Blogstudie 2007:
Business-Blogger — where are you?

Ich liebe unsere Business-Blogger in Deutschland. Ganz ehrlich. Im Jabber haben wir sehr oft sehr viel Spaß. Der Oli, der Falk und meine Wenigkeit, wir sehen das ganz ähnlich — über kaum eine Gruppe Blogger lachen wir mehr als über die Wir haben die Ahnung für uns gepachtet-Blogger. Das ist diese Gruppe von Bloggern, die jeden Furz über das Cooperate Blogging bloggen, die meinen, jeder Artikel drüben aus den Staaten sei auch für uns interessant, die zum Jubelperser für *jedes* neue Startup hier in Deutschland werden. Und wenn sie dann die eigenen Blogeinnahmen veröffentlichen, hat man fast schon wieder Mitleid. Es sind also diese Leute Blogger, die selbst ein Bloggertreffen mit Sponsoren ausstatten, dort wo wir und andere Creative Commons oder gar BSD-Lizenz drüber schreiben, geht bei anderen ohne Kohle nichts. Warum ich diese ausführliche Einleitung schreibe? Nun, es gibt eine neue Studie, die Blogstudie 2007.

Die Universität Leipzipg hat in Kooperation mit der Suchmaschine Ask.com gut 600 Internetnutzer in Deutschland befragt — über Informationssuche im Internet sowie zur Nutzung, Glaubwürdigkeit und das Auffinden von Weblogs.

Ob die Ergebnisse nun repräsentativ sind, oder nicht, darüber kann man evtl. streiten — worüber man nicht streiten kann, ist, dass die Egebnisse teils verdammt interessant sind. Zum Thema Bekanntheit von Blogs kommt die Studie zu folgendem Ergebnis:

Blogstudie 1

Ach herrje, wenn das jetzt wieder die (klassischen) Medien lesen — nur 12,7% der Befragten wussten nichts mit dem Begriff Weblog anzufangen — 7,5% von denen, die wussten, worum es geht, haben noch nie ein Blog besucht. Knapp 80% der Befragten also waren zumindest Blogleser. Dumdidum, die Angst geht rum.

Natürlich muss man auch schauen, was die Leute mit dem Bloggen assoziieren — ist es Tratsch, Information, profane Selbstdarstellung?

Blogstudie 2

Während viele Internetnutzer also mit dem Begriff Weblog etwas anfangen können, ja sogar selbst bloggen oder Blogs lesen, so fällt dennoch die Erklärung, was ein Weblog ist, sehr unterschiedlich aus, es gibt kein einheitliches Bild. Die größte Gruppe sieht in einem Weblog immer noch das alte und so verkehrte Vorurteil des (digitalen) Tagebuchs, gefolgt von der Möglichkeit der Meinungsäusserung sowie der Erklärung, Blogs seien eine Form vom Journalismus.

Die nächste Frage der Universtität Leipzig: Warum werden Blogs gelesen? Einfache Antworten, auf eine einfache Frage. In Blogs erfahre ich Dinge, die ich in anderen Medien nicht erfahre, so antworteten immerhin 66,7% der User. Tipps, Tricks zu geben, zu erfahren folgt auf Platz 2 mit 52,5% und um Hintergründe zu aktuellen Themen zu erfahren erreicht auf Platz 3 52,3% (Mehrfachnennung möglich).

Die nächste Frage ist sicherlich für die Wirtschaft — und folgerichtig für unsere Business-Blogger — nein, ich habe die (lange) Einleitung nicht vergessen *g* — interessant. Die Frage nach dem Who are you der Blognutzer und der Blogger. Die Typologie:

Blogstudie 3

Das alte Vorurteil der Selbstdarsteller (manche Blogger sind es sicherlich, keine Frage, aber eben nicht jeder Blogger) wird hier relativiert. Auf– und abgerundet sehen jeweils ein Fünftel der Befragten Bloggnutzer als Social Networker, als Wissensdurstige, als aktive Konsumenten, als Informationsuchende sowie als Selbstdarsteller an. die Studie führt dazu aus: Blognutzer sind interessante Dialogpartner für Marketing und Unternehmenskommunikation sowie alle, die sich frühzeitig mit gesellschaftlichen Trends, neuen Ideen und kritischen Stimmen auseinandersetzen wollen.

Die Interpretation der Universität Leipzig aus folgendem Chart kann ich nicht nachvollziehen, kommt sie doch zu dem Schluß, dass auf Blogs Orientierungslosigkeit herrscht, dass das Blog(auf)finden eher von Zufall begleitet wird.

Blogstudie 6

Wenn man die Blogs als (großes) Social Network sieht, sehen will, ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Blogs durch Verlinkungen untereinander gefunden werden — genau so soll es dann auch sein. Da von Orientierungslosigkeit zu sprechen, halte ich für übertrieben. Richtig ist, dass die Blogs noch mehr in die öffentliche Wahrnehmung gebracht werden müssen — aber daran arbeiten wir, nicht wahr liebe Kollegen der klassischen Medien, Ihr die gerade mitlest. 😉

Kommen wir nun zum Schluß zum interessanten Part, womit sich dann auch der Kreis zu meiner Einleitung, zu unseren lieben Business-Bloggern schließt, der Glaubwürdigkeit von Blogs, sowie deren Bedeutung für die öffentliche Meinungsbildung:

Blogstudie 4

Na sowas aber auch — unsere geliebten Business-Blogger mit ihren Cooperate Blogs (ja, man könnte Business-Blogger und Cooperate-Blogger noch unterscheiden, nur warum?) tragen am wenigsten zur öffentlichen Meinungsbildung bei? Im Gegensatz zu anderen Blogs sind sie bedeutungslos? Wenn das mal nicht spannend ist — und es kommt noch besser: Bestätigt wird es durch die Frage nach der Glaubwürdigkeit:

Blogstudie 5

Selbst bei der Frage der Glaubwürdigkeit landen private Blogs weit vor den Cooperate Blogs — wenn das nicht mal richtig spannend ist. 😀

Fazit: Viele Dinge, die man wusste, wurden bestätigt — am Schluß jedoch wird es richtig interessant. Wenn der Oli, der Falk und meine Wenigkeit im Jabber lachen, so gibt es diese Ergebnisse nun auch als Studie — Business-Blogger sind unwichtig und unglaubwürdig — meiner Meinung nach sind die meisten einfach Witzfiguren. 😀

Wieso nun diese Einleitung, diese Headline, haben Einleitung wie auch Headline doch wenig mit dem Fazit zu tun. Nun, auf fast allen Business-Blogs, zur Erinnerung, das sind die Blogs, die jeden Furz übers Bloggen veröffentlichen, wurde diese Studie totgeschwiegen, es war kaum ein Wort darüber zu finden. Warum wohl? Pfeifen! 😀

Blogstudie 2007 Homepage

Blogstudie 2007 — PDF-File

Grafiken: Blogstudie2007.de

20 Antworten zu “Blogstudie 2007:
Business-Blogger — where are you?”

  1. Andreas sagt:

    Naja, als ich damals gebeten wurde, an der obigen Umfrage teilzunehmen habe ich es nicht gemacht, weil ein grosser Teil der Fragen für mich nicht passte oder mir unverständlich waren. Aber Egal. Dass die Ergebnisse der Studie jetzt in verschiedenen Blogs (Jubelperser?) hochgelobt werden, habe ich nicht so ganz verstanden, weil aus der Studie IMO wenig wirklich überraschend Neues bzw. Erhellendes herauskommt.

    Das es mehr Teilnehmer gibt, die konsumieren statt zu produzieren ist auch für sogenannte «soziale Netzwerke» nicht wirklich neu, Dass die Konsumierenden irgendetwas suchen oder sich informieren etc… wollen, und die Produzierenden (schreibenden) meist irgendetwas bezwecken etc… ist so neu auch nicht.

    Zu den Firmenblogs: Genauso ist es eine alte Weisheit, dass Aussagen von Firmen (ob jetzt Werbung oder PR oder etc… ist egal) weniger geglaubt wird, als z.B. Aussagen von Freunden, Bekannten anderen irgendwie glaubwürdigen und kompetenten *Privatpersonen* (Thema Mundpropaganda…).
    Das ist bei Blogs auch nicht anders als im «Rest der Welt».

    Zu Deiner «Business-Blogger» Definition: Wenn ich mir Deine Definition ansehe, so passt diese auf nicht wenige der sogenannten «A-Blogger» oder Blogs aus den sogenannten «TOP-100″ zu, die eben keine Corporate-Blogs sind, sondern IMO eher private/fachblogs/medienblogs zu sein scheinen.

    Speziell das «Jubelpersertum» (man kann es auch als «Schleichwerbung» bezeichnen), ist mMn Blog-Typ unabhängig und hatte mich (vor einigen Monaten) besonders überrascht, also ich anfing, mich mit Blogs und dem Bloggen zu beschäftigen.

    Jetzt würde mich mal interessieren, welche Blogs Du konkret meinst bei denen Du Dich so freust, dass sie aufgrund der Studie als «unglaubwürdig» gelten. Kannst Du hier hier mal ne kleine Liste der Blogs schreiben?

  2. Chris sagt:

    Zu Deiner ?Business-Blogger? Definition: Wenn ich mir Deine Definition ansehe, so passt diese auf nicht wenige der sogenannten ?A-Blogger? oder Blogs aus den sogenannten ?TOP-100? zu

    Richtig. :)

    Ich hab neulich einen genialen Satz gelesen:

    Die Blogosphäre ist in der Mainstreamscheiße angekommen.

    Beispiel:

    BILDblog — Werbebude mittlerweile
    Schlämmer — virales Marketing
    DSDS — no comment
    PSP News — no comment
    law blog — gut, Udo mag ich 😉

    usw.

    Jetzt würde mich mal interessieren, welche Blogs Du konkret meinst bei denen Du Dich so freust, dass sie aufgrund der Studie als ?unglaubwürdig? gelten.

    Die Liste wäre zu lang. 😉 Aber wenn man den Links oben folgt, kann man zumindest eines schon finden. :)

    Was soll ich auch jetzt hier profan generell das eine oder andere Blog abwatschen — das muss jeweils fundiert an einem Beispiel geschehen, so wie es hier bei uns in der Regel auch passiert.

    Wer bei uns regelmässig mitliest und mich kennt, weiß schon, wen ich damit alle meinen könnte…

    Ansonsten mein ACK, viel Neues gab es nicht, aber das schrieb ich oben schon. 😉

  3. Falk sagt:

    Genauso ist es eine alte Weisheit, dass Aussagen von Firmen (ob jetzt Werbung oder PR oder etc? ist egal) weniger geglaubt wird…

    Da dürften wir dann wieder da sein, dass dies wohl für 99,9 % aller Werbeaussagen, Corporate– bzw. Business-Blogs gilt, aber eben nicht sein muss. Warum nicht Ehrlichkeit? Warum nicht Transparenz? Warum unwichtige Dinge wichtiger machen, als sie sind. Denn wenn man die Aussage rumdreht, dann ist es schlicht wurscht, was sich eine PR-Agentur rausquält, es ist verschwendete Zeit und rausgeworfenes Geld 😉

  4. Andreas sagt:

    Warum nicht Ehrlichkeit? Warum nicht Transparenz?

    Das Vertrauen ist nicht deswegen nicht da, weil zuviele Leute nicht ehrlich sind, sondern weil man «von Aussen» nicht erkennen kann, wem man wirklich vertrauen kann, und wem nicht. Das hat auch mit manchmal fehlender Ehrlichkeit zu tun, aber nicht nur.

    dann ist es schlicht wurscht, was sich eine PR-Agentur rausquält, es ist verschwendete Zeit und rausgeworfenes Geld

    Ich würde es nicht so überspitzt formulieren, doch Deine Aussage hat meiner Erfahrung nach einen wahren Kern. Vermutlich habe ich deswegen auch noch keinen Marketingleiter gesehen, der wirklich erfolgsorientiert bezahlt wird.

  5. Oli sagt:

    Warum nicht Ehrlichkeit? Warum nicht Transparenz?

    Das klappt doch nicht einmal im open source Bereich. Selbst nur mit dieser Kritik wird man dich abstrafen und irgendetwas von den ehernen Grundsätzen fabulieren. Die Praxis aber zeigt der Mensch ist das Problem, weniger bei diesem Beispiel das Betätigungsfeld, ob nun kommerziell oder zum Wohle der Gesellschaft.

  6. Falk sagt:

    Ich würde es nicht so überspitzt formulieren

    Tu ich halt gern — Übertreiben hilft da oft zu veranschaulichen, auch wenn ich damit gegen die geforderte Regel der Ehrlichkeit wieder ein Stück weit verstosse.

    Womit wir beim Oli wären

    Die Praxis aber zeigt der Mensch ist das Problem

    klar ist er das. Schliesslich dreht es sich ja in erster Linie um Menschen, auch wenn das Projekt, die Firma, das Produkt im Vordergrund stehen würde. Jetzt komm ich aber dann zu dem Punkt, den ich meine. Wenn sich jemand damit identifizieren kann und dies dann auch genauso nach außen trägt, ist das doch eigentlich auch in Ordnung. Nur bleiben eben die Zweifel wie oben immer, wer steht jetzt da 100% hinter dem, was er sagt, schreibt oder tut und wer macht das aus eigennützigen Beweggründen. Letztere unterstell ich klassischen PR-Agenturen und Business-Bloggern schonmal von Haus aus. Weils um Geld geht…

  7. Grainger sagt:

    Die Glaubwürdigkeit von Firmenaussagen ließe sich dadurch massiv steigern das jedes Werbeversprechen, jede Prospektangabe, usw. einfach als zugesicherte Eigenschaft gilt.

    Das würde Werbung und Propekte zugegebenermaßen um einiges nüchterner machen (denn was will man dann schon noch über einen Schokoladenriegel oder eine Damenbinde sagen :D) und sicherlich würde das eine gesteigerte Arbeitslosenquote bei den «Kreativen» der PR– und Werbe-Agenturen nach sich ziehen, aber das ist nun mal der Preis für mehr Glaubwürdigkeit.

  8. Andreas sagt:

    Die Glaubwürdigkeit von Firmenaussagen ließe sich dadurch massiv steigern das jedes Werbeversprechen, jede Prospektangabe, usw. einfach als zugesicherte Eigenschaft gilt.

    Es ist auch heute schon so, dass Werbeaussagen grundsätzlich nicht erlogen sein dürfen (sofern es sich nicht um offensichtlich unrealistische Aussagen handelt, die nicht nachprüfbar sind, bzw. nur die Fantasie und Emotionen ansprechen …)

    Dein Mittel hilft nur, wenn es für jedes Produkt nur genau einen (staatlich verordneten) Anbieter gibt.

  9. Oli sagt:

    Es ist auch heute schon so, dass Werbeaussagen grundsätzlich nicht erlogen sein dürfen

    Das ist wohl klar, aber es ist schon ein Unterschied wenn ich jedem zusichere ihm zu helfen oder die Werbung das ultimative Helferlein für den Haushalt propagiert.
    Wirklich klagen ob eines unlauteren Wettbewerbs könnte ohnehin nur eine andere Firma mit dem entsprechenden Gewicht und selbst dann wäre der Ausgang mehr als fraglich.

  10. Grainger sagt:

    Möglicherweise wird in der Werbung nicht offen gelogen, aber es werden eigentlich sinn– und wertfreie Aussagen so formuliert das der Konsument dazu verführt wird etwas nicht vorhandenes hinein zu interpretieren.

    Das beste XYZ aller Zeiten.

    ist so ein Beispiel: hier wird eigentlich ein Produkt mit sich selbst bzw. seinen Vorgängern verglichen (absolut sinn– und wertfrei), aber der gesamte Werbespot ist so aufgebaut das der Verbraucher glauben soll es würde ein Vergleich zur Konkurrenz stattfinden.

    - Eier werden nur von artgerecht gehaltenen Hühnern gelegt,
    – die Milch kommt von glücklichen Kühen (die für Schokolade verwendete natürlich von glücklichen lila Kühen),
    – Brot, Brötchen, Kuchen und KAffeestückchen aus dem Supermarkt werden in TV-Werbespots wie zu Großmutters Zeiten gebacken,
    – die verdrecktesten Bäder lassen sich mit einem Haushaltsreiniger ganz ohne Anstrengung mit nur einmal drüber wischen auf Hochglanz polierten,
    – usw. (die Liste ließe sich beliebig fortsetzten)

    Also wenn ich mir das noch mal so durch den Kopf gehen lasse sind das eigentlich Lügen und nichts anderes.

    Und egal wie blauäugig man sein muss um das zu glauben, an der Tatsache der Lüge ändert das erst mal gar nichts.

  11. Chris sagt:

    Und all das, was wir hier in den letzten Kommentaren diskutiert haben, trifft IMHO auf die Jubelperser Business-Blogger in D zu. Kritische Gedanken, wie andernorts? Fehlanzeige. Grässlich.

  12. JumpingJakk sagt:

    … und womöglich wollen besagte Jubelperser auch noch gesiezt werden wenn man z.B. etwas kommentiert *scnr*

  13. Lili sagt:

    Zum Thema falsche Versprechen:

    was haltet ihr von RTL? Die haben überall Leuchtreklame installiert mit dem Slogan: «Bei Anruf Urlaub!». Das ist doch nachweisbar eine Lüge, denn von den 5000 Hörern, die da morgens anrufen, gewinnt nur einer, wahrscheinlich einen Ausflug zum Wannsee.

  14. Chris sagt:

    Das ist natürlich ein Problem, das hab ich bei dieser Studie gar nicht bedacht, dass RTL falsche Versprechen macht.

  15. Lili sagt:

    @ Chris

    kannst natürlich auch morgen mal anrufen, dass du jetzt den versprochenen Urlaub antreten willst 😉

    Nur irgendwie habe ich die Nase voll von all diesen Lügnern ;(

  16. Chris sagt:

    Kleiner Tipp: Fernseher aus, F!XMBR lesen und alles wird gut. :)

  17. Lili sagt:

    Ich habe gar keinen Fernseher, das Schild steht an Bushaltestellen. Und würde ja gerne glauben, dass alles gut wird, aber ich glaube nicht mehr an Märchen. Soll man sich alles gefallen lassen?

    Aber egal, bin wohl im falschen Thread. Viel Spaß noch!

  18. Oliver sagt:

    Wer sich Verblödungsstrahler freiwillig antut, wird mit mindestens 24h Stadl bestraft. 😀

RSS-Feed abonnieren