Be Google und der Journalismus öffnet seine Tore

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Foto: F!XMBR

Der Axel-Springer-Verlag setzt jetzt auf Paid Content. Soweit, so lächerlich. Wir erinnern uns an die Diskussionen im Vorfeld dieser Entscheidung – Google ist evil, das vermeintlich Böse, welches den Verlagen den Content stiehlt. Wie sieht also der Umgang mit Google nach der Umstellung auf Paid Content aus? Man mag es kaum glauben – aber Google darf selbstverständlich weiterhin den Inhalt der Webseiten indizieren. Heißt für die Nutzer: Die Inhalte des Hamburger Abendblatts oder der Berliner Morgenpost sind weiterhin frei in diesem komischen Internet verfügbar. Es gibt zwei vier Wege, wie die User auch weiterhin die Artikel frei lesen können – sofern sie denn diesen so genannten Qualitätsjournalismus aus dem Axel-Springer-Verlag wirklich lesen wollen.

1. Hier sehen wir das Beispiel für einen Paid-Content-Artikel, Überschrift: Senatorin legt sich fest: Die Uni soll in den Hafen. Danach suchen wir nun bei – richtig – Google und werden natürlich fündig. Google News — Senatorin legt sich fest: Die Uni soll in den Hafen. Ein Klick auf den Link und man kann den Artikel ohne zu bezahlen in voller qualitätsjournalistischer Pracht lesen. Hach, Google ist aber sowas von, ja was denn nun, liebe Verlage?

Für Firefox-Nutzer geht es aber auch weitaus komfortabler:

2. Man lade das Firefox-Addon User Agent Switcher herunter. Mit dem Plugin könnt Ihr Euch auf Webseiten als Internet Explorer, iPhone oder auch als – richtig – Googlebot identifizieren. Man stelle also über Extras – Default User Agent – Search Robots auf Googlebot um. Schon identifizieren Euch die Webseiten als das ultimative Böse, ähm, als das unheimlich Gute, was die qualitätsjournalistischen Artikel selbstverständlich lesen darf – und ihr werdet es ahnen: Ohne zu bezahlen stehen Euch die Artikel des Hamburg Abendblatts und der Berliner Morgenpost zur Verfügung. Ihr müsst auf den jeweiligen Webseiten einfach nur die Artikel anklicken. Die Mauer ist gefallen, die Euro-Zeichen interessieren nicht mehr. Das Internet ist aber auch sowas von gemein. Be Google und der Journalismus öffnet seine Tore… 😀

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3. Mit dem Firefox-Addon RefControl gibt es noch eine weitere Möglichkeit. Einfach installieren und wie folgt einstellen (via CARTA, Kommentare):

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Nebeneffekt: Es funktioniert auch bei der NY Times… :)

4. Und unsere Stockholm-Syndrom-Patienten mit einem Mac wollen wir auch nicht vergessen. Im Safari aktiviert man das Entwicklermenü, man wählt einen benutzerspezifischen User-Agent und gibt einfach Googlebot ein. Fertig.

Da sind schon Internet-Experten am Werk, die den Menschen das neue Internet erklären wollen. Mensch, vor lauter Ehrfurcht wage ich es kaum, diesen Artikel online zu stellen. Diese offensichtliche Inkompetenz macht schon ein stückweit Angst. Im Internet kennen wir uns von F!XMBR und seine Leser ja nun ein klein wenig aus. Doch was ist mit Thematiken, die man täglich in der Zeitung liest und von denen man weniger Kenntnis besitzt? Ist bei solchen Dingen das Versagen auch offensichtlich? Vertrauen1 wir einer Institution, der Vierten Gewalt, völlig zu unrecht? Die Wahrscheinlichkeit ist verdammt groß. Je öfter ich die Mächtigen dieser Republik über Dinge philosophieren höre, die mir selbst nicht ganz unbekannt sind, sträuben sich mir die Nackenhaare – um es mal ganz diplomatisch auszudrücken… 😉

  1. Und ja, ein Stück Restvertrauen ist trotz allem, wenn es nicht gerade Springer ist, immer noch vorhanden . []

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28 Antworten zu “Be Google und der Journalismus öffnet seine Tore”

  1. micha sagt:

    also hat abendblatt.de nun schon auf paid content umgestellt ? ich seh die seite komplett ohne mich zu verbiegen ?

    oder betraf das nur den einen artikel (als beispiel) ?

  2. Chris sagt:

    Schau zum Beispiel einmal in den Lokalteil…

  3. Phil sagt:

    Das habe ich schon seit längerem vermutet, dass aufgrund der Kennung des Browsers/Bots der Inhalt freigeschaltet wird. Insofern ist es auch weiterhin das Problem des Betreibers, ob er Google den Zugriff erlaubt oder auch nicht.

    Google könnte sich aufgrund der Bekanntheit und der Größe es sich nicht leisten, irgendwie Webseiten zu hacken oder die robots.txt zu ignorieren.

    Insofern ist es nur Säbelrasseln von den Medien, wenn sie sagen, Google würde ihnen was stehlen, nur um sich an Google güttlich zu halten, ohne irgendeine Gegenleistung zu erbringen.

    Und ja, ein Stück Restvertrauen ist trotz allem …

    Nicht nur Springer, auch Bertelsmann beäuge ich kritisch, was aber nicht heißen soll, dass ich anderen Publikationen uneingeschränkt vertraue.

  4. Phil sagt:

    Btw. wo ist es eigentlich beim Opera versteckt, wo ich die Kennung ändern konnte? Oder hat Opera diese Funktion rausgeschmissen?

  5. Chris sagt:

    Rechter Mausklick auf der Seite — Seitenspezifische Einstellungen — Netzwerk. Standard nur IE, FF und Opera…

  6. micha sagt:

    @Chris:
    so bescheuert kann doch keiner sein! Ich hab’s echt nicht glauben wollen.

  7. Phil sagt:

    Ach da. Hm, scheint auch festverdrahtet in Opera zu sein, auf die schnelle habe ich nichts gefunden, wie man es ändern könnte.

  8. […] genug, das Schmunzeln gegen ein Lachen zu tauschen, denn @Yatil Chris zeigen, dass die Artikel problemlos lesbar […]

  9. Markus sagt:

    Soweit ich weiß ist das aber nur 5 mal möglich von Google News aus, dann ist Schluß?

  10. Johann sagt:

    Laut Google ist es übrigens möglich, per DNS-Lookup festzustellen, ob es sich wirklich um den Googlebot handelt. Offenbar tun dies jedoch die Verlage nicht flächendeckend. Warum auch immer.

  11. Anonymous sagt:

    Hey sorry, aber die von dir beschriebene Methode funktioniert nicht! Ich kann keinen Paykontent aufrufen. Nicht dass ich da scharf drauf wäre, wollte lediglich meine Neugier befrieden… aber wie gesagt, geht nicht.

  12. Chris sagt:

    @Anonymous: Du machst Irgendwas verkehrt. Es funktioniert nicht nur bei mir, sondern bei vielen Anderen auch…

  13. odradek sagt:

    Das funktioniert offenbar auch mit msbnot und yahoo slurp. Da ist offenbar jemandem eingefallen, daß man das Hamburger Abendblatt ja in den Suchmaschinen nicht mehr findet, wenn kein Content mehr sichtbar und ein Entwickler der überhaupt gar kein Bock auf diesen Quatsch hatte, wurde beauftragt eine Lösung zu finden.

    Mal gucken, wie sich das auf das Suchmaschinenranking der Springer-Presse auswirkt, wenn niemand mehr auf ihre Artikel verlinkt. :-)

  14. Anonymes1 sagt:

    Die erste Methode funktioniert nur mit send referrer und ist offensichtlich beabsichtigt, wie auch die zweite.
    Bei opera: opera:config -> user agent -> Googlebot/2.1 (+http://www.google.com/bot.html)
    Wer einen proxy benutzt kann das natürlich auch dort eintragen.
    Ansonsten: Endlich haben sie das eingeführt. Darauf habe ich jetzt schon lange gewartet. Ein kleiner Schritt für einen Verlag, ein großer für die Meschheit? Haha, schön wärs, Dummheit und Ignoranz werden auch weiterhin diktieren.

  15. Trackback: Wie kann ich das Hamburger Abendblatt kostenlos im Internet lesen?

    «(oder) Der Tag, an dem mir das Hamburger Abendblatt Angst machte

    Weinen, Zähneklappern und Kundenbeschimpfung. Den Abendblatt Leser für dumm verkaufen und hoffen, dass Niemand genauer hin sieht. Der 15. Dezember 2009 wird also der Stichtag bleiben, an dem der Axel Springer Verlag in Hamburg und Berlin das Onlineabo einzuführen versuchte. Sollen sie das Geschäftsmodell des Onlineabos beim Hamburger Abendblatt ruhig machen. Warum auch nicht? (…)»

  16. Hmmm sagt:

    Gerade positiv getestet:

    Hier eine vollautomatische Möglichkeit für FF:
    Das AddOn RefControl installieren und dort einen spezifischen Referer
    für abendblatt.de anlegen der da lautet google.de und
    schon klappts auch ohne manuelles umbiegen des User-Agents.

    Greets
    Hmmmm

  17. Chris sagt:

    @Hmmm: Du liest schon die Artikel, die Du kommentierst?

  18. Hmmm sagt:

    Ups, ist ja schon bekannt… :-)

    Greets
    Hmmmm

  19. […] lässt sich nach wie vor als Google-Besucher sichten. Oder man installiert sich gleich ein Browser-Plugin und gibt vor, ein Googlebot zu sein. Ein absurdes Paid Content Modell also für die technisch Ahnungslosen. Liebe Springer Leute, […]

  20. […] Eben erst gesehen. Bei F!XMBR kann man nachlesen, auf welche Weise man sich das Geld sparen könnte. So viel nur hier: Irgendwelcher Hacker-Kenntnisse bedarf es dazu nicht. Mal schauen, wann die […]

  21. Thaniell sagt:

    So lustig und peinlich es ist, in Bezug auf die mangelnde Kompetenz der 4. Gewalt taugt das hier aber nicht wirklich als Beleg. Man verwechsle nicht die Redaktion mit Management+Administration/Development (wobei letztere vermutlich einfach auf dumm geschaltet hat, der Manager sagte wohl nur dem Admin ‘so und so, das muss gehen, ich hab gehört die anderen können das auch’).
    Womöglich ist bei den Redakteuren ja Fachkompetenz vorhanden und sie schämen sich nur einen Artikel über die eigene Abonnentenverarsche zu schreiben 😉 (womöglich aber auch nicht^^)

  22. dranto sagt:

    Es handelt sich hier keineswegs um einen Fehler im System, das ist Absicht und heißt bei Google FirstClickFree — der direkte Klick aus den Suchergebnissen soll die Leser nicht gleich abschrecken und stattdessen zeigen was die Website bietet.

    Dass der Check so dilletantisch ist (wahlweise referer für suchende oder user-agent für indizierende) kann man zwar den Verantwortlichen vorwerfen, allerdings ist das — man höre und staune — exakt (inkl unnötiger Ungenauigkeit) so von Google vorgeschlagen.

  23. Proxo sagt:

    Geht auch, wenn man den Proxomitron Webfilter vorgeschaltet hat. Auch dort läßt sich der Useragent ändern. Dürfte als lokaler Proxy bei jedem Brwoser funktionieren.

  24. Anonymous sagt:

    Eine individuell veränderter User-Agent funktioniert ja leider nicht (direkt), wenn man jemandem den Link zu einem Artikel schicken möchte. Aber auch dafür gibts eine einfache Lösung: ein PHP-Script, das per CURL die Seite mit dem GoogleBot-User-Agent header zieht und direkt ausgibt. Das funktioniert zumindes bei der Morgenpost erstaunlich gut, weil dort fast alle verlinkten Bilder, CSS-Dateien etc. im Code absolute URLs haben. Hier gibts jetzt so ein «Proxy»-Script, das öffentlich verwendet werden kann:

    stressi.kilu.de/free.php?u=[vollständige URL]

    Beispiel:
    http://stressi.kilu.de/fr.….erg.html

  25. ich sagt:

    Google selber steckt da aber irgendwie auch mit drin. Jedenfalls weigert sich Google offensichtlich, eine extern verlinkte «Auf Gut Glück»-Suche auszuführen (Argument btnI=1), wenn ein Treffer von abendblatt.de an erster Stelle steht.

    Vergleich:
    http://www.google.com/sea.….8;btnI=1
    http://www.google.com/sea.….8;btnI=1

  26. lo sagt:

    Es hat sich etwas getan beim Springer Verlag.
    Den User Agent zu faken oder den Referrer auf google zu setzen funktioniert zumindest seit heute nicht mehr…

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