Becksteins Gedankengänge

Über den zukünftigen Reichsminister Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern, Günther Beckstein, haben wir schon die eine oder andere Zeile verfasst. Mit dem neoliberalen Kampfblatt Der SPIEGEL führte er nun ein interessantes Interview, welches Einblick in die Gedankenwelt des Günther Beckstein gibt, aber auch einen Blick auf den kritischen Journalismus von heute. Dann wollen wir mal. 😉

Selbstverständlich wird das Interview mit dem Fall der frankfurter Richterin begonnen, Kritik muss sein und ist in diesem Fall wichtig — doch kann man bei Herrn Beckstein, im SPIEGEL eben NICHT lesen, dass der Koran eben NICHT ein Recht auf Züchtigung vorsieht. Stattdessen darf Beckstein wieder die große Angst schüren, das große, böse Unbekannte, der Islam — die große Gefahr unserer Zeit.

Das zweite Thema des Herrn Beckstein, ist natürlich der RAF-Terror, Christian Klar und der Linksextremismus. In einer Zeit, wo es mit Christian Klar in Zukunft vielleicht den ersten politischen Gefangenen seit Jahrzehnten gibt, in der Rechtsextreme in Landtage einziehen, in denen im Beisein von Bürgermeistern Anne Frank-Tagebücher verbrannt werden, ja, genau, da wird über diese Thematik in Nebensätzen gesprochen. Im Gegensatz dazu darf Herr Beckstein unwidersprochen über die großen Gefahren des Linksextremismus schwadronieren — das lässt natürlich einige Rückschlüsse zu, so z. B. welcher Seite der gute Mann sehr nahe steht. Aber das weiß man nicht erst seit heute — erschreckend, dass der SPIEGEL da mitzieht.

Auch die zweite große Terrorgefahr von heute, das Internet, muss natürlich angesprochen werden. Die abstrakte Gefahrenlage hat sich erhöht, Beamte sollen im Internet ereignis– und verdachtsunabhängig Streife [sic!] laufen, wobei der SPIEGEL willig, mit Sätzen wie das Internet spielt eine immer größere Rolle im internationalen Terrorismus, den Vorlagengeber spielt. Ich schwanke noch zwischen dem Wort Wahnsinn und lächerlich für diesen Part. Ganz der Hardliner verweist Beckstein darauf, dass er als erster Innenminister Cybercops eingestellt hat. Buzzwords wie Kinderpornografie runden den Blödsinn ab — wenn man sich nur ein wenig im Internet auskennt, sind diese inhaltsleerren Worthülsen nur schwer zu ertragen.

Zum Schluß folgt ein wenig Geplänkel, und Beckstein darf mit Unterstützung des SPIEGELS in die BILD-Kerbe schlagen, Seehofer ist ein feiner Mann, Huber ist aber besser — allein aus dieser Tatsache heraus, die menschenunwürdige Kampagne, die seit Monaten gegen Seehofer läuft, sollten die Bazis CSU’ler überlegen, Seehofer die Stimme zu geben und eben nicht dem Mann, dem im Rest der Republik eben keiner ernst nimmt, typischer Bayer halt, der bundespolitisch noch weit hinter Westerwelle steht.

Das Interview ist grausam. Beckstein darf Vorteile streuen, BILDmäßig, parteipolitisch Stellung beziehen, das Internet verteufeln, und gegen die bösen Linken wettern. Der SPIEGEL spielt den willigen Steigbügelhalter — keine kritische Nachfrage, es werden Vorlagen geliefert, so dass das Interview kein Interview wird, sondern eine Werbebroschüre für den zukünftigen Reichsminister Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern. Ich bin beeindruckt.

, , , ,

2 Antworten zu “Becksteins Gedankengänge”

  1. […] Beckstein und seine grauenhaften Ansichten berichte, lasse ich dies lieber den heise newsticker und Chris von FiXMBR erledigen. Mir ist nämlich von Becksteins gesabbel […]

  2. Sophie sagt:

    So lesen sich die Spiegel Interviews aber schon seit langem! Mit ganz seltenen Ausnahmen natürlich.
    Deshalb tue ich mir das auch gar nicht mehr an, da ich vorher schon weiß, was drin stehen wird 😉

    Der Ehrlichkeit halber sollten sie das Ganze nicht mehr mit Interview, sondern mit Monolog überschreiben!

    VG, Sophie

RSS-Feed abonnieren