*buntu rant

Mit der Flut dieser Distros Marke *buntu möchte sich der Weltraumtourist wohl ein Denkmal setzen. Spricht man heute noch von Linux oder auch GNU/Linux, heißt es morgen nur noch das Ubuntu Betriebssystem … irgendwie grauslich die Vorstellung. Qualität in Ubuntu einzuführen wäre stattdessen mal eine nette Idee. Und an die Evangelisten, nein Ubuntu besitzt keine Qualität, wer es nicht glaubt setzt mal mind. ein Jahr ein Debian ein oder ein *BSD, den Vergleich brauchts schon mal um überhaupt eine Begriff von Qualität zu erlangen. Alles andere sehe ich inzwischen als qualitativ untauglich an. Zwar hat Debian so manches Mal auch eine Meise (Verscriptung), aber unterm Strich ist die mangelnde Aktualität von Debian das einzige probate Mittel, um ein recht stabiles Linux-System zu betreiben und das nicht nur in puncto ABI.

golem

Bild: ELER, CC

15 Antworten zu “*buntu rant”

  1. tante sagt:

    Die Sache hat zwei Seiten.

    Einerseits ist Herr Shuttleworths Engagement sicherlich nicht schädlich und kann für einige Verbesserungen z.B. im GNOME Desktop sorgen. Wenn er/Canonical Leute bezahlen, die dort Bugs fixen usw. ist das ja erstmal für alle gut.

    Problematisch ist einzig und allein die Tatsache, dass viele Menschen angezogen werden, die nur «von diesem Ubuntu» gehört haben. Irgendwer hat ihnen erzählt das sei alles so einfach und deshalb wollen sie auch mal bei den coolen Kids sein.

    Ich persönlich finde die Wartung eines Linux Systems auch einfacher als die Wartung einer Windows Box, aber ich hab auch keine Ansgt vor dem Lesen einer manpage.

    Im Ubuntukontext begibt sich «die Community» in eine komische Schuldnerposition. Vom «Nutzer» kommt: «Ihr habt gesagt, das sei so einfach und nun läuft meine gecrackte Photoshop Version nicht. Und das Spiel, was ich gestern gezogen hab auch nicht. Repariert das sofort oder ich geh zurück zu Windows!!!!111EinsEinsElf»

    Die Art und der Umfang von Öffentlichkeit, die Ubuntu erzeugt hat, sorgt eher dafür einige Menschen abzuschrecken, die nur «ein Windows umsonst» wollen. Sie haben keinerlei Verbindung zu den Gedanken (und Idealen) hinter Linux/freier Software, darum fordern sie, als hätten sie hunderte von Euro auf den Tisch gelegt.

    Hinzu kommt, dass die generelle Qualität der Ubuntu Pakete wirklich nicht rühmlich ist (im Kubuntu Zweig sogar oft ziemlich mies). Nun ist das erstmal nur eine Kritik an einer speziellen Distribution (und mal ehrlich: Alle Distributionen bieten ne Menge Grundlage zur Klage ;)) aber aufgrund der Exponierten Lage Ubuntus sorgt das für ein sehr schlechtes Licht, in dem Linux/freie Software stehen.

    Die Idee, Ubuntu auf festen Releasezyklen und langem Support zu basieren ist erstmal eine sehr gute gewesen, aber mit Gewalt Dinge wie Compiz/Beryl und wasauchimmer unstabile Alphasoftware aufzutreiben ist einzubauen, sorgt nur für mehr Ärger, als man haben will.

    Auch sollte der Installer einen Dialog zeigen wie den folgenden:

    Mir ist bewusst, dass Linux nicht 'ein anderes Windows für umsonst' ist, sondern ein grundlegend anderes Betriebsystem. Mittels Kompatibilitätslayern oder Emulatoren läuft vielleicht einiges an Windowssoftware, aber das meiste tut es eben nicht.

    Ich bin bereit mir Erklärungen durchzulesen, die länger als 3 Zeilen sind und werde, bevor ich Befehle kopiere und ausführe, diese Befehle so weit verstehen, dass ich weiss, was sie in etwa tun.

    Ich werde niemals irgendjemandem damit drohen, 'wieder zu Windows zurückzukehren', weil ich dann wie ein dummes Kind aussehe.

    [ ] Ich habe die vorhergehenden Absätze gelesen und verstanden.

  2. Oliver sagt:

    >Problematisch ist einzig und allein die Tatsache, dass viele Menschen angezogen werden, die nur ?von diesem Ubuntu? gehört haben.

    Er provoziert es auch. Und ja ich weiß jemand der viel, viel Geld besitzt ist ja erst einmal erhaben und der ohne Geld, der Kritiker, ein Neider. Andererseits braucht der Mensch nicht mehr viel und entgegen seiner Aussagen in puncto Schüchternheit, sehe ich bei ihm eher einen massiven Ego-Antrieb. Ob da der Zweck die Mittel heiligt würde ich bezweifeln, das wird die Geschichte zeigen. Gnome btw. hat ganz andere Probleme, die man wohl kaum mit Geld lösen kann.

    >Auch sollte der Installer einen Dialog zeigen wie den folgenden:

    Wer liest das in der Regel? Kaum einer und das Klientel das man erreichen möchte erst recht nicht. Hier ist man eben auf dem besten Weg ein zweites Windows heranzuzüchten. «In meiner Welt» hat sogar Windows einen Platz, neben vielen anderen System … nur das ist gesund, alles andere läuft aufs gleiche hinaus.

    Aber dennoch danke für die erste ausführliche Antwort zu dieser Thematik.

  3. kobalt sagt:

    Irgendwo müssen Einsteiger doch anfangen und für Anfänger zählt, daß es einfach und bunt ist. Und später, wenn Erfahrung und Neugier wachsen, probieren sie Debian oder BSD aus und wechseln dann zu Suse. 😉

    Nee, im Ernst, als Einsteigerdistribution halte ich *buntu für geeignet und berechtigt. Außerdem will man am Anfang möglichst oft möglichst Bleeding-Edge-Software, und später wird es wichtiger, daß die Sache rund läuft, zuverlässig und stabil ist und dann kommen Debian und BSD ins Spiel. Die Philosophien von Debian/BSD und *buntu sind verschieden und sprechen verschiedene Benutzerkreise an. Ich sehe da kein Problem.

  4. Oliver sagt:

    >Irgendwo müssen Einsteiger doch anfangen und für Anfänger zählt, daß es einfach und bunt ist.

    Ja da ist doch Windows oder MacOS da, irgendwann muß man dann ja auch mal den Anfänger-Status verlassen, oder?

    >Nee, im Ernst, als Einsteigerdistribution

    Ein System das nur irgendwie letztenendes für Einsteiger taugt hat bei mir schon verloren. Das ist ähnlich wenn ich den Schmarrn vom «Einsteigerhund» höre — steigt man später zum «Profihund» auf und gibt die alte Töle ab?
    Mitunter ist das auch der Grund für dieses Distro-Hopping bei Linux, hat man ein Problem hüpft man weiter, wächst man heraus hüpft man weiter und das Ende vom Lied? Eine Distro bleibt auf der Strecke und kommt auch nie in die Nähe von Qualität.

    Es sind folglich also schon zwei verschiedene Benutzerkreise, die einen die verstanden haben was Opensource bedeutet und die anderen die ein «stabiles Windows» suchen und es auf ihrer Odyssee nie finden werden.

    >Und später, wenn Erfahrung und Neugier wachsen

    Da wächst kaum etwas. Beispiel Raubkopien oder kopiertes MacOS auf normalen PCs — da wachsen die Leute über Nacht aus sich heraus, fabulieren vom Linux-Gefrickel und frickeln selbst Nächte lang, nur um irgendein gesaugtes Spiel zum Laufen zu überreden bzw. MacOS zu Tode gepatcht auf dem PC laufen zu lassen. Das macht Sinn und da bleibt auch eines über, gegen Faulheit ist kein Kraut gewachsen.

    Problem ist das man a) auf Hype hereinfällt, b) nichts lernen möchte. Wenn jemand halt eine Art Windows-Geklicke möchte muß er eben bei Windows bleiben oder aber auf MacOS X umsteigen, wenns eine Art von UNIX-Unterbau haben soll. Linux/BSD mit Oberfläche zu bedienen ohne Kenntnisse des Unterbaus ist einfach nonsense und wird es auch immer bleiben. Das ist der Hype, der stößt mir übel auf und das Ubuntu kein Plus bietet, nur elenden Hype.

    Selbst ein DAU kann Debian locker installieren mind. seit Sarge.

    >Außerdem will man am Anfang möglichst oft möglichst Bleeding-Edge-Software

    Btw. das ist auch bei FreeBSD so, bei Debian ist es halt nicht so, weil die Verquickung so mancher Software mit dem Kernel bleeding edge ohne ein bleeding edge System meist ausschließt. Bleeding Edge unter Linux mutiert daher meist zum GAU, während bleeding edge unter *BSD allenfalls mal eine Anwendung nicht laufen läßt — was aber sehr selten ist. Last not least sind bei Ubuntu auch nur ein paar der Mainstream-Applikationen tatsächlich bleeding edge, übrigens ähnlich dem neuen Debian Etch.

    Dreh– u. Angelpunkt ist also Hype und mir permanent die Werbung als Konter entgegen zu halten ist ein wenig lächerlich, da man das Gegenteil leicht belegen kann.

    Ich sehe ein das ein Anfänger eine Oberfläche braucht, lernen muß er dennoch, macht er es nicht ist auch das postulierte «sichere» System nur ein Witz wert.

  5. tante sagt:

    Ob es Herrn Shuttleworth nun um nen Egotrip geht oder nicht halte ich für eher zweitrangig.

    Ubuntu plustert das Problem gerade sicherlich ein gutes Stück auf, aber letzten Endes zieht das nur ein Problem nach vorne, was in jedem Falle gekommen wäre:

    Wir gehen mal davon aus, dass Windows regider beim Kopierschutz wird oder Photoshop oder Spiele oder wasauchimmer die Mehrheit der Leute unrechtmässig laufen lässt. Die Leute sehen sich also langsam gezwungen Lizenzen zu kaufen oder Alternativen zu suchen.

    Wäre nicht Ubuntu da, würde OpenSuSE die Rolle bekommen. Oder irgendwas anderes mit Debian zusammengepacktes. Oder Fedora. Naja, sein wir ehrlich, Fedora wohl nicht. Egal.

    Die Problemstellung wäre dann exakt dieselbe:
    Es fällt Menschen schwer etwas bewusst zu verlernen, die Windows Konditionierung («Klick immer auf weiter, bis es läuft», «Installier Software X einfach nochmal neu», «Starte den Rechner einfach noch mal») werden die Menschen so einfach nicht los.

    Die Community, hilfreich wie sie gerne sein möchte, schwingt sich auf zum helfenden Messias und macht sich die Probleme zu eigen. Probleme, die gar nicht entstünden, so man die Dokumentation lesen würde (sicherlich ist nicht alle Dokumentation gut und es gibt oft auch Sprachprobleme).

    Doch ist das grundlegende Problem vor allem die Tatsache, dass man mit einer Windows-Sicht nur zum Ergebnis kommen kann dass Linux/BSD nicht funktionieren.

    Solange den Leuten nicht klarer gemacht wird, dass Linux was ganz anderes ist, als Windows wird das Problem bestehen bleiben.

  6. […] Fixmbr greift nun einige der Schattenseiten auf. […]

  7. Hanno sagt:

    Hmm. Ich suchte nie etwas «wie Windows», sondern immer etwas «statt Windows».

    Ich habe deshalb seit 1995 (in dieser Reihenfolge) Suse, Redhat, dann mehrere Jahre lang Debian und nun Ubuntu als Desktop-OS auf einem Dualboot-System eingesetzt.

    Erst Ubuntu hat endlich dafür gesorgt, dass seit zwei Jahren meine Windows-Partition einstaubt — sowohl auf dem Büro– als auch auf dem Heim-PC. Es ist /endlich/ das Desktop-Debian, das ich mir immer gewünscht habe.

    Natürlich ist es immer einfach, auf eine erfolgreiche Linux-Distribution zu maulen, denn viele Benutzer = viele Hirnis.

    Ich bin jedenfalls zufriedener Ubuntu-Nutzer. Und das hoffentlich nicht aus Hirni-Gründen.

  8. Oliver sagt:

    >Erst Ubuntu hat endlich dafür gesorgt, dass seit zwei Jahren meine Windows-Partition einstaubt

    q.e.d.

    >Natürlich ist es immer einfach, auf eine erfolgreiche Linux-Distribution zu maulen

    Argumente techn. Natur würden eh allgemein abprallen wie in einer Gummizelle, so what? Sinnlos Atem verschwenden oder die Fingerkuppen wund tippen? Nicht unbedingt der Bringer — deswegen steht auch rant als Überschrift drüber. Ich weiß den *buntus sagt die übliche Kakophonie von Lobhudelei durch die Medien hindurch mehr zu … man kann halt nicht alles haben.

  9. tante sagt:

    Natürlich ist es immer einfach, auf eine erfolgreiche Linux-Distribution zu maulen, denn viele Benutzer = viele Hirnis.

    Das ist eigentlich gar nicht der Punkt. Das Problem ist nicht, dass Ubuntu so viele «Hirni» Nutzer hat, die hat jede Distri (auf die eine oder andere Art).

    Das Problem ist, dass die Community einen großen Zulauf von Menschen hat, die eigentlich keine Alternative suchen. Diese binden eine Menge Ressourcen gerade aus den Gründen, dass

    Ubuntu Pakete nicht so besonders dolle sind und viele Bugs/Schwächen haben => einiger Supportauffwand
    Ubuntu gerne mit der angeblichen Einfachheit beworben wird

    Ubuntu braucht einfach noch so einige Zeit zum Reifen und muss vom Hype runterkommen. Dann ist auch mal Zeit, die grundlegenden Probleme der Distri in den Griff zu bekommen.

    Wenn man die ganze Zeit jedem Bleeding-Edge Hype hinterherrennt, damit Otto Normaldau auch mal kurz den Nachbarn Beryl zeigen kann, dann bindet das Ressourcen, die man vielleicht besser investiert hätte, um die allgemeine Qualität der Pakete zu verbessern.

  10. nion sagt:

    Ich hätte dir ja soweit zugestimmt, aber mit dem «oder ein *BSD» hast du dann doch noch verkackt ;-P

  11. […] es ist nur ein Rant, aber die Diskussionen und Beiträge die sich daraus ergeben zeigen IMHO ein Problem, dem sich […]

  12. […] Hier, dort und wieder zurück werden einige interessante und gut formulierte Gedanken über Opensource, Windows, eigenständiges Denken und Weltanschauungen ausgetauscht. Nein, tatsächliche keine Flamewars, allerdings würde ich es vermutlich so oder ähnliche zusammenfassen: Mac vs. PC South Park StyleUploaded by tokyopunk […]

  13. Hanno sagt:

    > q.e.d.

    Nein.

    Wie gesagt: Ich suche kein «wie Windows», sondern ein «statt Windows».

    Es war nunmal so Debian meine Desktop-Bedürfnisse schlechter als Windows, Ubuntu dieser aber besser Windows bediente.

    Und das, obwohl ich Deine oben genannte Vorbedingungen (mind. 1 Jahr Debian) erfüllen kann.

  14. Hanno sagt:

    Mannomann, soviele Vertipper.

    Wie gesagt: Ich suchTe kein ?wie Windows?, sondern ein ?statt Windows?.

    Es war nunmal so, DASS Debian meine Desktop-Bedürfnisse schlechter als Windows, Ubuntu diesE aber besser Windows bediente.

    Und das, obwohl ich Deine oben genannte Vorbedingungen (mind. 1 Jahr Debian) erfüllen kann.

  15. […] 14th, 2007 · No Comments Oli lässt sich mal wieder über Ubuntu und Co. aus. Interessant ist es […]

RSS-Feed abonnieren