Das Happening «Freiheit statt Angst»

Die Demonstration Freiheit statt Angst gestern war offensichtlich ein großer Erfolg. Dank derer, die um der Sache wegen mitgegangen sind. Wenn man sich aber auf offiziellen Seiten umschaut, dann merkt man, dass es manchen sogenannten Machern kaum noch um den Abbau der Bürgerrechte geht, sondern immer mehr um sich selbst, das Happening, das Feiern. Die Demonstration ist nicht mehr existentieller Kampf um die Bürgerrechte, sondern Anlass um zusammenzukommen und Party zu machen. Diese Entwicklung stimmt bedenklich — war aber dank der bekannten Sprachrohre zu erwarten. Ein großes Danke also an die, die gestern der Sache wegen mitgegangen sind. Es ist Euer Erfolg. Das Wort zum Sonntag überlasse ich dann Lanu. :)

Macht «Freiheit statt Angst» bitte nicht zur nächsten «Love Parade». Die Tendenz ist leider erkennbar und sollte nicht weiter verfolgt werden.

, , , ,

9 Antworten zu “Das Happening «Freiheit statt Angst»”

  1. Oliver sagt:

    Eine oberflächliche Polarisierung wie sie auch zu Teilen auf telepolis gewirkt wird. Könnte aufgehen, würde man dieser Inhalt folgen lassen. Aber außer Organisieren und Trommeln geschieht nicht viel. Da gibt es ja eine paar kompetente Leute, nur wirken diese leider im Hintergrund und überlassen das Feld jenen die am lautesten brüllen, leider ohne gleichzeitig einhergehene Kompetenz. Letztendlich sollte man sich auch darüber im klaren sein, wen man ansprechen möchte. Inet-Junkies, Technophile mehr oder weniger jüngeren Semesters ist das eine, die fehlende Majorität der Bevölkerung eine andere Sache. Überwachung ist schon seit dem großen Lauschangriff von anno 98 eine feste Komponente in diesem Land, Tendenz gerade im Mobilfunk-Sektor jährlich steigend.

    Habe mich gerade auch bezüglich dieser Motte dort aufklären lassen. Man würde vice versa wohl einen ähnlichen Effekt mit den Wildecker Herzbuben als Redner erreichen. Eigendynamik erlangt man damit nicht, nur noch mehr Polarisierung.

  2. Timo sagt:

    Weise Worte!
    Demokratie findet nur dort statt, wo sie gelebt wird!

    Ich würde es auch sehr bergüßen, kämen wir unserem Genörgel auch nur annähernd in punkto Taten nach!

  3. aloa5 sagt:

    @1 Es erscheint mir «normal», das bei derartigen Bewegungen diejenigen im Vordergrund stehen welche Du als «am lautesten» bezeichnest. Es sind dies die Aktivisten — diejenigen welche oftmals (in der Tat) auch am aktivsten sind. Politisch ist der Sprung von einer Aktivisten-Bewegung zu einer welche auch von Kompetenz leben kann daher der schwierige. Und wie man anhand der Grünen sieht auch inhaltlich nicht ganz ohne.

    ALOA

  4. Nikosch sagt:

    Das lese ich jetzt schon zum zweiten Mal heute (Der Link zu «Heul nicht» klärt das aber). Meinen Kommentar habe ich dort schon abgesetzt.

    Ich weiß nicht, was ihr für Probleme damit habt, wenn die Veranstalter von einem Erfolg sprechen.
    Und Motte war ein Schuß in den Ofen, der sich mit seinem Redebeitrag selbst disqualifiziert hat. Jeder halbwegs kritische Mensch wird das erkannt haben und daran nicht die Demo bewerten.

    Btw: Der Comic oben trifft natürlich auch nicht den Kern. Hättest Du statt dem bunten Treiben zuzusehen mal den Redebeiträgen zugehört, hättest Du das auch erkannt — es geht um die _fremdbestimmte_ Datenerfassung und Überwachung _gegen unseren Willen_.

  5. Oliver sagt:

    Und was kommt nach den Happenings? Klärst _du_ auf, hilfst _du_ den Leuten weiter, organisierst _du_ du dich in Bürgerrechtsorganisationen und kämpfst für eine Freheit, die nicht nur das Fragment Internet betrifft? Wir schon und das seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten. Wenn _du_ auch einen Teil dieser Dinge bejahen kannst, dann ist auch ein Teil der Frage beantwortet. Hättest du einen Iota der Materie verstanden, wüßtest du, daß es um humanistische Werte geht und das der zunehmende Abbau der Privtasphäre, die fortwährende Veräußerung von Freiheiten auch nur Fragmente im großn Ganzen darstellen. Hätte einer der Initiatoren dies begriffen, so hätten wir definitiv nicht ein tendenziell erstarkendes Happening geschaut. Spätestens seit dem großen Lauschangriff kann man nicht mehr trennen und muß die verlustig gehenden menscblichen Werte betrachten. Freiheit ist ni ht nur ein Metier der Netzjunkies, Filesharer und Hacker. Freiheit geht alle an und muß auch alle ansprechen, mittels des gesamten Spektrums. Dazu gehört auch die fortschreitende personelle Transparenz und verlustig gehende Menschenwürde, ebenso wie die stetig ansteigende überwachung des Mobilfunks seit 98, dazu gehören die Praktiken der Agenda 2010, sowie der generelle Umgang mit Minderheiten, als auch insbesondere mit Menschenrechten. Wie lautete eines der Schlagworte nochmal? Freiheit? Und wie lautete deine Frage sogleich? Und wenn du mir etwas neues bezüglich Demos erzählen willst, dann schau in ca. 20 Jahren nochmals vorbei, wenn _du_ genügend davon erfahren hast. Dann dürftest _du_ auch unsere Kritik an _Teilen_ der Veranstaltung verstehen.

  6. SwA sagt:

    Lieber Oliver,

    das Demonstrationen zu Happenings «verkommen» ist keine neue Entwicklung. Im Gegenteil, das war schon immer so. Frag doch mal einige Zeitzeugen der 68er Bewegung, die werden dir das bestätigen. Und war die Bewegung deswegen weniger erfolgreich?

    Es stellt sich mir auch die Frage, ob das nun etwas negatives ist. Warum sollten denn Demos nicht zu Happenings werden? Es geht doch um die Sache, nicht um die Befindlichkeiten der Demonstranten. Die Demo war doch ein Erfolg, wieso muss man denn das Ganze so schlecht reden? Solange man das Ziel nicht aus den Augen verliert, kann man sich das Ganze doch auch angenehm machen. Wo liegt das Problem?

  7. Oliver sagt:

    >Frag doch mal einige Zeitzeugen der 68er Bewegung, die werden dir das bestätigen. Und war die Bewegung deswegen weniger erfolgreich?

    Kann ich dir als Historiker mit dienen, der einen äußerst ausgeprägten linken Habitus pflegt: sie war keineswegs erfolgreich, da kein Momentum innerhalb des Volks erlangt wurde. Darüber hinaus waren die 68er eine stark politisierte Gruppe, die mit Happening kaum etwas gemein hatte. Du verwechselst das wohl gerade mit der Hippie-Bewegung,die Bewegungen hier in Europa waren da völlig anders gestrickt. Man vergallopierte sich allerdings auf andere Art und Weise — zu intellektuell — und nahm zuviele Trittbrettfahrer auf, die diese Szene nur als Sprungbrett für eigene Ziele nutzen.

    >Wo liegt das Problem?

    Wo ist der Inhalt? Die Demo war ein Erfolg weil ein paar Leute da waren? Demos sind dann erfolgreich, wenn sie Momentum im Volk erlangen und Breitenwirkung erzielen. Gut Ding will Weile haben usw. sicherlich, Manöverkritik ist jedoch immer angebracht und wer damit nicht umgehen kann, hat sicherlich auch nicht viel mit den vorgestellten Transparenten gemein. Ich habe die Mailinglisten im Abo, ich bin Mitglied beim CCC und bei der HU und unterstütze somit indirekt auch diese Dinge. Die Zirkel sind die gleichen wie zuvor, mehr Aktive schaut man kaum, allenfalls mehr Marktschreier, die die Leute anfixen und danach im Regen stehen lassen oder jene die sich einfach nur profilieren möchten.

    Demos sind wichtig und gut, sofern man das Ziel vor Augen hat und die Inhalte verinnerlicht hat. Folgt jedoch auf das Anfixen wiederholt kaum Inhalt, war das Anfixen wertlos.

    Informiere dich über die Dimensionen der 68er, APO, ja selbst noch die Demos gegen den Bundeszensus in den 80ern — vergleiche mit heute. Überlege was erreicht wurde, denke über Notstandsgesetze etc. pp nach, Dinge auf welche heutige Gesetze gründen, schau dir die Sache heute an, vergleiche, geh beschämt weiter.

    Betrachte alleine nur das Web, im Reallife — mal abgesehen von Demos — passiert ohnehin so gut wie nichts, betrachte den in virtuellen Gefilden gewirkten Aktionismus. Es sind äußerst spärliche Angebote, mit verhältnismäßig wenig Ressonanz. Das Gros der überhaupt Interessierten erkauft sich mit einem Stasi2.0 Button die Absolution, der Rest meint mal heise zu verlinken und von SSchäuble zu schwafeln oder Mielke 2.0, bla 3.0 und gut ist. Das ist die Leere auf die der Interessierte nach der Demo trifft und natürlich warme Worte einiger Aktionisten — da kommt noch mehr. Schau dich um was wir hier beispielsweise tagtäglich tun, aktive Hilfen, Aufrufe, Infos bezüglich staatlicher Einschränken, das Weitertragen diverser Infos damit Breitenwirkung — zumindest im Web — erlangt wird etc. pp.

    Eine Demo ist _keine_ Absolution für die das Jahr über gewirkte Tristesse der Aktionisten! Wenn man also Breitenwirkung erlangen möchte, muß man _alle_ ansprechen, das _Volk_, nicht nur die Jugend und einige jung gebliebene. Man muß humanistische Werte wirken, trennen nach VDS und primär Netz nützt nicht mehr viel, es muß auch verstärkt oder gar primär auf den Alltag abseits des Netzes eingegangen werden. Man muß auch die Fallstricke beleuchten, welche die normalen Menschen, nicht nur «Risiko-Gruppen» wie unsereiner, betreffen. Man muß nach dem allgemeinen Anfixen Informationen bündeln, die von allen verstanden werden können, nicht nur von Technophilen, Netz-Junkies et. al. auch der DAU oder der Technophobe muß mit einbezogen werden. Und nein das geschieht nicht, die Vorurteile die gegenüber «diesen seltsamen» Leuten bestehen, sind größtenteils selbst verschuldet. Damals der intellektuelle Habitus, heute die gewirkte Netz-/Technik-Arroganz.

    Aber ich denke eine derart breit gefächerte Antwort wolltest du gar nicht haben, irgendeine Phrase wäre wohl adäquater gewesen.

  8. aloa5 sagt:

    @Oliver
    >Demos sind dann erfolgreich, wenn sie Momentum im Volk erlangen und Breitenwirkung erzielen.<

    Das halte ich für einen nur bedingt richtigen Ansatz. Imho gab es noch nirgends (und nie) eine Start-Up-Demo welche ein derartiges Moment gehabt hätte.

    Demos sind gerade in einer Anfangsphase in der Hauptsache dazu da um die Personen und Gruppen untereinander zu vernetzen, neue Anhänger zu finden. Dies um am Ende das zu erreichen wovon Du sprichst — das erreichen der Öffentlichkeit.
    Bist Du wirklich der Ansicht diese wird durch eine «große» Demo angesprochen? Ist nicht eher eine derartige (veritable) Demonstration erst die *Folge* einer schon erreichten Öffentlichkeit?

    Was die Berliner Demo angeht sehe ich es in diesem Kontext somit (ganz leicht) anders. Dort haben sich ein paar Power-Datenschützer versammelt welchen es zwar gelungen ist über solche durchaus erfolgreichen Demonstrationen weitere Power-Datenschützer zu gewinnen. Jedoch fehlt zu einer Bewegung der breiteren Masse die Themen-Vernetzung. Wie Du richtig ausführst sind es noch wahrlich «seltsame Leute» — mit einem noch seltsameren Themengebiet ohne Zusammenhang mit dem «richtigen Leben». Hier fehlt der große Kontext. Der mag nicht viel mit dem eigentlichen Fokus zu tun haben — jedoch sorgt ein Überbau dafür, das «man» es versteht.

    Grüße
    ALOA

  9. Oliver sagt:

    ich formulierte das Ziel, welchem man sich stetig nähern muß. Und da man bei derlei Thematiken ohnehin auf mehr Gegenwehr denn Support stößt ist Manöverkritik und eine fortwährende Anpassung an den Kontext unumgänglich. Drifte ich jedoch ab, mehr zu einem profanen Happening, dann erreiche ich zwar viell. ein Plus an Leuten die primär ob des Gaudis antraben — entferne mich jedoch weiterhin von dem Ziel diverse Teile der Bevölkerun nachhaltig zu aktivieren.

RSS-Feed abonnieren