Bitte lasst Hoffenheim Meister werden

FussballDie ganze Fußball-Welt kennt den FC Chelsea und deren Eigentümer, den russischen Öl-Milliardär Roman Abramowitsch. Seit Jahren kauft Chelsea für aberwitzige Millionensummen Europas Fußballclubs leer. Die Besten der Besten der Besten, Sir spielen beim FC Chelsea. Heißen sie nun Michael Ballack, Didier Drogba oder auch Petr Cech. Dass Geld nicht immer Tore schießt, musste der FC Chelsea letzte Saison schmerzlich erfahren — wieder wurde die Champions-League nicht gewonnen, man unterlag im Finale Manchester United. Nun macht sich ein kleines Fußballdorf auf, dem FC Chelsea Konkurrenz zu machen — Hoffenheim. Wie, Ihr kennt Hoffenheim nicht? Hoffenheim ist ein kleines 3.272 Einwohner zählendes Dorf, welches 1972 nach Sinsheim eingemeindet wurde. Der Sportverein des Dorfes heißt TSG 1899 Hoffenheim — und die erste Fußballmannschaft spielt in der Fußballbundesliga Fußball. Wie konnte das passieren? Die Antwort ist ganz einfach. Unser lieber Kapitalismus und ein Mäzen, der nicht weiß, wohin mit seinem Geld.

Dietmar Hopp ist SAP-Mitbegründer und dementsprechend nicht mit wenig Geld ausgestattet — 6,3 Milliarden Euro sollen es sein. 1990 noch spielte die TSG 1899 Hoffenheim in der Kreisklasse. Dietmar Hopp, der in seiner Jugend einmal als Stürmer in Hoffenheim gespielt hatte, beschloss seinen Verein finanziell zu unterstützen. Innerhalb von 18 Jahren gelang der Aufstieg von der untersten Klasse bis in die Bundesliga — heute stehen sie an der Tabellenspitze. Und auch wenn es erst der zweite Spieltag ist — sie stehen von dem FC Bayern, dem HSV oder Schalke 04. Verkehrte Welt könnte man meinen — oder? Nein, es ist nur eine logische Folge der letzten Jahre. Geld macht eben doch vieles möglich — so ist auch der FC Chelsea in den letzten 4 Jahren zweimal englischer Meister geworden. Wir leben in Zeiten des Turbokapitalismus — und am Beispiel des FC Chelsea und der TSG 1899 Hoffenheim lässt sich das hervorragend veranschaulichen. Was nützt schon die einmalige Choreographie der Schalker Anhänger oder die sensationelle Stimmung in Dortmund, wenn ein Dietmar Hopp daherkommen kann und nur ein paar Millionen auf den Tisch zu legen braucht. Geld schlägt Herz, Geld schlägt bedingungslosen Einsatz für den eigenen Verein. Geld obsiegt über den Menschen.

Ich kann nur hoffen, dass die TSG 1899 Hoffenheim bald deutscher Meister wird. Vielleicht nicht diese Saison, dann aber im nächsten Jahr. Wenn ich mir zum Beispiel die jammerhafte Diskussion derzeit über die TV-Verträge anschaue, die Argumentationen der großen deutschen Vereine — es läuft alles darauf hinaus, kaum noch Fußball im Free-TV zu senden — dann freue ich mich wahnsinnig über diesen Weckruf für den FC Bayern und die anderen neoliberalen Marktgläubigen. In der derzeitigen Diskussion um die TV-Rechte der Fußball-Bundesliga werden Kartellamt, die Öffentlich-Rechtlichen angegriffen, als wenn sie die Reinkarnation des Bösen wären — kommt das Thema aber auf den FC Chelsea, die englischen Fußballclubs allgemein oder der TSG 1899 Hoffenheim zu sprechen, hört man die Worte große Sorge, sie machen den Fußball kaputt. Dabei ist das eine nur eine direkte Folge des zügellosen Marktes, des eigenen Handelns. Die TSG 1899 Hoffenheim macht nur das, was die großen Vereine des deutschen Fußballs seit Jahren tun, gute Spieler einkaufen. Dass sie durch Dietmar Hopp mehr Mittel zur Verfügung haben, macht sie selbst wohl als einzige glücklich, ist aber rechtlich ist es nicht zu beanstanden. Im Gegenteil — gesellschaftlich genauso gewollt: Gerade von denen, die nun rumjammern. Ein Blick in den Spiegel würde den Damen und Herren gut tun.

Lasst also die TSG 1899 Hoffenheim Meister werden. Vielleicht, ja vielleicht wird dann auch über die Fußballgrenzen hinweg eine neue Diskussion begonnen, dass der Markt eben doch nicht alles regelt. Ein Markt kann nur innerhalb festgesteckter Regeln funktionieren — im Fußball, wie auch im realen Leben. Sonst fressen die Reichen die Schwachen. Das wäre der Tod unserer Gesellschaft. Wir stehen bereits kurz davor. Man kann wirklich nur hoffen, dass die TSG 1899 Hoffenheim ein Weckruf für dieses Land sein kann. Ein Mannschaft aus der Kreisklasse kauft sich den deutschen Meistertitel. In der Frühstückspause, an den deutschen Stammtischen werden Diskussionen entbrennen. Das ist ein große Chance für dieses Land — hoffen wir, dass Deutschland diese Chance ergreift:

Lasst also Hoffenheim Meister werden!

Foto: medienfrech unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

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8 Antworten zu “Bitte lasst Hoffenheim Meister werden”

  1. Jochen Hoff sagt:

    Dein Gedankengang ist vollständig richtig. Allerdings kann Hoffenheim nur Zweiter werden. Den ersten Platz behalten die Bayern. Die Schiedsrichter kennen ihre Pflichten und pfeifen entsprechend.

    Bis Hopp den DFB gekauft hat und so kontrolliert wie ihn der FC Bayern kontrolliert, das dauert noch ein paar Jahre.

  2. Marcel sagt:

    wo kauft sich hoffenheim irgendwas? oder habe ich verpast wie sie die superstars eingekauft haben? hinter hoffenheim steckt viel mehr als nur geld. und nur so nebenbei, bielefeld hat dasselbe auch beim aufsteg in den neunzigern gemacht.

  3. DrWatson sagt:

    @Marcel: Naja, Hoffenheim hat schon ordentlich eingekauft, wenn auch eben nicht die großen «fertigen» Stars. Aber es waren letzte Sasion eben über 20 Millionen Euro, das ist schon etwas überdimensioniert für einen (Neu-)Zweitligisten, und die «jungen Talente», die sie gekauft haben, waren nicht einfach talentierte junge Spieler, sondern die Creme de la creme der Jungtalente. Trotzdem ist richtig, dass Hoffenheim nur schwer hinkend mit Chelsea verglichen werden kann, da Hopp deutlich anders agiert als etwa Abramovich und stark in die Struktur des Vereins und das Umfeld investiert. Nicht ganz von ungefähr ist Hoffenheim aktueller deutscher B-Jugend-Meister. Trotzdem — ein Hopp könnte ja auch «normale» Summen investieren, Summen wie sie andere Mäzenen bei anderen Clubs durchaus gängigerweise auch investieren, und wie sie im Schnitt der Liga üblicher sind. Da sind die Einwände kleiner Vereine schon nachvollziehbar. Als Fußballfan finde ich das alles nicht ganz sauber und nicht wirklich wünschenswert. Andererseits sehe ich Hoffenheim wahrlich nicht als größtes Problem der Bundesliga und warte lieber mal ab, wie sich Hopp weiter verhält.

  4. Solarix sagt:

    Also wegen mir darf «Hoffa» gleich wieder absteigen. Ich bin ein paar Jahre ein paar Orte weiter in ein Internat gegangen… kenne also die Grösse dieses Kaffs.

    Hoffenheimt oder Hofffa wie es die einheimischen nennen, hat ungefähr so viel Tradition im Fussball wie der erste FC. Längental… oder Wolfsburg nämlich gar keine.

    Auch wenn man sich die Hütte ankuckt die für die TSG gegenüber vom Auto und Technik Museum gebaut wird, läuft es einem eiskalt den Buckel runter vor Entsetzten. Wofür andere Vereine wie z.B. ein SC Freiburg Jahrzehnte brauchen wird für Hoffenheim in ein paar Monaten kurz mal aus dem Boden gestampft, das Carl-Benz Station in Mannheim war ja nicht würdig genug für die TSG.

    Dieser Verein musste sich nicht hocharbeiten, er wurde «hochgekauft». Man kann über die Bayern schimpfen, aber deren Erfolg kommt nicht von ungefähr. Er hat etwas mit Kontinuität zu tun und ich als VFB Fan habe ein sehr ungutes Verhältnissen zu dem Lederhosenclub. 😉 Aber im Vergleich zu Hoffenheim sind es für mich fast schon Sympathieträger. Auch das Geschwätz von Dietmar Hopp das die Investitionen ein zinsloses Darlehen sind, glaub ich erst wenn er seine Kohle wieder haben will, nach dem Europapokal Gewinn, dieses badischen Weltendorfes.

    Nein in Bezug auf Hoffa bin ich nicht objektiv. 😉

  5. Tom sagt:

    Irgendwie erinnert mich Hoffenheim an BMH (Bundesliga Manager Hattrick), wo ich als Manager auf der einfachsten Schwierigkeitsstufe (unendlich Geld) den Transfermarkt leergekauft habe und den 1. Bundesligavereinen die besten Spieler abgeworben habe, um von der niedrigsten Liga in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Das man das auch in der Realität macht, ist für mich sehr surreal.

  6. Ich sagt:

    Hoffenheim ist nur in der Bundesliga, weil Hopp nicht weiß wohin mit seiner Asche.

    Wenn mein Verein nur oben spielen würde, weil Einer Kohle reinpumt…und NUR deswegen, würde ich mich schämen und nicht aufkacken, wie geil das doch alles ist.

    An alle Hoffenheim «Fans».…

    klappe halten und nachdenken, wo ihr ohne Hopp sein würdet!!!!

    1. Kreisklasse !?!

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