Blogosphäre

Kommunikationsgeflecht las ich da mal oder auch Blogfamilie. Whatever, keine Ahnung — ich hab da kein wir-Gefühl, weiß nicht von wem man spricht, wenn von *euch* dort geredet wird usw. Ich sehe mich als Individuum, hab ne eigene Persönlichkeit mit Macken und Stärken wie jeder andere auch wohl. Ob die negativen oder positiven Aspekte mal temporär überhand nehmen, kann wohl kein Mensch wirklich kontrollieren. Man kann es sich wohl einbilden und eine Lebenslüge aufstellen, von wegen ausgeglichener Mensch und so, aber gemeinhin ist die Beurteilung von vertrauten Personen doch als griffiger anzusehen.

Auch sehe ich den Blog nicht als Geflecht in Interaktion mit anderen Blogs, mehr als eine profane Webseite, ganz pragmatisch betrachtet ist für mich ein Blog ein CMS auf dem ich meine Inhalte reinstelle. Klar es ist nicht ein ausgewachsenes CMS etc., aber der grobe Gedanke sollte da einleuchtend sein. Und ja mir sind auch Trackbacks und die massenhafte Verlinkung ein Begriff — aber die Verlinkung ist für mich keine Gruppendynamik, sondern gehört zum Anstand, die Quelle der Info zu nennen.

Da kommt natürlich Dynamik ins Spiel, da partizipieren auch andere Zeitgenossen, die ihre Meinung in Kommentaren kundtun usw. Aber last not least sehe ich da keine Familie, kenne keinen Kuschelkurs, kenne keine Versenfungsmentalität der Blogosphäre etc. Warum? Nun ich bzw. auch Chris, wir sind eben nicht in Blogs aufgewachsen, sondern im Web, in Foren, mitunter auch früher auf Mailboxen — schmalzig, arrogant ausgedrückt hat man dort eine Einzelkämpfermentalität verinnerlicht.

Wer da nen Stempel braucht, dem er einen aufdrücken kann oder ne Schublade, um darin den Blog zu versenken, der ist hier definitiv falsch und glaubt wahrscheinlich auch noch daran das ein Blog eigentlich so ein zünftiges Tagebuch darstellt.

Nichtsdestotrotz sind wir keine Egomanen, natürlich haben wir auch ein Ego, aber wir sehen die Menschen hinter *irgendwelchen* Projekten und kommunizieren mit diesen. Der Rest ist uns, ich denke ich kann da auch für Chris sprechen, relativ schnuppe — das sind nur Oberflächlichkeiten.

Wir partizipieren gerne an einer lustigen Runde, lernen neue Individuen kennen usw. — klasse Sache aber so ein Stempel wie das ist typisch für die Blogosphäre oder …die dort auf den Blogs — was soll das bezeichnen? Ein leicht ausmachbares Feindbild für Kritiker und ne Kuschelecke für Blogger? OMG.

Insofern viel Spaß mit dem Gekuschel, dem Feindbild oder auch dem Marketing-Hype — wer hier reinschneit bekommt zwei Individuen mit vielen gleichen Interessen, aber definitiv keine Teilhaber einer Blog-Kommune.

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4 Antworten zu “Blogosphäre”

  1. Falk sagt:

    Du oller Reaktionär du *g*

  2. maloXP sagt:

    @ Oli: Seh ich auch so. Zumindest in der Kommunikation, Verzeihung, Verwendung des Begriffs eines «einheitlichen» Raums Blogosphäre, wie er leider von viel zu vielen, auch Bloggern, gesehen wird. Ganz schlimm wird’s aber, wenn nun einer überhaupt keine Ahnung hat.

  3. Prospero sagt:

    Blogosphäre ist halt ein griffiges Wort für die Gesamtheit aller Blogs. Das kann man so verwenden wie den Oberbegriff «Zeitungen» für sehr unterschiedliche Printerzeugnisse oder den Begriff «Magazin» für ganz unterschiedliche — ähem — ja, Printerzeugnisse.
    Gut, früher hat man auch mal «Blätterwald» gesagt wenn man Zeitungen meinte — im Prinzip ist das ein Oberbegriff. Erstmal.
    Darunter aber gibt es durchaus Netzwerke — seien es Netzwerke des Wissens, das weitergegeben wird in Form von Blogs und in Form von Hilfe in den Kommentaren, seien es Netzwerke von Informationen, die die Runde machen und die nützlich sind oder total albern — meinetwegen auch das — es gibt schon etwas was die Blogosphäre zusammenhält. Im Prinzip bilden sich auch hier wie in jeder Gesellschaft Gemeinschaften von Leuten mit gleichen Interessen — Leute, die sich eben nicht mehr dringend an einem Tag in der Woche zum Stammtisch sehen müssen sondern die fragmentiert kommunizieren — sofern der Begriff Sinn macht aber das tut er durchaus. (Ich gehe jetzt nicht auf Rollen, Rollenspiele und Dinge ein, die Soziologen viel besser erklären können als ich, aber natürlich gehört das auch dazu.)
    Insofern bilden diese Gemeinschaften schon gewisse Tendenzen und Regeln aus die von der Außenwelt als «typisch für Blogger» wahrgenommen werden. Aber ist das nicht immer so bei Subkulturen gewesen? «Typisch» für einen Kleingärtner ist halt die Laube, ein Gartenzwerg links vom Zaun — nicht rechts, OMG, da wird ja jedes Klischee kaputtgemacht — «typisch» für viele war das was RTL bei den Campern gezeigt hat.
    Insofern gibt es durchaus Gemeinsamkeiten wie das immer so ist wenn sich Leute zusammenfinden — und diese werden halt als «typisch» wahrgenommen. Im Endeffekt ist das genauso hilfreich oder unnütz wie jeder Filter, jede Meinung, jedes Klischee — und selbst wenn man meint vollkommen anders zu sein ist man Teil dieser Sphäre. So ist das halt. Oder auch anders? Wer weiß — der Mensch an sich neigt zu Simplifizierungen, der Reduktion der Realität. Und da hilft das Wort «BLogosphäre» wie «Wald», das Wort für Welt. 😉
    (Und vermutlich habe ich mich komplett verrannt, macht aber nichts.)

  4. Oliver sagt:

    Hmm der Wald gehört zusammen, da kommt nicht irgendein Baum daher, pflanzt sich ein und will da nur nebenbei existieren 😀

    Ich mag zwar vielen Subkulturen angehören, aber irgendwie entscheide ich das immer noch selber, nicht nur durch die bloße Wahl einer Software bzw. eines Mediums.

    Insofern bilden diese Gemeinschaften schon gewisse Tendenzen und Regeln aus die von der Außenwelt als ?typisch für Blogger? wahrgenommen werden.

    Mag ja stimmen in einem Forum, im Usenet, in Mailinglisten, im Irc Channel — aber wohl kaum auf einer individuellen Webseite die dynamische Inhalte bietet.

    Wir legten innerhalb eines Forums vielleicht auch früher gewisse Gewohnheiten an den Tag, setzten uns jedoch individuell ab — eckte man halt an, aber andererseits machte es auch für andere interessant.

    Beim Begriff Blogosphäre sehe ich nur einen augedrückten Stempel, aber nicht wirklich eine Gemeinschaft.
    Was mich z.B. mit Chris verbindet sind andere Dinge als ein profanes Medium. Rede ich mit Missi drüben ist irgendwelches Blogtamtam irrelevant und ehrlich gesagt gehe ich diesen Blogs, die mir da mit solchen Ansprüchen entgegen kommen schon automatisch aus dem Weg :)

    Leuten mit gleichen Interessen

    Ack, hat bei mir oder uns hier weder mit dem Forum etwas zu tun, dem Blog oder sonst irgendeiner Ausdrucksform. Über diese Oberflächlichkeiten sind wir schon hinweg, weil wir oft erfahren mußten, das dabei nicht viel rum kommt. Traditionelle Wege sind jedenfalls für *uns* hier, immer noch der gangbarere Weg — da effektiver für ein nachhaltiges Verhältnis.
    Das was ich zum Gros bei der Blogosphäre sehe ist nicht mehr, im großen und ganzen, als Smalltalk in der Disco. In den Foren gabs da noch ein wenig mehr, wenn auch nicht sonderlich — richtige Bekanntschaften gabs halt doch immer nur, wenn man reguläre Kommunikationswege abseits dieser Medien nutzte.
    Ich mag da auch gar nicht wissen, was da ein Soziologe reininterpretiert — aber den Stempel, die Schublade brauchen wir nicht. Wir nutzen eine Technik bestehend aus HTML, PHP, Javascript und gut ist — der Rest ist Inhalt.
    Wer mit mir z.B. kommunizieren möchte findet eine Mail bzw. Jabber, da erklärt sich näheres :)

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