Dallas

Ja, auch ich habe damals Dallas geschaut. Und wenn die Jüngeren unter Euch nun lachen — wir hatten damals nur ARD, ZDF und das Ditte. Aber Schluss mit den Rechtfertigungen — wir haben es damals geschaut, weil es einfach geil war und weil Larry Hagmann mir J.R. Ewing den wahrscheinlich sympathischsten Unsympathen der achtziger Jahre geschaffen hat.

Remakes sind gerade wieder sehr modern — und so sind J.R., Bobby und Co. zurück. Gestern Abend liefen die ersten beiden Folgen im US-Fernsehen. J.R. im Seniorenheim, Bobby an Krebs erkrankt, Sue Ellen möchte Gouverneurin werden und das einstige Sexsymbol Lucy Ewing dick, aufgedunsen, keine Augenweide.

Gerade das macht den Reiz des Remakes aus. Der Hauptplot dreht sich um John Ross, den Sohn J.R.‘s, dem das Böse praktisch in die Wiege gelegt wurde und um Christopher, Adoptivsohn von Bobby, der dessen naive Weltsicht übernommen hat.

Die neue Generation ist austauschbar: Unterwäschemodels, egal ob Mann oder Frau — wenn Intrigen gesponnen werden ohne jegliche Ironie, mit Dialogen, die im Original selbst von einem Grundschüler verfolgt werden können, dann bleibt ein Gähnen nicht aus.

Wenn allerdings J.R. sein bekanntes und fieses Lächeln aufsetzt, Bobby seinem Neffen den Kampf seines Lebens verspricht, Sue Ellen immer noch weiche Knie bekommt, wenn J.R. vor ihr steht, dann ist man zurück in den Achtzigern.

Das Dallas-Remake ist eine Homage an die eigenen Schauspieler, an Larry Hagman, an Patrick Duffy — und an Lindy Gray. Ohne «The big Three», wie die alten Helden am Set genannt wurden, wäre das Dallas-Remake nur eine ideenlose Persiflage auf das Original.

Dadurch, dass TNT die alte Riege mit einbeziehen konnte, ist es eine Verbeugung an die alte Zeit. Larry Hagman hat einmal gesagt: «Ich werde J.R. sein, bis ich sterbe». Genauso wie Patrick Duffy immer Bobby Ewing sein wird, der erschossen wurde und dann plötzlich wieder unter der Dusche stand, genauso wie Linda Gray immer die gehörnte aber am Ende starke Sue Ellen sein wird.

Und damit waren und sind sie Teil unserer Jugend gewesen. TNT sollte sich den Gefallen tun, das Dallas-Remake nach den geplanten 10 Folgen wieder einzustellen. Dallas war ein Teil von uns, das Remake ist eine Verbeugung vor uns selbst. Lassen wir uns von den jungen Unterwäschemodels nicht unser Dallas nehmen.

Larry Hagman ist Dallas. Patrick Duffy ist Dallas. Linda Gray ist Dallas. Ein Rückblick in alte Zeiten hat immer etwas Ehrerbietendes. Wir werden noch an J.R. und Bobby zurückdenken, wenn ihre gesichtslosen Nachfolger Privatvideos veröffentlichen um im Gespräch zu bleiben.

Dallas wird immer das Dallas der Achtziger bleiben, TNT sollte es bei dieser einen Verbeugung verlassen. Ich möchte nicht erleben, dass J.R. eine Persiflage auf sich selbst wird und Larry Hagman am Set stirbt. Das ist bisher ausgeblieben. Und genau dabei sollte es auch bleiben.

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