Baden-Württembergs Jagd auf die Lehrkräfte

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Quelle

Die Einschüchterungsversuche der baden-württembergischen Landesregierung finden ihre unrühmliche Fortsetzung. Was einen Tag nach dem 30. September noch von den Gegner von Stuttgart 21 belächelt und mit einem Kopfschütteln abgetan wurde, wird nun Realität. Wolfgang Bosbach war der erste CDU-Politiker, der die Thematik ansprach: wie könne es angehen, dass bis zu 2.000 Schüler am Demonstrieren sind, wo es doch in unserem Land eine Schulpflicht geben würde? Die Antwort ist ganz einfach: das Demonstrationsrecht ist ein im Grundgesetz verbrieftes Grundrecht. Es gilt nicht nur für bezahlte Berufsdemonstranten und Jubelperser der CDU, sondern auch für die Menschen außerhalb der Politik, für Schüler, Alte und Senioren, für Familien, die bürgerliche Mitte und auch die Linke.

Natürlich weiß dies auch die baden-württembergische Landesregierung und plant nicht, auch noch gegen die teilnehmenden Schüler vorzugehen. Es ist ihr offensichtlich bewusst, dass man nach dem Niederknüppeln der Kinder und Jugendliche nicht auch noch gegen diese rechtlich vorgehen kann. Und so versucht man nun, gegen die Lehrer vorzugehen, die, falls es sie gegeben hat, mit den Schülern zusammen am 30. September während der Schulzeit demonstriert haben. Man liest und staunt, wenn das baden-württembergische Regierungspräsidium behauptet, die Lehrer vor Misskredit schützen zu wollen und deswegen gegen die Lehrkräfte vorgeht. Harmlos ausgedrückt, ist es eine ziemlich verquaste Logik. So können nur Politiker denken, die jeglichen Kontakt zu den Menschen, fast schon zum Menschsein verloren haben.

Die Stuttgarter Zeitung hat ein paar Fragen zu dem Protest der Schüler zusammengefasst. Man schlägt die Hände über den Kopf zusammen. Die Schüler, die am 30. September an der Demonstration teilgenommen haben, haben an diesem Tag mehr über unsere Gesellschaft, die Politik, unseren Staat, die Gewalt und Gewaltenteilung, das Gemeinwesen gelernt, als sonst während ihrer gesamten Schulzeit. Es steht zu befürchten, dass es der Landesregierung aber nicht darum geht, sondern nur im den Punkt, dass die Jugend der CDU den Kadavergehorsam verweigert hat. Die Lehrer sollen dafür nun büßen. Es ist ein weiterer Beweis einer politischen Elite, die völlig abgehoben in ihrem Elfenbeinturm lebt und sich wundert, wo die ganzen Jubelperser geblieben sind. «Das geht nun wirklich nicht.» Die Lehrkräfte, die ihre Schüler unterstützt haben, sollten honoriert und nicht wie Kriminelle verfolgt werden.

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9 Antworten zu “Baden-Württembergs Jagd auf die Lehrkräfte”

  1. […] (Quelle: F!XMBR – “Baden-Württembergs Jagd auf die Lehrkräfte” […]

  2. Yorg sagt:

    Kennt man von den Bildungsdemos und den Schülerdemos gegen den Irakkrieg.

    Üblich waren da auch Anweisungen, gegen Schüler die während der Schulzeit an Demos teilnehmen oder dazu aufrufen («Rädelsführer») mit Disziplinarmaßnahmen vorzugehen.

  3. Das ist ehrlich nicht mehr schön — und da wundert man sich, das Leute von unserer «Demokratie» enttäuscht sind und dann ins rechtextreme Lager wechseln?

  4. bakterius sagt:

    Das ist wirklich eine Schande!

    Die wissen offensichtlich überhaupt nicht mehr weiter…oder, WAS sie da angerichtet haben!

    …deshalb schieben Sie die Schüler vor…und gleich hinterher, die versagenden Lehrer…

    …haben die wirklich versagt?

    Ich denke nicht.

  5. Helena sagt:

    Hallo,

    in meiner Schulzeit gab es eine Demo. Thema war, meine ich, die Reduzierung der Schuljahre und die Änderung der Abiturprüfung. Ich bin mir unsicher, war damals in der achten Klasse. Aber woran ich mich ziemlich genau erinnere, ist die Mahnung des Schulleiters, der androhte keine Entschuldigungen für diese Zeit entgegen zu nehmen und die Stunden somit als unentschuldigt ins Zeugnis zu tragen.
    Mit Spannung erwarteten wir das Zeugnis — die fehlenden Stunden wurden gar nicht aufgeführt. Aber ich weiß noch wie viele Schüler sich haben von dieser Aussage abschrecken lassen und sie sind demnach auch nicht zur Demo gegangen.

    Passt nicht so wirklich — es fiel mir nur gerade ein.

    Viele Grüße
    Helena

  6. Michael sagt:

    @DerNachdenker : Denkfehler, ins rechtsextreme Lager wechseln Leute, denen nach noch mehr staatlicher Kontrolle und ‘Law and Order’ dürstet.

    Es wechselt also eher ins rechte Lager (wenn noch mehr überhaupt noch möglich ist) der entäuschte Wasserwerferfahrer, weil der ‘Mob’ sich einfach nicht an seine Anweisungen hält und er Überstunden schieben und in Turnhallen wohnen muß.

    Der vom Wasserwerfer getroffene Schüler dagegen wechselt wohl eher ins linke Lager (und das ist auch gut so…), falls er nicht schon ohnehin lange dort ist.

    Wenn ein Staat dermaßen versagt und brutal gegen die eigene Bevölkerung vorgeht, führt das automatisch zur Erstarkung des linken Spektrums. Aus einem Wut und Ohnmachtsgefühl heraus erwächst wohl niemals der Wunsch nach noch mehr Staat.

  7. […] vermeintliche Pflastersteinewerfer auf Demos dürfte ansonsten eine ganz neue Färbung bekommen. Stuttgart 21: CDU fährt jetzt eine Einschüchterungskampagne gegen Lehrer Immerhin: Die Schülerinnen und Schüler haben dadurch mehr (und deutlicher) gelernt, als in […]

  8. gerda sagt:

    Einmal mehr werden in dieser Kampagne Täter und Opfer vertauscht. Diese Herrschaftsstrategie ist uralt. Man kann nur hoffen, dass da keiner mehr drauf reinfällt. Wäre ich ein handfester Kliniker könnte man auf diese Kriminalisierungen zivilcouragierter wie integer Bürger und Bürgerinnen mit ebensolchen nicht weniger boshaften Pathologisierungen, der für diese Kampagne zuständigen Politiker, kontern: Klarer Fall: es handelt es sich hier um autistisch-schizoide Persönlichkeitsstrukturen die jegliche Fähigkeit zur Empathie vermissen lassen. Aufgrund einer, wegen der Schwere der psychischen Störung, der sich derzeitig unglücklicherweise in der Landesregierung befindenden Patienten, und der nicht zu erwartenden Introspektionsfähigkeit, hilft auf die Dauer nur regelmäßig stattfindende skill training. Frei nach dem Motto von Lütz: «Irre — wir behandeln die Falschen!

  9. […] — F!XMBR: Schwarz-Grün und Stuttgart 21: Wette gilt — F!XMBR: Baden-Württembergs Jagd auf die Lehrkräfte […]

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