Das g:b macht dicht — Der Kindergarten jammert

g:b filme

Nun ist es also so weit — das gulli:board schließt die Pforten. Zumindest den Teil, der dafür verantwortlich ist, dass das Board so groß wurde und diverse Herren offensichtlich davon leben konnten. Mit Warez Geld verdienen — gleich nach den Dialern die schäbigste Methode im Internet. Kein Wunder also, dass Mario D oder auch GvG und Bernhard S gern gesehene Gäste bei Randolf J und Richard J waren. Man kennt sich, man schätzt sich, man spielte sich gegenseitig die Bälle zu. So hatte es zumindest den Anschein. Die gulli:news waren für diverse Kanäle teilweise pure Propaganda — ich habe sie immer PR-Außenstelle von XYZ genannt. Blogger und andere, die sonst so gegen jegliche Unfairness, gegen Dialer und Abmahnanwälte, gegen den Überwachungsstaat argumentieren, war das alles egal — der Stuff war wichtig, man bekam ihn von den Kumpels, die Festplatte schien zu glühen. Kaffee, TV und Alkohol — man macht offensichtlich gemeinsame Sache. Und natürlich wird auch die Geschichtsklitterung gefeiert — es hat den Anschein, als hätten die Memoiren mancher Politiker mehr Wahrheitsgehalt als dieses Machwerk. Ist aber auch nur eine Vermutung — die Kommentare, die aus dem Pott kamen, haben in diversen Kreisen jedenfalls für große Heiterkeit gesorgt.

Vor zwei Monaten noch, wurde berichtet, dass das Forum nach Österreich verkauft wurde. Nicht wenige haben auch über diese Meldung laut gelacht — ein lächerlicher Fake, so wurde vermutet. Es gibt viele Leute da draußen, die vermuten, dass immer noch Randolf J. und Richard J. ganz oben in der Nahrungskette stehen. Aber wer weiß das schon bei den ganzen anonymen Nicks, die da in der Chefetage rumgeistern. Die offiziell Version ist jedenfalls, dass das Forum verkauft wurde. Ich vermute ja ein ähnlich groß angelegtes Hereinlegen der Forenmitglieder wie damals, als es hieß, die Person hinter dem Nicks gulli ist gewechselt. Ein neuer Sheriff war angeblich in der Stadt. Unnötig zu erwähnen, dass das natürlich nicht stimmte. Aber auch das interessiert die Junkies dort nicht — der Stuff, wo bleibt der Stuff?

Es überrascht mich ehrlich gesagt, warum der Laden erst jetzt — so hat es den Anschein — in Schwierigkeiten gekommen ist. Für die Rechteinhaber wäre es seit Jahren ein Leichtes gewesen, den Betreibern Kenntnis vom Treiben innerhalb der Börse nachzuweisen. Sozusagen mit einem Mausklick hätte es einen Bust geben können, der mit Sicherheit nicht in den gulli:news Erwähnung gefunden hätte. Wie auch, wenn die Rechteinhaber die Server beschlagnahmt hätten. Nehmen wir nur mal obigen Screenshot: Wer sich ein wenig mit Forentechnik auskennt weiß, dass nur ein Forenmitarbeiter, ein Moderator oder ein Administrator, Threads als Wichtig kennzeichnen kann, sprich: Der Thread bleibt über dem Forum festgenagelt. Da werden ganz offiziell Links — im Regelfall zu Rapidshare — veröffentlicht. Folgt man den Links, lassen sich die neuesten Videofilme runterladen, hier zum Beispiel die aktuellen Kinocharts. Die Forenleitung muss also zwangsläufig diesen Thread kennen. Aber auch hier gilt, da mir schon gedroht wurde: Ich kann mich auch irren. Randolf J und Richard J sollten Gott auf Knien danken, dass dies bis heute nicht passiert ist.

Der Kindergarten jammert nun. Die Kommentare zur Ankündigung zeigen das gesamte Niveau eines verkommenen Forums. Manche werden nicht müde zu erwähnen, dass das Board auch so weiterleben wird. Natürlich — ein paar Forendeppen finden sich immer. Die Forenleitung selbst will nun wohl auf legal machen. Als ich das gelesen habe, habe ich nur noch mit dem Kopf geschüttelt. Wie kann man solche Leute, die über ein Jahrzehnt dem Opensource-Gedanken, der Opensource-Community erheblich geschadet haben, nur zur Tür reinlassen? Aber gut, wir leben in einem Land, wo sich die Grünen als Gralshüter der Bürgerrechte verkaufen können. Bei den meisten Menschen — so hat es den Anschein — ist die Fähigkeit verloren gegangen, weiter als bis zur gestrigen Fernsehsendung zurück zu denken. Laberforen, die kein Mensch braucht, gibt es wie Sand am Meer. Da machte zum Schluss auch das Desert Inn keine Ausnahme. Wo findet sich auf dem gulli:board etwas Besonderes? Etwas, was es wert wäre, das Forum in Zukunft öfter zu besuchen? Man sucht mit der Lupe und findet — nichts, rein gar nichts. Die mal hoch gelobten News sind nur noch ein Müllhaufen — ein paar eitle Papageien überschlagen sich gegenseitig mit dem Hochjubeln fragwürdiger Sachen und Inhalte.1 Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. Dieser Ratschlag geht kostenlos an die Piratenpartei und den Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung.

Heute ist ein schöner Tag. Ein großer Sieg für die Kultur in diesem Land. :)

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  1. Ausnahme: der Citronengras-Frank []

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18 Antworten zu “Das g:b macht dicht — Der Kindergarten jammert”

  1. Oliver sagt:

    Japp, aber trotz allem gehört der Anfang des Boards hierzulande auch irgendwie zur Netzgeschichte.

    Na ja letztendlich ist es wohl das letzte seiner Art, welches seine Pforten diesbezüglich schließt und irgendwie nicht koscher waren all jene Boards im Laufe der Zeit geworden, die die Jäger– u. Sammlermentalität als gemeinsamen Nenner inne hatten, ob nun klein oder groß. Ist wohl eine Art Gesetzmäßigkeit. Ich denke beinahe jedes Forum hatte Ende der 90er zumindest noch eine derartige Ecke, auch wenn heute gerne verleugnet.

  2. MasteRehm sagt:

    Doch, dass sind wirklich gute News. Was mich noch nervt: Es kommt nicht selten vor, dass ich ein IT Problem google und ein gulli Thread erscheint. Ich vermeide den Klick. Ächz, furchtbares Board.

  3. Bogus sagt:

    da fällt mir nur eins ein 😉

    Who the F**K is Gulli ? lol

  4. theman sagt:

    Der öfters erwähnte Bezug zum Kanaldeckel passt!

  5. […] die User dort noch pupertierender sind. Momentan herrscht Aufregung im Kindergarten wie auch bei FIXMBR zu lesen […]

  6. Chris sagt:

    Ich habe hier gerade mal ein wenig aufgeräumt, Hass gegenüber einer Sache, einem Forum, Menschen, die ich nicht mal kenne. So denke und lebe ich nicht. Das brauche ich hier auch nicht. Sorry.

  7. phoibos sagt:

    kam die karawane vorbei? so wie in den guten alten zeiten?

    zur sache: für viele waren die warez der einstieg in die nähere beschäftigung mit computern. und infolge dessen kam dann auch mehr verständnis für probleme im computeralltag. ich denke, dass ich, für mich gesehen, jenen foren (auch wenn ich auf dem g:b registriert war) viel verdanke. über cosmo bin ich zu it-secure-x gekommen und vor allem zum efb. ich habe überall nette menschen kennengelernt (so auch euch, mit umwegen übers LaNd und DI (ich vermisse das bräunliche und den kamelarsch)). jedoch hat die heutige ausschließliche konsumhaltung (nicht, dass ich dem jäger-und-sammler-dasein nicht mal verfallen wäre) imo zu den auswüchsen mit den abmahnheinis geführt.

    ciao
    phoibos

  8. Grainger sagt:

    Japp, aber trotz allem gehört der Anfang des Boards hierzulande auch irgendwie zur Netzgeschichte.

    Das auf jeden Fall.

    Aber auf Dauer konnte das in dieser Form (womit ich mich ausschließlich auf die Börse beziehe) imho nicht gut gehen (es währte ohnehin um einiges länger als ich es jemals erwartet hätte).

    Soweit ich mich erinnere, war vor nicht allzu langer Zeit die Audiobörse ja schon mal temporär geschlossen.

    Für mich hatte das durchaus eine gewisse Signalwirkung.

  9. Chris sagt:

    Japp phoibos… 😀

    Und da kann ich Grainger gleich mit einbeziehen:

    Das gulli:board und die juristischen Probleme — einer der meistgelesenen Artikel der letzten Stunden.

    Mama Google… 😉

    Jetzt gehts übrigens richtig los, da hat uns wer verlinkt — ich hetze und die armen gulli:jungs sind die Opfer… 😀

  10. torsten sagt:

    Mann muss auch einfach mal zwei Dinge trennen: Das Board ansich und die Börse.

    Selbstverständlich hätte das Board ohne die Börse eine deutlich geringere Relevanz, eigentlich schon fast eine Irrelevanz (ob des Überangebots an spezialisierten Seiten), aber: Na und?

    Ich selber habe dort eine Weile in P&G moderiert und kann von diesem Standpunkt aus betonen, dass nicht wenige «Warez-Kiddies» dort zwar auch sehr nervten, allerdings auch so etwas wie Meinungs-Pluralismus überhaupt auch nur kennengelernt haben.

    Ein durchaus faschistisch zu nennender Mob (PI-Artig, vorurteilsbelastet, unreflektiert und unwidersprochen) wurde dort in Zaum gehalten und erfuhr offenbar nur dort, dass «Gutmensch» eine Verleumdung ist, Linke nicht mit Rechten gleichgesetzt werden können und stumpfe Parolen wie: «Ich habe nichts gegen Ausländer, aber …» eben nicht als Entschuldigung für blödes Neo-Nazitum durchgehen.

    Ich habe auf diesem Board viele, viele hochgebildete und in diesem Staat sehr gut positionierte Leute kennengelernt, die einfach der Größe des Boardes wegen sich entschlossen haben, dort ihren Senf beizutragen anstelle eines anderen Boardes.

    Ist es denn so verwerflich, dass die Börse alle diese Menschen eint? Oder dass J. Schotter damit machen wollte / gemacht hat?

    Ich kann zwar zu J. nichts, rein gar nichts sagen, allerdings würde ich jederzeit für die Moderatoren die Hand ins Feuer legen: Die hatten Spass daran, dass Kommunikation stattfindet, dass Menschen sich begegnen.

    Und noch eines zur Börse: GrisGris’ Cineastenthread oder auch der «Englische Serien Thread» zumiez’ waren Dinge, die es noch nicht einmal legal finanziert zu finden gibt.
    Und ob es dem eigenen Geschmack widerspricht oder nicht: In «Sleaze und Splatterfilme» bekam mann Filme, die es auch nicht unter der Ladentheke gibt.

    Überhaupt war das Angebot im Gulli doch das einzige Problem der Kommerziellen: WO gibt es denn ein solches Angebot an Filmen online? Wo denn?

    Anstatt die Börse zur Wurzel allen Übels zu machen muss sich doch die Frage stellen, warum ich nicht für 50 Cent ‘nen Film, älter oder neuer, runterladen kann anstatt in die Videothek gurken zu müssen, die ebenfalls längst nicht so gut ausgestattet war wie diese Börse.

    Ich bin Cineast. Und als solcher interessiert es mich nicht, ob irgendein Verwerter mitverdient. Ich bezahle gerne, ich bin erwachsen.
    Aber ich will auch Auswahl und Service, und beides war in der Börse unübertroffen.

    Jorges hin, Jorges her: Das Board war prima und hätte auch ohne ihn laufen können. Es waren einfach Zeit und Gelegenheit, die dieses Board in diesem Umfang ermöglicht haben.

    Ruhe in Frieden.

  11. Frank sagt:

    Nunja, es gibt durchaus Leute (wie mich) die das gulli:board auch ohne Börse schätzen und dies schon immer getan haben. Es ist nunmal Fakt, dass das g:b eine der größten deutschen Communities für so ziemlich jeden Themenbereich ist. Man bekommt innerhalb von Minuten Antworten auf Fragen für die man in spezialisierten Foren Tage warten muss. Sei es zum Beispiel das «Der gute Rat» Forum in welchem man jusristische Probleme in kürzester Zeit erledigt hat.
    Ich habe zum Vergleich mal ein und die selbe Frage in 3 Jura-Boards und im g:b gepostet. Das Ergebnis war, dass ich im schnellsten Jura-Board innerhalb von 5 Stunden, im langsamsten innerhalb von 2 Tagen die erwünschte Rechtshilfe zu meiner Zufriedenheit erhalten hatte. Im «Guten Rat» wurden zwar zig Vermutungen usw. gepostet, allerdings hatte ich die korrekte Antwort innerhalt einer Stunde, belegt anhand von Paragraphen.
    Ich will hier nur verdeutlichen dass das g:b mehr ist als seine Börse. 😉

  12. Frank sagt:

    Achja, ich wollte noch was hinzufügen:
    Da du ja die News ansprichst; seit dem «Verkauf» sind die tatsächlich unter aller Sau. Als sie noch von Korrupt geschrieben wurden waren sie zum größten Teil noch informativ… Aber in letzter Zeit hab ich keine einzige News mehr gelesen.

    Der Ansturm von Hass-Kommentaren bleibt komischerweise aus, hätte das auch erwartet nachdem ich dem Link gefolgt bin. ^^

  13. Chris sagt:

    Ich hab heute vieles dem Mülleimer übergeben… 😉

  14. […] Board “Gulli” schliesst die Börse. Für viele ein trauriger Tag für viele ein Grund zum feiern, wieder andere stehen da — mit einem weinenden und einem lachendem […]

  15. BananaJoe sagt:

    @torsten

    Welcher Mod warstn du (etwa der k.)? Ich war selber sehr lange (vllt zu lange) hauptsächlich im P&G dort im g:b aktiv, größtenteils teile ich deine Auffassungen (sogar die Anmerkung zu der Erziehung des Mobs). Aber leider musst du doch auch zugeben, dass die Börsensituation schon länger sehr unschön war. War das Board mal ein nettes Örtchen, hat es sich nur zu einer seelenlosen Cashcow entwickelt, in welcher sich hauptsächlich nur noch Junkies (ja, das trifft es gut!) rumtrieben und das Zepter an sich rissen. Der Exodus von Kompetenz war nicht zu stoppen, die seltsame Verkaufsaktion schmeckte wenigen.

    Heute findet sich doch kaum mehr was besonderes im g:b. Es hat viel verloren im Vergleich zu früher; und wiederkriegen wird es das damalige Feeling auch niewieder. Das g:b ist irreparabel geschädigt — es sollte einfach komplett eingestampft und vergessen werden.

  16. Oliver sagt:

    ** gelöscht! — Robin Hood mit den dicken Eiern klagt rappend sein Leid im Kindergarten nicht hier **

  17. aloa5 sagt:

    Na ja,
    das was Ihr «Kindergärten» nennt gibt es überall — im Netz wie im sog. realen Leben. Früher hat man Disketten und Kassetten (real) getauscht und überspielt. Der Unterschied ist de facto marginal — die «Kinder» sind die gleichen wie damals.

    Aber früher — in «unserer Jugend» war natürlich ansonsten alles viel Niveauvoller. 😉 Oder wie Mario Barth sagen würde: «Das hätte es damals nun WIRKLICH nicht gegeben», nicht? :)

    Davon abgesehen fand ich einen Kommentar in einem Blogs ganz nett welcher schlussfolgerte das man um kommerzielle Träume von Betreibern zu erfüllen eine saubere, vorzeigbare Gesellschaft besitzen muss. Dies mag eine Rolle gespielt haben bzw. wahr sein — muss es aber nicht.

    Was den Ratschlag an die Piratenpartei und den AK-VDS betrifft.… (zumindest) mit (unbekannteren) Parteien ist es im groben und ganzen ähnlich wie mit Prominenten: Das schlimmste was einem geschehen kann ist, das niemand (auch nicht Zeitungen mit 4 Buchstaben) über einen redet und schreibt. Und bei Gulli kann man sicher durchaus einen bunten und somit guten Mix aus Lesern antreffen und direkt oder indirekt ansprechen. Wie zuvor schon erwähnt führen viele Suchanfragen zu Gulli.

    Wie auch immer. Dinge kommen und Dinge gehen. Und so wie napster, kazzaa oder wie sie auch immer alle lauten geschlossen, übernommen — gar niveaulose Kiddies verurteilt — werden gibt es danach neues. Oder eben das alte. Rock´n Roll, Beatles und Jazz verderben eben doch die Kid´s — unsere Eltern und Großeltern hatten wohl recht.

    Grüße
    ALOA

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