das interessiert die Welt

Haßfigur Gates, der oft für die Dummheit der Massen als Prügelknabe herhalten muß, wurde abgelöst und zwar im monetären Sinn. Reichster nun weltweit ist ein Mexikaner, der das Vermögen auf eine Person vereint, das seinem duch massive Armut gebeutelten Mitbürgern so dringend fehlt. Na danke …

9 Antworten zu “das interessiert die Welt”

  1. Andreas sagt:

    Ich weiß nicht, ob es *so* dumm ist, auf Bill Gates einzuhauen. Der Einfluss, welchem MS in den USA durchaus hat ist zum Teil beängstigend. Und was in Entwicklungsländern nicht durch den Konzern erreicht werden kann, wird ohne Probleme durch die eigene Stiftung durchgeboxt. TRIPS-Abkommen lässt grüßen. Überstandenes Monopolverfahren mit abgewendeter Zerschlagung ebenso (meines Wissens nach ein Unikum in den USA).

    Zudem sollte es einem grundsätzlich immer zu denken geben, wenn sich eine einzelne Person gegenüber anderen (Konkurrenten und auch dem eigenen Umfeld) so deutlich(!) durchsetzt. Und wo viel Geld (==Macht) ist sammeln sich bekanntlich auch nicht immer die nettesten Zeitgenossen.

    Ich persönlich finde es also nicht gerade dumm, einen Bill Gates ebenso kritisch zu betrachten wie einen Carlos Slim. Die dumme Masse springt zwar gerne auf einen Prügelknaben-Zug auf. Der generelle Umkehrschluss, dass ein Massenprügelknabe es nicht verdient hat auf die Finger zu bekommen, ist IMHO aber falsch.

  2. Sammy sagt:

    Man merkt aber auch deutlich, dass es sich oft um reines Neid-Bashing handelt. Einerseits wird natürlich auf den bösen mächtigen draufgehauen und danach mit Freude behauptet, wenn ich auch soviel Geld hätte, würde ich mir frohen Mutes 100 Ferrari kaufen.

  3. Andreas sagt:

    @Sammy: Das ist klar. Aber was willst du auch ernsthaft von «ich würde mir 100 Ferraris kaufen»-Typen erwarten? Wenn jemand solche Sprüche klopft ist die Kritik an den oberen 10.000 wohl auf ähnlich hohem Niveau. Alles andere von solchen Personen aber auch, daher ist es ggf. auch nicht gut, *solche* Exemplare als Argument für grundsätzliche Zweifel an einer Gates-Kritik ins Felde zu führen.

    Moralische Regenwürmer gibt es auf jeder Ebene. Ich unterscheide da grundsätzlich nicht zwischen arm und reich und arm=gut Getue kann ich auch nicht ab. Nur ist es eben manchmal so, dass sich die skrupellosesten Zeitgenossen oft an die Spitze einer Struktur beißen.

    Und wer mehr Macht/Geld hat, hat eben auch mehr Verantwortung und steht IMHO daher zurecht im Fokus. «Eigentum verpflichtet» trifft es da doch ganz gut… und ich bin mir nicht gerade sicher, ob ein Bill Gates der seinem Vermögen nach extrem großen Verantwortung wirklich nachkommt. Irgendwie hat bei diesem Mann immer alles eine nicht zu verachtende marode Stelle, sobald man ein wenig am Glanzlack kratzt.

  4. Oliver sagt:

    >Und wer mehr Macht/Geld hat, hat eben auch mehr Verantwortung

    Nein ganz und gar nicht, diese Erwartungshaltung verleitet nur allzu schnell zu der Annahme die müssen was machen, ich arme Sau nicht. Wenn die arme Sau sich da raushalten möchte, soll sich auch nicht wundern, wenn die oberen 10.000 komplett die Macht an sich reißen. Einfache Sache, das alles geht jedermann gleichermaßen etwas an.

    Komme ich meiner Verantwortung als *Mensch* nach, kommst du deiner nach? Oder kümmern «wir» uns nur um unseren eigenen kram, treten nach den Großen und lassen die gewaltige Masse der Kleinen Mist veranstalten? Letzteres ist Programm, all die kleinen sind eine gewaltige Masse, eine Masse aber die zu träge ist sich auf die andere Seite zu drehen. Man sucht lieber immer den Universalsündenbock.

    Bill Gates ist reich, weil die *Masse der Kleinen* ihn reich gemacht hat.

  5. Andreas sagt:

    @Oliver: Ich *persönlich* stelle da keinen Kausalzusammenhang zu meiner moralischen Verpflichtung her — ein verbrecherischer Machtsack entbindet mich keinesfalls von meiner Verpflichtung im Kleinen. Genauso wenig wich ich erwarten kann, dass ein ranghohes Rudelmitglied der Oma von nebenan hilft, denn das ist *meine* Aufgabe.

    Meine Alltagserfahrung stellt aber folgende dar: Reiche und Mächtige werden *nie* gebasht, höchstens am Stammtisch und in Foren. Kommt aber wirklich so einer wird ihm der rote Teppich ausgerollt und der Mob steht fähnchenschwänkend daneben. Ich jedenfalls mache immer die Erfahrung: Je fetter der Arsch, desto tiefer wird reingekrochen wenn es *wirklich* darauf ankommt.

    Und da die reichsten eben den dicksten Hintern haben 😉 gebührt ihnen eben mehr Aufmerksamkeit — sie können viel kaputt machen. Eine Atombombe wird auch besser bewacht als die Pistole in der Schreibtischschublade.

    Wer sich aber über «die müssen was machen, ich arme Sau nicht» seiner eigenen Verantwortung herauswindet ist IMHO aber genau das Klientel besagter Arschkriecher die nur darauf warten, «nach unten» zu treten.

    Wenn also Reiche deiner Meinung nach nicht als Argument angeführt werden dürfen ob der Gefahr, das sich der kleine Mann seiner Verantwortung entsagt, dann darf man eben diesen kleinen Mann auch nicht umgekehrt verwenden. Denn die Realität ist grausam und der Schluss zu «kuckt doch eh keine Sau, warum also mich?» ist wäre dann ja auch nicht weit und IMHO ebenso berechtigt… ne Entschuldigung findet sich nämlich immer.

  6. Andreas sagt:

    argh…
    kuckt doch eh keine Sau, warum also mich??
    sollte
    juckt doch eh keine Sau, warum also mich?? heißen…

  7. Oliver sagt:

    Bei Bill Gates kommt doch ein gewaltiger Punkt ins Spiel, der Hass auf Microsoft. Ich mag da schon gar nicht mehr bashen, tat es vor Jahren noch weitaus gewaltiger. Und warum mag ich nicht mehr? Nun weil heute nahezu alle bashen, aus Tradition heraus — sie kennen es gar nicht anders, erlebten es noch nicht einmal — aber die Masse machts, also mache ich mit. Deshalb fahre ich auch zurück, denn zuleicht wird echte Kritik dann nur noch als Geflame angesehen. Und darauf habe ich echt kein Interesse.

    Mit Win 3.x begann bzw. DOS und fühlte mich darunter nie glücklich. Aber der Microsoft-Hass war damals noch gar nicht ausgeprägt, eher gings da z.B. manchmal gegen die hochnoblen Mac-User. Später kam NT und ich sattelte sofort um, daneben mußte auch Linux dran glauben. Die DOS-Aufsätze 95/98 nutzte ich nur für Spiel, ich fand sie tatsächlich grausam. Ober dieser Ausätze aber bildete sich der «Hass» auf Gates und Microsoft. Nicht ob NT, NT4 z.B. war ein klasse System und W2k machte es nicht wirklich schlechter.

    Das Multimedia-Gedöns in XP riß zwar ein paarmal aus, aber ehrlicherweise mußte man auch sagen, Bluescreen waren nur noch selten zu sehen. Bei Vista ist es nicht viel anders. Problem aber die Spielkinder, da wird am System rumgefrickelt, da werden Teile deaktviert, Beta-Treiber installiert, übertacktet, billige Hardware genutzt, identische Software doppelt und dreifach installiert (Firewalls(!) u. Virenscanner) etc. Reißt dann das System aus, geht das Gezetere los, Microsoft ist shayze, Bill Gates ist ein Arsch.

    Klar hat Windos Probleme mehr oder weniger großer Natur, aber das meißte was da draußen pauschal gejammert wird ist eben halt ob des eigenen Verschuldens.

    Okay man kann auch sagen Windows/MacOS «verblöden». Man kann bei dauerhafter Nutzung irgendwann wohl kaum noch ernsthafte Probleme lösen. Aber da haben wir auch die KDE/Gnome Klicker unter Linux, die bringens auch nicht in der Praxis und dort flicke ich ebenso hinterher wie bei Windows.

    Nur dort sagt man die Distro ist Müll, bei Windows konzentriert sich alles auf eine Person und eben das ist mir zuwider. Vor allem die Tradition dabei, der Herdentrieb.

    Deswegen mußte ich hier auch ein wenig länger ausholen, um meinen Standpunkt zu erklären. Was macht Gates in der Praxis? Nun er hat eine gigantische Firma, die wie jeder andere Konzern erst einmal von den Großaktionären beherrscht wird. Er hat viel viel Geld, gibt davon viel viel Geld wiederum für wohltätige Zwecke ab, mehr als mancher Staat und er hält recht fantasievolle Reden über die Zukunft, die — dort angekommen — meist zu einem netten Lächeln gereichen … weil leider so manches Mal daneben.

    Gut Microsoft hat Einfluß, ebenso wie Google, Yahoo, IBM usw. Was machen diese Firmen? Geld verdienen, sie schaffen keine Arbeitsplätze, sie sind nicht sozial, alleiniges Ziel ist die Gewinnmaximierung — alles andere ist die Hoffnung des kleinen Mannes, eine naive Hoffnung.

    Find ich das gut? Definitiv nein, wie man hier auch auf dem Blog permanent nachlesen kann. Ist Gates Darth Vader? Nein er ist ein normaler Mensch an der Spitze eines großen Konzerns. Muß ich ihn deswegen hassen? Nein, warum auch. Ich hasse die Gesellschaft, die mitspielt und erst derlei Dinge ermöglicht und danach den Sündenbock sucht. Kritik immer gerne, da gibts genügend Dinge, aber die pauschale Klamotte vom evil empire gereicht bei mir allenfalls nur noch zu einem Joke nebenbei — zuoft wurde die Sau schon durchs Dorf getrieben — FUD halt. Bei anderen Firmen die offensichtlich derart handeln, juckts meist weniger, weil die haben nicht diesen Ruf.

  8. Andreas sagt:

    Na dann: ich denke wir sind dann doch recht ähnlicher Ansicht?!
    Ggf. mit dem Unterschied, dass du als älterer Zeitgenosse eben schon besser fähig bist einen gewissen Grad an Wiederholung besser zu erkennen als ich.

    Läuft es schlicht auf ein «Wenn deine Schrift dem Kenner nicht gefällt, so ist es schon ein böses Zeichen; doch wenn sie gar des Narren Lob erhält, so ist es Zeit, sie auszustreichen.» heraus? 😉

  9. Oliver sagt:

    Ich versuche nur zwischen all dem Gebashe ein wenig zu differenzieren, Dinge von mehreren Seiten zu beleuchten.

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