D64 erringt ersten Erfolg innerhalb der SPD

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Es war ein gelungener Schachzug, als der Verein D64 kurz vor dem Bundesparteitag der SPD einer erstaunten Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Als selbsternannter Think Tank hat dieser offensichtlich nur ein Ziel: Die Datenerhebung und die Klarnamenpflicht. Der Verein sagt über sich selbst, man sei SPD-nah, aber unabhängig. Dass das einzige Ziel, die Datenerhebung und die Klarnamenpflicht im Internet angestrebt wird, ergibt sich aus der Zusammensetzung des Vereins: Bekannte Werber haben sich mit Google-Deutschland-Sprecher Stefan Keuchel, der Facebook-Lobbyistin Eva-Maria Kirschsieper oder dem Targeting-Unternehmer Stephan Noller zusammengetan. Es ist offensichtlich, dass renommierten Datenschützern und anderen bekannten Organisationen wie dem Chaos Computer Club, der Humanistischen Union oder dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung ein gesellschaftlicher Gegenentwurf angeboten werden soll.

Auch der gewählte Name zeugt von diesem Umstand: D64, so heißt eigentlich das Diskettenimage der Floppys VC1541 und 1571, einseitig bespielt, des Brotkastens, unseres C64. Hier wird wieder einmal eine ganze Generation für Einzelinteressen vereinnahmt — wie es schon bei der Digitalen Gesellschaft der Fall ist. Denn sie wissen nicht, was sie tun, ist dabei noch diplomatisch ausgedrückt. Der Spiegel schreibt: Das Kürzel D64 setzt sich zusammen aus D für Deutschland und dem dem Namen des Commodore-Rechners, der das Digitale erstmals auf breiter Front in deutsche Kinderzimmer brachte. Der Verein selbst wählt andere Worte: D64 will diesen Aspekt in der Diskussion stärken und bei möglichst vielen Leuten das Leuchten in den Augen wecken, das einst beim Aufflackern der Datasette-LED zu sehen war, wenn es in der Zukunft um das Internet geht. Dann würden wir aber vom Image der altehrwürdigen Datasette sprechen, also T64. Halten wir den handelnden Personen zugute, dass sie verkaufen wollen und sie solche Kleinigkeiten nicht wirklich interessiert.

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Am Wochenende nun hat der Verein einen ersten großen Erfolg verbuchen können, auch wenn man sich auf der eigenen Webseite davon distanziert: Die SPD bekennt sich ohne Wenn und Aber zur Vorratsdatenspeicherung. Dass hier in den Interessen des Vereins gehandelt wurde, ist klar: Datenerhebung und Klarnamenpflicht sind die Währung, die bei Google, Facebook und der Online-Werbung zählen und mit der wir zahlen. Glaubwürdigkeit erreicht man nicht durch einen falsch gewählten Namen. Der Verein würde Glaubwürdigkeit erreichen, wenn Google und Facebook unisono verkünden würden, zukünftig auf die Klarnamenpflicht zu verzichten und gemeinsam mit Werbern und Targeting-Unternehmern beispielsweise die Do-not-track-Funktion des Mozilla Firefox respektieren und akzeptieren. Das wird aber nicht passieren. Wetten dass…?

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3 Antworten zu “D64 erringt ersten Erfolg innerhalb der SPD”

  1. jfml sagt:

    Sollte deren Agenda nicht lieber Agenda1984 heißen?

  2. DAnn wäre der Tweet perfekt gewesen… 😉

  3. Anonymous sagt:

    Und der Noller trompetet schon die ersten Tweets raus wie Glücklich die Menschheit damit ist, welche Info sie bei FB lässt und der Lumma dichtet pro-social-plugins-vollüberwachung. Alles Zufall, alles Privatmeinung, hat überhaupt nichts mit «wes Brot ich fress» zu tun und wer sich zufällig die gleiche Lobbyorganisation teilt, ne ne…

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