das Aus für Tor-Server, das Aus für die Privatssphäre

Das Raubkopierer1 teils den Sargnagel für Anonymisierungsdienste darstellen, insbesondere jene die mittels P2P arbeiten, dürfte hinreichend bekannt sein2. Der finale Todesstoß dürfte jedoch die Majorität der Tor-Server mit dem Advent des neuen Jahres 2009 erwarten. In diesem neuen Jahr beginnt die unsägliche Vorratsdatenspeicherung unserer Berliner Inkompetenz. Nicht nur das diese Bewegungdaten von Tor-Servern in der Regel für den anus sind, auch erfordern diese einen unzumutbaren Aufwand von den jeweiligen Anbietern, die ihre Server für lau in den Dienst der Anonymität stellen. Massives Datenaufkommen, zeitnahes Nachkommen von Ermittlungsanfragen, all dies ist für einen privaten Serveranbieter nicht mehr möglich ohne finanziell gestützten 24h Support.

Warum das alles? Man kann entweder meinem polemischen Ansatz folgen und von Inkompetenz reden, die gewiß in großen Teilen vorhanden ist, oder aber man vermutet dahinter Kalkül. Kalkül um den Aufwand der Analyse von Bewegungsdaten drastisch zu verringern, indem man Anbieter von derlei Diensten einschüchtert. Letzteres ist nicht unbedingt von der Hand zu weisen, betrachtet man die Methodik der Exekutive in puncto der Linken (nicht die Partei), bei welchen man wissentlich Kolateralschäden in Kauf nimmt. Sicherlich werden auch wieder eine Menge Helden, sprich Nutzer ohne Sachverstand und Eigeninitiative, und ihre sinnfreien Ratschläge der Allgemeinheit unterbreiten, von wegen alles halb so schlimm und da läßt man sich nicht von unterkriegen etc. Für unseren Tor-Server bedeutete es schon anfangs schnell das aus, da wir kaum mit der gigantischen Bandbreite haushalten konnten, ohne massiv diese einzuschränken. Respekt an alle die dies durchhielten, Verständnis auch an alle die nicht das Risiko eines Kolateralschadens in Kauf nehmen möchten.

Die Freiheit wie wir sie kennen erfährt im Moment eine langsam gezogene Zäsur, vom Überwachungsstaat hin zum Präventionsstaat. Auch Ulf Buermeyer, Richter des Landes Berlin und derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht, erklärte, ihm persönlich gehe «die Vorratsdatenspeicherung zu weit». Man befindet sich heute schneller in den Mühlen der Behörden als man noch vor einiger Zeit zu glauben mochte.

Generell wolle die GPF die Bürger dazu bringen, den hohen Wert der Privatsphäre stärker anzuerkennen und zu verteidigen. Eine solche Lobby müsse aber «von unten kommen». Und genau das ist das Problem, das es zu bewältigen gilt. Das Volk mag nicht, es mag sich vergnügen, es mag nutzen, es nimmt dabei gerne in Kauf im nächsten Augenblick mit 200 gegen die Wand zu fahren. Es fehlt die aktute Gefahr, man hat sich über die Jahrzehnte in Deutschland daran gewöhnt alles gut zu reden. Selbst massive Beispiele staatlicher Fehltritte, staatlicher Übergriffe werden mit einem Schulterzucken abgetan, da man *immer* eine Ausrede parat hat, warums einen selbst eben doch nicht tangiert.

heise

Bild (Lupe): WikiCommons

  1. das Semantikgebrabbel ersparen wir uns jetzt ein mal, es ist allgemeine Nomenklatur und jeder Depp weiß was damit genau gemeint ist []
  2. Stichwort: Mißbrauch von der Community zu Verfügung gestellten Bandbreite []

5 Antworten zu “das Aus für Tor-Server, das Aus für die Privatssphäre”

  1. Marcel sagt:

    frage: ich dachte die vorratsdatenspeicherung für internetdaten kommt erst 2009? schlimm genug, dass überhaupt.

  2. Oliver sagt:

    Ja ein Vertipper, mittels der letzten Einschüchterungsversuche in puncto Tor mußte die Serverlandschaft ohnehin schon Federn lassen, das Jahr macht den Braten nun auch nicht mehr fett. Das Dahinsiechen ist ja schon im vollen Gange.

  3. Marcel sagt:

    ja leider. wie so vieles

  4. Rafi sagt:

    Da kann ich euch vollstens zustimmen! Selten, dass ich mich heutzutage über politische Entscheidung noch aufrege — hierbei aber schon! Das ist meines Erachtens ein ganz erheblicher Eingriff in die Privatsphäre. Wenn man bedenkt, dass jetzt auch noch «Kirchen» oder «Sekten» wie Scientology verboten werden sollen, da sie gegen die «christlichen» Gedanken im Grundgesetz verstoßen… Was sind denn die «Christen»? Keine Kirche/Sekte?! Steht im Grundgesetz nicht «Religionsfreiheit» — das geht momentan alles in eine Richtung, die uns alle gläsernd macht — bald muss auf unserem Auto unser Name und unsere Adresse stehen sowie natürlich die Telefonnr., damit sich jmd. beschweren kann, wenn man ihm den letzten Parkplatz vom Aldi geklaut hat.…

  5. Martin sagt:

    @Rafi: Was du offenbar nicht verstanden zu haben scheinst: Scientology unterscheidet sich von anderen «Glaubensgemeinschaften» dadurch, dass sie die politische Ordnung in Deutschland stürzen will. (vgl. http://de.wikipedia.org/w.….endenzen)

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