Barcamp Hamburg

Barcamp Hamburg

Am 09. und 10. Juni findet hier das erste Barcamp der Hansestadt (Was ist ein Barcamp?) statt — und ich hadere mit mir selbst, ob ich mir das einfach mal antue oder halt nicht. Es gibt ein paar Gründe, die durchaus dafür sprechen, aber auch jede Menge, die dagegen sprechen.

Natürlich wäre es mal fein, den einen oder anderen geschätzten Kollegen kennenzulernen, sich einfach mal am Massengruscheln zu betätigen, keine Frage. Einfach (das Hirn ausschalten und) die Zeit geniessen, ein paar Vorträge, Workshops, whatever, Hauptsache mal ein wenig im RealLife abschalten. Das muss ja auch mal sein.

Die Sponsoren sagen mir nichts. weblin ist irgend son Avatar-Blödsinn, wenns schön macht, bitte sehr, muss ich nicht verstehen. Bei cellity wirds noch viel schlimmer, son Handy-Quatsch, Gott bewahre. sofatronic ist mal richtig spannend, irgend ein Gedöns über die DVD-Fernbedienung spielen. ekkabo — na super, da wundert es echt nicht, dass die wirklichen Web-Innovationen nicht aus Deutschland kommen. Ich gebe ja zu, dass Sponsoren sein müssen. Wenn irgendwie 100 Leute oder mehr zusammenkommen, braucht es finanzielle Planung und Sicherheit. Ich danke also jetzt schon mal den Sponsoren, meiner Mutti, der Jury und dem Hund meiner Schwester. 😀

Wenn ich mir die Teilnehmerliste anschaue, finde ich da durchaus ein paar Namen, denen ich mal gerne Hallo sagen würde — aber auch viele, wo ich (nach heutigem Stand) schreiend wegrennen würde — anderen geht es da sicherlich ähnlich. Ich sehe irgendwie bei 2/3 der Leute ein Unternehmenslink — und sei es nur der zum Profil der Businesskasper von Xing. Hallo, das ist Freizeit, wollt Ihr Kohle machen — und das mal so ein kleiner Tipp auch an die re:publica-Jungs und-Mädels, die mit großen Augen Johnny & Co. angeschaut haben: Macht ne Webseite mit richtig viel Traffic, dann kommen die Werbeeinnahmen fast von alleine. Mit 50 Besuchern pro Tag wird das nicht wirklich was. *g*

Richtig grausam wirds natürlich, wenn man sich die Themenvorschläge anschaut. Second Life, Twitter, Web 2.0 (hey, mal ganz was Neues) oder auch SEO-Scheiße. Gott bewahre mich vor solchen Themen. Da wird der Vorhof (gibt es den überhaupt?) wohl besser besucht sein, als solche Panels. Das einzige Thema, welches mich da bisher anspricht, ist Privacy vs Convenieny — Wieviel Web 2.0 kann ich nutzen, ohne meine Seele/Daten zu verkaufen? Das wäre mal spannend, wenn ich als .get privacy-Blogger mich da ins Publikum setzen würde. Auch die möglichen Sessions sind an Langeweile nicht zu überbieten. *args*

Ein weiteres — fast schon — No-Go ist das Thema Fotos und Videos. Entschuldigt Leute, mich nervt es schon, nach gut 10 Jahren auf manchen fremden Webseiten meinen kpl. Namen zu lesen, nennt sich auch Privatsphäre, da muss ich nicht zu einer Veranstaltung gehen, wo Dir jeder einen Fotoapparat oder gar eine Videokamera ins Gesicht hält, siehe auch Falk. Das ist einfach mal grottige Scheiße. Ich muss — und werde es auch nicht akzeptieren — mein Gesicht im Internet verbreitet zu sehen. Wer sich diesem Wunsch nicht fügt, wird da ganz einfach auch Probleme bekommen, wenn etwaige Fotos, Videos nicht gelöscht werden. Das kann es echt nicht sein, dass heutzutage die Privatsphäre von den ganzen Web 2.0-Jüngern derart mit Füßen getreten wird. Da kann ich ziemlich sauer werden — es würde zudem mein Wirken auf .get privacy ins Gegenteil umkehren, ähnlich wie es seit Wochen mit Markus und netzpolitik.org geschieht.

Summa summarum überwiegen die Contras für eine Teilnahme an dieser Veranstaltung. Ich hätte es ganz nett gefunden, aber ehrlich, das ist nicht meine Welt, wenn ich da die Themen, die Sessions, die Xing-Generation sehe. Da stelle ich mir dann die Frage: Was soll ich da?

Aber man soll ja nicht nur meckern. *g* Sollte ich doch noch teilnehmen, mich irgendwer überreden, mache ich mir natürlich Gedanken, was ich beitragen kann. Für mich habe ich da eine Entscheidung getroffen. Nachdem ich mehrere Artikel zur re:publica gelesen habe, sogar die Jubelperser und Massengruschler von langweiligen Panels, Vorträgen (Ausnahmen bestätigen die Regel, wie z. B. das Panel von Udo) gesprochen habe, muss für mich etwas anderes her. Wer kennt das denn nicht: Irgendwelche Vorträge sind im Regelfall immer langweilig. Sei es nun irgendein Referat, dem man zuhören muss, oder irgendeine grandiose neue Weltneuheit wird angepriesen. Immer wenn ich irgendwem länger zuhören muss, folgt schnell der Blick auf die Uhr. Was also tun?

So ganz stimmig habe ich da noch kein Konzept, aber eine Idee: Ich würde gerne eine offene Diskussion leiten, führen, wie immer man das Kind auch nennen mag. Ich spiele gerne den Entertainer, renne mit Mikro durch die Zuschauer, kein Thema, auch Moderator ist nicht wirklich das Problem. Man muss in solche Veranstaltung Innovation, Witz und vor allen Dingen Spontanität reinbringen — irgendwelche Textlesungen und Powerpoint-Präsentationen, davon haben die meisten von uns schon zur genüge gesehen. Als Thema würde ich gerne das Anfang Juni auf den Blogs meist diskutierte nehmen, einfach kurz vorher entscheiden, lasst uns darüber diskutieren und gut. Zur Zeit könnte man über adical, Cisco, die Blutblogger & Co. reden — was natürlich Anfang Juni ist, kann ich nicht sagen. Die Frage ist natürlich, ob sich so eine Idee realisieren lässt, bei derart vielen Gästen, Mitmachern — machen überhaupt die Leute mit, oder müssen sich da im Vorfeld Diskutanten zusammentun, sonst wird das eh nichts. Das ist so eine Idee, die mir gerade im Kopf rumschwebt — anstelle von Textablesen und Powerpoint-Präsentationen eine freie Diskussion.

Vielleicht habt Ihr ja Ideen, vielleicht kann man da etwas zusammen ausarbeiten — wenn, ja wenn ich überzeugt werde, teilzunehmen. Im Moment frage ich mich allerdings noch, warum ich das tun sollte. Frei nach Lethal Weapon: Ich bin zu alt für diesen Scheiß. 😉

23 Antworten zu “Barcamp Hamburg”

  1. Dr.Dean sagt:

    Vorschläge für Sessions:

    - Das Internet als demokratische Chance
    – Vom Recht auf Anonymität im Netz
    – Werbekritik-Panel
    – Der Abmahnwahn — was können wir tun?
    – Diskussionskultur und Sitten im Netz
    – Realwelt und social Media
    – Blogs als demokratische Gegenöffentlichkeit

    (Ich finde ja, man sollte unter Politblogs, bes. aus HH, ein wenig Barcamp-Werbung machen)

  2. Oliver sagt:

    Hi Christian,
    wir sind für konstruktive Vorschläge jederzeit offen. Dein Posting lässt ja auf ziemlich grossen Frust schliessen.

    Die Kontaktdaten vom Orgateam findest Du hier: http://barcamphamburg.pbw.….nisation

    Beste Grüße,
    Oliver

  3. was sind denn blutblogger?

  4. Chris sagt:

    Blogger, die von den technischen Unterstützern, Partnern des chinesischen Regimes Geld nehmen — sprich sie unterstützen die dortige Jagd auf Dissidenten und Regimekritikern.

  5. Oliver sagt:

    Bluthunde …

  6. Grainger sagt:

    Vampire … ?

  7. Oliver sagt:

    Also Blutsauger? Ich denke Bluthunde, die da die Fährte aufnehmen etc. sind doch irgendwie anders gegenüber Blutsaugern.

  8. himmel! nur das wort ‘cisco’ dahinter geschrieben, und ich hätts kapiert. so könntens ja auch bloggerinnen sein, die ihre menstruation detailliert betrachten 😉
    @grainger: nein, ich denke, vampire gehen direkter vor. und habens nötiger. das blut.

  9. Falk sagt:

    so könntens ja auch bloggerinnen sein, die ihre menstruation detailliert betrachten

    Gibts das? Gibts bestimmt oder?

  10. Oliver sagt:

    >so könntens ja auch bloggerinnen sein

    So ungerecht ist die Emanzipation, hätt ichs gesagt hätte man mich tausend Tode sterben lassen 😀

  11. hast du das bei german-bash.org gelesen? daß jetzt auch jungens für sportunterricht unterschreiben sollten, daß sie auch während der menstruation mitmachen?

  12. Chris sagt:

    Das interessiert mich nicht wirklich. Wir hatten unseren Spaß, okay, nu is wieder das Barcamp Hamburg dran, okay? 😉

  13. Oliver sagt:

    Stichwort war auch nur Blutblogger, sonst wollte ich gar nichts sagen.

  14. Chris sagt:

    Dich meinte ich auch nicht wirklich, nur das mit der Menstruation ging dann doch zwei Schritte zu weit . und zart beseitet bin ich nicht wirklich. 😉

  15. Dr.Dean sagt:

    Ich kanns nicht glauben. Da formuliert Chris Bedenken gegen das (m.E. widerwärtige) Überhandnehmen von Kommerzkrams auf dem Barcamp, und als Reaktion kommt eine verlogene PR-weichgespülte Ansage von so einem *****, dessen Firma bereits mehrfach durch unseriöse Werbemethoden auffällig geworden ist.

    Hey: Das ist exakt der Dreck, der nichts, aber auch garnichts auf dem Barcamp nichts zu suchen hat! Macht doch eure tollen Biz-Events, aber lasst bitte Veranstaltungen wie das Barcamp in Ruhe! Verpisst euch!

  16. Chris sagt:

    Egal, ob Freund oder Feind, ob Privat– oder Kommerzblog — wir haben hier immer eine klare Linie gefahren. Gegen Polemik hat kein Mensch etwas — im Gegenteil. Jedoch müssen manche Ausdrücke nicht sein. 😉

    Sorry Dr. Dean… *kaffee rüberreicht*

    @Oliver (Cellity):

    Obs Frust oder schon Abneigung ist, muss ich noch sehen… 😉

    Ich hätte durchaus ein paar Ideen, ein paar Anmerkungen, die Frage ist wirklich, ob ich das alles da oben will — das alles hat nicht mehr viel mit dem wunderschönen Privathobby Bloggen zutun…

    :-/

  17. bin ich jetzt irgendwie blind? wo ist denn die pr-gespühlte weichaussage von fünfstern?

  18. zwei Olivenr auf einmal ? sorry, woher soll ich das wissen *zwinkerundgrins*

  19. Dr.Dean sagt:

    Ich geben zu bedenken, dass sich der Begriff «Kommerzspacken» nur deshalb beleidigend anhört, wegen der Verbindung mit dem hässlichen Wort «Kommer-».

    Beispiel, Variante A:

    «Der Peter ist schon ein ziemlicher Spacken, also neulich hat er (…)»

    Beispiel, Variante B:

    «Pim ist ein typischer Kommerzspacken, ich finde, er und sein verlogenes PR-Gefasel sollen sich verpissen(…)»

    😉

    Okay okay, ich geb es ja zu, ich habe zuviel aus der Polemiktube mit rangetan. Aber nun wirklich: Es nervt doch, es nervt doch richtig, wenn diese Biz-people mit ihren teils hochunseriösen Angeboten und Methoden (inkl. supidupi Viralmarketing) Veranstaltungen wie das Barcamp kapern, oder?

    Gegen ein paar Biz-people bzw. «Kommerzspacken» habe ich nichts, rein garnichts sogar, aber, echt mal, wenn solche Leute 2/3 (!) der Veranstaltung ausmachen, bekommt dann ein Barcamp nicht automatisch einen ähnlich widerlichen Charakter wie z.B. ein Bundesorga-Treffen von Scientology oder z.B. ein Regionaltreffen von Amway?

  20. Chris sagt:

    Naja, es ist immer ein Kompromiss — wenn ich mir das Barcamp in Frankfurt anschaue, da den Partner des chinesischen Regimes — Cisco — sehe, könnte ich kotzen.

    Hier ist Cellity auch Organisator, Sponsor — da muss man dann sehen, ob man das für sich selbst ablehnt oder nicht, ob ein paar Marketingspielereien genauso schwer wiegen wie die Cisco-Sache. Das kann aber nur jeder selbst für sich entscheiden.

    Ohne geht es nunmal schlecht, wir können uns kaum mit — sagen wir — 100 Leuten im Stadtpark treffen, dessen bin ich mir auch bewusst. Deshalb ist es immer eine Frage, inwieweit ich einen Kompromiss tragen kann. Es gibt Blogger, die haben mit fast nichts ein Problem, andere halt schon und hadern tagelang mit sich selbst. 😉

  21. Chris sagt:

    Hier haben 2 Comments die Moderation nicht überstanden. Wer bei Cisco nach Beweisen für The great Firewall of China ruft — Reporter ohne Grenzen und Amnesty International diskreditiert, der ist auf diesem Blog fehl am Platz und möge weiterziehen. Mit Blutbloggern, die das ganze in diese Richtung drehen, möchte ich rein persönlich schon nichts zu tun haben…

    Ich weiss was Reporter ohne Grenzen und Amnesty International sagen. Einen Beweis hat gleichwohl noch nie jemand dafür erbracht.

    Schleich Dich…

  22. Chris sagt:

    Ich habe die obige Micky Maus-Veranstaltung abgesagt. Business-Pfeifen und gekaufte Blogger, ne, dazu ist mir meine Freizeit zu schade…

RSS-Feed abonnieren