Cineastische Orgasmen #1 — In 80 Tagen um die Welt

In 80 Tagen um die WeltHeutzutage ist im Kino nicht mehr viel los. Das goldene Kalb ist nicht mehr das Kunstwerk selbst oder vielleicht sogar der Kinobesucher– nein, es ist der Dollar auf der Habenseite der Filmstudios. Dementsprechend gibt es sicherlich noch denen einen oder anderen sogenannten Blockbuster — aber große cineastische Highlights sind kaum noch zu finden. Ich habe hier gerade eine neue Kategorie eingerichtet. Mal schauen, ob uns da der eine oder andere (DVD-) Tipp zu einfällt. Beginnen möchte ich mit dem Film In 80 Tagen um die Welt. Natürlich ist damit der Film aus dem Jahre 1956 gemeint, und nicht dieses Abfallprodukt von Jackie Chan aus dem jahr 2004. Der Film ist ein ganz großer Augenschmaus. Während heute alles vor der Greenbox gedreht wird, wurde 1956 noch an Original-Schauplätzen gedreht. Dieser ganz spezielle Charme lassen die meisten der heutigen Filme vermissen.

Zur Geschichte von Jules Verne muss nicht mehr viel geschrieben werden. 1972 geht der englische Gentleman Phileas Fogg eine Wette ein. Er behauptet, in 80 Tagen um die Welt reisen zu können. Seine abenteuerliche Reise durch die Welt ist nicht nur Literaturgeschichte. Seit dem grandiosen Film von Michael Todd kann ebenso jeder Cineast an der Geschichte rund um Phileas Fogg und seinem Diener Passepartout und deren Reise und Abenteuer teilhaben. Grandiose Bilder, eine grandiose Umsetzung der literarischen Vorlage und eine Schauspielerriege, die bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt ist. Die Dietrich, Frank Sinatra oder auch Shirley MacLaine ergänzen sich dabei mit den beiden Hauptdarstellern, David Niven und Cantinflas, perfekt.

In 80 Tagen um die Welt ist nicht nur ein Klassiker — noch heute kann er sich mit jedem Film messen, der in die Kinos kommt. Die Bilder nehmen einen mit auf eine Reise, vermitteln das Gefühl, mitten drin zu sein. Dazu eine Schauspielerriege, die international besetzt ist — Weltstars geben in kleinsten Nebenrollen ihr Stelldichein. Und natürlich darf auch die Geschichte nicht vergessen werden. Jules Verne gab die Vorlage, welche perfekt umgesetzt wurde. In 80 Tagen um die Welt ist selbst heute noch fast jedem sogenannten Blockbuster überlegen. Zudem ist der Film kein kurzer One-Night-Stand. Der Zuschauer wird nicht nach 90 Minuten aus dem Kino geschickt. In 80 Tagen um die Welt nimmt den Zuschauer auf eine 3-stündige Reise mit. Der Film ist 2004 auch auf DVD erschienen — ich konnte ihn gerade erst für 5,99 Euro ergattern. Ganz kleines Geld für ganz großes Kino. Fernweh inbegriffen. Bevor ich mir von Hancock die Welt retten lasse, mir von dem x-ten smarten Remake die Zeit verschwenden lasse, begleite ich lieber Phileas Fogg und Passepartout auf ihre Reise — und fange an zu träumen, vom Reisen, anderen Kulturen und einer Zeit, in der noch große Filme gedreht wurden.


11 Antworten zu “Cineastische Orgasmen #1 — In 80 Tagen um die Welt”

  1. Oliver sagt:

    japp die Klassiker sind immer noch die besten :-) Hab den auch und ich bereue es nicht derartige Qualität zu kaufen. Waren halt noch die Zeiten als man auf Qualität denn Quantität setzte.

  2. phoibos sagt:

    dürfen wir ein paar vorschläge tun?

    biete für die kategorie noch alexis sorbas, eins, zwei, drei und much ado nothing. nur so ein paar, die mir spontan einfallen.

  3. Oliver sagt:

    Alexis Sorbas habe ich, nur denke ich nicht — von ein, zwei Ausnahmen abgesehen — das ich hier jemand damit erreiche.

  4. Martini sagt:

    Der Trailer ist ja herrlich — was ein Pathos in der Stimme des Sprechers. Sein «See this — see that» will ja gar nicht mehr aufhören :-)
    Aber jetzt habe ich auch Lust auf den Film bekommen. Sollte ihn tatsächlich mal wieder ansehen. Für 6€ würd’ ich ihn auch nehmen. Wo hast du ihn denn ergattert, wenn man fragen darf?

  5. Chris sagt:

    Saturn, Hamburg Hbf.

    @phoibos: Selber schreiben und mir per Mail schicken… 😉

  6. Potassium sagt:

    Der Name der Rose

  7. Wolf-Dieter sagt:

    Die Grundidee ist gut. Ok, mein Vorschlag für den nächsten Klassiker:

    Die Maus, die brüllte.

    Der Film handelt von einem europäischen Herzogtum (mit dem geflügelten Ziegenbock im Wappen), das seine maroden Staatsfinanzen aufbessern will, indem es einen Krieg gegen USA anzettelt und *verliert* und auf einen anschließenden Marshall-Plan setzt.

    Klappt — fast — mit einer kleinen Unvorhergesehenheit: sie gewinnen den Krieg.

    Mit Sellers in mindestens drei tragenden Rollen.

  8. Chris sagt:

    Liebe Leute, ich schreibe hier nur über das, was ich will. Auftragsarbeiten werden nicht entgegengenommne. 😉

    Wer über den einen oder anderen Film ein Review schreiben will, per Mail an mich. Ich behalte mir aber vor, zu entscheiden, ob die Texte veröffentlicht werden oder eben nicht. 😉

  9. Grainger sagt:

    Der spezielle Charme der Originalverfilmung von In 80 Tagen um die Welt liegt aber nicht zuletzt auch am genialen Hauptdarsteller.

    David Niven haucht der Figur des leicht spleenigen englischen Gentlemans Leben ein.

    Shirley MacLaine in der Rolle der Princess Aouda habe ich im Gegensatz dazu in meiner Jugend (also als ich den Film das erste Mal sah) eher als Fehlbesetzung empfunden. Was aber vermutlich daran liegt, das ich mir damals (und heute) eine wunderschöne exotische Prinzessin irgendwie ganz anders als eine auf indisch geschminkte Amerikanerin vorgestellt habe. 😉

  10. […] Niven wurde drüben auf F!XMBR schon von Chris erwähnt in einer seiner Paraderollen, In 80 Tagen um die Welt, eine andere bekannte wäre seine Rolle als Sir Charles Lytton, der Gegenspieler von Clouseau, […]

  11. ori sagt:

    Vorschlag: Don Camillo und Peppone! (Die Verfilmungen von 1952 bis 1965)

    Kann man immer und immer wieder anschauen 😉

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