Christian Wulff am Ende

An einen Rücktritt des Bundespräsidenten Christian Wulff führt seit dem heutigen Abend kein Weg mehr vorbei. Gestern schrieb ich, dass ich ihm bei der Aufnahme des Kredites bei einem väterlichen Freund keine unlauteren Absichten unterstelle. Das gilt heute auch noch. Der Spiegel hat heute neue Vorwürfe veröffentlicht, die nahelegen, dass der Kredit eben doch von Unternehmer Egon Geerkens kam und nicht von dessen Ehefrau Edith. Dieser Kredit wäre nicht der Rede wert, hätten Wulff und Geerkens nicht von Anfang an versucht, diesen zu verschweigen. Wenn man die Aussagen Geerkens im Spiegel liest, könnte man sogar von einem konspirativen Vorgehen sprechen. Als die Vorkommnisse diese Woche bekannt wurden, schwieg Wulff zuerst, um dann einen kleinen Fehler einzugestehen, aber auch weiter darauf zu beharren, der Kredit käme von Edith Geerkens. Noch einmal: Selbst wenn der Kredit von Egon Geerkens gekommen wäre, wäre dies kein Problem. Das Problem liegt im Verhalten Wulffs. Er ist offensichtlich charakterlich und moralisch nie in Schloss Bellevue angekommen.

Heute Abend hat Christian Wulff seine moralische Bankrotterklärung abgegeben. Auf die neuen Veröffentlichungen im Spiegel weiß der Bundespräsident nur noch per Anwalt zu reagieren. Ein Bundespräsident, der auf unangenehme Veröffentlichungen nur noch über seinen Anwalt spricht, hat sein Amt verwirkt. Ein Bundespräsident, der seinen Anwalt für sich sprechen lässt, ist nicht mehr Herr über Schloss Bellevue. Er ist Getriebener seines eigenen Fehlverhaltens. Christian Wulff ist nie in sein Amt des Bundespräsidenten hineingewachsen. Er hat es nie verstanden, die moralische Festung zu sein, die viele Menschen in unseren hektischen Zeiten brauchen. Christian Wulff ist heute Abend als Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland zurückgetreten. Vielleicht noch nicht offiziell — aber zumindest inoffiziell. Christian Wulf spricht nur noch über Anwalt mit den Bürgerinnen und Bürgern. Seit dem heutigen Abend hat die Bundesrepublik Deutschland keinen Bundespräsidenten mehr.

Christian Wulff hat sein Amt aufgegeben.

, , , , , , ,

25 Antworten zu “Christian Wulff am Ende”

  1. Kann mich auch nicht daran erinnern, daß wir das schon mal gehabt hätten: Man stelle sich vor, Richard von Weizsäcker hätte in irgendeiner politischen Sache als Bundespräsident keine eigene Stellungnahme, sondern eine Erklärung seines Rechtsanwalts veröffentlicht. Undenkbar. Bin jetzt auch gespannt, wer in diesem Jahr die Neujahrsansprache halten wird… 😉

  2. vera sagt:

    Bankrotterklärung, in der Tat. Weg damit.

  3. besserwessi sagt:

    @schneeschmelze

    *Weihnachtsansprache*

    Neujahr macht Das Merkel 😉

  4. @besserwessi: Stimmt. :-)

  5. Anonymous sagt:

    Schade — wir hatten schon schlechtere Bundespräsidenten!

  6. […] mich auch nicht daran erinnern, daß wir das schon mal gehabt hätten: Man stelle sich vor, Richard von Weizsäcker […]

  7. Tom sagt:

    Tja, die Weihnachtsansprache wird dann wohl Herr Seehofer als amtierender Bundesratspräsident übernehmen müssen …

  8. @Tom: Oder sie fällt mal ganz aus dieses Jahr?

  9. Jacob Jung sagt:

    Hier ein paar Statements bekannter Staats– und Verwaltungsrechtler zur Causa Wulff:

    Prof. Franz-Joseph Peine (Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Universität Frankfurt an der Oder):
    „Mit dem Kredit von Frau Geerkens hat Wulff auf jeden Fall gegen die Verwaltungsvorschrift verstoßen, die keine Annahme zinsgünstiger Darlehen erlaubt.“

    Prof. em. Ulrich Battis (Lehrstuhl für Staats– und Verwaltungsrecht sowie Verwaltungswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin)
    „Wenn es keine Sicherheiten gab – zum Beispiel einen Grundbucheintrag – und Herr Wulff also zu den genannten Konditionen gar keinen Kredit bei einer Bank bekommen hätte, muss man einen Verstoß bejahen.“

    Prof. Hans Herbert von Arnim (Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung, Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer):
    «Christian Wulff hat meines Erachtens gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen. Es geht längst nicht mehr nur darum, ob er den Landtag unvollständig informiert hat.“

  10. Luxusdenken sagt:

    Wulff ist sicher kein Heiliger, aber auch nicht der erste Bundespräsident, der per Anwalt mit uns kommuniziert. Rau hat das 2000 in der WestLB-Flugaffäre ganz ähnlich gemacht.
    http://www.rp-online.de/p.…..2262645

    Ich persönlich würde ihm sein Gestammel und Gemauschel ja noch verzeihen, wenn er nur den Mumm hätte, mal ein paar klare Worte zu dem zu sagen, was im Land schief läuft. Aber da wird nix mehr kommen, also kann er auch gleich zurücktreten.

  11. Grainger sagt:

    Weg mit Wulff!

    Wenn man sich so ansieht, mit welchen arbeitsrechtlichen Maßnahmen Arbeitgeber (auch öffentlich-rechtliche Arbeitgeber) schon bei den aller kleinsten Verstößen und Vorteilsnahmen von Arbeitnehmer reagiert haben (und damit teilweise auch vor den Arbeitsgerichten durch kamen), dann ist bei einem Verhalten wie dem von Herrn Wulff eigentlich kein Ermessensspielraum mehr gegeben.

    Der geldwerte Vorteil für das zinsvergünstigte «Privatdarlehen» soll angeblich bei deutlich über 5.000 Euro/Jahr gelegen haben. Für manch Einen mögen das Peanuts sein, aber die Sachbearbeiterin im Bürgerbüro einer Kommunalverwaltung kann bereits eine angenommene Schachtel Pralinen oder eine Flasche Wein (beides in üblicher Discounterqualität) den Job kosten.

  12. Anonymous sagt:

    Ohje. Unsere Bundespräsidenten werden auch immer schlechter.

  13. […] er dann jetzt bald zurücktritt – womit (nicht nur) ich rechne – dann ist dieser Skandal so ziemlich das Einzige, was von ihm als […]

  14. Anonymous sagt:

    Innerhalb von 18 Monaten der 2., Bundespräsident welchem wir auf Lebenszeit 17500 Euro monatlich zahlen müssen.

  15. Anonymous sagt:

    Unser Herr Bundespräsident ist auch nur ein Politiker der seiner eigenen Gier unterliegt!Das ist kein Bundespräsident,obwohl ich ihn gar nicht so schlecht fand.Es ist jetzt die Generation von Politikern und Präsidenten die sich selber die Taschen vollstopfen,wie in Bananenrepubliken!

  16. Sabrina Will sagt:

    Der edle Leihgeber war immerhin schon Trauzeuge von Wulffs ERSTER HOCHZEIT. Zum Zeitpunkt des Kredites hatte er gar kein Gewerbe mehr. Er hat offensichtlich auch keinerlei Vergünstigungen bekommen. Die Mitflüge hat er alle bezahlt — mit dem normalen Preis und zeitnah, nicht erst jetzt …

    Ausserdem ist er Multimillionär… was soll Wulff ihm verschafft haben?

    Es ist Wulff nicht verboten, sich von privat Geld zu leihen.

    Er hat auch die Grünen-Anfrage im Landtag absolut wahrheitsgemäß beantwortet. Wenn die Grünen die Frage so dämlich stellen, daß man sie wahr beantworten kann und der Fall mit der Frau ist nicht abgedeckt, sind die doch selber schuld. Sie hätten dann fragen müssen«Haben Sie von Geerkens oder aus seinem Umfeld Gelder oder Vergünstigungen erhalten»… haben sie aber nicht :-)

    Die Zinsen hat Wulff nicht jetzt nachträglich gezahlt, sondern monatlich von Anfang an… es ist also alles etwas konstruiert.…

  17. Tom sagt:

    Ach mein Gott, bei den Milliarden am Rettungsschirmen kommt es darauf auch nicht mehr an.
    17500€ für Herrn Wulff, Herrn Köhler, Herrn Herzog und Herrn von Weizsäcker. Das sind ja nur 840.000€ an Steuergeldern pro Jahr.
    Ein Land wie unseres kann sich sicher noch ein paar mehr ehemalige und amtierende Grußauguste leisten. 😉

  18. Wirklich Schneeschmelze? sagt:

    Schneeschmelze
    Gerade gegen den von Ihnen gerühmten Bundespräsident R. von Weizäcker gibt es erhebliche Vorbehalte anzumelden.

    Der gravierendste ist, dass er zum Prozeß der deutschen Einheit kein einziges positives oder förderliches Wort sagte. Kennen sie eines aus den Jahren 1989 bis 1994?
    Seine innere Abneigung oder sein vielleciht Neid auf Herrn BK Kohl kam zum Ausdruck über das «Zusammenwuchern».
    Spöttisch erklärte er ziemlich und spät vor einem «auserlesenen» Publikum, dass die Einheit nur mit Teilen, und nicht mit «Hochverzinslichen» zu bewältigen sei (als ob auch diese nicht «das Teilen» bedeuteten.
    Warum hat denn dieser «hochmoralische» Bundespräsident sich zu keiner Zeit an die Bevölkerung gewendet und hat zum sofortigen Teilen (mit geringerer Schuldenfinanziereung) aufgerufen. Dazu war er zu «intelligent», denn wenn er dies öffentlich «gefordert» hätte, wär es mit seiner Beliebtheit umgehdend vorbei gewesen.
    Herr von Weizäcker nahm auch alle Deutschen in Haft für die Verbrechen während der Hitlerzeit — außer natürlich seinen Vater, der eine hohe SS-Funktion bekleidete und bis 1943 Staatssekretär bei dem fanatischen Nazi und Außenminister Ribbentrop war — und sich danach als Botschafter — clever, clever, clever — an den Vatikan versetzen ließ.

    Bei diesem Präsidenten war nur die Rede moralisch, ansonsten umging er jede dem Zeitgeist widersprechende und riskante Äußerung.
    Dagegen sind diese «Verfehlungen» des Herrn Wulff Hinterlassenschaft einer Mücke.

  19. Michael sagt:

    Anonymus! Wir hatten noch nie einen schlechteren BP!Mit seinen Tricksereien und Mauscheleien gehört dieser Nichtsnutz in überhaupt kein öffentliches Amt. Punkt aus!

  20. Finmike sagt:

    Die eigentliche 64-€-Frage ist ja: Was hat Wulff getan, um sich mit der Springerpresse anzulegen?

    Und darüber hinaus — was an solchen Politikern ist «gar nicht so schlecht»?

  21. Grainger sagt:

    «Es ist jetzt die Generation von Politikern und Präsidenten die sich selber die Taschen vollstopfen, wie in Bananenrepubliken!»

    Gab es schon immer, man muss sich nur mal die diversen Schmiergeldaffären um FJS ansehen.

    Allerdings habe ich den subjektiven Eindruck, dass es
    1. immer schlimmer wird und
    2. das Unrechtsbewußtsein zunehmend schwindend.

    Die korrupten Politiker vom alten Schlag wussten wenigstens genau, dass das was sie taten nicht nur illegal, sondern auch moralisch und ethisch nicht in Ordnung war. Und wenn sie erwischt wurden, täuschten sie mit mehr oder weniger schauspielerischem Geschick zumindest ein wenig Reue vor (auch hier ist die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt, mal wieder FSJ :D).

    Die neue Generation korrupter Politiker scheint es im Gegenteil geradezu als ihr Recht bzw. Privileg zu betrachten, sich zu bedienen wo es nur geht. Wir finden allmählich wieder zu feudalen Zeiten zurück, in denen die adeligen Damen und Herren einfach tun und lassen konnten, was sie wollten.

    Apropos Adel: Herr von und zu Guttenberg ist sich z.B. nicht zu schade, sich jetzt der EU als Berater an zu dienen (der imho durchsichtige Versuch, über die EU-Schiene wieder in der deutschen Politik Fuß zu fassen). Als gelernter Abiturient (außer seinem Adelstitel und den ererbten Millionen hat Herr Guttenberg seit der Aberkennung seines Doktortitels nämlich nur ein Abitur als Qualifikation vorzuweisen) ist er aber sicherlich ausreichend kompetent, die EU in Internetfragen zu beraten. 😀

    Von Wulff will ich eigentlich nur noch hören, dass er zurückgetreten ist.

    Vorzugsweise unter Verlust der Pensionsansprüche für sein Präsidentenamt, dass er bei Offenlegung aller Tatsachen vermutlich nie erhalten hätte, aber das wird nur ein frommer Wunsch meinerseits sein.

  22. Anonymous sagt:

    Wulff spricht von Transparenz… die hätte er damals vor dem Parlament als Ministerpräsident von Niedersachsen erkennen lassen müssen! Herr Wulff — zeigen Sie sich wenigstens jetzt staatsmännisch und nehmen Sie ihren Hut. Sie sind indiskutabel gewrden.

  23. Anonymous sagt:

    Nun ganz so schlimm ist es natürlich nicht mit KT. Vor dem Anstreben einer Doktorarbeit steht in der Juristerei immer noch das 1. und 2. Staatsexamen. Wobei ich mir ehrlicherweise nicht Sicher bin, ob KT das 2. SE hat. Würde es ihm doch die theoretische Zulassung zum Richteramt geben… Nicht gerade eine rosige Vorstellung.

    Zu CW ist eigentlich alles gesagt. Freuen wir uns dieses Jahr also auf eine Ansprache die mit den Worten «Grüß Gott aus München…» beginnt…

    Wir lachen und schütteln den Kopf über diese «doofen» Italiener, die jahrelang einen wie Berlusconi wählen konnten. Aber seien wir ehrlich: es ist in unserem Land keinen Deut besser. Und es ist schon richtig. Wahrscheinlich hat es diese Vorteilsnahme schon früher gegeben. In Politok und Wirtschaft gleichermaßen. Nur hat man sich anscheinend früher mehr um Diskretion geübt. Pfui ist es trotzdem.

  24. Grainger sagt:

    «Nun ganz so schlimm ist es natürlich nicht mit KT. Vor dem Anstreben einer Doktorarbeit steht in der Juristerei immer noch das 1. und 2. Staatsexamen.»

    Nur in Bayern kann das fehlende 2. Staatsexamen durch die Promotion ersetzt werden und nur in Bayern kann also jemand mit 1. Staatsexamen + Promotion = Volljurist werden.

    Herr von und zu Guttenberg hat genau von dieser Regelung Gebrauch gemacht und niemals das 2. Staatsexamen abgelegt. Deshalb ist der Verlust des Doktortitels für ihn doppelt schmerzlich, da er damit auch den Status eines Juristen verloren hat.

RSS-Feed abonnieren