Blogs und Regeln

Blogs sind groß geworden, weil es keine Regelungen gab

regelnGriff gerade dieses Zitat bei Heise ab und staunte nicht schlecht. Sicher O’Reillys Vorstoß mit seiner Art von Codex finde ich auch recht befremdlich, da kann ich mich schon eher diesem auf rabenhorst anschließen. Aber gehts ohne Regeln? Nein, Regeln gibts immer wieder weil die omnipotente Freiheit, die man selbst anstrebt, auch mit Pflichten gegenüber der Gemeinschaft einher geht. Im Netz nennt man das ganze Netiquette, letztendlich ist es die Vernunft. Hakelig wird es immer dann, wenn einige Schandflecke in dieser Gesellschaft existieren, die ihre Art von Individualismus auf die Spitze treiben, andere damit drangsalieren oder gar bedrohen und die Gemeinschaft somit schädigen. Selbst der oft zitierte Anarchismus liebt eben diese omnipotente Freiheit des Individuums, jedoch ohne die Gemeinschaft selbst zu schädigen.

Diese Art von ungeschriebenen Gesetzen existieren, die bloße Nennung, die Ausformulierung jedoch treibt einigen den Angstschweiß auf die Stirn. Warum? Sie tun nicht weh und unterliegen auch einer Freiwilligkeit. Anstatt also Zeter und Mordio zu schreien und viele mißliche Situationen in Blogs herunterzureden, sollte man vielleicht einmal diese Fälle aufgreifen und diskutieren. Ergebnis muß kein Regelkatalog sein, sondern vielleicht eine vernunftbasierte Grundhaltung, Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft. Mensch sein, vernünftig sein …

Jedenfalls ist die Fixierung auf die bösen Regeln für Blogger sinnfrei und kontraproduktiv, da man somit problematischen Situationen unter dem Gesichtspunkt einer vorgeschobenen Freiheit so quasi den Rücken zudreht. Dabei ist es gerade diese Ignorierung solcherlei Probleme, die Titulierung als Einzelfälle, genau das was die Regelschreiber auf den Plan ruft. Also anstatt zu blocken, wäre Vernunft angesagt und eine Beschäftigung mit diesen Fällen — die Erstellung von absoluten Regeln bzw. die Blockadehaltung gegenüber diesen ist jedenfalls absurd.

8 Antworten zu “Blogs und Regeln”

  1. Chris sagt:

    2 Doofe — ein Gedanke. q.e.d. zum vorherigen Artikel. 😉

  2. kobalt sagt:

    Ich frage mich gerade, ob die Diskussion über Bloggerethik überhaupt sinnvoll ist. Wenn ich eine Website, ein Blog, viele Blogs habe, kann ich schreiben was immer mir in den Sinn kommt. Wer das lesen will, liest es, wer nicht, der liest es nicht.

    An eine Bloggerethik kann ich mich halten oder auch nicht und wenn ich mich nicht an sie halte, kann niemand irgendetwas dagegen tun.

    Wenn ich mich an eine Bloggerethik halt, tue ich das auch ohne schriftliche Fixierung dieser Ethik.
    Oder verstehe ich den Sinn des Blog-o-ramas nicht?

  3. Oliver sagt:

    >Oder verstehe ich den Sinn des Blog-o-ramas nicht?

    Ja ursprünglich gings um Morddrohungen, sexuelle Belästigung etc., aber wie gesagt die deutsche Szene bzw. einige selbsternannte Vertreter schafeln mit und reden das alles herunter. Es geht hier nicht darum ob Furz A nicht mit Furz B kann ..

  4. kobalt sagt:

    Danke für die Aufklärung. Morddrohungen sind natürlich ein anderes Kaliber.
    Trotzdem bleibt die Frage, ob jemand, dem elementare Regeln des menschlichen Zusammenlebens wurscht sind, sich durch eine Ethikcharta bekehren lassen wird.

  5. Oliver sagt:

    >sich durch eine Ethikcharta bekehren lassen wird.

    Sagen wir mal, es waren ja dort u.a. auch angesehene Tech-Blogger, also nicht irgendwer. Diese sahen sich jedoch irgendwie bedroht durch eine kompetente Frau. Das sind durchaus vernünftige Mensche, jedoch mit einer kleinen Macke, Revierverhalten. Und das sie ansonsten vernünftig daherkommen, könnte eben das der Ansatzpunkt sein. Mal davon abgesehen ist so ein Codex eben auch nicht bindend, aber die Diskussion darum kann vielleicht so manchen rumreißen mal ein wenig umsichtiger vorzugehen ohne jetzt direkt irgendeinem Regelwerk sklavisch zu folgen.

  6. kobalt sagt:

    Ja, vielleicht klappt es über die Vorbildwirkung.

  7. Oliver sagt:

    Wenn ein paar anfangen zu denken, darüber was sie selbst machen und was dabei nicht so ganz koscher ist, nun dann ist schon was gewonnen. Genau ob diesem Punkt finde ich die absolute Verneinung eines, wenn auch theoretischen, Reglements absurd.

  8. kobalt sagt:

    Der Kant’sche Imperativ verkürzt: «Was du nicht willst das man dir tu, das füg’ auch keinem Andern zu.»

    Wir sind einer Meinung.

RSS-Feed abonnieren