Das geheime Tagebuch der A. Merkel

Liebes Tagebuch…

19.09.
Gestern war Bundestagswahl. Wir haben gewonnen, aber der Gerhard sieht das anders. Heute saß ich aber wieder im Bundestag. Ich höre Stimmen und Reden. Überall steht Phoenix. Ist Harry Potter real?

Dann kam durch die Lautsprecher: «Als nächster Redner Kollege Edmund Stoiber» Rätselhaft: Sofort nach der Durchsage verließen viele Kollegen den Bundestag. Zufall?

25.09.
Verkleidet in der Opposition eingeschlichen. Schon nach zehn Minuten konnte ich zwei Durchsagen hören: «Frau Merkel bitte bei den Kollegen melden!» und «Hat einer unserer Kollegen Frau Merkel gesehen?» Mag sein, dass ich mich bei der letzten verhört habe. Was soll das? Werde ich verfolgt? Ich gebe mich nicht zu erkennen, nicht so schnell.

27.09.
Ich glaube, hier ist eine fremde, dunkle Macht am Werk. Warum sonst würde man Codes benutzen? Nach Phoenix kann ich jetzt auch überall N24 erkennen. Was heißt das?

29.09.
Ich überlege meinen Job zu kündigen, überall diese Stimmen.

30.09.
Ich war heut den ganzen Tag unerkannt im Bundestag. Zwei Stunden versteckt hinter Münte, drei Stunden Opposition, fünf Stunden Westerwelle beobachtet. Und wieder diese Stimmen. In der Cafeteria kennen sie mich schon. Ich muss mich neu tarnen.

01.10.
Der Sicherheitsdienst schaut mich schräg an. Ich habe Angst. Auch andere Kollegen scheinen die Stimmen wahrzunehmen. Der Lafontaine zuckte sogar manchmal zusammen. Aber er lässt sich nichts anmerken. Ein Spion? Ich folge ihm bis zum Ausgang. Nichts.

02.10.
Die Stimmen werden lauter. Ich brauche ein neues Notizbuch. Irgendetwas ist im Gange.

03.10.
Will eine fremde Macht uns infiltrieren! Ich gehe davon aus. Ich muß meine Kollegen warnen. Sie wandern hier arglos durch die Gänge. Ich schon seit Tagen nicht mehr. Alles, was ich im Bundestag mitgenommen habe, wie Kugelschreiber, etc. schmeiße ich weg. Meine Nerven sind ziemlich angespannt. Ich gehe nicht mehr in die Cafeteria. Vermutlich ist im Essen eine Droge, die uns willenlos machen soll.

05.10.
Heute morgen lag das neue Redemanuskript von Claudia Roth im Briefkasten. Ohne Absender. Sie wissen also, wo ich wohne. Anzeige? Mein Kerl meint, ich sehe Gespenster. Was soll ich tun?

06.10.
«Guten Morgen, wie geht es Ihnen?» hat mich der Sicherheitsdienst bei meinem Alibibesuch gefragt. Er hatte so etwas Lauerndes im Blick. Ich habe nicht geantwortet und bin weiter gegangen. Ich wäre vor Panik fast gerannt.

07.10.
Jetzt wird es ernst: Die Künast bot mir Plätzchen an, trotz meiner Tarnung. Angeblich selbst gebacken. Ging zum Schein darauf ein. Entfernte mich rasch und unauffällig und erbrach alles wieder. So leicht kriegen sie mich nicht.

08.10.
Bei der Durchsage «Unsere nächste Rednerin, Bundeskanzlerin Angela Merkel» lief ich in Panik hinaus durch Berlins Strassen zu meiner Zweitwohnung. Vor dem Haus steht ein Wagen. Den kenne ich nicht. Ihr kriegt mich nicht, ich verstecke mich.

22.10.
Kommissar Wolff sagte mir heute, dass bei meinem Anschlag niemand getötet wurde. Lediglich in der Cafeteria entstand größerer Sachschaden.

Ich bin verloren… Sie sind immer noch da…

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