Ausgesperrter Hundeflüsterer

Es begab sich zu einer Zeit, Montagabend, 19.00h, da bekam ich ein wenig Hunger. Ich wie das so manchmal ist, hatte ich nicht wirklich Lust, den Herd oder den Ofen anzuschmeißen, und so musste das 5 Sterne-Restaurant Monsieur Donaldo hier an der Ahrensburger Straße herhalten — Brötchen mit Fleischeinlage und Käse. Und wenn man dann so nach draussen schaut, dann stellt man fest, dass das Wetter noch grandios ist, so blieb die Jacke im Haus, der Mp3-Player war umgeschnallt, Musik eingeschaltet, und in dem Moment, wo ich die Tür zuzog, wusste ich bereits, dass hier etwas ganz gewaltig schiefgelaufen war.

Wie das so ist, der Haustürschlüssel befand sich nicht in meiner Hosentasche, nein, er hatte seinen Platz in meiner Jackentasche gefunden. Da lag er gut, ich stand vor verschlossenen Türen. Ganz grandios. Ich wohne hier in Hamburg in einem 6 Familien-Haus, man kennt die Nachbarn vom Sehen — im Prinzip ist es aber die typische Anonymität der Großstadt. Was tun, sprach Zeus. Da ich im ersten Stock wohne, kann man auch mal eben nicht auf den Balkon hüpfen, die Balkontür hatte ich offen gelassen, und so klingelte ich bei meinem Nachbar und bat um eine kleine Leiter. Dazu sollte ich ergänzend sagen: Unten am Haus ist ein Kiosk angebaut, das Dach vom Kiosk endet ca. 50 cm unter meinem Balkon. Wenn man also auf dem Dach des Kiosks ist, ist der nächste Schritt — mein Balkon — ein Katzensprung. Gesagt, getan — ein weiterer Nachbar sah mich klettern und hielt die Leiter fest — kurze Zeit später war ich in meiner Wohnung — der Nachbarschaft sei dank, anonym und doch füreinander da. Ganz grandiose Nachbarschaftshilfe. Auf meine Nachbarn ist Verlass.

Auf dem Weg zum Restaurant kam mir dann auf einmal ein kleiner Rauhaardackel entgegen, voller Lebensfreude — ich hielt im meine Hand hin, die er gleich abschleckte, und natürlich wurde er auch gestreichelt. Es war ungefähr so, als wenn er sich nach langer Zeit freute, mich wieder zu sehen — der Unterschied: Ich kannte den Hund nicht, ebenso wenig wie sein Frauchen. Eine knuffige, ältere Lady, die mir zum Abschied ins Ohr flüsterte: Sie sind der Hundeflüsterer. Wäre ich 50 Jahre älter gewesen, hätte ich sie auf der Stelle geheiratet. 😉

Das ist das wahre Leben, fernab jeglicher Scheinwelt. Und wenn mir da irgendein Werbedepp ein Troll entgegenwirft — da lehne ich mich dann entspannt zurück, man weiß mittlerweile von wem es kommt — q.e.d.

6 Antworten zu “Ausgesperrter Hundeflüsterer”

  1. Julius H. sagt:

    Solange die Nachbarn nicht auch anderen helfen in deine Wohnung einzusteigen ist’s ja ok…

  2. Sammy sagt:

    - Hallo ich bins, der Chris von nebenan. Ich habe meinen Schlüssel vergessen. Können sie mir helfen?
    – Man du hast dich aber verändert… 😀

  3. Dr.Dean sagt:

    Gratulation! So ein Schlüsseldienst hätte glatt ca. 50 Euro gekostet. Bleibt noch die Frage, trotz Happy End: War der Hund der Troll, oder — so wird es in einschlägigen Kreisen kolportiert — der Troll ein Hund?

    Es grüßt
    – der andere Troll —

    Notiz an mich: Der Begriff «Troll» ist ganz schön auf den Hund gekommen.

  4. Chris sagt:

    Der Hund war niedlich. 😀

  5. phoibos sagt:

    chris, du troll 😛

    süße geschichte. hamburg halt 😀

  6. […] Und sie lächelte mich an, wie es nur ältere Damen können. Und da wusste ich, ich kannte die beiden. Nach 5 Monaten erinnerte sie sich noch an mich — und ich mich natürlich an sie. Der Hund, der […]

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