Das China-Syndrom

Cina, Public Domain

Ein Unfall mit Kernschmelze ist es beileibe nicht, was sich zur Zeit auf deutschen Webseiten abspielt. Und auch ob Michael Douglas und Jane Fonda eine Neuauflage ihres grandiosen Spielfilmes von 1980 planen, darf bezweifelt werden. Aber: Deutsche Webseitenbetreiber werben seit kurzer Zeit für Yahoo, rechtfertigen sich auf doch sehr widerwärtiger ungewöhnliche Weise. Wasser predigen, Wein saufen, ist noch der geringste Vorwurf, den man diesen Webseitenbetreibern machen kann.

netzpolitik.org, die Webseite des Unternehmens newthinking communications hat oben rechts auf der Webseite Wolfgang Schäuble mit Link zum AK Vorratsdatenspeicherung platziert — als kleiner Protest gegen die kommende Totalüberwachung. In den Artikeln wird ebenso klar gegen mehr Überwachung, Kriminalisierung von Internetnutzern, etc. argumentiert. netzpolitik.org wirbt für Yahoo. Sind die Mannen um Markus Beckedahl glaubwürdig?

Spreeblick ist ein ganz besonderer Fall. Auch dort lächelt oben rechts Wolfgang Schäuble, gegen den G8-Gipfel wurde protestiert. Auf der Webseite Johnny Haeuslers gibt man sich sehr gerne links der Mitte. Spreeblick wirbt für Yahoo. Glaubwürdig?

Nerdcore ist eine Webseite, die sehr viel YouTube-Videos verlinkt, der Macher gilt als Robin Hood des Internets. Wo immer Unrecht geschieht, wie z. B. eine Abmahnung, ist er sofort zur Stelle und brüllt los. Nerdcore wirbt für Yahoo. Glaubwürdig?

Das sind nur 3 Beispiele von mehr als zwei Dutzend. Vor 3 Tagen bezeichnete ich es als Blutblogging, und zu diesem Wort stehe ich noch heute. Ein sehr geschätzter Blogger schrieb mir, dass ich zwar recht hätte, manchmal aber weniger mehr wäre. Man kann diese Meinung durchaus teilen — jedoch muss man auch sehen, wie das Wort entstanden ist. Es war schlicht und einfach eine Reaktion auf das Wort Blogfundi, welches man mir an den Kopf geworfen hat. Nun will ich hier nicht großartig schreiben, Ihr seid angefangen, das wäre ziemlich lächerlich. Wenn aber ein Johnny Haeusler auf Spreeblick nun anfängt wegen diesem Wort rumzuheulen, dann sollte er sich zuerst an sein Teammitglied wenden. Nochmal in aller Deutlichkeit lieber Johnny Haeusler: Das Wort Blutblogger war nur eine Reaktion auf Blogfundi. Das einzige, was damals wichtig war: Es musste ein Google-Loch stopfen und so ungefähr meine Gedanken, meine Meinung widerspiegeln. *g*

Aber der gute Johnny Haeusler geht noch einen Schritt weiter. Ich habe ihn gestern darauf aufmerksam gemacht, dass ich es so auffasse, dass er in mein Privatleben eindringt. Es ist ihm egal. Er verlinkt — um sich selbst einen Heiligenschein zu verpassen — auf Vorkommnisse, wo ich eine sehr direkte Wortwahl gegenüber Anderen verwendet haben. Seht her, die brüllen nur rum, teilt Johnny Haeusler seiner Leserschaft mit. Wohlwissend dass damals (und wahrscheinlich immer noch) massiv in meinem Privatleben rumgeschnüffelt wurde, Zitat aus einer Mail, der mir zugespielt wurde. Was kann ich gegen ihn verwenden […] auch Privates. Ich gehe davon aus, dass dies Johnny Haeusler bekannt ist, zwei Links dort angeklickt, wohin er selbst verlinkt hat, und er hätte es gewusst — zusätzlich habe ich es ihm gestern per Mail mitgeteilt. Ihm ist es schlicht und ergreifend egal. Sein eigenes moralisches Verhalten legitimiert er mit einem Artikel auf einer fremden Webseite, auf der ich den Leuten direkt gesagt habe, was ich von ihnen halte. Das ist meiner Meinung nach widerwärtig und lässt charakterlich tief blicken. Und dieser Johnny Haeusler hat als Protest den Schäuble oben rechts, gibt sich links — muss ich mehr dazu sagen? Ich glaube nicht. Ich habe insgesamt 10 adical-Artikel geschrieben, in einem ist mir ein großer Patzer unterlaufen, den Fehler habe ich knapp 24 Stunden vor Erscheinen des Artikels auf der Spreeblick-Webseite korrigiert. Johnny Haeusler wirft mir den Fehler immer noch vor. Soviel dazu. Umgekehrt wird seit knapp 24 Stunden ein Schuh draus.

Und wenn ich irgendwo Grenzen ziehe lieber Johnny Haeulser, dann tue ich das nicht ohne Grund. Wenn ich mit bestimmten Menschen nichts mehr zu tun haben will, auch technische Grenzen ziehe, dann tue ich das, weil diverse Dinge vorgefallen sind. Ob diese Herren dann auf ihren Webseiten eine Blogsoftware installiert haben oder nicht, ist völlig belanglos, Blogger sind (nicht nur) diese Herren ganz bestimmt nicht. Nur weil dort auf diesen Webseiten eine Blogsoftware zum Einsatz kommt, muss ich mich nicht mehr mit diesen Herrschaften auseinandersetzen. Warum auch? Johnny Haeusler macht es ja auch nicht und hat nichtmal die Eier in der Hose, zu F!XMBR zu verlinken. Erst kritisieren und dann der eigenen Leserschaft in den Kommentaren erklären müssen, ne, mit dem Draufschlagen ist nicht der und der gemeint, ist schon ziemlich peinlich, lässt aber — wieder — tief blicken.

Das war aber nur kurz eine persönliche Antwort auf den letzten Absatz des Johnny Haeusler, der mit Hintergrundwissen gefüllt einfach nur jämmerlich und widerwärtig und daherkommt. Kommen wir aber nur zur Rechtfertigungs– und Relativierungsarie des Johnny Haeusler. Spreeblick wirbt für Yahoo und Johnny Haeusler wagt es tatsächlich, auf die Geschichte Chinas einzugehen, natürlich nur oberflächlich, um dann dann zum Kern zu kommen.

Yahoo betont […] dass sich jedes Unternehmen den Gesetzen und Vorschriften des jeweiligen Landes, in dem es agiert, zu beugen habe. Eine Aussage, die sicher richtig ist. So die Argumentation des Johnny Haeusler. Ja, mit dieser Argumentation haben auch Ford und Coca Cola ihre Machenschaften im Dritten Reich gerechtfertigt. Wir reden hier davon, dass Yahoo Benutzerdaten an die chinesische Regierung weitergegeben hat, Dissidenten wurden verhaftet und bis zu 10 Jahre eingesperrt. Und das sind nur die öffentlich bekannten Fälle. Die Dunkelziffer dürfte mit aller Wahrscheinlichkeit weitaus höher liegen. Da fragt man sich dann nur, sind wirklich alle Menschen nur ins Gefängnis gekommen? Yahoo macht in China mit solchen Methoden Geld, Geld, was hier zum Teil an Webseitenbetreiber wieder ausgezahlt wird, Blutgeld. Wenn ihr das nächste Mal über Blutdiamanten redet, schreibt, diskutiert, denkt daran, Ihr nehmt Blutgeld an. Dazu das Zitat des Tages von hockeystick auf den Hinweis, das Brechen des Genicks würde hier in Deutschland eh keiner hören, aus den Augen, aus dem Sinn:

Bei den Hinrichtungen in China bricht kein Genick. Je nach Nachfragesituation auf dem Organmarkt wird auf den Kopf oder auf das Herz geschossen.

Und auch die Herrschaften, die argumentieren, wo denn die Kleidung herkommt, warum man den und den Dienst nutzt, verfehlen das Thema völlig. Einen Dienst, whatever (gezwungenermaßen) nutzen und aktiv dafür zu werben und Geld dafür zu bekommen, Geschäfte mit den Unterstützern von totalitären Regimen zu machen, das hat eine völlig unterschiedliche Qualität.

Johnny Haeusler & Co. machen sich hier die Argumentation Yahoos zu eigen. Geht es noch schlimmer? Nebenan beim Don kam der Hinweis auf Judas — der hatte allein Anschein nach wenigstens noch ein Gewissen und hängte sich der Legende nach auf. Bei adical scheinen alle Dämme gebrochen zu sein. Wahnsinn, purer Wahnsinn meiner Meinung nach.

Und auch der nächste Absatz ist an Zynismus, Demagogie nicht zu überbieten. Machen diese Gesetze und Vorschriften jedoch Verhaftungen, möglicherweise Folter oder gar Hinrichtung von Menschen, die ihre Meinung äußern, möglich, muss sich jedes global agierende Unternehmen dem Vorwurf stellen, es würde die eigene Gewinnmaximierung vor die Menschenrechte stellen. Yahoo muss sich also dem Vorwurf stellen — kein Wort, kein Vorwurf aber von Johnny Haeusler selbst in Richtung seines Geschäftspartners. Eine ganz typische Nebelkerze. Es muss so sein, der normale Leser fasst es so auf, als sei es so, und gut. Und wir wissen doch alle, dass was sein muss, noch lange nicht immer auch ist. Im Gegenteil. Yahoo erkauft sich durch Werbung, also durch Öffentlichkeitsmanipulation im Westen ein reines Gewissen. Man klammert das Thema in den westlichen Ländern aus, wie der Don mitgeteilt hat, wird sogar im Vorfeld auf Podien untersagt, das Thema anzusprechen. Das ist augenscheinlich die Welt von Yahoo, Dissidenten in China in den Tod und ins Gefängnis schicken, im Westen werden Shrimps gereicht — und schon steht man als global handelndes Unternehmen da, welches sich ja nur den Gepflogenheiten des jeweiligen Landes anpasst.

Johnny Haeusler lehnt im Folgenden eine Bewertung von Kunden als moralisch oder amoralisch ab. Sprich, wer zahlt, der bekommt seinen Banner. Das ist in meinen Augen einfach nur pervers — wenn man mal an frührere Aussagen denkt — puh, da will ich gar nicht weiter drüber nachdenken. Wer etwas Integrität, Moral, Ethik und Anstand besitzt, der wählt seine Geschäftspartner sehr wohl aus. So einfach ist das. Mehr ist zu diesem Punkt auch nicht zu sagen. Johnny Haeusler & Co. haben ihre Seelen verkauft — bitte, deren Problem, aber bitte nicht wahnwitzig von einer Falle reden, wenn man darüber nachdenkt, welchen Kunden man annimmt oder nicht. Integrität, Moral, Ethik und Anstand, mehr braucht es dafür nicht. Und schon wählt man seine Kunden mit Bedacht aus. Wie, funktioniert bei adical nicht? Hm…

Es folgt wieder so eine typische Nebelkerze des Johnny Haeusler. Er versucht aufzurechnen, welches Unternehmen schlimmer ist. Ist Yahoo schlimmer als Apple? Ist Microsoft böser als Google? Das geht natürlich völlig am Thema vorbei, schon als kleiner Junge wurde mir Argumentation und nicht sinnlose Vergleiche beigebracht. Wenn XY in den Teich springt, springst Du hinterher, war immer die süffisante Frage meiner Mutter. Diese Lektion scheint an Johnny Haeusler vorbeigegangen zu sein. Es geht hier explizit um die Tatsache, dass Yahoo Menschen an das totalitäre Regime in Peking verraten hat. Das hat nicht Microsoft getan, das hat nicht Apple getan, Yahoo hat dafür gesorgt, dass Blogger — zumindest von öffentlich bekannten Fällen — ins Gefängnis gekommen sind. Wie bereits erwähnt, über eine Dunkelziffer mag ich nicht nachdenken. Und noch einmal: Yahoo macht Geld damit, Dissidenten zu verraten, Geld, was im Westen dazu eingesetzt wird, solche Artikel und Rechtfertigungen zu kaufen, wie den von Johnny Haeusler.

Im vorletzten Absatz des Johnny Haeusler geht dann schon die Diskreditierung los, die im letzten Absatz ihren Höhepunkt findet (siehe oben). Niemand hat jemals behauptet, dass ein flickr-Account-Nutzer ein Mörder ist. Das ist gelogen, das wird getan, um die Kritiker in eine Ecke zu stellen — man könnte vermuten, Johnny Haeusler hat seine Worte mit der PR-Abteilung Yahoos abgesprochen. Ich erwähnte es oben bereits: Einen Dienst aufgrund mangelnder Alternativen nutzen und Geschäfte mit den Unterstützern totalitärer Regime, Geschäfte mit denen zu machen, die andere Menschen, Blogger, mindestens in das Gefängnis gebracht haben, das sind zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe. Das hat völlig unterschiedliche Qualität.

Im letzten Teil des vorletzten Absatzes schwingt Johnny Haeusler sich dann wieder als Sprachrohr der deutschen Blogosphäre auf. Diese Diskussion sei ja so wichtig, weil sie schon vor Jahren in anderen Ländern gelaufen ist. Klopf, klopf, jemand bei Dir da oben zu Hause Johnny? Hier geht es nicht um Werbung, hier geht es explizit um Yahoo. Schon gar nicht repräsentierst Du oder adical die deutsche Blogosphäre. Als Ihr die Aktion Mensch im Boot hattet, gab es da solche Artikel? Nein, ach, das ist ja mal interessant, warum wohl nicht. Unglaublich. Durch die Geschehnisse der letzten Tage bin ich zu der Meinung gelangt:

Johnny Haeusler und seine Kumpanen bringen in Deutschland das Bloggen in Verruf!

Diese Herren stellen sich auf Podien, in ihren Artikeln hin, sagen, Reden Sie mit Bloggern. Reden Sie mit uns. Allen da draußen sei gesagt, dass hier nun dringend eine Grenze gezogen werden muss. Diese Herrschaften, die meiner Meinung nach das Bloggen (und nicht nur Blogger anderer Länder) verraten haben, dürfen nicht länger als Blogger angesehen werden. Diese grandiose Form des Publizierens wurde von diesen Damen und Herren mit Füßen getreten. Bloggen bedeutet meiner Meinung nach anders zu sein. Anders wie die Verlage, wie das Käseblatt, was jeden Mittwoch reinkommt. Bloggen bedeutet Meinungsvielfalt, abseits vom Mainstream eine Gegenöffentlichkeit schaffen, und sei es nur im Mikrokosmos deutsche Blogosphäre. Bloggen bedeutet schreiben mit Herz. Die Mannen um adical haben dies verraten und verkauft. Es sind in meinen Augen nicht länger Blogger. Spreeblick wird in Zukunft das kleine Käseblatt darstellen, Stefan Niggemeier war schon immer Journalist und kein Blogger, der den seinen auf die Finger geschaut hat — Markus Beckedahl wird weiterhin in Zukunft Unternehmenspolitik auf netzpolitik.org machen. Und der Rest, ja mei, es sind schlicht und einfach keine Blogger mehr. (Klein-) Gewerbetreibende, die mit Yahoo ins Bett steigen.

Blogger waren mal eine moralische, eine ethische Instanz mit Integrität, sie waren mal glaubwürdig, sie besaßen eine Glaubwürdigeit, von der SpOn und Co. nur träumen konnten. Mit der Annahme allein von Yahoo als Werbepartner, ist dies nun zerstört worden. Das Bloggen in Deutschland muss wieder neu aufgebaut worden — ohne die (Klein-) Gewerbetreibenden von adical. Es sind schlicht und einfach keine Blogger mehr. Sie haben uns verraten, sie haben die Menschen in China verraten, sie haben (im übertragenden Sinn) Blut an den Händen. Es sind meiner Meinung nach Blutblogger, und das sagt ein von denen gebrandmarkter Blogfundi. Aber, und das ist das Entscheidende: Man kann sich mal fetzen, Ihr könnt mir so viel vorwerfen, wie Ihr wollt. Doch ich, ich habe das Herz noch immer am rechten Fleck!

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25 Antworten zu “Das China-Syndrom”

  1. derhans sagt:

    Kann man hier irgendwo seine Unterschrift mit drunter setzen? :)
    Im ernst, ich stimme dir 100% zu. Wer Geld von einem Unternehmen wie Yahoo kassiert und sich auf geradzu peinliche Weise dafür rechtfertigt, den kann man als Blogger nicht mehr ernstnehmen, außer er schreibt nur noch über sein Haustier, das Wetter und andere Belanglosigkeiten.

  2. ajku sagt:

    Johnny ist kleinlaut geworden, versucht auf Nebenthemen auszuweichen — und seine Kamarilla folgt ihm.

    «Der Zaun indessen stand ganz dumm,
    mit Latten ohne was herum,
    Ein Anblick graesslich und gemein.«
    (Morgenstern)

  3. *endlich auch mal hier kommentieren tu* hoffentlich versau ich den Einstand nicht 😉
    Als treuer und (bisher wortloser) fixmbr.de-Leser erschreckt mich die anbahnende (bzw. schon laufende) Schlammschlacht au weia, Jungs kommt mal wieder runter.

    Einige grobe argumentatorischen Schwächen des Johnny Haeusler sind natürlich nicht von der Hand zuweisen — das hat Chris ja schon zur genüge hier aufgeführt dennoch ist IMHO daran nicht _alles_ falsch. Denn bei einem hat er nun mal recht: *jeder* Konzern ab einer gewissen Größe hat Blut an den Händen. In etlichen Teilen der Welt und Yahoo! ist da sogar noch ein verdammt kleiner Fisch.
    Relativierungen/Vergleiche hin oder her, aber Die Welt ist nun mal leider scheiße. Daher muss man auch mit Scheiße umgehen. Das lässt sich durch die reine Existenz nicht vermeiden, man kann nur zwischen Pest und Cholera wählen. Jeden Tag aufs Neue. Manchmal hat man Glück und die Wahl zwischen einem großen und einem kleinen Übel, oft ist das aber nicht so.
    Wenn man sich das bewusst macht und seine Moral danach ausrichten will, müsste man IMHO zwangsweise in Agonie/Tatenlosigkeit und Selbstzweifel verfallen, denn aus irgendeiner Perspektive ist jeder Schritt in eine beliebige Richtung irgendwie falsch.

    Wir leben in einem System, welches es *jedem* durch die eigene Existenz als solche _aufzwingt_ Blut an den Händen zu haben. Man hat nur noch den kleinen Entscheidungsspielraum auf welche Ebene man das runterbrechen will.
    Für dich Chris fängt dies bei den Werbebanner von Yahoo! an, für andere schon beim Benzin, Nahrungsmittelkauf, Wahl der Haarfarbe [Feinbild der Wahl einzusetzen]? was weiß ich. Diese Grenze hat man in gewissen Umfang(!) persönlich zu ziehen und für sich damit klarzukommen.
    _Ich_ würde mich es jedenfalls nicht wagen, Blutblogger wegen Werbebanner zu schreiben (by the way: Chris Rückrad diesbezüglich ist bewunderswert also ein Wegkucker bist du bestimmt nicht!), weil _ich_ es als übertrieben empfinde und _ich_ es ob der bescheidenen Mittel/Einsichten eines normalen Bürgers auch nicht _wirklich_ bewerten kann und will. Wenn ich mir so manches Schwein, welches über die Erde wandelt, anschaue wird das hier nicht besser/wichtiger. Der würde sich über Diskussionen wie Yahoo!-Banner gut/schlecht oder Ähnlichem kaputtlachen. Ich habe oft das Gefühl das dies nur gemacht wird, weil man sich nicht traut dem menschenhändlerischen Zuhälter in seiner Stadt die Stirn zu bieten, denn _das_ sind irgendwie wichtigere Probleme bei denen man sogar was verändern _könnte_ (China ist fern).… Werbebannerdiskussionen sind da aber natürlich angenehmer 😉

    Das Problem welches man sich durch das Herunterbrechen der Moral auf solche kleinen Probleme einhandelt ist unausweichlich: Setzt jemand Windows ein und verkauft in China hergestellte Rechner — ein «Bluthändler?». Ein Autoverkäufer — ein «Bluthändler». Ist heise.de ein «Blutverlag» Blogs mit Yahoo!-Werbung — «Blutblogger» [Liste beliebig fortzusetzen, ich sage nur: http://de.wikipedia.org/w.….enfirmen ]
    Folglich sollte man IMHO nicht auf dieser Ebene anfangen zu bewerten.

    Ich persönlich versuche das Dilemma damit zu lösen, mich wieder mehr auf die kleinen Dinge im Leben zu konzentrieren: Mein Umfeld. Da habe ich Einsicht, da habe ich Kontrolle ob mein Handeln auch im Kontext OK ist — und hier kann ich auch wirklich was bewegen. Es macht die Welt besser, wenn ich der alten Dame unter mir helfe.
    Damit kann man viel mehr bewegen als auf ein Werbebanner von Yahoo! zu verzichten, auch wenn man um deren Verbrechen weiß. Denn auch ein Google ist nicht besser. Und IBM. usw usw., ich weiß es 100% nur von diesen Firmen (noch) nicht. Folglich müsste man sich aus der _ganzen_ Sache raushalten, wo wir also wieder beim Thema Agonie/Tatenlosigkeit wären. Aber das kann nicht immer die Lösung sein bei nem Werbebanner geht das noch, klar. Aber schon beim blutigen Benzin kann man das Problem nicht mehr einfach aus seinem Leben ausklammern und nichts anderes ist das raushalten — sondern muss sich ihm stellen.

    Ok ich bin abgeschweift 😉 Was ich eigentlich sagen will, ist das hier IMHO(!) einiges ein wenig zu heiß gekocht wird. *Jetzt* denke ich dies jedenfalls. Vielleicht ändert sich das aber auch noch?. Die übergeordnete Diskussion solcher Probleme ist zwar nicht schädlich (und auch ich gebe mich allzu gern solchen Diskussionen hin *g*), aber auch nicht das wahre, da sie _völlig_ außerhalb unseres Einflussbereichs und auch Einsichtsbereichs verläuft (leider!).
    Und letzteres ist das dicke, fette Problem. Denn ohne _richtige_ Einsicht in gewissen Sphären kann man auch nicht entscheiden, wer nun die «eigentliche Sau» ist. So bleibt das alles nur eines: Schüsse ins Blaue. Und oft lässt man sich vor die Karre des Falschen spannen, ohne das man es bemerkt oder fällt auf Nebelkerzen herein (wie soll man das denn auch _wirklich_ verhindern?)
    [Nur um es klarzustellen, das soll keine Rechtfertigung bzw. Blankoscheck zum killen *jeglicher* Moral sein es soll nur mal ein Gedanke sein, welche Priorität man dem einen oder anderen Problem zuweist]

    *so, Sprung ist kalte Kommentar-Wasser erfolgreich(?!) absolviert ;-)*

  4. Chris sagt:

    Das wird wieder eine kurze Nacht. Wenn ich Lust habe, schreibe ich morgen noch was zu dem ganzen Quatsch und den Relativierungen, die nicht im Ansatz das Problem beschreiben, um welches es geht. Omfg…

    Achja, und unterlasse es doch, Deinen Kommentar zig mal abzuschicken, ich hab nicht wirklich Lust das nächte Mal wieder 4 Kommentare von Dir zu löschen, damit einer durchgeht. Dann werden alle gelöscht. Danke.

  5. Andreas Haerter sagt:

    Ich habe leider einen Error bekommen:
    WordPress Datenbank-Fehler: [Illegal mix of collations (latin1_german1_ci,IMPLICIT) and (utf8_general_ci,COERCIBLE) for operation ‘=’]

    http://img207.imageshack.…..rqu7.gif

    Ich habe folglich nur versucht zu evaluieren, an welchem Char es liegt… und dann eben immer neu gesendet nach einer «Korrektur» eure Tables kann ich schließlich nicht fixen 😉 Da die Aktion abgebrochen wurde dachte ich nicht dran, dass da was druchkommt. Tut mir schrecklicj sorry. *oops*

    Und als ich ne Mail darüber schreiben wollte (das mir ein Mehrfachkommentar verziehen sei wg. des Fehlers kam):

    Warning: mail(): SAFE MODE Restriction in effect. The fifth parameter is disabled in SAFE MODE. in /var/www/web8/html/fixmbr/wp-content/plugins/subrosa/subrosa.php on line 237

    Danke für Deine Nachricht, gegebenfalls werden wir uns so schnell wie möglich bei Dir melden.

    Das F!XMBR-Team

    Sorry… 😉 da sag ich nur: F!X Your MySQL and PHP *g*

  6. Grainger sagt:

    Wir leben in einem System, welches es *jedem* durch die eigene Existenz als solche _aufzwingt_ Blut an den Händen zu haben.

    Möglicherweise habe ich beim nächsten Einkauf ein Produkt im Einkaufswagen liegen, das aus einer Diktatur stammt.

    Ist nicht auszuschließen.

    Ich kann nicht die Herkunft aller Produkte (oder ihrer Bestandteile) kennen, das ist selbst für einen kritischen und mündigen Konusmenten unmöglich.

    Aber ich kann mich zumindest darum bemühen durch mein Konsumverhalten weder direkt noch indirekt gewisse politische Regime zu unterstützen.

    Das dieses Bemühen hin und wieder scheitern wird macht es ja nicht gleich vollkommen sinnlos.

    Aber kein Mensch muss Werbung für Firmen wie Cisco oder Yahoo auf sienem Blog schalten (was das anbelangt muss ein Blogger eigentlich überhaupt keine Werbung für was-weiß-ich-auch-immer schalten).

  7. Andreas Haerter sagt:

    > Aber kein Mensch muss Werbung für Firmen
    > wie Cisco oder Yahoo auf sienem Blog
    > schalten (was das anbelangt muss ein
    > Blogger eigentlich überhaupt keine
    > Werbung für was-weiß-ich-auch-immer
    > schalten).
    Jepp, aber Yahoo! und Cisco sind IMHO einfach relativ kleine Fische im «dreckigen» Geschäft. Ich sehe einfach ein verschobenes Verhältnis zwischen Kritik und Wirklichkeit. Begriffe wie «Blutblogger» sind Katgorie «reisserisch» und relativieren auch Begriffe wie die wissentliche Anspielung auf «Blutdiamanten». Genau über solche Relativierungen hat man sich auf .getprivacy(?oder war es hier.. ich weiß es nicht mehr… müsste suchen) im Übrigen bei den Nachfolgeaktionen zu Stasi 2.0 von dataloo beschwert.

    Daher habe ich mit meinem längeren Kommentar auch (ggf. ungeschickt?!) relativiert und verglichen — wenn man aber so anfängt bleibt der Einkaufskorb nämlich leer. Es ist eben nicht nur «ein» Produkt aus einer Diktatur. Sondern fast alles hat irgendeinen schweinischen Hintergrund. Soll ich den Nachbarskind verbeitet Ninja Turtles zu schauen, weil damit die Diktatur in Nordkorea finanziert wird? Euren Maßstäben folgend müsste ich alles was von SEK-Trickfilmstudios kommt meiden.

    Daher empfinde ich die beschriebene Problematik ist im Kontext der Realität einfach nicht so krass. An einigen Stellen wird dies ja auch selbst von Chris persönlich gesagt, u.a. auch am Anfang dieses Postings:
    «Ein Unfall mit Kernschmelze ist es beileibe nicht, was sich zur Zeit auf deutschen Webseiten abspielt.«
    Aber die Reaktion ist halt doch heftiger…

    Irgendwie schaffe ich es nicht ganz auf den Punkt zu bringen was ich eigentlich sagen will… ich versuche es dennoch nochmal: Die Verflechtungen und Probleme auf der Welt sind so vielschichtig, dass es mir persönlich unmöglich erscheint, solch endgültigen Urteile anhand einzelner Dinge zu fällen. Andere sehen das anders, aber ich denke, uns fehlt allen ab einer gewissen «Problemtiefe» der Überblick.

    Ich will aber auch nochmal sagen: Nicht die Sichtweise oder die Moral hinter der Yahoo!-Kritik stört mich (im Gegenteil, die Haltung ansich ist ja löblich!), aber die Heftigkeit der Diskussion überrascht mich schon ein wenig. Nicht nur hier bei F!XMBR. Auch allgemein.

  8. HinRichter sagt:

    Blutblogger. Aha. Bitte sofort aufhören, Kleidung und Schuhe zu tragen (wird in Kinderarbeit hergestellt, dabei sterben täglich mehr Kinder an Erschöpfung und Unterernährung als in China wöchentlich hingerichtet werden), esst kein Fleisch mehr (ihr Blut– Einkäufer, die armen Tiere leiden doch soooooooooo schrecklich) und wandert aus, weil Deutschland einer der fünf größten Waffenhersteller ist. Ach ja, und das einzige Land, das Zünder für Nuklearsprengköpfe herstellt ist auch Deutschland, nur nebenbei.

    Zieht aus und rettet die Welt ihr Helden! Na los, geht schon, husch husch.

    Ach nee, dafür muss man sich ja bewegen, da polemisiert man lieber ein wenig in der Bogossphäre rum, is ja leichter, in den Nachbarsgarten zu scheissen, nicht wahr?

  9. Oliver sagt:

    Das mit dem Fleisch sehe ich tatsächlich auch so, auch wenns hier nur zur Polemik gereicht.

    >Bitte sofort aufhören, Kleidung und Schuhe zu tragen

    Dur wirst lachen, macht man mich auf etwas aufmerksam, dann beginnt bei mir nicht die Relativierungsrethorik, wie bei einigen inhumanen Zeitgenossen, sondern der Denkprozeß. Ich weiche dem Produkt aus und informiere mich im Vorfeld bezüglich eines anderen Produkts.

    Mir ist auch bewußt das dies ein Kampf gegen Windmühlen darstellt und das ich nie nicht die Nutzung von derartigen Produkten ausschließen kann, aber bewußt und dazu noch für profane Werbung? Nie.

    Mein Preis ist nicht höher, ich habe einfach keinen Preis für derartige Dinge. Kein Weltretter, aber ein vernünftig denkender *Mensch*. Als Historiker sind mir vielleicht einige Dinge bewußter, vernunftbegabte Menschen brauchen jedoch nicht einmal ein derartiges Fachwissen. Man besitzt heute das Internet, das gereicht nicht nur zum Konsum von Youtube …

    >Ach nee, dafür muss man sich ja bewegen,

    Ja und weils auch hier am Blog steht ist die Sache somit für dich geregelt? Prima, mach dir vielleicht erst mal eines bewußt — unsere Welt besitzt weit aus mehr Facetten als deine eng gestrickte virtuelle Blogwelt! Dein Blogrethorik, in und um den Blog, gereicht hier allenfalls zu einem herzhaften Gelächter. Wir kommen nicht von Blogs und werden auch gegebenfalls auf ein späteres Medium umsatteln, wenn sich dies anbietet. Wie auch schon zuvor des öfteren getätigt. Blogs sind für uns nur Software im Netz, eine Kultur versuchen eben diese Kulturbanausen diesen Blogs anzudichten, was paradoxer gar nicht sein kann. Die ?-Schraube mag dein Leben bestimmen in einem eventuellen Konsumrausch, nicht das unsrige.

  10. Phil sagt:

    Gäbe es keine geldgeilen Blogger, wäre das Wort Blutblogger nie kreiert worden.

  11. Max sagt:

    Ist das hier das Kommentar-Bermuda-Dreieck? Hier gabs doch vor kurzem noch über 20, oder täusche ich mich?

  12. Chris sagt:

    Du täuscht Dich, und selbst wenn gehts Dich nichts an. Schon den Link im aktuellen Post angeklickt?

  13. Max sagt:

    Ja, ich sehe ein Bild von einem Typen, der in den Knast gesteckt wurde weil er seine Meinung gesagt hat und dessen Geschichte zu allem Überfluss auch noch von einem kleinen Würstchen genutzt wird um Aufmerksamkeit zu erheischen.

  14. Chris sagt:

    Immerhin mache ich damit kein Geld. :)

  15. Oliver sagt:

    Mac User machen sich die Welt immer wie sie ihnen gefällt — auch business as usual. Muß man aber nicht allzu ernst nehmen die Aussage, ich kann mir derartige Späße erlauben, da wir hier zum Spaß bloggen :)

  16. Grainger sagt:

    Ach ja, und das einzige Land, das Zünder für Nuklearsprengköpfe herstellt ist auch Deutschland, nur nebenbei.

    Irgendwie bezweifele ich, das

    - die USA,
    – Russland,
    – Großbritanien,
    – Frankreich,
    – China,
    – Indien,
    – Pakistan und
    – vermutlich bald Nordkorea und evtl. Iran

    alle die Zündvorrichtungen für ihre Nuklearwaffen aus Deutschland beziehen.

    Ich habe das jetzt nicht recherchiert (und ich habe auch keine Lust dazu jede absurde Behauptung im Internet auf ihre sachliche Richtigkeit hin zu überprüfen), aber schon der gesunde Menschenverstand und die allgemeine Lebenserfahrung sagen mir das sich die Atommächte nicht alle von einem einzigen Zulieferer abhängig machen würden.

    Da der Rest des Kommentars sich auf ähnlich hohem Niveau bewegt schenke ich mir den Rest.

  17. Tim sagt:

    Wie sollten erst einmal privates Handeln vom geschäftlichen Trennen. Bei yahoo, spreeblick und adical sind wir auf der business-Ebene. Da geht es nicht um ein Hobby, sondern ums Geschäft. Auch wenn die adical-blogger noch so viel Privates im blog ausbreiten.

    Von den grossen Konzernen — auch von google, yahoo &Co — wird immer wieder ethisches Handeln, Corporate Social Responsibility, usw. gefordert. Das würden wahrscheinlich auch Lobo und Johnny und andere yahoo-adical-Werber so sehen. Wenn es ums eigene Geld geht, hat ethisches Unternehmerhandeln dann keinen Wert mehr.

  18. […] sind bei der Arbeit. Glaubwürdigkeit sieht anders aus — aber das hatten wir ja schon. Blutblogger? Q.e.d. — oder vielelicht doch nicht? Ich weiß es nicht — was ich weiß: F!XMBR macht […]

  19. Die Welt ist böse und allmählich merkt man es auch hier. Fein. Dann ist ja nicht mehr zu erwarten, dass mir das F!XmbR in Bezug auf meinen «Lieblingsblogger» odU retteV rät, ich solle mich mit ihm vertragen.
    Welcome to reality Guys!

  20. […] Kooperationspartner Yahoo. Juchuu, hat mich mein Instinkt nicht im Stich gelassen. Was für ein Pack. […]

  21. […] Shi Tao — oder ist er mittlerweile für ein paar Herrschaften vergessen, nachdem der Scheck von Yahoo eingetrudelt ist? Wir erinnern uns: Shi Tao ist in China zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt […]

  22. […] Politiker geben sich dort die Klinke in die Hand, Olympische Spiele finden statt und selbst deutsche Webseitenbetreiber werben für dieses wunderbare Land mit dieser tollen Regierung(sform). Über Shi Tao, die Rechtfertigung Yahoos oder auch […]

  23. […] Jahr wieder erhebliche Einnahmen für die auf gewinnmaximiert getrimmten Unternehmen und Yahoo-Werbeträger Spreeblick Verlag KG und newthinking communications GmbH geben. Es wurde die nächste […]

  24. […] falsch — ich bin aber der Meinung, dass mit der heutigen Aktion vom BILDblog nach adical und der Yahoo-Werbung ein zweiter ganz großer Negativ-Punkt innerhalb der deutschen Blogosphäre erreicht wurde. […]

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