Das falsche und fatale Argument der Nacktscanner-Gegner


Agenda 2013 | einspruch!

Wir sind uns alle einig, dass die Nacktscanner auf keinen Fall eingeführt werden dürfen. Argumente sollten unsere Intimsphäre und unsere Persönlichkeitsrechte sein. Es gibt also mehr als genug überzeugende Argumente gegen die totale Entblößung vor unterbezahltem Flughafenpersonal – und wenn es die Angst ist, dass Bilder von Prominenten im Internet landen. Heribert Prantl und Michael Spreng bringen es gekonnt auf den Punkt. Der Ruf nach den Nacktscanner erfolgte, nachdem ein Anschlag im Flugzeug von Amsterdam nach Detroit verhindert wurde. Nacktscanner-Gegner argumentieren nun mit dem auffälligen Verhalten des verhinderten Attentäters. Das ist ein falsches und fatales Signal.

Unser oberster Datenschützer Peter Schaar hat das heute wie folgt ausgedrückt:

Vielmehr erscheint mir die Frage von zentraler Bedeutung, warum eine Person, die am Flughafenschalter einen teuren One-Way-Flug bucht, diesen bar bezahlt und kein Gepäck aufgibt […] nicht gründlicher untersucht wurde.

Dieses Argument lese ich in der Nacktscanner-Debatte nicht das erste Mal. Entschuldigt mal bitte, liebe Kollegen – was für ein Signal senden wir denn mit dieser Argumentation aus? Ich bezahle grundsätzlich alles bar, was irgendwie möglich ist. Man kann doch einen Menschen nicht verdächtig nennen, nur weil er bar bezahlt oder ein One-Way-Ticket bucht?!? Und bei einem Kurztrip reicht oftmals auch das Handgepäck aus – und wenn man dann nicht genau weiß, wann es zurück geht, wie lange der Termin dauert, wird erst einmal das One-Way-Ticket gebucht. Was hier geschieht, ist doch nichts anderes als die Rasterfahndung. So und so hat sich der Reisende verhalten – also ist er verdächtig. Sind wir mittlerweile so argumentationslos, dass wir uns mit einer Rasterfahndung verteidigen müssen?

Nein, es gab, soweit ich gelesen habe, direkte Hinweise vom Vater des Verdächtigen. Hier lag das Versagen der Sicherheitsbehörden. Aber doch nicht, weil ein Mensch bar bezahlt, nur ein One-Way-Ticket bucht und ohne Gepäck reist. Im folgenden weist Peter Schaar auch darauf hin: Wichtig ist mir auch die Aufklärung darüber, warum konkreten Verdachtsmomenten, die den US-Behörden gegen diesen Passagier vorlagen, nicht nachgegangen wurde. Mit der Argumentation des Verhaltens des jungen Mannes wird die Rasterfahndung nachträglich von Datenschützern ein stückweit legitimiert. Das ist ein Unding. Ich möchte mir nicht nachsagen lassen, ich sei verdächtig, nur weil ich bar bezahle. Und ich glaube, jedem unserer Leser wird es genauso gehen. Argumente gegen die Nacktscanner gibt es mehr als genug – zur Not sollte man unsere Damen und Herren Politiker einfach mal nach Moskau schicken.

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29 Antworten zu “Das falsche und fatale Argument der Nacktscanner-Gegner”

  1. […] F!XMBR: «Das falsche und fatale Argument der Nacktscanner-Gegner» […]

  2. Oliver sagt:

    Ist doch nicht der erste argumentative Griff ins Klo den Schaar landet. Der ist mehr Politiker, was man sicherlich auch zu einem gewissen Teil sein muß in diesem Metier, denn auf irgendeine Art und Weise Datenschützer bzw. im entferntesten Sinne «Bürgerrechtler». Auf .get privacy hatten wir doch immer mal wieder die eine andere Stilblüte dieses Herrn als Beispiel, warum es dann doch manchmal besser wäre, wenn einige Leute schweigen würden. Ich will nicht soweit gehen zu behaupten, man hätte hier den Bock zum Gärtner gemacht, aber weit entfernt ist Schaar nicht mehr.

  3. Michael sagt:

    Das ist schon eine eigenartige Argumentation für den obersten deutschen Datenschützer — würde eine solche Vorgehensweise doch eine detaillierte Verhaltensanalyse erfordern und außerdem bedeuten, dass die Sicherheitskontrollen mit denselben prozessual verbunden wären — wer sich nicht nach Durchschnitt verhält, wird mit schärferen Kontrollen belästigt. Verhaltensanalyse stellt für mich einen tieferen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte dar als Ganzkörper-Scanner.

    Apropo: ich persönlich habe noch gewisse Probleme bei der Entscheidungsfindung. Was ist mir lieber? Dass ein Wildfremder mich einen Moment lang (mehr oder weniger) unbekleidet sieht oder dass ein Wildfremder mich von Kopf bis Fuß befum… — ähh — abtastet?

  4. Oliver sagt:

    >wer sich nicht nach Durchschnitt verhält, wird mit schärferen Kontrollen belästigt.

    Das ist doch auch schon bei der Polizei usus, wer anders ist fällt auf.

  5. Anonymous sagt:

    Warum wird eigentlich der gesundheitliche Aspekt in der Debatte so vernachlässigt?
    Blendet man das Marketing-bla und Hersteller-foo mal aus, gibt es in der Wissenschaft noch etwas mehr Forschungsbedarf:
    arXiv Blog: How Terahertz Waves Tear Apart DNA oder direkt das paper

  6. Oliver sagt:

    @Anonymous: das stimmt, war mir so auch nicht bewußt. Tatsächlich argumentiert man ähnlich wie bei der Radioaktivität «ein wenig davon gibts auch in der Natur, insofern alles im grünen Bereich».

    Mit der Relevanz geringer Dosen lag man übrigens schon beim Röntgen falsch.

    Ansonsten regiert halt der Mainstream. Aber es existieren auch Weblogs fernab des Mainstreams: klick.

  7. Michael sagt:

    @Oliver: stimmt sicherlich. Bei der Flughafensicherheit sehe ich aber die Gefahr einer neuen Dimension. Ich hoffe, wir sehen hier keine Auswüchse wie die Kriterienkataloge der Londoner Polizei für potentielle Terroristen (viele Fotos machen, schwanger sein, etc.) Verhaltensanalyse ist ein sehr komplexes Thema und eignet sich nur sehr bedingt für standardisierte Massenabfertigung. Nur allzu leicht geht das nach dem Motto «bisschen Schwund ist immer», was auch die Grundlage der No-Fly-Liste zu sein scheint. Hier muss dringend wieder mehr Rücksicht auf den Einzelnen genommen werden.

  8. Annika sagt:

    >Apropo: ich persönlich habe noch gewisse Probleme bei der >Entscheidungsfindung. Was ist mir lieber? Dass ein Wildfremder mich einen >Moment lang (mehr oder weniger) unbekleidet sieht oder dass ein Wildfremder >mich von Kopf bis Fuß befum… – ähh – abtastet?

    Sehe ich auch so. Speziell da ich es (nicht am Flughafen, sondern woanders) auch schon erlebt habe, dass es nur männliche Security gab, die aber nicht auf die Idee kam, Frauen «einfach so» durchzulassen. Da ist mir der Scanner dann definitiv lieber.

  9. Anonymous sagt:

    Ich denke das Problem ist ein anderes. Bei der heutigen Informationsflut kommen unsere Polizei-, Sicherheitsapparate und Geheimdienste mit der Masse nicht mehr klar. Was wollen die denn mit immer mehr Informationen. Wenn die den aktuell bestehenden Informationen nicht nachgehen können, ist jedes weitere Bit an Information zu viel. Das Ende vom Lied ist, dass nur noch im Nachhinein ermittelt werden kann und wenn es, wie zunehmend beobachtbar, potentielle Selbstmordattentäter sind, ist auch eine Aufklärung, bzw. Bestrafung/Sühne obsolet.

  10. jk sagt:

    prinzipiell muss ich dir recht geben. auf der praktischen ebene mal ein gedankenspiel:

    wenn du am schalter ohne gepäck stehst und zahlst bar und du wirst direkt vom dazugerufenen (psychologisch geschulten) polizisten / sicherheitsmitarbeiter befragt wie das z.b. am flughafen in tel aviv [1,2] der fall ist, dann ist dies keine rasterfahndung bei der existierende datenbanken abgeglichen werden müssen denn die daten des verdachtsmoments werden im moment des ticketkauf vom personal erfasst. wenn du nicht weiter auffällst im gespräch wird das gehirn des polizisten / sicherheitsmitarbeiter dich aufgrund mangelnder relevanz auch sehr sicher wieder aus dem gedächnis löschen. das prozedere beinhaltet zwar den grundgedanken der rasterfahnung nach bestimmten kritierien menschliches verhalten zu bewerten und ggf ein alarmglöckchen klingen zu lassen, aber auf der ebene der datenerhebung und –verarbeitung ist das von mir o.g. verfahren doch wesentlich bekömmlicher da es dem menschlichen gehirn vertraut. und seiner großartigen fähigkeit vergessen zu können.

    1– What Israel can teach us about security — thestar.com


    2– Flughafen Tel Aviv kommt ohne Nacktscanner aus | tagesschau.de

  11. kadekmedien *SEO-Alarm* sagt:

    Ich lese immer *verdächtig*… – Was ist eigentlich aus der Unschuldsvermutung geworden?

  12. Oliver sagt:

    >Ich lese immer *verdächtig*… – Was ist eigentlich aus der Unschuldsvermutung geworden?

    Das ist eine Gratwanderung, es geht um den sinnvollen und bürgerrechtlich koscheren Einsatz, nicht um die komplette Verneinung und somit Handlungsunfähigkeit der Exekutive. Viele Aktionisten vergessen dies gerne im Eifer des Gefechts.

  13. […] hat wieder einmal zugeschlagen und weiß auch wie man die Akzeptanz dieser Geräte zumindest bei einem Teil der Bevölkerung steigern […]

  14. aloa5 sagt:

    @Michael

    Mit der Frage was Dir lieber wäre — abtasten oder durchleuchten — bist Du der Argumentation der Nackscanner-Befürworter schon auf den Leim gegangen.

    Der Unterschied besteht de facto darin, das bei einem manuellen abtasten nur eine bestimmte Anzahl von Personen aufgrund von Kriterien oder einem «Erfahrungs-Faktor» des Personals abgetastet wird. Der Nacktscanner als solches wird aber bei allen oder zumindest bei einem vielfachen an Personen angewendet ohne jeden Verdachtsmoment.

    Nach einem Scanner in Flughäfen kommt dann (wann?) der Scanner in U-Bahnen, vor Fußballspielen, vor Gerichtsgebäuden (damit endlich die Messerstechereien aufhören), vor Rathäusern (irgendjemand hat irgendwo in Timbuktu sicher schon einmal ein Messer mitgenommen), an der Bushaltestelle, vor dem Kaufhaus.

    Die
    – mangelhafte Begründung (Notwendigkeit; wie viele Flugzeuge wurden gesprengt?)
    – die verdachtslose Anwendung
    – die generelle Anwendung

    sind anzuprangern. Ob das bei 5.000 Personen/Tag nun noch eine Peep-Show für das Personal darstellt ist eher fragwürdig/schwach.

    Die Frage ist wie viel (Un)Sicherheit wir tauschen und wogegen. Wie groß ist unsere Angst… wovor? Mit zunehmender Entfernung von Nazi-Deutschland fällt die Angst der Menschen vor staatlicher Willkür… und steigt die Angst vor anderen «normalen» Menschen. Die Dekadenz der Friedensbürger hat uns ereilt.

    Grüße
    ALOA

  15. Anonymous sagt:

    @jk: Richtig finde ich, dass man Verdachtsmomenten nachgeht. Ich stimme dir auch darin zu, dass ich ein solches Vorgehen schonender finde als generelles Nacktscannen oder Abtasten. Aber das (laut tagesschau.de) in Tel Aviv praktizierte «ethnische Profilieren» ist kaum verhohlener Rassismus. Den der berichtende Journalist mit keinem Wort kritisiert. Das ist einer der übelsten Artikel, die ich je auf tagesschau.de gelesen habe.

    @kadekmedien: Die Unschuldsvermutung gilt im Strafrecht, also bei der Verfolgung von Straftaten, nicht im Polizeirecht, also bei der Verhütung von Straftaten. Wer mit einer Strumpmaske über dem Kopf aus einer Bank gelaufen kommt, kann allein deshalb nicht verurteilt werden, aber sehr wohl von der Polizei angehalten und befragt.

  16. Oliver sagt:

    @aloa5

    >mangelhafte Begründung (Notwendigkeit; wie viele Flugzeuge wurden gesprengt?)

    Logik, aufgrund anderer Tatbestände? Sicherheit bzw. Prävention basieren immer auf gemachten Erfahrungen bzw. den Lehren, welche man aus jenen zieht. Ein sorgloser Umgang mit elektrischem Gerät sorgte zu Beginn für vielerlei Unfälle — die Folge? Sicherheitstechnische Einschränkungen und zwar auch bei Geräten, bei welchen noch kein Unglück geschah. Das nennt man Prävention und diese ist usus in jedem erdenklichen Bereich.

    Terror/Verbrechen ist eine Tatsache und es geht nicht darum diesen/dieses zu verneinen, sondern Sicherheit diesbezüglich sauber über die Bühne zu bringen. Stichworte Menschenwürde, Bürgerrechte, Vermeidung von Kolateralschäden, Datenmißbrauch etc. pp. Ob der «normale» Mensch dekadent ist oder eher ebeso normal/unnormal wie unsere Altvorderen, darüber läßt sich vortrefflich streiten. Tatsache ist aber, daß seit jeher gilt homo homini lupus, auch wenn der Wolf per se sicherlich nichts dafür kann. Und in dieser «Normalität» lebt der Mensch seit Anbeginn der Zeit. Sicherheitsbedürfnisse, auch in verstärktem Maße, sind kein Zeichen der heutigen Zeit, immer wieder gab es ein verstärktes Maß an diesem Bedürfnis, ebenso mit einhergehenden Kolateralschäden.

    Der Mensch wird, wenn er sich denn so richtig «sauwohl» fühlt, dekadent und vergißt darüber, daß er keineswegs mehr im Paradies lebt. Um so härter greifen dann Störungen dieser Idylle, die mitunter dann seitens irrationalem Aktionismus beantwortet werden. Viel besser wäre es also auch in ruhigen Zeiten ein vernünftiges Maß an Wachsamkeit walten zu lassen und dabei die Möglichkeit zu genießen nicht überhastet zu Werke gehen «zu müssen».

  17. paul sagt:

    Ich finde «Nacktscanner» ok. Die neuste Generation zeigt ja den Körper sowieso nur schemenhaft. Ich weiss garnicht was das ganze Datenschutz TAM TAM soll, wird für meine Begriffe etwas überstrapaziert in letzter Zeit.

  18. aloa5 sagt:

    Terror/Verbrechen ist eine Tatsache und es geht nicht darum diesen/dieses zu verneinen, sondern Sicherheit diesbezüglich sauber über die Bühne zu bringen.

    Die Abwägung sauber über die Bühne zu bringen. Die Dekadenz liegt darin das man quasi den «null Toleranz»-Modus für die Prävention anwendet. Es reicht inzwischen schon das es möglich ist, das irgendwann einer etwas tun könnte (minimale Schwelle) um einen relevanten (erheblichen) Eingriff in die Privatsphäre zu veranlassen.
    Oder um es bildlich auszudrücken:

    Klick

    Es gibt zwei grundsätzliche und philosophische Fragen:

    A) ist man bereit für Freiheit einen Teil der absoluten Sicherheit aufzugeben?

    B) ist man bereit für die absolute Sicherheit gegenüber Mitmenschen sich vollkommen in die Hände eines nicht wirklich berechenbaren und schon gar nicht unfehlbaren Staatsapparates zu begeben (Überwachungsstaat mit niederschwelligen Präventionsstufen s.o.)?

    Wenn man A) und B) gar vereinigt hat man in der Tat früher oder später ein gewaltiges Problem. Nicht nur das man «unfrei» ist — wenn auch «sicher» vor seinen Mitmenschen. Man sitzt irgendwann in einem Staat wo der Führer das Recht setzt und eben nicht schützt (Carl Schmitt). Dann gelten Werte im GG nur noch für die Menschen, nicht mehr für den Staatsapparat. Und dann ist es vorbei mit dem Rechtsstaat. Denn auch dort sitzen nur Menschen. Und es wird sich sicher jemand finden der das zu nutzen weiß. Das wissen viele schon heute.

    Grüße
    ALOA

  19. Skysegel sagt:

    ich erinnere mich bei dieser Diskussion an eine Folge aus Startrek Deep Space Nine. Da wurde auf der Erde der Ausnahmezustand ausgerufen. Bewaffnete Truppen patrollierten in allen Straßen. Überall wurden Bluttests gemacht um die gefürchteten Formwandler zu entdecken. Letztendlich stellte man fest dass man die Freiheit die man schützen wollte selbst aufgegeben hatte, wegen 3 Formwandlern (mehr waren es nicht) die Anschläge verübt hatten. Das Ende: man hob schließlich den Ausnahmezustand wieder auf und nichts passierte.

  20. Anonymous sagt:

    Die Handlungsunfähigkeit der Exekutive besteht doch in ihrer eigenen Unfähigkeit, der Vater hat die US-Botschaft doch vor einer Radikalisierung seines Sohnes gewarnt. Angeblich hatte man nicht genug Informationen um ihn auf die No-Fly-Liste zu setzen, das ist doch ne billige Ausrede damit kein hoher Kopf rollen muss. Die Sicherheitsarchitektur und Prozesse die hinter all den Befugnissen stehen sind doch schlichtweg überfordert.
    Besteht also Handlungsbedarf? Sicher! Aber nicht für weitere Befugnisse und Eingriffe in unser Leben. The True Odds of Airborne Terror Chart

    Madrid 2004, London 2005 und unsere Kofferbomber 2006 alle bodengebunden, ist es da sinnvoll in Europa die Sicherheit in der Luft zu priorisieren?

    Hätten Nacktscanner ihn früher aufhalten können?

    Die Scanner seien ideal, sagt Wallace, um selbst aus größerer Entfernung Schusswaffen, Messer und sogar feinste Metallsplitter zu erkennen. Auch schwerer Plastiksprengstoff wie C4 würde von den Geräten nachgewiesen. Nicht aber Materialien geringer Dichte, pulverförmige Substanzen, Flüssigkeiten — Materialien eben wie PETN. spiegel.de

    Ein Gerät kostet 150k Dollar, wieviele Beamte kann es ersetzen?

  21. Oliver sagt:

    @Skysegel: ich erinnere mich aber auch bei StarTrek daran, das man Personen problemlos lokalisieren konnte und ansonsten die unauffällige Überwachung usus war 😉

    @aloha, >A) ist man bereit für Freiheit einen Teil der absoluten Sicherheit aufzugeben?

    die Frage stellte sich nie, da weder das eine noch das andere in absoluter Form existiert bzw. existieren kann. Es gilt ein menschenwürdiges Gleichgewicht zu halten. Wobei der Mensch gewiß Priorität genießt, wiederum aber auch die Sicherheit desjenigen.

    B) ist absurd, da dies nie Gegenstand der Diskussion hier war oder auf diesem Weblog. Allgemein betrachtet ebenso, da keine Gesellschaft je wirklich dazu bereit war, sondern Stück für Stück mit den Tatsachen konfrontiert wurde, aufgrund falscher Versprechungen. Der Tunnelblick beider Seiten, gereichte letztendlich desöfteren einigen wenigen zum Mißbrauch a la «der lachende Dritte». Auch die Weimarer Republik war davon geprägt, ein Dritter riß dann alles an sich. Hätte man im Vorfeld als eher miteinander geredet, anstatt gemauert … nun ja.

    Zudem gehöre ich nicht der $anti-fraktion an, sondern vermute auch bei Politikern mehr Übereifer und tatsächliches Sicherheitsbedürfnis, denn per se die Absage an demokratische Gefilde.

    >Nicht nur das man “unfrei” ist – wenn auch “sicher” vor seinen Mitmenschen.

    Philosophen sind nette Zeitgenossen, die von ihrer Kanzel predigen, wenn sie sich denn mal von ihrem Elfenbeinturm herablassen. Aber im Grunde genommen ist es nur eine Interpretation, wie ich es auch als Historiker tagtäglich tue, man nähert sich allenfalls _Realitäten_ an.

    Was ist «Freiheit»? Die persönliche Freiheit endet schon einmal dort wo sie jene anderer beschneiden könnte. Regeln wiederum versuchen diesen Raum zu schützen, da Menschen dazu neigen sich über andere hinwegzusetzten. Womit wir wiederum beim Gleichgewicht angelangt wären: Freiheit Vs Regeln. Das eine kann nicht ohne das andere existieren.

  22. Oliver sagt:

    >Doch, kann man.

    Nein kann man nicht, selbst Dummheit ist kein Grund. Ausnahmen existieren ebenso …

  23. aloa5 sagt:

    @Skysegel und Oliver
    Das Ende: man hob schließlich den Ausnahmezustand wieder auf und nichts passierte.….. Womit wir wiederum beim Gleichgewicht angelangt wären: Freiheit Vs Regeln.

    Der Unterschied zwischen diesem Ausnahmezustand und einer kontinuierlichen Entwicklung sei noch genannt. VDS, Nacktscanner, Maut-Scanner oder OBU´s, Gen-Datenbanken, Homeland-Security-Datenbanken, Schüler-Datenbanken usw.. Das sind keine temporären Ausnahmezustände welche irgendwann einmal wieder verschwinden. Es existieren Gesetze welche einst zu Zeiten der RAF eingeführt wurden und sogar mit einem End-Datum versehen waren immer noch, wurden noch in den 90ern verlängert.

    Sicherheitsgesetze sind m.E. eine Einbahnstraße. Ein zurückrudern ist mir in letzter Zeit selten begegnet (vielleicht Schengen). Einmal unterstellt das die hinzugekommenen Regeln seit Gründung der BRD eben nicht in Abschaffen von Einschränkungen der Freiheitsrechte bestanden wurde das Verhältnis Freiheit vs. Sicherheit 60 Jahre lang in Richtung Sicherheit verschoben. Die Falken haben in dieser Hinsicht in den letzten Jahren seit dem 9/11 praktisch Narrenfreiheit. Man muss nur ganz, ganz entfernt mit Terror winken und schon geht ein hysterischer Aufschrei durchs Volk. Das wäre zu echten Terror-Zeiten der RAF niemals möglich gewesen. Heutzutage läuft einer durchs Schulhaus und ballert und am nächsten Tag steht der personifizierte Lynchmob vor dem Innenministerium und fordert Dinge zu welchen die RAF nie jemanden hätte bewegen können. Bei dem was heutzutage alles freiwillig möglich ist, wo sich das Volk freiwillig(!) unterwirft, bekommen Ex-STASI und Ex-RAF feuchte Augen. Alleine schon das ist für mich ein Zeichen dafür das es nicht richtig sein kann einfach so weiter zu machen.

    Oder anders Oliver: Waren wir in den 80ern unglücklicher oder unfreier?

    Ich meine nein, im Gegenteil. Man war sogar bedrohter — hat sich aber nicht dermaßen über schiere Möglichkeiten verrückt machen lassen. Das ist schon eine massive Phobie welche derzeit ausgebildet wird. Und ich meine nicht die Phobie gegen Sicherheitsgesetze. Es wird einem permanent Angst eingejagt ähnlich einer Spinnen-Phobie wenn man das mit Zwangshandlungen und ständigen Kontrollieren ob auch nirgends eine Spinne sitzt verbunden ist. Man entfernt sich Schritt für Schritt von einem Gefühl dafür was «Freiheit» oder «Teilnehmen am normalen Leben» denn ist. Die Zwangshandlung welche einem in diesem Falle eingeredet wird bestimmt immer mehr den Tagesablauf.

    Das ist sicher mit ein Tunnelblick und der Ausblick nach vorne und nicht rein das hier und jetzt. Denke ich zumindest. Das Problem bei Phobien ist, das man als mit betroffener nicht unbedingt objektiv ist. Und so unterhalten sich diejenigen mit der einen Phobie mit denen welche einer anderen Phobie anhängen darüber wer denn gesünder ist, nicht? 😉

    Grüße
    ALOA

  24. Oliver sagt:

    >Oder anders Oliver: Waren wir in den 80ern unglücklicher oder unfreier?

    Nein, meist nur uninformierter, weniger aufgeklärt. Was in 60ern/70ern und auch 80ern teils in der BRD usus war, schrieb ich hier in vielerlei Artikeln und Kommentaren nieder. Oder eine etwas grobe Regel: mehr Technologie == mehr Überwachungsmöglichkeiten; weniger Technologie != weniger Eingriffe in die Bürgerrechte. Umfassende Grundlagen wurden früher gelegt, einige entfalten nach und nach erst ihre Wirksamkeit. Aber deswegen ist die Qualität der Eingriffe heute nicht brisanter, mehr die Quantität. Vice versa ist uns heute vieles möglich, was so nicht in 60ern/70ern beispielsweise praktikabel gewesen wäre. Man sollte nicht zu sehr mit dem Tenor der Politiker wetteifern und Milchmädchenrechnung mit Milchmädchenrechnung kontern. Differenzierung tut Not, exakte Aufklärung wo möglich. Bis dahin ist es aber auf beiden Seiten ein langer u. steiniger Weg. Hoffen wir also, daß nicht irgenwann wieder einmal ein «lachender Dritter» auftaucht und die streitenden Parteien hinter sich läßt.

  25. aloa5 sagt:

    Das mit dem lachenden Dritten ist das Problem. Dieser wird mit dem arbeiten was er darf. Das was er darf wird in «Friedenszeiten» festgelegt — wie einst die Notstandsgesetze auch.

    Wer Werte nicht in Friedenszeiten schätzen und hoch halten kann wird nach schwierigen Zeiten wenn «lachende Dritte» angerückt waren behaupten müssen das man es nicht hat vorhersehen können. Man kann. Das ist es was manch Staatsrechtler macht — und auch manch Philosoph.

    Grüße
    ALOA

  26. Oliver sagt:

    >Wer Werte nicht in Friedenszeiten schätzen und hoch halten kann

    Die Realität ist diese, diese sogenannten Werte sind eine Definitionssache, mittels Regeln definiert. Und diese Regeln werden heutzutage nicht wirklich diskutiert, sondern von einer Gruppe beinahe pauschal negiert und von der anderen Gruppe fortwährend verschärft. Weder das eine, noch das andere kann wirklich das omnipotente Ziel sein. Aber solange Jammern auf hohem Niveau und gegenüber apokalyptische Angstszenarien den Ton bestimmen, solange wird sich auch nichts ändern. Und dabei hilft auch nicht das oft stark abstrahierte Orakeln einiger weniger.

    >Das was er darf wird in “Friedenszeiten” festgelegt – wie einst die Notstandsgesetze auch.

    Waren es denn Friedenszeiten (selbst mir war in den 80ern die Gefahr eines atomaren Erstschlag äußerst bewußt, heute hingegen ist es für viele mehr ein historisches Gebilde)? Ein kalter Krieg, der nur von Zynikern derart abstrahiert wird, ein Waffenstillstand mit einem Deutschland, welches zwei Kriege initiierte … die Nostandsgesetze waren vom Zeitgeist geprägt und entfalten heute erst von vielen unbeachtet ihre Wirkung. D.h. man konzentriert sich mehr auf die Symptome. Ein interessanteres Beispiel politischer Willkür und Mißbrauch war da schon eher Brandts Radikalenerlaß, der mehr zum Berufsverbot für links orientierte Zeitgenossen in öffentlichen Gefilden mißbraucht wurde, denn zum Schutz. Brandt selbst sah den Fehler später gar ein — selten für einen Politiker.

    Damals war es der kalte Krieg der ein unseeliges Momentum erlangte, gepaart mit der RAF in diesen Gefilden, anderswo war es die IRA oder die ETA usw. Heute haben wir den globalen Terror oder jedenfalls die Möglichkeit dessen, nebst zahllosen Kriegen über den Globus verteilt. Die Zeit in der wir leben ist nicht wirklich friedlich, jeder baut sich natürlich seine ganz persönlich Insel, inklusive Ponyhof, aber die Realität ist alles andere als das.

  27. Oliver sagt:

    Ein kleine Ergänzung, just seitens Schneier eingetrudelt:

    There are all sorts of psychological biases that cause us to both misjudge risk and overreact to rare risks, but we can do better than that if we stop and think rationally.

  28. […] Ich hoffe ihr versteht den Comic von Bulo? Und wer nicht, auch egal. Sehr gut ist der Artikel von Chris über Nacktscanner. […]

  29. […] F!XMBR: Das falsche und fatale Argument der Nacktscanner-Gegner […]

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