CLI Magic: Newsbeuter — RSS-Feeds in der Konsole

Eine neue Serie: CLI Magic. Hier werde ich gelegentlich Programme für die Kommandozeile vorstellen, meiner Meinung nach die effektivste und eleganteste Methode einen Computer zu bedienen. Wer wie ich mit Dingen wie ZX81, IBM PC, Sinix und auch teils Irix «sozialisiert» wurde in bernsteinfarbenen und auch grünlichen Gefilden, wird wissen von was ich rede. Nicht umsonst wird z.B. die professionelle Bedienung von Adobe Photoshop, AutoCAD & Co nicht in zurückgelegten Mauskilometern gemessen, sondern in verfügbaren Tastaturkürzeln, abseits des Tabletts. Ja, wir schreiben das Jahr 2011, aber anstatt ein Tablett vollzuschmieren, wird hier Handarbeit geleistet. Vice versa entsteht natürlich kein Dogma daraus …

Wie dem auch sei, für jede Aufgabe das passende Werkzeug. Newsbeuter ist solch ein Werkzeug, um die Feeds diverser Seiten zu bändigen. In Zeiten von Twitter glauben natürlich einige RSS wäre redundant, warum also noch ein solches Tool, aber ich behaupte schlicht, daß diejenigen nicht wissen von was sie sprechen. RSS ist schlichtweg Effektivität im Umgang mit News, ein derartiges Tool baut entsprechend darauf auf.

Aber schreiten wir zu Tat. Nach der Installation von Newsbeuter gestaltet sich der eigentliche Start recht simpel.

newsbeuter -i feeds.xml

 

Obige Anweisung importiert eine OPML–Datei in Newsbeuter und legt unter ~/.newsbeuter die Datei urls an, eine schlichte Textdatei mit den einzelnen URLs. Wer also beispielsweise anstelle des Google Readers zukünftig dieses Tool einsetzen möchte, exportiert dort entsprechend die Daten und importiert diese analog zu obigem Beispiel. Eine weitere Konfiguration ist nicht notwendig.

urls-source "googlereader"
googlereader-login "name@googlemail.com"
googlereader-password "passwort" 

auto-reload yes
refresh-on-startup yes

 

Bei diesem Beispiel verwende ich eine Konfiguration, ~/.newsbeuter/config, um direkt auf Google Reader zuzugreifen. Anstatt des Webinterfaces nutzt man also Newsbeuter. Zusätzlich werden die Feeds nach dem Start des Programms und im laufenden Betrieb regelmäßig aktualisiert.

#googlereader 

urls-source "googlereader"
googlereader-login "name@googlemail.com"
googlereader-password "passwort"

googlereader-flag-share "s"

auto-reload yes
refresh-on-startup yes

browser "firefox %u"

datetime-format "%d %b %G, %T"

pager most %f

podcast-auto-enqueue no

color background green black
color listnormal green black
color listfocus red black bold
color info red black bold
color article green black

#podcasts, podbeuter

download-path "~/Podcasts/%n"
player "mpg123"

 

Meine Konfiguration weist keine Besonderheiten auf. Ich nehme Google Reader als Basis, definiere einen Browser in welchem die Feeds geöffnet werden können, definiere Datum, Pager, ein paar Farben und natürlich noch wo die Podcasts abgelegt werden.

Newsbeuter bietet nahezu «unendliche» Konfigurationsmöglichkeiten im Kontext RSS/Podcasts, zuviele, um diesen hier auch nur ansatzweise gerecht werden zu können. Gelegentlich setze ich beispielsweise «Highlights» ein, um einen bestimmten Autor oder eine bestimmte Thematik behände ausfindig machen zu können. Man kann die Tastaturbelegung umdefinieren, ein «Killfile» für bestimmte Thematiken anlegen, welche man nicht lesen möchte, Makros sind möglich, etc. pp.

Es ist jedem selbst überlassen, mit welchem Werkzeug er Feeds zu Leibe rücken möchte, aber etwas Strukturiertem wie RSS-Feeds mit so manchem .NET/Java-Ungetüm zu begegnen, das entbehrt schon nicht einer gewissen Ironie 😉

 

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7 Antworten zu “CLI Magic: Newsbeuter — RSS-Feeds in der Konsole”

  1. heckenpenner sagt:

    Joa, newsbeuter is schon ganz nett. Allerdings zieht es mich auf der Konsole immer zu EMACS. Gnus fuer Email/RSS erc+bitlbee zum chatten, EMMS fuer musik. Ich koennte EMACS eigentlich als meine Login Shell einstellen…

  2. Florian sagt:

    Ich bin zwar auch ein großer Freund von Tastaturshortcuts (gerade fürs schnelle RSS-sortieren und PS) aber das geht mir dann doch an Reduktion etwas zu weit (CLI), bzw. nicht weit genug (öffnen der Feeds im Browser, statt reduzierte Direktanzeige via Readability).

    Die meisten RSS-Tools die ich bisher getestet habe waren aber tatsächlich of viel zu überladen, ich hab nach ein paar Jahren das Google Reader Webinterface (mit extrem simplen und schnellen Keyboardshortcuts) gegen Reeder (OS X) getauscht, das auch sehr minimal ist und die gleichen Shortcuts (+ Gesten) kann.

    Aber ich bin auch immer wieder überrascht, wie viele Menschen nie etwas von RSS gehört haben. Twitter hat meiner Meinung nach eine völlig andere Funktion, den Vergleich mit RSS habe ich auch noch nie nachvollziehen können und könnte mir derzeit nicht vorstellen, auf RSS zu verzichten.

  3. >öffnen der Feeds im Browser, statt reduzierte Direktanzeige via Readability

    Auf einigen Geräte öffne ich die Feeds direkt mittels w3m und bleibe in der Konsole, ohne den Glimmer der Oberfläche. Ansonsten surfe ich zum Gros auch mit lynx/w3m und nutze den regulären Browser im Prinzip nur für Seiten, die nicht den Text primär als Inhalt erachten.

  4. manu sagt:

    Mir persönlich geht die ‘hier und da noch ein Tool’-Geschichte langsam aber sich ein wenig auf die Nerven. Ist zwar schön, dass man annähernd alle «pro»-Programme auf emacs oder vi-Bedienung umstellen kann, dennoch bin ich es leid, für imho so simple Tasks, wie hier halt das lesen von Nachrichten, wieder ein anderes Programm zu öffnen.

    Ich hab vor einiger Zeit begonnen, ein kleines .py-Script zu schreiben, was Feeds und deren Inhalte einfach in eine simple Datei-/Ordnerstruktur verpackt.

    Nutzen tue ich das ganze einfach per ‘mc’, ein Panel auf Preview gestellt und das wars. Suchen geht bei Bedarf per RegEx, weiterleiten ist dank eMail-Script kein Problem, Tags kommen einfach in den Dateinamen und Bookmarks/Kategorien/Favoriten mach ich einfach per ‘ln –s’.

    Fertig ist’s leider noch nicht, derzeit bastel ich an einer Implementierung ala Readability und v.a. Fulltext-Support, aber vielleicht ist das obige dem einen oder anderen ja eine Anregung und ich werd überholt :)

  5. Also dir geht «UNIX» auf die Nerven? Nun, dem kann man abhelfen, indem man es nicht nutzt. Zwingt einen ja keiner dazu. Ich bin mit 8Bit Computern, CP/M, Sinix und Co «aufgewachsen», insofern zieht es mich eher zu den simplen Dingen hin. UNIx vertritt halt nicht die Philosophie der eierlegenden Wollmilchsau, sondern für jede Aufgabe ein eigenes Tool. Und ich weiß nicht, was an diesen Tools «pro» sein soll? Für mich sind diese schlicht effektiv.

  6. manu sagt:

    Guess what, damit bin ich auch aufgewachsen und ich habe nirgends gesagt, dass mir das unixoide auf die Nerven geht, jedenfalls nicht pauschal.

    Aus meiner Sicht ist es halt simpler, Tools zu nutzen, die sowieso schon vorhanden sind und wenn es nach ‘everything is a file’ geht, wüßte ich nicht, warum ich RSS nicht auch mit Standard-Tools tacklen können sollte? Less/grep/awk nutz ich ja auch an anderer Stelle und die sind nunmal dafür da, Text zu behandeln — im Falle von newsbeuter stört mich z.B. hauptsächlich sqlite, ergibt da für mich keinen Sinn.

  7. Wenn sqlite nicht schmeckt, kann man auch auf Alternativen wie Canto zurückgreifen. Python und gut ist 😉

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