie oft sie wechselst!

  9. unschland sagt:

    Und da sag nochmal einer, dass konsumieren nicht glücklich macht!

    «Mit Rotz-Sahne-Joghurt
    luftig-locker-lecker-leicht–
    hinein ins Weekend-feeling!«
    (eine Werbung, bei der ich immer denken musste, dass ich diese Zombie-Familie gerne mal mit einem Flammenwerfer beglückt hätte)

    Es fehlt eigentlich noch die Juppie-Schickse, die meint, sie käme schneller dran, wenn sie einem den Einkaufswagen in die Hacken rammt.

  10. Gabi sagt:

    Einkaufen kann schon lästig sein. Ich versuche immer, falls ich Samstags einkaufen muss, schon bei Ladenöffnung da zu sein. Ich erspare mir gerne das Gedränge.
    Nebenbei gesagt, ich hasse einkaufen gehen, sehr untypisch für eine Frau :)

  11. Zu den «barzahlenden Rentnern»: ebenso ein Greuel sind die Leute mit den Kreditkarten, am wochenendlichen High Noon wartet man auf den «Abgleich» meist ebenso lange. Des einen Freud ist des anderen Leid, gerade an der Kasse.

  12. Grainger sagt:

    Als Single und Selbsteinkäufer nervt mich die Ineffizienz des Warentransportes am meisten:

    • erst nehme ich die Sachen aus dem Regal, der Tiefkühltruhe, usw. und lege sie in den Einkaufswagen
    • dann lege ich sie alle auf das Transportband der Supermarktkasse
    • um sie anschließend wieder in den Einkaufswagen zu legen
    • und sie dann vom Einkaufswagen in den Kofferraum meines Wagens (bzw. der darin befindlichen Plastikkiste) zu räumen
    • zum Schluss trage ich dann alles in meine Wohnung und räume den ganzen Kram aus der Transportkiste in den Kühlschrank, die Küchenschränke, usw.

    Ich habe also jeden eingekauften Gegenstand mindestens fünfmal in der Hand gehabt, bevor er aus dem Supermarktregal in seinen Aufbewahrungsort in meiner Küche gewandert ist.

    Das muss doch irgendwie effizienter zu machen sein.

    Seit Jahren sehe ich immer wieder Berichte von modernen Kassensystemen, bei denen ich nur noch den gesamten Einkaufswagen samt Inhalt durch einen Scanner schiebe und der gesamte Einkauf wird auf einmal erfasst.

    Ich müsste also den gesamten eingekauften Krempel nicht aufs Transportband und wieder in den Einkaufswagen räumen, statt fünfmal hätte ich jeden Artikel nur noch dreimal in der Hand, so betrachtet ein Effizienzgewinn von 40%. 😉

    Andererseits sichere ich durch diese Ineffizienz des Systems sicherlich vielen Supermarktkassiererinnen ihre Arbeitsplätze.

  13. wolfbaer sagt:

    Die andere Schlange ist immer die schnellere. Das gilt universell, auf der Autobahn, im Supermarkt, an der Tankstelle, beim Einlass zu Großveranstaltungen, selbst am Oktoberfest beim Anstehen vor den Toiletten …

    Vermutlich handelt es sich um einen in Vergessenheit geratenen Teil von Murphy’s Law.

  14. Marco sagt:

    Was mich persönlich mit am meisten beim Einkaufen nervt, sind die Frauen (ja, ist sind meistens Frauen), die in aller Seelenruhe der Kassieren bei der Arbeit zugucken und dann, wenn es ans Bezahlen geht, anfangen in ihrer Handtasche das Portemonnaie zwischen den tausend anderen Dingen darin zu suchen. Welch Überraschung! Man braucht tatsächlich Geld, um seine Ware zu erhalten!

  15. mAo sagt:

    hab mal gemessen, wieviel zeit barzahler gegenüber kartenzahler an zeit benötigen.
    – barzahler etwa 40%
    – kartenzahler etwa 60%

    dieser test ist natürlich nicht masgebend. den habe ich bei drei discountern durchgeführt und jeweils etwa 1 Stunde lang. und zwar vom ermitteln der gesamtsumme bis zur entgültigen bezahlung (retourgeld bzw. summenkontrolle).

    also macht mir die omi#s-opi’s nicht madig. lieber solche vor mir, als jemand der seine karte erst mal falsch herum, und dann nach richtigstellung den pin der falschen karte eingibt, um danach festzustellen, dass er die falsche karte reingepopelt hat.

  16. cimac sagt:

    Dieser Beitrag ist echt toll, und spiegelt das Leben wieder.
    Doch wenn man sich dann die Kommentare durchliest, stellt man fest, das sich die Masse nur auf die lächerliche Problematik an der Kasse zentriert, was für mich den Rückschluß ergibt, das die meisten Menschen die Welt um sich herum gar nicht interessiert. Hauptsache ich !!! bin besser, und rege mich über den Vorder oder Hintermann auf.
    Tja, und die Welt ist leider noch nicht effizient genug für uns Menschen.

  17. Sorry, wenn ich hier Eines nicht zulasse, ist das eine Diskussion über Feminismus. Das hat mit der Glosse nun gar nichts zu tun…

  18. Martin sagt:

    Ganz schlimm sind Rolltreppen, oder besser gesagt dass Verhalten der Menschen auf einer solchen. sobald jemand auf der Rolltreppe steht, steht er. Am besten zu zweit nebeneinander. Warum auch bewegen, wenn die Rolltreppe den oft viel zu dicken Leib bewegt.

  19. happy-buddha sagt:

    Mein Artikel der Woche !!

    Kleiner Tip: Einkaufen und dabei Musik hören (per mp3Player) Göttlich, Jazz im Ohr, und dabei zuzusehen wie um einen herum, ganze Familien sich am liebsten durch die Regale boxen würden .… :-)

  20. Robert B. sagt:

    Darf ich meinen Kommentar aus dem Juni beim Shopblogger wiederholen? Wobei die Weihnachtszeit jetzt durchaus entspannter ist: Vorhin war im Supermarkt wenig los, dafür der Wei(h)nachtsmarkt bombenvoll. Mein Tipp: Geschenke vormittags, Wochenendeinkauf Samstag abends erledigen. Und die beste Kassenschlage ist die mit der hübschesten Kassiererin – auch wenn es eine Azubine ist 😉 Ich mein, ich bin doch beim Einkaufen und weder auf der Flucht noch im Bürgerkrieg.

  21. Optimierer sagt:

    Die Ineffizienz des ganzen Einkaufvorgangs nervt mich auch.

    Man sollte durchspazieren, sich dabei den Bauch vollschlagen, elegant an der nervenden Kassenmeute vorbeiflanieren :)

  22. landbewohner sagt:

    gut beobachtet. fazit: 90 % — mindestens — der bevölkerung sind sogar zu blöd um «normal» einzukaufen. da kann man sich über all den anderen schwachsinn hierzulande nicht wundern.

  23. Seraphyn sagt:

    Vergessen wurde der brutale Einkaufswagenindenrückenschubser und der Frotteur, welcher einem so in dem Rücken steht, dass man seinen Atem ( nicht Minzrein) im Nacken spürt.
    Ein Grund warum meine Frau immer vor mir steht;)
    Grüsse und schönen 4 Advent
    Chris

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