Das Kino-Jahr 2006…

… war genauso schlecht wie die Jahre zuvor. Meine Zeilen an Hollywood, im Original schon Anfang 2005 erschienen, sind zeitlos geworden. Begonnen hatte es gut, das Kinojahr 2006 — zumindest für mich. Im Februar kam gleich eines der Highlights 2006 in die Kinos: Lord of War. Nicolas Cage in einer Rolle wie für ihn geschrieben, die restlichen Schauspieler verblassen in diesem moralischen zynischen Film zu Statisten. Es befinden sich weltweit etwa 550 Millionen Schußwaffen in Umlauf. Das heißt, auf diesem Planeten hat jeder 12. Mensch eine Schußwaffe. Das führt zu der einen Frage: Wie bewaffnet man die anderen 11?

Im gleichen Monat startete — von der Kritik überschwänglich gefeiert, vom Publikum verschmäht, das Spielberg-Epos München. Langeweile pur — hätte ich nicht Geld fürs Kino bezahlt, ich wäre irgendwann zwischendrin aus dem dem selbigen gegangen. Die gleichen Worte könnten auch für Syriana stehen — einer der ganz wenigen Flops der vergangenen Jahre von Hollywood-Schönling George Clooney. Popcorn-Kino gab es Anfang März zu bewundern — Underworld: Evolution. Kate Beckinsale machte eine gute Figur — kurzweilig, wenn ich nicht sehr anspruchsvoll.

Eines der schlechtesten Remakes ever leistete sich Steve Martin mit Der rosarote Panther. Sehr schade, aber es kann halt nur einen Clouseau geben: Peter Sellers. Die Oscar-Verleihung geriet für Brokeback Mountain zum Desaster — ich konnte mit dem Schwulen-Western Western-Melodram nicht wirklich was anfangen — ich hab mich sehr darüber geärgert, nicht auf *mein* Gefühl vertraut zu haben, und dass ich mir die DVD ausgeliehen hatte. Zum Geheimtipp im März geriet Natalie Portmann mit der Comicverfilmung V wie Vendetta. Das — für mich — Hauptaugenmerk allerdings, die Kritik an einem faschistischem Überwachungsstaat wurde leider nur in Ansätzen angesprochen, viel mehr wert wurde auf die Beziehung zwischen Evey und V gelegt — schade.

Harrison Ford hatte 2006 auch seinen Auftritt, in dem müden Action-Thriller Firewall — für die Nerds dieser Welt sowieso eine Beleidigung, legen wir doch lieber den Mantel des Schweigens über diesen Film. Mit Spannung erwartet, einer der größten Entäuschungen: Basic Instinct 2. Sharon Stone ist halt auch nicht mehr die jüngste, da halfen auch nicht die angeblichen Paparazzi-Fotos in den Boulevard-Medien kurz vorher. Der April indes begann, zumindest für die Kleinen, und auch so mancher Großer schlich sich ins Kino, sehr amüsant — Ice Age 2 stand auf dem Plan. Nicht so gut wie der erste Teil, aber besser als manch anderer zweite Teil.

Fasziniert bin ich von der Final Destination-Triologie — und so musste ich mir natürlich gleich am ersten Tag Final Destination 3 anschauen. Wieder mal ein müder Aufguss, mehr nicht, und doch bin ich Fan des Todes — was der sich alles einfallen lässt — herrlich. Zu Bruce Willis’ Auftritt 2006 lässt sich das gleiche sagen wie zu Harrison Ford, schweigen wir lieber über 16 Blocks. Mit großem Werbebudget war der B-Movie Horror-Trash Hostel ausgestattet. Mehr war es dann auch nicht — Trash, Danke, kein Kommentar. Der Scientologe Tom Cruise kam mit Mission:Impossible III in die Kinos. Sicherlich nicht der schlechteste Action-Kracher, aber weiß Gott auch keiner der besseren Sorte — Popcorn-Kino ohne großes Niveau.

Weltweit mit großer Spannung erwartet, einem riesigem Werbebudget ausgestattet, wurden Tom Hanks und Jean Reno auf dem roten Teppich begleitet. Der Film indes war die größte Enttäuschung 2006 — Sakrileg — The Da Vinci Code . Lassen wir das — über Blödsinn muss man nicht viel Worte verlieren. Souverän hingegen der dritte Teil von X-Man. X-Men: Der letzte Widerstand war ebenso besseres Popcorn-Kino wie The Sentinal mit Michael Douglas und Kiefer Sutherland. Aus beiden Filmen hätte man vielleicht noch mehr rausholen können, schlecht waren sie deshalb trotzdem nicht. Über das Remake Das Omen verliere ich keine Worte, ebenso über Flug 93 — nein Danke.

Einer der erfolgreichsten Filme 2006 kam im Juli auf uns zu — Pirates Of The Caribbean: Fluch der Karibik 2. Ganz ehrlich: Auch nach der DVD weiß ich immer noch nicht, was ich von dem Film halten soll. Gut, er hat mich amüsiert, aber so grandios wie der erste Teil war er lange nicht, und doch besser, als die meisten anderen Filme 2006, und doch ein wenig enttäuschend. Ich warte da einfach mal Teil 3 ab. Weiteres Popcorn-Kino langweilte im Sommer diesen Jahres in Form von The Fast And The Furious: Tokyo Drift und Poseidon — da gähnte 3/4 der Leute im Kino.

Wie so viele Filme vor ihnen, wurden sie mit Spannung erwartet, und floppten auf ganzer Linie: Miami Vice und Superman Returns. Vielleicht habe ich da auch eine zu hohe Erwartungshaltung, aber wie kann man so einen Blödsinn den Leuten vorsetzen, ich verstehe es nicht. Schweigen tue ich ebenso über Snakes on a Plane und Crank — also so viel Schwachsinn, wie in diesem Jahr gab es selten, es wird immer schlimmer. Boykottiert habe ich Deutschland. Ein Sommermärchen — im Kino, wie auch am TV. Dieser Patriotismus-Wahnsinn hat mich einfach nur genervt, und wie wir mittlerweile wissen, hat er das rechte Gedankengut in unserem Land gefördert.

Klamauk, Blödsinn, nicht wirklich lustig — sucht Euch etwas aus — war 7 Zwerge — Der Wald ist nicht genug. Ein Film, einfach unnötig — man kann nur hoffen, dass Kollege Waalkes nicht auf die Idee kommt, uns noch mit einem dritten Teil zu beglücken. Borat habe ich wie unser Sommermärchen boykottiert — und immer, wenn man denkt, es ist vorbei, kommt von irgendwo her ein kleines Lichtlein her, oder so ähnlich. Children of Man war neben Lord of War das Kino-Highlight diesen Jahres. Für solche grandiosen Filme lohnt es sich dann doch noch, ins Kino zu gehen, und Geld der Content-Industrie in den Rachen zu schmeißen.

Die Super-Ex mit Uma Thurman habe ich mir auch im Kino angetan — wie hieß die Süße, die da neben mir saß, egal, die Erinnerung ist genauso verwischt, wie die an den Film, kann also nicht berauschend gewesen sein. Eine Woche später kam dann der neue Bond ins Kino — schon jetzt der erfolgreichste Bond aller Zeiten. Ich kann ihn noch nicht wirklich abschließend einschätzen. Aufgrund der Chronologie, James Bond 007 — Casino Royale spielt vor allen anderen Bonds, dennoch Judy Dench ist M, passt alles irgendwie nicht, und doch, hatte er was, jedenfalls mehr als die Machwerke mit Pierce Brosnan. Warten wir den nächsten Film mit Craig David ab.

Der letzte Monat des Jahres begann mit Flutsch und Weg — ein sehr feiner Animationsfilm für die ganze Familie. Den kann man bedenkenlos schauen. Um Familie in einem ganz anderen Sinn geht es in Departed: Unter Feinden. Besser als gedacht, und doch nicht wirklich gut. Zum Schluß spritzt jedenfalls jede Menge Blut, der einen zweiten Teil unmöglich macht– das ist doch auch mal positiv. Ein Wort zu Eragon: Ist mir schlecht — gut, das waren jetzt drei, aber so ein Blödsinn. Mein 10–jähriger Cousin hat inhaltliche Schwächen [sic!] zum Buch festgestellt, so wurden Sachen weggelassen, die im zweiten Teil sehr wichtig werden, aber lassen wir das — ein Stefen Fangmeier ist noch lange kein Peter Jackson. Schau m’er mal ob ich mir noch Nachts im Museum antue — aber nach den bisherigen Kritiken ist das eher unwahrscheinlich.

Ich habe dieses Jahr viel zu viel Geld für cineastischen Blödsinn ausgegeben. Ganz wenige wirkliche Highlights, viele mittelmässige Popcorn-Blockbuster und überwiegend einfach nur Müll. Ja, und auch in den Jahresbilanzen wird wieder der Raubkopierer für sinkende Umsätze verantwortlich gemacht werden — daran zu denken, dass es vielleicht die eigene schlechte Qualität sein könnte, darauf wird die Content-Industrie nicht kommen. Ein weiterer Schritt in den Untergang…

8 Antworten zu “Das Kino-Jahr 2006…”

  1. siggi sagt:

    soweit einverstanden nur fehlt da noch Inside Man der war nämlich sehr sehr gut(wenn es dieses Jahr war?).

  2. Maxx sagt:

    Inside Man war auch 2006, ja. Ich hab ihn nur auf DVD gesehen, aber dann spaeter noch mehrmals. Sehr geiler Film.

    Sowohl Casino Royale als auch Departed hab ich recht spontan im Kino gesehen und muss sagen, ich war von beiden ziemlich begeistert.

  3. Grainger sagt:

    Im Großen und Ganzen teile ich Chris Einschätzungen (von im Grunde unwichtigen Details mal abgesehen), mit einer Ausnahme:

    V wie Vendetta

    Hat mir ausgesprochen gut gefallen, natürlich kam die Kririk an einem faschistischen Überwachungsstaat etwas zu kurz, aber es handelt sich hier immerhin um die Verfilmung eines Comics.

    Und wenn ich mir die (vollkommen unpolitischen) Comic-Verfilmungen der letzten Jahre mal so ansehe (überwiegend Marvel-Comics wie Spiderman, X-Men, aber auch Sin City) dann ist V wie Vendetta im Vergleich dazu ja schon fast radikal und revolutionär (immer im Kontext einer Comic-Verfilmung betrachtet).

    Aus den James Bond-Filmen bin ich inzwischen irgendwie heraus gewachsen, ist einfach nicht mehr dasselbe.

  4. […] Nachdem F!XMBR hier ein wenig über das vergangene Kinojahr geschrieben hat, möchte ich das kommende Kinojahr beleuchtet. Ob es besser wird oder der Tendenz folgend schlechter wird sich natürlich erst in 12 Monaten sagen lassen. […]

  5. Oli sagt:

    Aus den James Bond-Filmen bin ich inzwischen irgendwie heraus gewachsen, ist einfach nicht mehr dasselbe.

    Full ack 😀

    Mitunter noch Underworld 1/2 als kurzweiliger Fantasy-Trash, 1–2 Filme die hier nicht aufgeführt sind und der Rest .. schwamm drüber 😀

  6. maloXP sagt:

    Was «Syriana» angeht, bin ich aber ganz anderer Meinung. Der war imho nämlich wichtig und super. Ansonsten: «Lord of War» war klasse, obwohl die Kritiken eher durchwachsen waren. «V wie Vendetta» auch, Stay wegen der Bilder. Inside Man, weil Spike Lee ‘ne Bank ist. Mein Geheimtip aus 2006 ist der koreanische «A Tale of two Sisters». Verwirrend und groß, beinahe ein Lynch-Film.

  7. Oli sagt:

    Syriana — wichtig? Gefallen … ja, darf ja jeder wie er will. Aber wichtig ist nur der gesunde Menschenverstand und da brauchts mehr als ein paar Bilder und einen Film, um das alles auch nur ansatzweise zu vermitteln.
    Weil würde der Film langen, um das zu vermitteln — hätte ich wirklich Angst, was der nächstbeste Film eventuell den Zuschauern vermittelt.

  8. Grainger sagt:

    Departed: Unter Feinden werde ich mir vielleicht noch ansehen, alleine schon wegen Jack Nicholson.

    Obwohl das durch die Mitwirkung von Di Caprio fast wieder negiert wird (ich kann den Typ einfach nicht ausstehen).

    Dafür stehe ich Matt Dillon eher neutral gegenüber, mag aber auf der anderen Seite Remakes nicht so besonders (und das Original steht bei mir sowieso im DVD-Regal).

    Alles ion allem bin ich noch unschlüssig. 😀

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