Blogs — Ergänzung oder Konkurrenz zum Journalismus?

Es gibt mal wieder eine neue Studie Forschungssynopse. Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk & Melanie Rischke stellten sich der Frage, ob Weblogs und Journalismus Konkurrenz, Ergänzung oder Integration bedeuten. Das Fazit:

Bilanzierend kann festgehalten werden, dass nach den bisherigen Forschungsergebnissen zwischen Weblogs und professionellem Journalismus eher eine komplementäre als eine konkurrierende Beziehung besteht.

Na, das ist doch mal spannend. Auch die Frage nach dem warum liefert interessante Ergebnisse:

Wieso werden Weblogs gelesen? Erste Forschungsergebnisse sehen wichtige Gründe in der Exklusivität von Informationen, der «besseren» Perspektive, der größeren Ehrlichkeit und der klar erkennbaren Meinung in Blogs. Während einige nicht-repräsentative Studien eine hohe Glaubwürdigkeit der Weblogs ermittelten, belegen repräsentative Befragungen eine höhere Glaubwürdigkeit des professionellen Journalismus.

Immer wenn ich sowas lese, frage ich mich, ob man nicht sinnvoller seine Zeit verbringen kann. Da wird verdammt viel Geld vebrannt — für nichts und wieder nichts. Das sind alles Dinge, die bekannt sind, und ob da auf irgendwelche Fragen nun 20% oder 30% eine bestimmte Antwort geben — für die Werbeindustrie mag es vermeintlich von Interesse sein, jedoch können sie nichts damit anfangen, weil sie es ganz einfach nicht verstehen.

Da belustigt es schon fast, wenn die Forschenden weiter in ihrem Fazit darüber jammern, dass Studien über Blogs kein eindeutiges Bild liefern. Ja, wie auch. Selbst Oli und ich hier auf F!XMBR, nebenan auf .get privacy sind schon zwei völlig unterschiedliche Charaktere, Menschen. Der Falk ist nochmal ein ganz anderer Mensch, ich habe ihn neulich meinen liebsten Kritiker genannt. 😉 Das Bloggen kann man nicht in Studien erfassen, man kann Blogger nicht in Schubladen pressen, jeder unterscheidet sich von dem anderen in seinem Individualität, in seinen Erfahrungen, in seinen Motiven, in seiner Einstellung vom anderen. Nun könnte man vielleicht das noch prozentual aufdröseln, eines werden irgendwelche verstaubten Werber und Journalisten aber nie verstehen:

Das Bloggen, das Veröffentlichen, das Miteinaner in Kontakt-Treten ist eine Lebenseinstellung. Es macht einfach Spaß, einen Spaß, den man manchmal sogar heute ganz anders sieht, als gestern noch. Ein Blog ist gnadenlos subjektiv, Subjektivität bedeutet aber auch Veränderung — wieviele Artikel würde ich heute aufgrund diverser Gespräche, neuer Erfahrungen anders oder gar nicht schreiben? Unzählige. Das lässt sich nicht greifen, schon gar nicht von irgendwelchen Leuten, die aus Hype-Gründen einem Thema hinterherlaufen, die selbst aber ihr Lebtag noch keinen Artikel in einem Blog veröffentlicht und zur Diskussion gestellt haben.

ARD-Werbung: Weblogs und Journalismus: Konkurrenz, Ergänzung oder Integration?

Forschungssynopse im Volltext (PDF, 306,3 KB)

, , , , ,

3 Antworten zu “Blogs — Ergänzung oder Konkurrenz zum Journalismus?”

  1. ph sagt:

    Hm, bin jetzt ehrlich gesagt nen bisschen gefrustet — eigentlich habe ich mit dem Gedanken geliebäugelt, meine Bachelor-Arbeit in einem Jahr auch über das Thema Blogs«etablierter» Journalismus zu schreiben — nichts festes war zwar noch nicht geplant, aber um Geld verbrennen gings dabei jedenfalls nicht.

    Natürlich ist es schwer, «wissenschaftliche» Aussagen über ein so eine vielschichtige Thematik zu treffen — aber ich denke schon, dass man generelle Aussagen über Blogs, deren Entwicklung und Wahrnehmung (von außen wie von innen) treffen könnte — und die dann eben auch mit Wirkung von z.B. Printmedien zu vergleichen. Ok, ich bin weder vollausgebildeter Akademiker noch kenn ich mich besonders gut in der vielzitierten «Blogosphäre» aus — deshalb mag das alles ein bisschen naiv klingen.

    Natürlich mag man dem einzelnen Blogger unrecht tun, wenn man ihn ausschließlich als Teil eines Phänomens mit konkret messbarem Wirkungsgrad behandelt — die Frage ist, ob sich «wissenschaftliches Arbeiten» auf diesen Aspekt beschränken muss.

  2. Grainger sagt:

    Natürlich ist es schwer, wissenschaftliche Aussagen über ein so eine vielschichtige Thematik zu treffen …

    Braucht die Welt wissenschaftliche Aussagen über Blogs?

    Klar, die Werbeindustrie hätte gerne welche (oder zumindest solche die den Anschein wissenschaftlicher Seriosität erwecken) und die diversen Beratergesellschaften hätten gerne mehr Aufträge für Studien über was-auch-immer.

    Und vielleicht sucht auch noch der Eine oder Andere Diplomand oder Doktorand der Sozialwissenschaften verzweifelt ein Thema für seine Diplom– oder Doktorarbeit.

    Das sagt aber über den Nutzen solcher Studien nichts aus.

  3. ph sagt:

    Wie gesagt, über den wissenschaftlichen Anspruch bzw. die Qualität solcher verallgemeinernden Aussagen mag man sicherlich streiten. Und die Frage ist natürlich berechtigt, ob man überall eine Expertenmeinung braucht, die einem sagt, wie die Dinge sind.

    Aber nichtsdestotrotz lässt sich nicht leugnen, dass Blogs ein — tut mir Leid für den Begriff — immer bedeutenderes Phänomen sind, dem eben auch «von außen» immer mehr Aufmerksamkeit gezollt wird. Dass jeder Versuch, dieses Phänomen möglichst objektiv zu beschreiben gleich unnütz ist oder ausschließlich der Werbewirtschaft in die Finger spielen muss, finde ich einfach ein bisschen kurz gegriffen. Und bloß weil etwas vielschichtig / individuell bestimmt / trivial scheinen mag heißt das doch noch lange nicht, dass man sich deshalb nicht um eine solche objektive Betrachtung zumindest bemühen kann.

RSS-Feed abonnieren