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12 Wochen

SchleifeAls ich sie auf dem Geburtstag meiner Schwester kennenlernte, war ich ihr sofort verfallen. Ihr Lächeln, Ihr Duft, ich hatte noch kein Wort mit ihr gewechselt und schon das Gefühl, als würde ich sie seit Jahren kennen. Als meine kleine Schwester uns vorstellte, habe ich vor Nervosität fast das Glas Wasser fallen lassen. Mein Blick wanderte von ihrem Gesicht, zu meiner Schwester, zu ihrem Dekolleté, verlegen zur Decke. Ich fühlte mich wieder wie ein Teenager. Der Rest der Geburtstagsgesellschaft bemerkte dies natürlich auch. Wie das immer so ist, bestritten wir beide unser Verhalten noch Tage später. Und auch noch Tage später wurde über uns getuschelt. Wie das immer so ist. Und wie kleine Schwestern so sind, sorgte sie dafür, dass ich an diesem Abend neben ihr sitzen “musste”. Ihr Parfüm betörte mich, ihr Humor fing mich ein, ihre Schlagfertigkeit forderte mich hinaus, ihre Erotik ließ meinen Verstand aussetzen. Was als der Abend meiner Schwester begann, wurde eine Reise zu den schönsten Gefühlen eines Menschen. Das Kennenlernen, das gemeinsame Lachen, das gegenseitige Interesse, das Flirten, das Gefühl inmitten von Menschen nur noch einen Menschen zu sehen. Und als die Party sich dem Ende zuneigte, nahmen wir beide natürlich ein gemeinsames Taxi. Im Taxi der erste Kuss. Ein gemeinsames Ziel. Ein lächelnder Taxifahrer. Herzklopfen.

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Chernobyl — Eine Reise in die Todeszone

Ein letzter Stopp. Noch einmal wurden unsere Papiere kontrolliert, unser Wagen durchsucht, uns die immer gleichen Fragen gestellt. Fast waren wir am Ziel unserer Reise angekommen: Chernobyl. Für mich und meinen alten Studienfreund, der mich schon so oft begleitet hatte, eine Reise ins Ungewisse, meine Schwester nannte es die dämlichste aller Ideen die ich in den letzen Jahren entwickelt hatte. 23 Jahre nach der Reaktorkatastrophe ist der Besuch Chernobyls heute bedenkenlos möglich. Wenn die russischen Behörden ihr Einverständnis geben würden, wäre unter gewissen Umständen eine direkte Besichtigung des Atomkraftwerks denkbar, selbstverständlich räumlich eng begrenzt. Es sind sogar einige hundert Einwohner in die ehemals gesperrte 30-Kilometer-Zone zurückgekehrt. Fast wünschte ich in diesem Moment, irgendetwas würde mit unseren Unterlagen nicht stimmen. Ich versuchte, meine Unsicherheit herunterzuschlucken.


Stuck in Customs | CC-Lizenz

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Ein Engel

Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Ist das alles schon drei lange Jahre her? Wir wussten beide, worauf wir uns einlassen, wir kannten beide meine Prinzipien: Wenn etwas auseinandergeht, gibt es keinen Kontakt mehr — so war ich, so bin ich, so werde ich wohl immer sein. Wir hatten acht gemeinsame Monate — acht Monate, die überwiegend voller Glück waren, auch wenn wir zum Schluss entschieden haben, es passt einfach nicht. Weißt Du eigentlich, wie Du mich verzaubert hast, damals — wo wir uns schon so lange kannten, auf dem Geburtstag Deines Bruders? Es war Dein Lächeln, Dein Charme — beide Dinge hattest Du selbst dann noch behalten, als wir über die Politik, die Gesellschaft heiß diskutiert haben und schließlich um Mitternacht auf dem Balkon standen um unsere Köpfe abzukühlen. Wochen später sagte man uns, dass für uns an dem Abend jeweils nur der andere existiert hat — unser damalige Bekanntenkreis wusste in den Stunden schon, was passieren würde. Und als Du mich, nachdem ich Dich nach Hause gebracht hattest, mit den Worten, das würde Dir zu schnell gehen, nach Hause geschickt hast, war es endgültig um mich geschehen. Was für eine Frau, was für ein Mensch. Ich schlief in dieser Nacht glücklich ein — weil es da auf einmal Dich gab, Dich, die ich nach so vielen Jahren neu kennengelernt hatte.

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