Bildungsbürgertum?

Ich weiß es nicht. Obiges stellt nur eine Facette meines Lebens dar, insbesondere wenn sich die Woche dem Ende zuneigt, überall eitel Sonnenschein herrscht, ich meine Lektüre genieße und Cecilia Bartoli mit yo que soy contrabandista lausche. Es hat Normalität für mich und derart erkläre ich mich auch gegenüber einem erstaunt Fragenden. Angabe? Nein, einfach nur ein Anspruch gegenüber meiner selbst.

Man kann sich der Dummheit überantworten und Zeit gespickt mit Banalitäten verstreichen lassen, man kann dem Mammon hinterhereilen und sich als jene mit Intelligenz Beschlagenen feiern lassen — intelligent genug eben die Dummheit der anderen zu nutzen, man kann vieles. Der steten Verteidigung muß sich jedoch nur jener unterziehen, der sich weder mit Dummheit noch mit klingender Münze wappnet und einzig einen gewissen Anspruch gegenüber der eigenen Person hegt — Niveau, Stil …

Preis dir, die du dorten heraufstrahlst, Tochter des Himmels! Preis dem lieblichen Glanz Deines Lächelns, der alles begrüsset und alles erfreuet!1

Sobald ich meinen Geist öffne, die Welt hereinströmen lasse, Wissen huldige, mich dem gewaltigen Spektrum des Lebens ergebe, eben dann tituliert man mich oder Gleichgesinnte als anders, als befremdlichdas kann nicht normal sein. Fußball, Alkohol und Grillen am Wochenende, des einen Freund — des anderen Leid. Ich muß nichts ignorieren oder gar tolerieren, es tangiert mich schlicht nicht. Kein Iota dieser Banalitäten weiß mich zu beeindrucken und dennoch sind es eben Vertreter dieser extremst abstrakten Welt, die fortwährend andere attackieren, die eben nicht jene zur Normalität erhobene Beschränktheit leben und vermeinen damit eben dieses Leben auszukosten.

Alle Menschen streben von Natur nach Wissen.2

Mich stören weder Bierleichen, noch Fleischfresser oder notorische Raucher — ich steige über diese hinweg, toleriere teils oder bleiben so manchem fern. Und doch, verteidigen muß ich meinen Lebensstil, verteidigen muß ich vielerlei Interessen — verbergen könnte ich diese und nur jene wirken, die dem kleinsten gemeinsamen Nenner dienen. Aber warum? Um der allgegenwärtigen gewünschten Geistlosigkeit zu erliegen? Wieviel Mensch ist man dann noch? Angabe ist es nur in den Augen derjenigen, die tagtäglich Ignoranz wirken und erst gar nicht mehr den Versuch unternehmen ihren Geist zu nähren. Verkümmert haust dieses Gerippe ehemals potentieller Geisthaftigkeit in dem letzten Winkel irgendwelcher ausgedörrten Hirnwindungen und fristet sein Dasein bis der Odem letztendlich entweicht und dieses irdische Jammertal hinter sich läßt.

Die Harmonie des Lebens finden wir im Geiste, dem wahrhaft wirklichen Leben.3

Ein schönes Wochenende.

  1. Friedrich Schiller, An die Sonne []
  2. Aristoteles []
  3. Friedrich Ast []

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6 Antworten zu “Bildungsbürgertum?”

  1. Thaniell sagt:

    Hey man kann auch beim Schwenken hochtrabende Gespräche führen — umgekehrt sollen auch schon unglaublich dumme oder zumindest arrogante Menschen Mozart u.ä. genossen haben…
    Ja ich weiß, dass nichts so schwarz-weiß gemeint war — wirkte nur beim ersten Lesen auf mich ein bisschen so.
    Es ergeht dem Nonkonformisten innerhalb der ‘gebildeten Schicht’ umgekehrt gelegentlich ebenso, wenn er frei heraus gewisse Musik oder Hobbys, die eher dem gemeinen Pöbel angerechnet werden, zu seinen Vorlieben in der Freizeitausgestaltung zählt.
    Was zeigt uns das? Vielleicht den Herdentrieb der uns innewohnt…

  2. Oliver sagt:

    >wenn er frei heraus gewisse Musik oder Hobbys, die eher dem gemeinen Pöbel angerechnet werden

    Ich meine allgemein geistlose Menschen, tendentiell konnte ich da bisher noch nie wirklich eine Gewichtung ausmachen. Ich beurteile diejenigen auch nicht nach Höhe des IQs, sondern der Bereitschaft etwas für den Geist zu tun — neben anderen Dingen. Die eigens auferlegte Beschränkung ist das Problem, kaum die Art der Beschäftigung innerhalb eines breiten Spektrums.

  3. vio sagt:

    Als Geringverdiener oder Arbeitsloser die Hürden auf dem Weg zur Bildung zu nehmen, ist nicht einfach. Wenn der durch finanzielle Nöte bedingte tägliche Stress nicht gerade in Medien– oder Drogensucht führt, sind freie Informationen für einen Teil der Menschheit schlicht nicht bezahlbar. Ebenso ernährungstechnisch wertvolle Lebensmittel, Vegetarier mit ausgewogener Ernährung zu sein, muss man sich leisten können.
    Kann aber auch sein, dass das nicht die von Dir gemeinte Zielgruppe war.

    Im Kreis derer, die sich das Leben was kosten lassen, bestimmt aus meiner Sicht meist das Lebensumfeld den eigenen Anspruch.

  4. Oliver sagt:

    >Kann aber auch sein, dass das nicht die von Dir gemeinte Zielgruppe war.

    Ich bezog mich nicht auf eine bestimmte Klasse. Ich kann mir es leisten weil ich meine Prioritäten anders setzte, bin kein Sohn reicher Eltern und habe auch kein Vermögen gemacht. An Arbeit machte ich schon beinahe alles, hatte ebenso gewaltige Durststrecken — insofern: Leben will auch gelernt sein. Unser einziger «Vorteil» ist es keine Kinder zu haben, ergo lebt es sich flexibler. Kinder wüden ansonsten absolute Priorität genießen und das Leben bei knappem Geld zur Hölle machen.

    Übrigens lebt man als Vegetarier günstiger, es ist ein Irrglaube anzunehmen dieser Lebensstil sei teurer. Das Gegenteil ist der Fall, sofern man von der Annahme ausgeht auf der «anderen» Seite auch Fleisch zu verzehren anstatt mit Antibiotika angefüllten Resten tierischer Hinterlassenschaften.

    Falls der obige Ipod irritiert, denk ihn dir einfach weg — es ist der einzige überflüssige Luxus den man bei uns findet. Weder Verblödungsstrahler der Marke «Volksleinwand» bzw. überhaupt dergleichen, noch audiophiler Bohei — sofern man von einer guten Stereo-Anlage absieht, die ihre 10–12 Jahre mit sich bringt. Der Autonarr wird ebenso vergeblich gesucht und die Computer lassen sich inzwischen der Office-Klasse zuordnen, obwohl produktiver genutzt als manches auf Raten erworbene Wunderteil der vermeintlich «Ärmeren».

    Wir können es auch uns leisten hier auf Werbung zu verzichten, weil es unsere Einstellung ist — auch wenn uns das Geld sicherlich nützlich wäre. Man sollte also tunlichst unterscheiden zw. «ich will alles haben» bzw. «ich übe mich in Verzicht un genieße anderswo». Was jeweilig erstrebenswerter ist, bleibt jedem selbst überlassen. Doch Bildung fängt weder in der Schule an, noch hört sie in dieser auf. Ebenso sind öffentliche Bibliotheken keine Schande und für manche Glotze kann Mensch sich schon eine beachtliche Grundbibliothek aus Antiquariaten zusammenstellen. Teuer? Nein nur eine Frage der Prioritäten.

  5. Spunkmeyer sagt:

    Genau diese Gedanken hatte ich in den letzten Tagen auch gehabt.

    Als Jemand, der nicht im Strom schwimmt, der keiner großen Gruppe angehört, als Jemand, der Niemandem und Nichts folgt, ist man allein.
    Man ist sozusagen selbst ein Führer. Ein Vorbild.
    Was sind deine Idole, was willst du werden? Diese Fragen nicht beantworten zu können, oder besser: nicht zu wollen! …Ist für manche schwer für andere leicht.

    Ich stimme Oliver zu: Es ist eine Frage der Prioritäten. Nachhaltigkeit und Nutzen wollen abgewägt werden. Wärend manche den PC nur zum Schreiben von Mails benutzen und den Ipod nur zum Musikhören, ist es meiner Meinung nach sinnvoller, diese Dinge wirklich auszunutzen.

    Erich Fromm «Haben oder Sein» kann ich nur empfehlen. Schön, das Bücher in unserer Zeit so billig sind!

  6. Timo sagt:

    Wie gern ich Artikel wie diese lese und Gemeinsames — wie oft doch schon an anderer Stelle vergeblich gesucht/ erhofft — zu meiner Erleichterung vorfinde!
    Wie wundervoll es ist, nicht einer unter Tausenden, sondern Zwei, gar Dreie zu sein, die des Lebens Facetten suchen, ergründen und gänzlich versuchen auszukosten!
    Wie (für manch einen Mitmenschen) unvorstellbar Groß die Menge an Möglichkeiten doch ist, die einem Gegenstand, einer Situation oder einem Menschen immanent sind.
    Kleingeistigkeit, Leitenlassen und Allerweltsbahnenentlangkriecher sind Worte, die in der Postmoderne anscheinen ihre Hochkonjunktur besitzen.
    War das Gegenteil nicht die gedachte Maxime?
    Sehet her, wachet auf und bedient euch erneut eures Verstandes. Holt ihn aus der elektronischen Unwelt, befreit ihn aus den machtgeleiteten Interessen, die euch vorgekaut präsentiert werden. Spukt sie aus und entdeckt das Leben. Das wahre, das echte, das vollkommene(re) Leben!

    Greetingz

    Timo

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