Das Blutgeld der deutschen Blogosphäre

Yahooadical lebt — genau so kann man sicherlich für käufliche Blogger ohne Moral und Verstand den neuesten Artikel auf dem adical-Blog zusammenfassen. Rund 250.000 Euro Umsatz will adical im letzen Jahr nach eigenen Angaben generiert haben. Es sieht auf den ersten Blick nach sehr viel Geld aus — zählt man aber die beteiligten Personen zusammen, schaut sich die Verteilung genauer an, relativieren sich manche Zahlen ganz schnell. Doch darum soll es in erster Linie nicht gehen. Rein vom Kaufmännischen her muss man vielleicht sogar mit dem Kopf nicken. Wie so häufig gibt es ein großes Aber: Selbst wenn es mehrere Millionen Euro Gewinn wären — das Geld ist nichts weiteres als schmutziges Blutgeld. Wir erinnern uns: Der erste Kunde hieß Cisco, der mit anderen westlichen Opportunisten The Great Firewall of China realisiert hat. Und als wäre es nicht genug gewesen, dass das chinesische Mörderregime mit Cisco-Technik Menschen im eigenen Land einschließt, verfolgt, warb man im Folgenden für Yahoo. Genau, das Unternehmen, welches Userdaten von Bloggern weitergegeben hat — chinesische Blogger so in den Knast geworfen wurden. Und nein, in China ist das kein Wochenendausflug wie in unserem Land. Diese beiden Unternehmen haben sicherlich nicht wenig für die Kampagnen bezahlt — und bevor sich irgendein Berliner Depp Blogger an dem Begriff Blutgeld stört — einfach mal nachdenken, warum Blutdiamanten eben Blutdiamanten heißen. Das Blut von chinesischen Dissidenten klebt an diesen Geldscheinen. Spätestens in diesem Augenblick hatte die deutsche Blogosphäre ihre Unschuld verloren. Blutgeld ist der perfekte Begriff für den Großteil der 250.000 Euro.

Johnny Haeusler, Sacha Logo, Markus Beckedahl und wie sie alle heißen. Wie eine Armee stand man zusammen — gegen jegliche Kritik, das Berliner Netzwerk lief auf Hochtouren, das konnte der Autor dieser Zeilen bis in sein Privatleben beobachten. Das Berliner Netzwerk ist die Speerspitze der deutschen Blogosphäre — da gibt es leider nichts dran zu deuteln. Man gibt den Ton an, hält seine eigenen Privatjournalisten, die sich teilweise selbst Blogger schimpfen, die immer wieder einen wohlwollenden Artikel in den Tageszeitungen verfassen oder gar in Wochenzeitschriften forcieren — ansonsten tritt man sich auf publikumwirksamen Events gegenseitig die Füße platt. Man ist wer, man beansprucht die Meinungsführerschaft, stellt sich als Chefblogger dieses Landes dar — und durch die willigen Lemminge besteht auch in naher Zukunft keine Gefahr, dass diese mal verloren geht. Man vergisst dabei nur eines: Neben den (gekauften) Freunden in den Verlagshäusern, hat man (medial) nichts zu bieten — Im Gegenteil: Deutsche Blogger sind die Hofnarren der Journalisten. Davon zeugen unzählige Artikel in der SZ oder auch in der FAZ — mal völlig davon abgesehen, dass diese Damen und Herren Journalisten im Glashaus sitzen. Aber erschreckend ist die Erkenntnis schon, dass so mancher Artikel im Kern die Wahrheit getroffen hat.

Shit TaoDie Sache mit der Telekom und Engadget ist wieder einmal ein exemplarisches Beispiel. Blogger-Kollegen aus den USA werden abgemahnt — die Telekom wird Partner der re:publica. Es drängt sich der Eindruck auf, egal welches Regime, egal welches Unternehmen — was auch immer man auf dem Kerbholz hat — im Berliner Bloggernetzwerk und den angeschlossenen Lemmingen kann man sein Gewissen jederzeit reinwaschen. Vorausgesetzt das Geld stimmt. Die re:publica dieses Jahr trägt den Beinamen kritische Masse — sie sollte den Beinamen käufliche Masse tragen. Und bevor jetzt wieder wer mit dem Blogfundi — der eh eine Auszeichnung war — wedelt: Man kann es richtig und falsch machen. Robert Basic zum Beispiel macht es richtig und lässt sich nach seinen Maßstäben, egal ob ich dem immer zustimme oder nicht, angemessen bezahlen, nicht kaufen. Sollten wir uns irgendwann entscheiden, uns auch bezahlen zu lassen, wird ein ähnlicher Weg gegangen, wie ihn Robert geht. Kaufen lassen werden wir uns nie. Glaubhaft, mit Rückgrat und klaren Vorgaben, Robert-like. Die oben genannten Blogger und die angeschlossenen Lemminge, und dieser Eindruck ist mittlerweile nicht nur bei mir verfestigt, lassen sich nicht bezahlen — sie würden sich von Allem und Jedem kaufen lassen. Mal völlig abgesehen davon, was im Hintergrund privat gegen die Kritiker läuft.

Wie das Berliner Netzwerk zusammenarbeitet, der fließende Übergang zwischen PR, Journalismus und gekauften Bloggern perfektioniert wird, hat Don Alphonso hier anschaulich dargestellt. Da passt es dann auch perfekt ins Bild, dass die re:publica und die Macher so manches Mal von einem der Warez-Könige Deutschlands mit Kontakte bis tief in die Dialer-Szene und deren Rechtsanwälten hinein verteidigt wird. Da wächst zusammen, was zusammen gehört. Wenn in Deutschland allgemein über Blogs gesprochen wird, die Journaille über adical, die re:publica oder das deutsche Blogwunder philosophiert, wird einzig das Bild der Berliner Netzwerker wiedergespiegelt. Das Berliner Blognetzwerk zeichnet das Bild von Blogs in der Öffentlichkeit unseres Landes. Und das ist für alle Anderen hochnotpeinlich, vielleicht sogar gefährlich. Ich habe mir im Privatleben mittlerweile abgewöhnt zu sagen, ich blogge. Wann immer die Frage aufkommt, was man so tut, welches Hobby man hat, dann folgt als Antwort: Ich betreibe mit einem sehr guten Freund zusammen eine private, erfolgreiche Internetpublikation. Insbesondere im beruflichen Umfeld muss und sollte das Wort Blog um jeden Preis vermieden werden.

Wang XiaoningDas Bild, welches aus Berlin heraus gezeichnet und forciert wird, diskreditiert alle Blogger dieses Landes. Meine Wenigkeit, und ich denke, ich kann auch für Oliver sprechen, wir haben den großen Vorteil, dass sich unser Bekanntenkreis, Freundeskreis ausschließlich aus normalen Menschen zusammensetzt. Nicht ein einziger Blogger oder Journalist findet sich in meinem näheren Umkreis. Und so bekommt man natürlich aus erster Hand mit, welches Bild in der Öffentlichkeit über Blogger vorherrscht. Im günstigsten Fall wird gefragt, was ein Blog ist, gefolgt von einem mitleidigen Lächeln — bis hin zu einem Kopfschütteln und betretenem Schweigen. Diese Erfahrungen, die ich gerade im letzten Jahr gemacht habe, sind nicht von der Hand zu weisen — und es geht nicht nur mir so. Fragt einfach mal in Eurem Umfeld, wo Ihr genau wisst, Blogs werden nicht gelesen, was Eure Freunde von Bloggern halten. Ihr werdet überrascht sein. Der Autor dieser Zeilen ist wahrlich kein Engel — ich habe wahrlich schon viele Fehler gemacht, auch mit und auf F!XMBR. Man hat es mir gegenüber mal positiv ausgedrückt: Du trägst Dein Herz auf der Zunge spazieren. Ehrlich gesagt bin ich sehr froh darüber. Lieber sensibel emotional, als eiskalt berechnend.

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44 Antworten zu “Das Blutgeld der deutschen Blogosphäre”

  1. ben sagt:

    das ist aber kein netzwerk, das ist eine käseglocke unter der man sich erzählt wie toll man ist.
    bis jetzt dachte ich auch, dass ich mit ignorieren weiterkomme, aber anscheinend wird das nichts mehr…

  2. Tom sagt:

    Alsonein, contenance, meine Herren. Wiekannmanbloss? *Gnihihihi* ich habe schon gedacht, mir wäre heute als einzigem der Faden gerissen, als ich das Geschwafel der Doppelpunkt-Affen gelesen habe :)

  3. Chris sagt:

    Bin vorhin über Deinen Artikel gestolpert — könnte ich jetzt hier verlinken. Kommt aber morgen in meinen Linktipps… 😉

  4. […] verlinkt: re:publica: Die käufliche Masse. […]

  5. ben sagt:

    bei solchen gelegenheiten guckt man ja auch mal beim spreeblick vorbei und oh wunder! der lobo steigt da auch noch mit ein… dann wird aus der ähnlichen suppe wenigstens gleiche…
    aber bitte! in balin jibt es noch blogga, nicht nur käseglockenwerber, die nennt ja auch keiner «europäisches netzwerk» weil sie nun einmal da wohnen…

  6. Chris sagt:

    Es ist aber mal wichtig, das genau so zu benennen. Ich hab mich in den letzten Monaten diesbezüglich ja ein wenig zurückgehalten und ein wenig mehr RL erlebt. Das geht gar nicht, was man da als geoutetet Blogger erlebt. Schon gar nicht im Beruf. Dank dieser käuflichen Pappnasen…

  7. ben sagt:

    um die alte diskussion noch mal anzuspielen: das sind keine blogger

    sollen die sich journalisten nennen, der begriff ist auch nicht geschützt und würde es besser treffen…

    oder wie sagt man heute? startup-gründer?

  8. Chris sagt:

    Wenn ich schreiben würde, was die sind, würden die mich abmahnen…

  9. ben sagt:

    startup-gründer?

  10. schreibvieh sagt:

    «schaut sich die Verteilung genauer an» — wobei Du schon klarstellen solltest, dass Du von der Verteilung der Gelder keine Ahnung hast. Immer dieses «Ich weiss mehr, als ich schreibe»-Geraune, obwohl Du nicht mehr hast als einen Rechner mit Internetzugang, aber keine Informanten, die Dich mit Hintergrund versorgen.

    «Blogger-Kollegen aus den USA werden abgemahnt» — Auch hier nimmst Du es mal wieder mit den Fakten nicht so genau, wenn es nur in Dein BILD passt: Es handelt sich, wie jeder, der die Schreiben von der Telekom gelesen hat, auch weiss, nicht um eine Abmahnung, sondern um eine (rechtsunverbindliche und nicht kostenbewehrte) Aufforderung.

  11. Chris sagt:

    Ich überlege noch…

    Aber ich glaube «Hofnarren der Journalisten» trifft es ganz gut… 😀

  12. ben sagt:

    jeder kann sie nennen wie er will…

    aber wenn wir mal nett sind: mit spreeblick hätte man auch genau das gegenteil erreichen können, von dem was jetzt gespielt wird und die perspektive macht es eigentlich noch trauriger…

    gute nacht (bevor der puls steigt)

  13. Chris sagt:

    @schreibvieh: Oh wie süss… 😀

    Die Verteilung wurde am Anfang bekannt gegeben — und die Besucherzahlen der einzelnen Blogs waren durch Blogscout bekannt. Kann und wird sich nicht großartig geändert haben.

    Da geht das erste Argument in den Orkus… 😀

    Abmahnung

    Und das war es mit dem zweiten Argument… 😀

    Gröhl — selbst wenn Du recht hättest, Kleener, dann wäre icke mit dem Artikel immer noch weit vorne dabei…

    *rollt auf dem boden*

    Hält mich mal büdde jemand auf, ich kann nicht mehr… 😀

  14. Chris sagt:

    @Ben: Spreeblick war Jamba — und seitdem ist es IMHO für Johnny AAL — nichts anderes…

  15. th.m. sagt:

    zu #11 Schreibvieh: Es handelt sich nicht um eine Abmahnung, weil es sich um eine amerikanische Webseite handelt. In den USA gibt es keine kostenbewehrten Abmahnungen wie bei uns. Die können gar nichts anderes machen als erst mal eine Aufforderung zu verschicken.

  16. schreibvieh sagt:

    Chris, wie sieht denn die Verteilung, die da bekanntgegeben wurde, aus? Ein Link würde mir ja schon reichen. Ich frag ja nur.….

    Wegen der Abmahnung kann ich Dir nicht folgen — ich habe nur das Schreiben der Telekom gelesen und da finde ich nix davon, was eine Abmahnung ausmacht. Oder verwendest Du den Begriff gar nicht im juristischen Sinne, sondern nur als Metapher für «eine schriftliche Aufforderung, etwas zu unterlassen»?

  17. Tom sagt:

    Verlinken?! Hahaha! Das wird ein Spass! Ich ersticke so schon in «Fanpost» — mir gehen schon beinahe die verfickten Schimpfwörter für die $§#**-Antworten aus…
    (Nur Spass, mein Vorrat an F-Words reicht für alle…)

  18. Chris sagt:

    Such selber, ich bin nicht Deine Mutter. Irgendwo in den Links ist was zu finden.

    Dann lies den Artikel in der Wikipedia, dann den Kommentar von th.m. und gut.

    Und wenn es nur um den Begriff «Abmahnung» geht — egal, das exemplarische Verhalten der Beteiligten ist der Punkt. Wegen meiner bastel ein Script, was aus Abmahnung Aufforderung macht — Greasemonkey ist Dein Freund. Ich glaube, dass der Artikel oben eine ganz andere generelle Problematik anspricht.

  19. schreibvieh sagt:

    @th.m: Die Fragen bleiben, 1. warum Chris dann diesen (nun ja schon etwas vorbelasteten) Begriff der «Abmahnung verwendet. Soll da ein bestimmtes Verhalten getriggert werden? Und 2. ist mir nicht klar, warum wegen einer solchen Aufforderung gleich die Telekom als Sponsor der re:publika rausfliegen sollte. Es ist ja nicht so, dass es nicht auch in den USA die Möglichkeit gäbe, schärfer zu schiessen als mit einem freundlich gehaltenen Brief. Zunächst mal schreib da ein Unternehmen einem anderen Unternehmen einen Brief und fordert dazu auf, ein bestimmtest Verhalten zu unterlassen. Nix ungewöhnliches, würde ich sagen, noch dazu, wenn man bedenkt dass Engadget als Tochter von TimeWarner nun nicht gerade irgendeine Schülerklitsche ist, auf die der deutsche Elefant einen Haufen setzt.

  20. Chris sagt:

    Danke für diese Argumentationshilfe. Bei den jetzt veröffentlichten Zahlen weiß ich, was ich beim nächsten abgemahnten Blog aus dem adical-Netzwerk schreiben werde. Heute ist ein guter Tag. :)

    *saved*

  21. […] Blogbeiträge, auf die ich gerne verweise. In diesem Fall ist es ein aktueller Beitrag drüben bei F!xmbr, die sich mit der aktuellen Blog-Veranstaltung in Berlin befasst. Chris schreibt dort auf seine […]

  22. Gut, daß Gugel oder Jahu in Deutschland niemals Daten an irgendwelche Behörden herausgeben würden.

    Das jemandem der Computer weggenommen wird, weil er woanders auch einen TOR-Exit-Node betreibt, kommt ja nur in China vor. Hier ist sowas zum Glück natürlich völlig undenkbar.

    Welches Unternehmen würde sich schon die Gelegenheit entgehen lassen, für Recht und Freiheit zu kämpfen, wenn alternativ nichts als schnöder Mamon droht?

  23. picard sagt:

    als neuling hier und im netzwerk (blogger) den begriff vermeide ich nun. ich bin mal gespannt ich werde es mal weiter verfolgen.
    vielen dank für den klasse artikel

  24. […] F!XMBR — Das Blutgeld der deutschen Blogosphäre […]

  25. bioadapter sagt:

    sehr guter beitrag, dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen. fast — diese berliner szene ist inzwischen so full of shit, dass man sich schämt, überhaupt noch auf deutsch zu bloggen

  26. Fritten sagt:

    Eine Meinung die sich vertreten lässt…
    Aber halt trotz der Quellen doch einwenig zu pathetisch…

  27. Oliver sagt:

    Wenn du geheuchelte Objektivität möchtest kauf die eine der üblichen Tageszeitungen/Magazine aus dem Blätterwald. Hier wirst du immer Pathos finden und das ist auch gut so, denn wir stehen dahinter.

  28. Dr. Azrael Tod sagt:

    mal wieder ein nett trollig geschriebener Artikel..
    Da muss man nicht drauf eingehen wenn man anderer Meinung ist (wie z.b. ich) aber man kann natürlich auch stundenlang gegen die Meinung des Autors argumentieren und sich stundenlang rumstreiten ohne dass sich eine der beiden Parteien auch nur ansatzweise überzeugen lässt.
    Man hat ja eh schon lange seine Meinung gebildet.

    In diesem Sinne möchte ich mich sowohl von F!xmbr als auch den wiedersprechenden Personen distanzieren (zumindest was diesen Artikel betrifft).

    PS: und das mir als Obertroll… ich sollte mal wieder an meinem Ruf arbeiten.

  29. Oliver sagt:

    Es geht ja noch nicht einmal per se um die eigens gebildete Meinung, denn meist ist diese leider nur recht oberflächlich ausgebildet und besteht aus einem gewaltigen Schuß Naivität gepaart mit fehlendem Wissen. Der Begriff Blutgeld ist natürlich der Stein des Anstoßes, ebenso wie Blutblogger, der Rest jedoch ist nicht strittig, sondern gründet sich auf gesundem Menschenverstand. Bei oben erwähntem Netzwerk dreht es sich um Geld, an erster, zweiter und dritter Stelle. Selbstredend ist es ein Ding der Unmöglichkeit mit der Tür ins Haus zu fallen, ergo setzt man auf Synergie-Effekte in der Community.

    Man läßt gerne auch Kritiker wohlwollend zu Wort kommen, weiß man doch auch das selbst negative PR immer noch PR ist und einer jeden gut geführten viralen Kampagne genügt. Ebenso hat man lautere Personen im Fuhrwasser, die mit jenem Klientel kommunizieren, welches Geld eher an sekundärer Stelle sieht — letztendlich jedoch pushen all diese Dinge den eigenen primär geförderten Standpunkt. Sprich die Community-Industrie, der Rest ist Couture für die Masse, um einen unbedachten Teil der oberflächlich agierenden Community mitzureißen.

  30. Dr. Azrael Tod sagt:

    Ich hab nicht dagegen Argumentiert, dass es evtl. «moralisch Verwerflich» oder so ist, wenn man Geld von derartigen Firmen annimmt…
    Mein Problem ist viel eher: «Wen interessierts?» ich habe nie viel von irgendwelchen Moralvorstellungen gehalten, die ich unbedingt einhalten sollte und ich hab auch nicht weniger Probleme damit von einer Firma, die Waffen für Kinderarmeen herstellt, anzunehmen als bei Tschibo Kaffee zu verkaufen.

  31. Fragezeichner sagt:

    Welches Unternehmen hat denn überhaupt eine weisse Weste? Wenn man gegen Cisco, Yahoo und die Telekom als Werbepartner oder Sponsor ist, kann auch kaum für IBM, Microsoft oder Google sein. Konsequenterweise sollte man also als Blogger nicht werben? Konsequenterweise sollte man auch Konferenzen ausfallen lassen, die ohne Sponsor nicht finanzierbar sind?
    Und warum kritisiert ihr nur die Blogger, die werben? Warum nicht auch die Kunden dieser Unternehmen? Oder deren Mitarbeiter oder Geschäftspartner? Haben die einen geringeren Anteil am «Blutgeld»? Haben wir als Internet-Nutzer (das Internet besteht fast ausschliesslich aus Cisco-Routern) einen geringeren Anteil am «Blutgeld»?

  32. Oliver sagt:

    >Mein Problem ist viel eher: “Wen interessierts?” ich habe nie viel von irgendwelchen Moralvorstellungen gehalten

    Puuh wen interessierts? Keine Ahnung? Menschen vielleicht?

  33. Oliver sagt:

    >Und warum kritisiert ihr nur die Blogger, die werben?

    Schon einmal hier im Blögle gelesen? Nein vermutlich nicht.

    >Warum nicht auch die Kunden dieser Unternehmen?

    Konsumhaltung ablegen, Blog lesen, denken, dann Antwort verfassen.

    >Haben wir als Internet-Nutzer (das Internet besteht fast ausschliesslich aus Cisco-Routern) einen geringeren Anteil am “Blutgeld”?

    Denk mal drüber nach, es gibt mehr als eine schwarz/weiß-Sicht um einen unmenschlichen Pragmatismus zu rechtfertigen.

    >Konsequenterweise sollte man also als Blogger nicht werben?

    Der Rahmen ist interessant nicht die Verneinung. Letzteres wird uns gerne von eben jenen untergeschoben die das ganze als massiven Angriff auf ihr Geschäftsmodell ansehen. Indem man sich eben dieser Argumentationskette befleißigt bescheinigt man sich höchstselbst allenfalls ein Übermaß an Oberflächlichkeit.

    Menschlichkeit ist eine schwierige Angelegenheit, wohlwissend um die passive Mitwirkung. Selbstaufgabe ob dieser schwierigen Aufgabe, dem Ziel der Annäherung, ist jedoch das denkbar schönste Armutszeugnis das man sich als Mensch austellen kann.

  34. Fragezeichner sagt:

    Konsumhaltung ablegen, Blog lesen, denken, dann Antwort verfassen.

    Du unterstellst mir also, dass ich nicht nachgedacht habe, bevor ich den Kommentar schrieb? Und: darf man hier nur kommentieren, wenn man all eure Blog-Artikel seit Anno Dazumal gelesen und verinnerlicht hat?

    Ich hatte meine Frage ernst gemeint: nenne mir ein Unternehmen, für das du werben würdest! Nenne mir ein Unternehmen, dass du als Sponsor einer Web-Konferenz akzeptieren würdest?

    Denk mal drüber nach, es gibt mehr als eine schwarz/weiß-Sicht um einen unmenschlichen Pragmatismus zu rechtfertigen.

    Diesen Satz wäre ein wunderbarer Kommentar für euren Artikel.

    Menschlichkeit ist eine schwierige Angelegenheit, wohlwissend um die passive Mitwirkung. Selbstaufgabe ob dieser schwierigen Aufgabe, dem Ziel der Annäherung, ist jedoch das denkbar schönste Armutszeugnis das man sich als Mensch austellen kann.

    Menschlichkeit ist keine Aufgabe oder ein Ziel, sondern ein täglich zu lebender Grundsatz im Miteinander, auch in der digitalen Kommunikation. Menschlichkeit heisst auch, zu versuchen, andere Perspektiven und Meinungen zu respektieren.

  35. Oliver sagt:

    >Du unterstellst mir also, dass ich nicht nachgedacht habe, bevor ich den Kommentar schrieb? Und: darf man hier nur kommentieren, wenn man all eure Blog-Artikel seit Anno Dazumal gelesen und verinnerlicht hat?

    Zumindest das man einen groben Überblick hat, ja. Denn ansonsten ist es leider sinnfrei. Die Happen für Zwischendurch liefern wir auch, erkennt man meist an den «drei» Zeilen — es ist also genug für jeden da, auch für primäre nur-Fragesteller :)

    >Diesen Satz wäre ein wunderbarer Kommentar für euren Artikel.

    Auf das Gesamtkonzept des Blogs bezogen indem dieser Artikel im Kontext steht ist deine Aussage wie schon ansatzweise bemerkt sinnfrei. Insgesamt verfolgen wir also durchaus einen Diskurs, das spiegelt sich auch in zwei Persönlichkeiten wieder die hier schreiben.

    >Menschlichkeit heisst auch, zu versuchen, andere Perspektiven und Meinungen zu respektieren.

    Natürlich machen wir ebenso. Aber ebenso ist es kein Grund Mißbräuche zu tolerieren. Ich glaube hier besteht ein eklatanter Mangel bezüglich der Semantik diverser Begrifflichkeiten.

    Kurzum, meinungstechnische Fallschirmspringer, die kurz angebunden ein paar der üblichen, pragmatisierenden Fragen absondern sind zwar ebenso berechtigt ihre Meinung kundzutun, nicht aber unbedingt bei uns. Wenn das Niveau in Bodennähe schleift und Ignoranz die Meinung antreibt ist das legitim, für uns jedoch zeitraubend.

  36. Dr. Azrael Tod sagt:

    > Puuh wen interessierts? Keine Ahnung? Menschen vielleicht?
    Du hast das Problem erfasst… eben nur Menschen.
    Rein Objektiv macht das für mich persönlich keinen unterschied ob der kleine Timmy aus Timbuktu mal ein paar Stunden gefoltert wird oder nicht. Ich werde ihn nie kennen lernen und hab einfach keinen Bock eine Entrüstung darüber zu emulieren, die ich wohl als wirklich fühlendes Wesen empfinden sollte. Ich bin ein Egoist und das ist auch gut so!

  37. ben sagt:

    namen von firmen für die man werben kann? mir fallen spontan 5 ein, werde hier aber keine werbung machen. sooo schwierig ist es also nicht…
    (malabgesehen davon, dass es bei firmen für die man reinen gewissens werben könnte anscheinend einen grund gibt so ein image zu pflegen, muss es noch nicht mal eine loveyouall-hippie-einstellung sein sondern ist eben auch ein schnödes verkaufs-argument.)

  38. Oliver sagt:

    >Ich werde ihn nie kennen lernen und hab einfach keinen Bock eine Entrüstung darüber zu emulieren

    Du hast gerade in aller Kürze auch das Problem unserer Gesellschaft anschaulich beschrieben. Nun es gibt wenige die leben/denken anders, nicht nur auf einer Online-Publikation. Selbstlose Hilfe ist der motivierende Faktor seit Jahrzehnten, der Lohn ist Ignoranz oder gar Tadel. Und ich gebe gerne zu mit 16/17 hatte ich noch ganz andere Dinge im Kopf, auch wenn ich mein Leben teils mit oberflächlichen Emotionalitäten damals garnierte. Aber man wird älter, lernt hinzu, gewinnt an Erfahrung, heiratet, verliert geliebte Menschen, lernt Menschen anderer Kulturen kennen und man bemerkt eines, Egoisten sind tatsächlich recht arme Menschen, wenn sie diesen Habitus tatsächlich konsequent ausleben. Aber wie gesagt, man lernt hinzu, gewinnt an Erfahrung — ist man jung, hat man noch Zeit, ist man älter sollte man sich ernsthaft Gedanken machen.

  39. Chris sagt:

    Dr. Azrael Tod habe ich gerade zur Tür geleitet.

    Rein Objektiv macht das für mich persönlich keinen unterschied ob der kleine Timmy aus Timbuktu mal ein paar Stunden gefoltert wird oder nicht.

    Wer sich so demaskiert — ne, wirklich nicht. Mit sowas will ich nichts zu tun haben.

    Fragezeichner, ich wäre Dir sehr verbunden, wenn Du demnächst die Artikel liest, die Du kommentierst. Und bitte nicht nur den ersten Absatz. Danke. :)

  40. Bernd sagt:

    Ich bin ein Egoist und das ist auch gut so!

    Äh ja, das tatsächliche Problem der heutigen Gesellschaft. Alle sind sie Egos, Singels — beziehungsunfähig in jeder Hinsicht und preisen das auch noch allzuoft als Zeichen einer neuen Ära. Ohne die anderen würdest Du keine 2 Wochen überleben. Unglaublich!

  41. goron sagt:

    die kritische masse verspricht ja nur wachstum. unaufhaltbares wachstum. da muss man die «blogger» auch ein bisschen träumen lassen.
    danke für den artikel, er spricht mir aus dem herzen.

  42. […] und legal im Netz ansehen. Siehe RTLnow,MySpass etc. Blogwelt: F!XMBR moralisiert zum Mitdenken. Das Blutgeld der deutschen Blogosphäre. Jeder darf, nein, muss sich selber seine eigene Meinung bilden. Ob Adical den Punkt der gesunden […]

  43. […] harsche Vorwurf des Blutgeldes mag wohl wirklich sehr weit gehen, im Kern zielt er aber auf das Problem der […]

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