Das dämonisierte Internet

Die Qualitätszeitschrift — waren die nicht mal Leitmedium in unserem Land? — SPIEGEL (Online) hat es mal wieder mit dem Internet. Diesmal das Thema: Die Ex, die ohne ihr Wissen ins Netz gestellt wird, nackt in eindeutigen Posen, beim Duschen, der Kopf auf den Körper vom Porno-Starletts kopiert. Die Kollegen hier in Hamburg sind also über die Begriffe Ex, Homemade, süße Rache, whatever gestolpert — und wie das beim Qualitätsjournalismus so ist, finden sich auch gleich gute Leumundszeugen für die eigene Behauptung:

Listete die Suchmaschine Google unter den Spanner-Schlagworten «upskirt» (Blick unter den Rock) und «downblouse» (Blick unter die Bluse) im Jahr 2004 etwa vier Millionen Angebote auf, sind es jetzt schon fast acht Millionen.

Na das ist doch mal eine journalistische Glanzleistung — nackte *g* Zahlen einer Googlesuche. Statt 4 Mio. sind es heute 8 Mio. Die hat der Autor wahrscheinlich alle überprüft — mit seinem Artikel und diesem hier sind es im Übigen wieder 2 mehr. Da fasst man sich doch an den Kopf ob dieser Qualität. Aber es wird noch besser:

Auch der Hallenser Oberstaatsanwalt Peter Vogt, der als Kopf der Operationen «Mikado» und «Marcy» schon Hunderte pädosexueller Internet-Surfer hochgehen ließ, beklagt einen «explosionsartigen Anstieg» der Opferzahlen.

Oha, nun muss also, und wenn es nur in einem Nebensatz ist, wieder das Wort KiPo fallen. Dazu ein Leumund, dessen Methoden - sagen wir - mal rechtsstaatlich fragwürdig sind, die Presse, so hat es immer mehr den Anschein, missbraucht, um sich selbst in einem guten Licht darstehen zu lassen. Man kann es erahnen — den Namen Peter Vogt wird man bald irgendwo politisch lesen. Und ich bin mir auch sicher — bei dieser Propaganda zittern alle KiPo-Hersteller und-Konsumenten in diesem Land, wenn sie nur den Namen Peter Vogt hören. Dem SPIEGEL sei Dank.

Wenn es überhaupt ein großes Problem gibt, dann nicht erst seit kurzer Zeit, seit gestern. Schon seit Urzeiten stolpert man hier und da auf Privataufnahmen im Netz, und jeder Mensch, der weiter als die SPIEGEL-Leute denken kann, wird sich schon fragen, ob da alle Beteiligten bescheid wussten — und ja, pseudo-private Aufnahmen gibt es natürlich auch. Und natürlich gibt es auch Fälle, in denen alle Beteiligten von allen Vorgängen Kenntnis hatten, nach einer Trennung jedoch, hatte eine Seite auf einmal ein feines Druckmittel in der Hand.

Doch neben dem ursprünglichen Problem, welches sicherlich nicht zu entschuldigen ist oder hier relativiert werden soll, werden die weiteren Aspekte nicht im Ansatz beleuchtet. Die Kollegen des SPIEGEL entwerfen mal wieder das dunkle BILD des bösen Internets. Das hat mit Journalismus wenig bis gar nichts zu tun, es ist einfach nur peinlich und lächerlich — aber wie ich gerade lesen konnte, war das nicht die erste journalistische Glanzleistung des SPIEGEL-Autors.

SPIEGEL Online — Nackt im Netz

9 Antworten zu “Das dämonisierte Internet”

  1. Markus sagt:

    Ich wqunderte mich gestern schon im Druckspiegel darüber, dass man die eine Seite prominent mit Screenshot ankündigt. Das dürfte die beste Werbung sein, welche die Seite bisher gesehen hat. Das ist vollkommen unverständlich für mich.

  2. Chris sagt:

    Das wird ja immer besser — das mit dem Sceenshot fällt mir jetzt erst auf. 😮

  3. Oliver sagt:

    Lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit, non novit.

    q.e.d. — natürlich im Sinn übertragen 😀

  4. Chris sagt:

    Oh man, wieso habe ich mir nur mit Englisch, Französisch und Spanisch rumgequält — hatte ich damals gewust, dass ich irgendwann mal ein Internetprojekt mit Oli zusammen mache, hätte ich Latein genommen. 😀

    Btw, ex4you.de ist down…

    Forbidden

    You don’t have permission to access / on this server.

    Ein großer Verlust ist es nicht — der Chronistenpflicht wegen… 😉

  5. Grainger sagt:

    Immer diese alten Lateiner. 😉

    Erstaunlicherweise kannte ich das Zitat sogar noch und konnte es sogar (allerdings nur einigermaßen sinngemäß) übersetzen ohne Google zu bemühen.

  6. Oliver sagt:

    Ist auch nur eine Zusammenfassung des gesagten und ein geflügeltes Wort in der gekürzten Fassung 😀

  7. shaggy sagt:

    ex4you.de ist wieder Online…

  8. Chris sagt:

    Dann haben die Qualitätsjournalisten vom Spiegel ja wieder was zum Schauen Schreiben… 😉

  9. […] nein, das muss nicht F!XMBR sein, es gab genügend andere), dann ist es schlicht und einfach ganz schlechter Journalismus — aber man erwartet von Euch ja mittlerweile nichts anderes. Dabei gibt es […]

RSS-Feed abonnieren