Das gulli:board und die juristischen Probleme

Schon lange wurde hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, nun hat es das gulli:board in einem ersten Schritt erwischt. Die sogenannte Audiobörse, in der offensichtlich urheberrechtlich geschützte Musik jeden Genres per Downloadlink, meist  über Rapidshare, von den anonymen Usern verteilt wurde, musste temporär, wie die Boardführung behauptet, geschlossen werden. Korrupt, seines Zeichens verantwortlicher Administrator, teilte der Userschaft in knappen Worten mit:

g:b

Da kann man sich natürlich die Frage stellen, warum erst jetzt und warum nur die Audiobörse. Ich war immer der Meinung, dass das gulli:team mit der sogenannten Börse zu sorgenfrei umgegangen ist — meiner Meinung nach würde es keine 3 Klicks dauern, und am gesunden Menschenverstand gemessen, wäre die positive Kenntnis des Teams über das Treiben in der Börse nachgewiesen. Aber da bin ich nur juristischer Laie — vielleicht reicht dies ja doch noch nicht aus, um gegen das Treiben in der Börse vorzugehen. Wer ein wenig Ahnung von Boardtechnik hat, ahnt vielleicht worauf ich — nicht nur — hinaus will, aktueller Screenshot:

g:b

Wenn man mal ein wenig weiter denkt, dass eben nur der Audiobereich betroffen ist und nicht der restliche Bereich, kann man durchaus Vermutungen anstellen. Die GEMA macht sich gerade nicht gerade beliebt bei dem Klientel des gulli:boardes — geht sie doch mit aller Macht gegen Rapidshare vor. Sicherlich hat das gulli:board auch nicht wenige Freunde im Hause der GVU — es wird sicherlich bald an den bekannten Stellen dazu etwas zu lesen geben. Meine Vermutung behalte ich für mich. 😛

Die regelmäßigen Leser wissen, wie kritisch ich, wir zu dem Treiben der Contentindustrie stehen. Eine Industrie zerstört sich da gerade selbst — und doch muss darauf hingewiesen werden, dass die Medaille zwei Seiten hat. Die Industrie kann in manchen Dingen schon gar nicht mehr anders reagieren, wie sie reagiert — weil die andere Seite eine Unverfrorenheit, eine Dreistigkeit an den Tag legt, massives sogenanntes Filesharing betreibt, dass beide Seiten der Kultur, dem normalen Usern, dem Miteinander schaden. Beide Seiten. Als eindringlicher Lesetipp sei hier folgender Artikel empfohlen: Ganz heißes Eisen.

Man stelle sich nur mal vor, aus diesen juristischen Problemen entwickelt sich ein Prozess, bei dem die Haftung für Forenbetreiber stärker eingeschränkt wird, als es bisher sowieso schon der Fall ist. Ich behaupte mal, ein Bärendienst, den das gulli:board da anderen Internet-Nutzern erweist. Auch im Hinblick auf das sogenannte Web 2.0, dem Mitmachweb ist dies nicht zu unterschätzen, inwieweit der Seitenbetreiber generell für Inhalte seiner User haftet. Ich habe und werde immer dafür plädieren, dass, wenn Probleme auftauchen, eine kostenfreie Abmahnung im ersten Schritt angemessen ist — zumindest, wenn es sich um eine nicht kommerzielle Webseite handelt.

Doch wenn man sieht, wie sehr augenscheinlich die derzeitige Rechtslage auf dem gulli:board ausgenutzt wird, in der Grauzone gelebt wird, dann kann man durchaus die Gegenseite verstehen, die sagt, das nützt und hilft nichts, wir müssen unsere Rechte wahren — was immer da auch heißen mag. Knapp 600.000 User tummeln sich laut offiziellen Angaben im gulli:board, gut 800.000 Themen sind im gesamten Forum zu finden. Prozentual gerechnet finden sich satte 24% aller Themen und Beiträge im problematischen Bereich, in der Börse. Da ist es nun wirklich kein Wunder, wenn versucht wird, dagegen vorzugehen. Man muss vermuten, wenn es hart auf hart kommt, mit Erfolg. Das gulli:team kennt das Risiko — nur sollte man da auch die Forenhaftung generell und das Mitmachweb im Hinterkopf behalten.

Natürlich wird auf dem gulli:board selbst auch fleißig diskutiert. Wer sich schon mal tiefer in die Heise-Foren gewagt hat, weiß was ihn erwartet — also los, Indianer kennen keinen Schmerz. *g* Da wird empfohlen, das Board nach Bolivien, nach Südafrika zu verlegen — den Angstschweiß der User kann man förmlich riechen, IP, was ist mit meiner IP, und auch der Administrator Korrupt diskutiert mit — zumindest gibt er wiederholt den Hinweis, dass es nur ein temporäres Problem sei. Wenn man sich den Thread so anschaut — glaubt wer wirklich noch an die Unkenntnis des gulli:teams? 😉

Man kann wirklich nur hoffen, dass das alles irgendwie eine gute Wendung nimmt — landet die Sache irgendwann mal vor einem Gericht, so hat das Folgen für alle Foren da draußen (und die können sich im Regelfall mal eben nicht einen Sitz im Ausland leisten) sowie für das Mitmachweb, Stichwort Störerhaftung. Wenn Gesetze massiv ausgenutzt werden, muss man sich nicht wundern, wenn diese Löcher irgendwann gestopft oder auch per Gesetzestext präzisiert werden. Und bevor irgendwer in den Kommentaren aufschreit, bitte einfach mal 2 Sekunden darüber nachdenken, ob die Userschaft des gulli:boardes, das gulli:board selbst, weil es die Möglichkeit bietet, nicht doch der Kultur, dem Miteinander massiv schadet und durch die rechtliche Gefahr, die offensichtlich besteht, eine Gefahr für Forenbetreiber, Webseitenbetreiber allgemein darstellt. Ich habe es vor einiger Zeit mal bildlich dargestellt: Da laufen zwei Elefanten aufeinander zu — und mittendrin der normale Webseitenbetreiber. Tja, da war er platt…

Screenshots: F!XMBR

19 Antworten zu “Das gulli:board und die juristischen Probleme”

  1. Oliver sagt:

    Tja … kalkulierte Kolateralschäden fürs Netz.

  2. Wäre das nicht ein Superzeitpunkt für eine Verschwörungstheorie?

  3. Chris sagt:

    Blödsinn, die Fakten sprechen für sich…

  4. Juzam sagt:

    Ich glaube nicht, dass das «kalkuliert» ist. Dass das dem Web schaden könnte, darüber macht sich da sicherlich Keiner Gedanken.
    Aber meint ihr wirklich, dass die sich mit: «Die Admins wussten nix davon» aus der Affäre ziehen wollen? Das ist doch unglaublich unglaubwürdig!?

  5. Flo sagt:

    Allen Unstimmigkeiten zwischen euch und Korrupt, bzw dem g:b generell zum Trotz finde ich es ziemliches Kindergartenniveau, tinyurl als Weiterleitung zu Korrupts Blog zu benutzen. Sorry, aber da wird es dann aus meiner Sicht wieder einmal albern.

    Dann verlink halt auf sein Profil im Board, wenn Du schon keinerlei «Ranking-Unterstützung» für sein legales Blog mit teils tiefgründigen und Probleme anprangernden Artikeln haben willst, oder benutz nofollow, was allerdings ziemlich genauso kindisch ist.
    Korrupt schreibt ja nicht nur dort, sondern auch in den g:b-News im gleichen Stil und stellt einen niveauvollen Gegenpol zur einseitigen Medienberichterstattung dar. Was Du da allerdings machst, das ist aus meiner Sicht insofern verwerflich, als daß Du ihn als schlechten Mensch darstellst, nur weil er für einen Deiner/eurer Feinde arbeitet. Albern, albern. So quasi, hauptsache dem auch noch eine reingedrückt.

    Tinyurl ist was für Zeugs, das man nun wirklich nicht unterstützen kann, weil man es aus moralisch tiefst verwurzelten Gründen absolut ablehnt; vom ursprünglichen Gedanken der URL-Abkürzung mal abgesehen. Hier aber einen auf quasi Saubermann zu machen — ohne Dir/euch damit illegale Aktivitäten unterstellen zu wollen — das finde ich peinlich.

  6. chriss sagt:

    wollen würden die admins das ganz gerne. aber schaffen?

    spätestens mit dem thread hat rupsel als admin endgültig zugegeben auch offiziell vom vorhandensein der boerse gewusst zu haben.

  7. Oliver sagt:

    Mein lieber Flo, Feinde, Hass oder sonstiges zu unterstellen ist infantiles Niveau deinerseits. Da ich Korrupt recht lange kenne und ihn ein paar Jahre begleitete halte ich mich auch insofern heraus, wenn es sich um seine Person dreht. Allerdings hat Chris wiederum auch seine Erfahrungen und denen mag ich nicht widersprechen, noch können das Leute beurteilen die gerade mal nur Board und Blog abklappern. Und das G:b, nun man muß wahrlich kein Klosterbruder sein, um zu sehen das dort etwas in den letzten Jahren falsch lief und läuft. Ich würde jetzt ja gerne den Nuhr, Dieter zitieren, aber ich kann den Kerl nicht ausstehen, aber ich denke es wird auch so klar.

  8. Chris sagt:

    Tinyurl ist was für Zeugs, das man nun wirklich nicht unterstützen kann, weil man es aus moralisch tiefst verwurzelten Gründen absolut ablehnt

    Exakt — da sind wir ja einer Meinung… :)

  9. chriss sagt:

    ich mag tinyurl gar nicht.
    weil man nicht sieht wo der link endet (wenn man mit der maus kurz drauf ist)

    :p

  10. Chris sagt:

    Wen interessiert das? Dann klicke doch einfach nicht drauf oder installiere ein Plugin mit Preview-Funktion…

  11. Chris sagt:

    Kommentar gelöscht. Wir sind hier nicht im gulli:kindergarten. Wenn ich im ersten Absatz den selben Blodsinn wie den von Flo, über den ich mich oben schon lustig gemacht habe, lesen muss, dann schüttel ich mit dem Kopf.

    Wenn im zweiten Absatz behauptet wird, das Team wisse auf dem g:b von nichts, dann lache ich kurz und lese den Blödsinn nicht mehr weiter…

  12. Oliver sagt:

    Na sicher ist das unsere Plattform und stell dir mal vor, sogar Rechte haben bei uns kein Sprachrecht. Aber man hat immer gut reden, solange sich das Aufkommen von *Dummheit* auf dem eigenen Webangebot dank minimaler Hits in akzeptablen Grenzen hält. Die Naivität vieler User dort spricht für sich. Und hier setzt eigentlich nur das Niveau die Grenze und mal ehrlich, wenn man statt bashen auch eventuell das Hirn einschaltet wird man bemerken das kontroverse Kommentare auch hier immer vorhanden sind, selbst bis an die Grenze von Dummheit. Aber irgendwann ist dann auch mal schluß und initialen crap supporten wir eben nicht und dieser kommt halt immer aus der gleichen Ecke, wenn die obige Theamtik angesprochen wird. Der Jäger und Sammler ohne Stoff ist ein gefährliches und unberechenbares «Biest». Ne das ist nichts mit Moralaposteln, da ist einfach ein *wenig* Vernunft im Spiel.

    Aber was solls, nach uns die Sinflut. Die «Kinderchen» wollen halt ebenso mal auf die Schnauze fliegen. Warum das aber gerade hier sein muß verstehe ich beim besten Willen nicht. Wenn mir natürlich ohnehin alles egal ist und ich mein Hirn an der nächstbesten Theke abgegeben habe, dann natürlich kann ich auch die omnipotente Redefreiheit bereitstellen mit allen Risiken und Nebenwirkungen für die eigene Person. Kurzum ich betrachte den Einwurf der Zensur als naiv oder profan selten dämlich. Tut mir leid, aber Erfahrung macht klug :)

  13. stand sagt:

    Eure Bedenken mögen aus Eurer Sicht richtig sein, aber vieleicht solltet ihr einfach mal darüber nachdenken welche Sichtweise die Gullibetreiber zu Rechteverwertern haben.

    Eine Börse mit diesem Umfang bewegt sich meiner Meinung nach bewusst im grauen Bereich, einfach aus der Ablehnung eben jener Kriminalisierung von Filesharing.

    Aus Sicht des Gulliboards ist das Problem eben nicht deren Börse sondern GVU und Co. Wenn Gesetze verändert werden die zum Nachteil von Boardbetreibern dienen, sollte die Kritik nicht an die Boards gerichtet werden sondern an eben jene Organisationen die selbige Gesetze entwerfen bzw. durch Lobbyarbeit durchsetzen.

  14. Oliver sagt:

    Also a la Robin Hood, die Guten Vs die Bösen? Ich glaube wir wissen noch recht gut was der Tausch früher unter Freunden bedeutete und was vice versa die heutige massenhafte Vervielfältigung ausmacht. Bei aller Liebe zur Kultur, zur Open Society und beim «Hass» auf dämliche Firmen etc. — Respekt läßt sich nicht wegdiskutieren mittels Robin Hood Attitüde. Ich sehe also keinen Grund dazu warum man den Jäger und Sammler auch noch unterstützen sollte. Sicherlich wird dieser auch mitsupportet, aber die Leute die sich für derlei Dinge einsetzen haben andere Absichten, keineswegs den Sammlertrieb einiger vieler zu befriedigen!

    Unsere Sicht der Dinge ist nicht Maßlosigkeit, sondern Vernunft.

  15. Michael sagt:

    Offensichtlich sind jetzt auch legale Musikdownloads nicht mehr sicher. Ein von mir unter Creative-Commons-Lizenz (u.a. auf Rapidshare) veröffentlichtes Album hat offensichtlich auch seinen Weg auf das Gulli-Board gefunden.
    Vor ein paar Tagen musste ich feststellen, dass das Album über RS.com nicht mehr errichbar ist. Stattdessen erschien der Hinweis, dass es wegen Beschwerden über Urheberrechtsverstoß gelöscht wurde.
    Sehr erstaunt fragte ich bei Rapidshare nach, wer diese Löschung verursacht hat. Darauf hin erfur ich, dass die proMedia Gesellschaft zum Schutz des geistigen Eigentums mbH diese Löschung veranlasst hat.
    Auf Nachfrage teilte man mir dort mit «es tut uns sehr leid, dass wir ihren Titel aus versehen gelöscht haben. Ihr Link wurde auf dem Gulli-Board mit vielen anderen urheberrechtlich geschützten Dateien (NOFX-Alben) gefunden und ist aus versehen mitgelöscht worden.«
    Eine Frechheit ist so was!

  16. Dr. Azrael Tod sagt:

    Hmm.. ob man daraus den Musikfirmen nen Strick drehen kann? so in etwa «Wir müssen erst prüfen ob die von ihnen angeprangerten Illegalen Downloads wirklich illegal sind» 😀

  17. Falk sagt:

    Auf Nachfrage teilte man mir dort mit “es tut uns sehr leid, dass wir ihren Titel aus versehen gelöscht haben.

    Ja super — aus Versehen…schade nur, daß bei sowas schlicht die finanziellen Mittel fehlen, um den Verursacher und den Störer dann in Haftung zu nehmen. Ich käm mir auch veralbert vor, wenn meine Netlabel-Releases plötzlich verschwinden würden. Aber solche Kollateralschäden werden von vielen Seiten (Forumbetreiber, Anwälte, Dingsbumsfirmen wie Pro Media) billigend in Kauf genommen. Das ist widerlich und hat mit freier Kultur aber auch gar nichts mehr zu tun. Solltest den ganzen Pfeifen nen Boxring aufbauen, dann können die sich die Köppe einschlagen und unsereins in Ruhe weitermachen.

  18. […] geschlossen. Erste Probleme gab es ja schon zu Jahresanfang, als das Board erstmals die Audiobörse für eine Weile schließen […]

RSS-Feed abonnieren