Bei den Blogpiloten wird über deutsche Blogger gejammert

Thomas hat sicherlich schon bessere Artikel geschrieben — sein neuestes Machwerk bei den Blogpiloten gehört eher zu der ganz schlechten Sorte.

Blogger rücken ins Visier der Justiz: Dabei ist die Abmahnwelle, die in Deutschland über Weblogs hereinbricht, nicht zu vergleichen mit dem, was Blogger in manch anderem Staat dieser Welt für ihre Überzeugung erdulden müssen.

Die deutsche Blogszene jammert über die zunehmende Anzahl von Abmahnungen durch Anwälte großer und kleiner Firmen. Blogger in Ägypten, Russland oder China haben da ganz andere Sorgen: Muss dort doch so manch systemkritische Blogger-Stimme umziehen — ins Gefängnis.

Ich werde es nie verstehen, wie man ein Unrecht durch ein anderes Unrecht relativieren, entschuldigen kann. Nur weil in anderen Ländern — ohne Frage — massive Zensur durch den Staat ausgeübt wird, Blogger körperliche Gewalt fürchten müssen, kann man doch nicht von jammern sprechen, wenn in unserem Land über Ahmahnwellen oder — und hier verübte — Zensur berichtet wird. Was für ein hanebüchender Unsinn. Wie kann man nur auf die Idee kommen, das eine Unrecht mit dem anderen Unrecht zu vergleichen, beides auf eine Waage zu legen, und zu schauen, wohin das Pendel schwingt?

Über das typische Totschlagargument — packen wir mal wieder die 90% der Blogs raus, die eh keiner liest und kaum aktualisiert werden — Tagebuch mag ich gar nicht mehr reden. Darüber haben wir und zig andere schon bei old media heftig gelacht. 😀 90% und mehr der bloggenden Leser der Blogpiloten führen mit Sicherheit kein profanes Tagebuch — gehören zur neuen Form des — ja — Journalismus, die einen mehr, die anderen weniger. Tagebuch. Blödsinn.

Über den Rest des Artikels muss man nicht diskutieren — es ist ernorm wichtig, dass solche Dinge immer wieder angesprochen werden, die Öffentlichkeit darauf hingewiesen wird. Hätte Thomas nur die letzen Absätze zum Hauptthema gemacht, sie auch in der Einleitung thematisiert, und nicht rumgeschwurbelt, wäre alles gut gewesen — aber man kann ja nicht immer einen guten Tag haben. So bleibt ein verdammt schaler Nachgeschmack — aber ich höre schon auf zu jammern… 😉

6 Antworten zu “Bei den Blogpiloten wird über deutsche Blogger gejammert”

  1. Oliver sagt:

    Ich verstehe es allen Ernstes nicht, das jemand von Jammern spricht, nur weil hier Menschen ihr Recht auf Informationsfreiheit wahrnehmen und verteidigen? Müssen wir es erst wieder soweit kommen lassen, müssen wir andere Länder bemühen, hatten wir doch selbst zwei schreckliche Diktaturen, der eine Demokratie folgte.
    Freiheit muß man verteigen und sich nicht darauf ausruhen, das es irgendwo in fernen Länder noch schlimmer ist als hierzulande.
    Mit dieser Art der zweckmäßigen Relativierung könnte man auch gleich auf jede Art von politischem Aktivismus verzichten.

    Schön ist es das wir eine Freiheit haben in der man noch Jammern kann und auch über derlei Diktaturen in fernen Ländern sprechen und diese aburteilen kann. Wäre dies hier nicht möglich, weil wir fahrlässig mit unserer eigenen Freiheit umgehen, wäre es auch nicht mehr möglich auf diese Dinge dort hinzuweisen. q.e.d.

  2. gnokii sagt:

    naja trotzdem ein ernstes Thema, da kann ich wohl aus Erfahrung sprechen, aber vielleicht ändert sich da ja mal etwas dran demnächst 😉

  3. Chris sagt:

    Nu jammer mal nicht gnokii — denn genau das wird ja auch über Dich geschrieben. 😉

  4. Ich gebe zu «jammern» war etwas fehlgegriffen im Wort … «Stöhnen» wäre vielleicht besser; es ist allerdings schon ein Unterschied, ob man eine Kostennote über 200 Euro bekommt oder im Gefängnis landet. Wobei ich durchaus Recht gebe, wenn es darum geht, dass man hierzulande durchaus einmal unberechtigt abgemahnt werden kann (mal vom Fall «Marions Kochbuch» abgesehen, auf den ich beim «jammern» dachte …)

  5. Oliver sagt:

    ob man eine Kostennote über 200 Euro bekommt oder im Gefängnis landet.

    Hast du heute gut gefrühstückt und ist dir das Essen im Halse stecken geblieben, beim Bewußtsein der Tatsache, das da im gleichen Augenblick weltweit viele Menschen hungern bzw. an Hunger sterben?
    Manche sehen auch hier den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und sehen nicht die Gefahr die lauert in dieser glorreichen Demokratie.

    Uns ist auch hinlänglich bekannt das man *keine* Kostenote von 200? bekommt, sondern weitaus mehr und das das im Gegensatz für Otto-Normal-Blogger eine sehr große Stange Geld ist, die so manchen in massive Schwierigkeiten bringen kann, bis hin zu Existenzproblemen. Klar das ist nicht vergleichbar mit Gefängnis, aber viele kennen weder das eine noch das andere, sprich mangelndes Geld bzw. Gefängnis und schreiben dadrüber.

    Wenn du also Geld genug hast, ist es deine Sache — man sollte aber nicht davon ausgehen, das es jedem so gut geht nur weil derjenige einen Internetzugang besitzt und ein 5? Webangebot.

    Der gute Mann dort auf dem Blog hat eines übersehen, wenn man betriebsblind im eigenen Land über derlei «Kleinigkeiten» lacht, steuert man mit Siebenmeilenstiefeln auf derlei Verhältnisse zu wie in anderen Ländern beschrieben. Diejenigen die abgemahnt wurden waren keine Verleger, Autoren, Journalisten, Politiker, Manager oder sonst wer, sondern ganz normale Leute fernab von diesen Klassen.

    Soll er die Politik anprangern, die z.B. Ägypten deswegen nicht ächtet und nicht jede die Mißstände im eigenen Land beklagen, die Rechtstaatlichkeit und Demokratie zuwiderlaufen!

  6. Chris sagt:

    Hallo Thomas,

    das «Jammern» war das Stichwort für die Headline — die Kritik geht dahin, dass Unrecht gegen Unrecht aufgewogen wird, so das eine relativiert wird — siehe auch Olis Ausführungen.

    Im Regelfall kostet eine Abmahnung gut 750,- Euro — das kann für viele existenzbedrohend sein. Und da hilft es auch nichts, wenn solche skandalösen Vorgänge, wie sie in unserem Land vorherrschen, durch Hinweise auf China, etc. pp. relativiert werden. Das Beispiel mit dem Frühstück hat Oli schon angesprochen.

    Ich finde es ja wichtig, auch international Solidarität zu zeigen, kein Thema — das darf aber nicht geschehen, indem wir über den Dreck vor der eigenen Haustür einfach hinwegsteigen und meinen, der Haufen wäre nicht so groß. Dem ist nämlich beileibe nicht so.

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