BILD enthüllt: Sozialschmarotzer lügen seit Jahren

bild_hartzer_skandal
(via)

Nur wenige Hartz-IV-Empfänger faulenzen

Sie kümmern sich um ihre Kinder, pflegen Angehörige, bilden sich weiter, nehmen an Fördermaßnahmen teil — oder arbeiten und brauchen trotzdem Arbeitslosengeld II für den Lebensunterhalt: Mehr als die Hälfte der fünf Millionen Hartz-IV-Empfänger zwischen 15 und 64 Jahren fangen mit ihrer Zeit etwas an. Das zeigte eine repräsentative Studie des Instituts für Arbeitsmarkt– und Berufsforschung (IAB). […]

Die Motivation der meisten Hartz-IV-Empfänger sei hoch, stellen die Forscher fest: «Sie weisen der Arbeit einen hohen Stellenwert zu». Sie empfehlen zur besseren Vermittlung keine «härtere Gangart gegenüber den Grundsicherungsempfängern», wie sie schreiben, sondern ein «individuelles Eingehen» auf die persönliche Situation.

SPIEGEL Online: Nur wenige Hartz-IV-Empfänger faulenzen

, , , , , , , ,

16 Antworten zu “BILD enthüllt: Sozialschmarotzer lügen seit Jahren”

  1. Robert B. sagt:

    Unverschämt und anmaßend — bundesdeutsche Medien jahrelang hintergangen

    B*LD, RT*2 und weitere Speerspitzen des investigativen Journalismus wurden jahrelang von einer gesellschaftlichen Minderheit hintergangen und ausgenutzt. Nach einer heute veröffentlichten Studie „faulenzen“ nur wenige Hartz-IV-Empfänger. Stattdessen sein die meisten tüchtig und motiviert. Ein Schreckensszenario: Millionen Arbeitslose drängen auf den leergefegten Arbeitsmarkt und finden einfach keine Stelle. Zustände wie in ehemaligen Ostblockstaaten. Damals waren es Südfrüchte, heute Arbeit. Gestern wie heute kann sich glücklich schätzen, wer Beziehungen hat. Oftmals kann die Nachfrage auch heute nur über „graue Kanäle“ befriedigt werden. Und wären das gemeine Volk hungert, immer ärmer und dümmer wird, versorgen sich die „Bonzen“ untereinander schamlos mit Arbeit. Deutschland 2010 – ein scheinbar fortschrittlicher Staat im Mangel.

  2. Anonymous sagt:

    Leider klammerst du bei der Studie einen gewaltigen Haken aus, Zitat SpOn: «Sie basiert auf Befragungen von mehr als 10.000 Hartz-IV-Empfängern, also auf Selbstauskünften[…].«
    Ist ja nett gemeint, aber wer von der «sozialen Hängematte ALG II» überzeugt ist, wird sich von einer Arbeitslosenbefragung wohl kaum umstimmen lassen…

  3. Wen soll man sonst fragen? Die BILD, Sarrazin? Nein, man hat endlich mal die Betroffenen gefragt.

    Fragwürdiger Kommentar — oder soll hier Stimmung gemacht werden?

    Btw, die zweite Meldung hinter der Studie ist die, von wem die Studie stammt: dem Institut für Arbeitsmarkt– und Berufsforschung (IAB), die Forschungseinrichtung der Agentur für Arbeit. Sprich: direkt der Politik unterstellt.

    Entweder hat der «Zensor» nicht aufgepasst oder die Ergebnisse waren mehr als eindeutig, so dass man mit manipulativen Fragen auch nicht weiter kam…

    Mich wundert, dass die Studie den Weg in die Öffentlichkeit fand…

  4. Anonymous sagt:

    Ich hab keine Ahnung, wie man ein solches Ergebnis sonst in einer Studie veröffentlichen soll. Und ich will auch keine Stimmung gegen Arbeitslose machen, ich halte die jetzige schon für unerträglich. Wenn die Leute, die gedankenlos gegen Hartzer polemisieren, sich von dieser Studie umstimmen lassen — super! Ich bezweifle aber z.B., dass sich die Regierung von dieser Studie beeinflussen lassen wird, auch wenn sie von der IAB veröffentlicht wurde. Wenn ich da falsch liegen sollte, würde ich mich freuen! Ich bin aber sehr skeptisch.

    Mir geht es einfach um die Methodik. Stell dir vor, eine Studie befragt alle Banker in den Chefetagen, ob sie sich für das Gemeinwohl engagieren, und alle sagen «Ja, sehr.» Wenn SpOn dann titelt «Generöse Gönner: Banker engagieren sich für die Gemeinschaft», wäre das doch nicht mehr als «billige Propaganda», oder liege ich jetzt komplett daneben?

  5. Anonymous sagt:

    Oder noch anders gedacht: Wieder eine dieser unsäglichen Talkshows über Arbeitslose, zu Gast unter anderem einer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und der Henkel. Der vom PW verkündet die Ergebnisse der Studie, in Auftrag gegeben vom IAB, dass das mit der Sozialen Hängematte ja totaler Quatsch sei. Der Henkel sagt dann «Ach, diese IAB-Studie, das war ein Ergebnis einer Arbeitslosen-Befragung, das ist doch keine seriöse Studie. Die können doch alles behaupten und keiner kann es nachprüfen.» Und dann? Ich weiß nicht, ob der PW-Typ diesen Disput gegen Henkel noch gewinnen könnte. Eine große Hilfe wäre die Studie aber nicht gewesen…

    Aber naja, vielleicht steigere ich mich da auch nur in was rein. Ich bleibe jedenfalls weiterhin gegen Hartz IV, werde aber die Studie in jeglichen Argumentationen nicht verwenden, aus schon genannten Gründen. Ich hoffe, das ist jetzt klar geworden…

  6. Victor sagt:

    Mich wundert, daß jemand von diesen Erkenntnissen überrascht ist: In allen Medien wird doch grundsätzlich nur das präsentiert, was Skandalpotential hat. Zum Beispiel faule Arbeitslose, kriminelle Ausländer. Sonst würde doch einfach keiner einschalten.

  7. Mr. X sagt:

    das man sowas nochmal beim ehemaligen Nachrichtenmagazin lesen darf.

    Ich hatte schon den Verdacht, die würden auch nur auf diese Bevölkerungsschicht einprügeln.

  8. Herm sagt:

    In einem anderen Forum wo ich unterwegs bin, kam vor einiger Zeit ein interessanter Gedanke auf, um die ALGII Kosten erheblich zu senken. Als grundsätzliche Überlegung wurde vorausgesetzt, dass es mehr Arbeitslose als Arbeitsstellen gibt. Auf diese Arbeitsstellen sollten nun qualifizierte, motivierte Arbeitssuchende eingestellt oder zumindest motivierte Arbeitssuchende qualifiziert werden.
    Im Endeffekt läuft dies darauf hinaus, dass niemand Qualifizierungsmaßnahmen mehr «aufgebrummt» bekommt (ist mir selber passiert, war einen Monat befristet arbeitslos. Hatte schon eine neue Stelle, trotzdem wurde ich als Softwareentwickler zu einem Bewerbungskurs verpflichtet wo ich «neue Medien» sprich den Umgang mit MSWord zu lernen hatte), und niemand der nicht arbeiten will zu Arbeit gezwungen wird.

    Soll heißen, ein Sozialstaat sollte sich dessen bewusst sein, dass es grundsätzlich eine Hand voll Leute gibt die sich auf den Sozialleistungen ausruhen. Wenn nun allerdings grundsätzlich an die Vermittlungswilligen apelliert werden würde, wären die ARGEn weit leerer, der Verwaltungsaufwand weit geringer. Dabei wird in Kauf genommen, dass aufgrund fehlender Kontrollen/Gängelungen sich ein paar Individuen «ausruhen». Die Kosten die dabei anfallen, werden aber durch erfolgversprechendere Vermittlungen und geringere Bürokratie locker wieder eingespielt.

    Diese Studie scheint zu belegen, dass dieser Gedanke funktionieren könnte (konjunktiv scheint hier dennoch angebracht), da ein weit kleinerer Teil der Arbeitslosen als von der Boulevardpresse angenommen wirklich nicht arbeiten will. Auch in meinem Umfeld sind die meisten ALGII Bezieher ehrenamtlich tätig. Mal weil es von der Zeit neben Kindern nicht für mehr reicht, mal weil die Qualifizierung für einen «normalen» Job bisher noch nicht ausgereicht hat.

  9. Du steigerst Dich da in was rein…

  10. Leider übersiehst du ein paar Punkte, selbst die Bundesagentur gibt Studien in Auftrag und diese basieren auf eigenen Daten. Hier z.B. zum Engagement von ALGII-Empfängern und in puncto Mißbrauch von Sozialleistungen. Der Mißbrauch ist geringfügig und immer anzutreffen — überall, das Engagement ist sehr hoch, wenn auch eher selten von Erfolg gekrönt. Beide Erhebungen stammen von Februar, respektive März diesen Jahres.

  11. Ja die haben so etwas desöfteren, z.B. auch als Antwort auf Westerwelles Folklore im Frühjahr diesen Jahres. Doch war Volk wohl mehr damit beschäftigt Westerwelles Tiraden zu lauschen, denn die Realität zu erkennen.

  12. Zimmi sagt:

    Habt Ihr Euch mal überlegt wie z.b. der hochwichtige und ständig breitgetretene IFO-Geschäftsklimaindex und andere Indikatoren ermittelt werden?
    Da sind Selbstauskünfte eine Selbstverständlichkeit und niemand zieht sie in Zweifel.

  13. ponyQ sagt:

    «…aber wer von der «sozialen Hängematte ALG II» überzeugt ist, wird sich von einer Arbeitslosenbefragung wohl kaum umstimmen lassen…»

    Dem stimm ich zu — dafür greifen zu lange schon sehr viele «Manipulier-Mechanismen» ineinander, die das Bild des «faulen Sozialschmarotzers» von subtil bis penetrant «in Stein meiseln».

    (Dazu ein Gedankenexperiment)

    Trotzdem ist so eine Befragung zumindest mal ein Anfang — und wenn sie nur den Effekt hat, dass sie die Betroffenen dazu ermutigt, in welchem Rahmen auch immer für sich einzutreten und den Vorurteilen ihre eigenen Geschichten und Erfahrungen entgegenzustellen.

  14. Wie ich oben schrieb, existiert auch eine Studie der Bundesagentur. Wer also immer noch Zweifel hegt, erfüllt mitunter schon den Tatbestand der Volksverhetzung. Ein Diskurs jedenfalls auf der Basis von Folklore und geifernden Neidern ist Nonsense.

  15. dieter sagt:

    In diesem Land stellt grundsätzlich niemand etwas in Zweifel. Die Arbeitslosestatistik zum Beipsiel wird jeden Monat neu bejubelt und das nicht nur von der BILD.

  16. […] es dürfte sicherlich so manchen Hetzjournalisten vom ehemaligen Nachrichtenmagazin überraschen. Oder die der BILD. Leute mit gesunden Menschenverstand (oder auch nur einem IQ über der Zimmertemperatur) […]

RSS-Feed abonnieren