auri sacra fames

Es gibt eine Alternative zur Gewinnmaximierung
Wenn ich als junger Mensch lerne, dass Konsum allein nicht die Erfüllung des Lebens ausmacht, dann will ich auch eine entsprechende Gesellschaftsordnung, in der nicht alles der ökonomischen Logik untergeordnet wird. Wer hingegen mehr Geld zu haben als Selbstzweck sieht, der fühlt sich natürlich bedroht, sobald die Politik versucht, hierauf Einfluss zu nehmen.

Das angeblich originale Vodafail-Blogposting
Vorhin kam hier ein ziemlich kaputter Typ vorbei. Er roch etwas nach Alkohol, sein Iro war eingedätscht, und er sah so aus, als hätte man ihn eine Nacht am Busbahnhof schlafen lassen. Wie immer der leibhaftige Don 😉

Vodafone. Old School.
Ja, die Kampagne und der Spot ist Durchschnitt. Der Claim ist Gurke. Es hätte auch Zahnpasta oder Versicherung sein können. Aber was erwartet man bei einem Old School Kunden und einem Old School Macher Team. Eine Old School Kampagne.

FDP will hessische Polizei aufrüsten
Mit einem am 30.06.2009 eingereichten Gesetzentwurf planen FDP und CDU in Hessen, die Eingriffsrechte der Polizei weiter auszudehnen. Soviel zu den Helden der Freiheit in Form der Liberalen.

Duisburg: Polizei sammelt DNA von Polizisten
Die Gewerkschaft der Polizei wehrt sich gegen DNA-Proben – bei ihren eigenen Mitgliedern. Im Visier der GdP ist insbesondere das Polizeipräsidium Duisburg. Dort werden derzeit DNA-Proben von Polizisten genommen und die Datenprofile gespeichert. Ach schau an, warum die Aufregung? Schließlich gehört dies doch zur üblichen Praxis.

Zitat: Vergil; verfluchter Hunger nach Gold

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9 Antworten zu “auri sacra fames”

  1. Muriel sagt:

    Es gibt viele Alternativen zur Gewinnmaximierung, aber ob uns dieses sinnarme «An den Finanzmärkten wird nichts produziert»-Geblubber und frommes Fairness-Gerede denen näher bringt, bezweifle ich. Fairness ist toll, der Haken ist, dass uns keiner sagt, was fair ist und was nicht. Deswegen bleibt uns nichts anderes übrig, als das selbst zu entscheiden. Diesen Prozess ermöglicht ein freier Markt, der natürlich Regeln braucht, sonst funktioniert er nicht. Über diese Regeln kann man reden.
    Das tut Professor Ulrich aber nicht, er bringt meiner Meinung nach nur unnützes «Wäre es nicht schön, wenn wir eine moralischere Gesellschaft hätten»-Geschwurbel.

  2. Oliver sagt:

    >Das tut Professor Ulrich aber nicht, er bringt meiner Meinung nach nur unnützes “Wäre es nicht schön, wenn wir eine moralischere Gesellschaft hätten”-Geschwurbel.

    Und damit hat er auch recht, Gesetze, Verordnungen bewirken überhaupt nichts — allenfalls formiert sich Widerstand. Sinn macht nur der Wandel der Gesellschaft.

  3. Simon sagt:

    Es gibt zwei fundamentale Probleme:

    1. Geld stinkt nicht.
    2. Das Gefangenendilemma bekommt ploetzlich eine Loesung, wenn mein Gegenueber sich wahrscheinlich zur Kooperation entschliesst.

  4. Muriel sagt:

    Ob der Sinn hat oder nicht, wollte ich jetzt mal außen vor lassen. Dazu habe ich zwar auch eine Meinung, aber das führt mir hier zu weit.
    Ich kann mir schon nicht vorstellen, wie Herr Professor Ulrich diesen Wandel erreichen will. Im Interview verrät er es meiner Meinung nach jedenfalls nicht. Und einfach nur zu hoffen, dass wir bessere Menschen werden, kann doch wohl nicht die Antwort sein.

  5. Oliver sagt:

    >Ich kann mir schon nicht vorstellen, wie Herr Professor Ulrich diesen Wandel erreichen will.

    u.a. damit

    >Also gehört Wirtschaftsbürgerkunde ab der fünften Klasse auf den Stundenplan?

    >Beispielsweise. Wenn ich als junger Mensch lerne, dass Konsum allein nicht die Erfüllung des Lebens ausmacht, dann will ich auch eine entsprechende Gesellschaftsordnung, in der nicht alles der ökonomischen Logik untergeordnet wird. Wer hingegen mehr Geld zu haben als Selbstzweck sieht, der fühlt sich natürlich bedroht, sobald die Politik versucht, hierauf Einfluss zu nehmen.

    Man beginnt in kleinen Schritten und arbeitet stetig auf das Ziel hin. Wie gesagt brachiale Verordnungen übers Knie brechen, wäre in diesem Fall vielleicht die Methodik einiger unverbesserlicher Altkommunisten, jedoch kaum ein Mittel für Nachhaltigkeit. Laissez-faire ist die bisherige Praxis und gar der allgegenwärtige Ruf nach omnipotenter Effizienz.Ich muß natürlich auch vermeintliche Kritiker fragen, wollt ihr wirklich nachhaltige Änderungen? Denn wer diese nicht möchte, wird jeglichen Ansat zerreden — Geld stinkt nicht, aber es verdirbt pausenlos den Charakter.

  6. Seraphyn sagt:

    FDP will hessische Polizei aufrüsten:
    Ich, als ehemaliger Frankfurter, kenne einige Polizisten/Zöllner persönlich. Es wäre vielleicht etwas netter von den Politikern passende Schusswesten und Computer/Büromaterial anzuschaffen anstelle von …
    Das ist schon massiv Lächerlich, vor allem, da jene mehr Überstunden leisten, als wir jemals in den «sicheren» Jobs gedenken zu tun.
    Gruss

  7. Simon sagt:

    Ich bin nicht ‘mal davon ueberzeugt, dass wir ein grosses Umdenken in der Gesellschaft braeuchten, die ueberwaeltigende Mehrheit ist bereits heute bereit, moralisch zu handeln, selbst wenn es den Geldgewinn nicht maximiert.

    Das Problem ist, wie diese Mehrheit auf die amoralische Minderheit reagieren soll. «Deren» Geld von «unserem» zu unterscheiden, gelingt mir noch schlechter, als die Namen der Firmen im Kopf zu behalten, die durch Kinderarbeit aufgefallen sind und darauf ihren Namen geaendert haben.

    Solange es sich lohnt, sich amoralisch zu verhalten, wird es Leute geben, die das tun, und sie werden auch ihren Kindern vermitteln, dass der Ethikunterricht in der Schule keine «Gewinner» aus ihnen, sondern «Verlierer» aus den anderen macht.

    Eine Loesung kann ich leider auch nicht anbieten. Gesetze und Verordnungen haben wir probiert, hat dazu gefuehrt, dass die Gremien entsprechend besetzt und amoralische Gesetze geschaffen wurden. Die Anonymitaet des Bargelds abzuschaffen halte ich fuer gefaehrlichen Unsinn, wenn es weiter bei einer gemeinsamen Waehrung bleiben soll, und fuer undurchfuehrbar, wenn die Antwort «Lokalwaehrungen in ueberschaubaren Gruppen» heisst.

    Sorry, mehr Optimismus gibt’s heute nicht. :-/

  8. Oliver sagt:

    >Ich bin nicht ‘mal davon ueberzeugt, dass wir ein grosses Umdenken in der Gesellschaft braeuchten, die ueberwaeltigende Mehrheit ist bereits heute bereit, moralisch zu handeln, selbst wenn es den Geldgewinn nicht maximiert.

    Sicher? Wir schieben die Schuld gerne beispielsweise auf die Politiker, doch diese formulieren nur den Gedanken der Mehrheit aus. Eine absolute Minderheit wehrt sich dagegen, der Rest zetert nur temporär — nämlich bis zum Aufstieg in die nächste Liga. Bis eben dieses persönliche temporäre Jammertal nur noch eine blasse Erinnerung darstellt. Wieviele Zetern ob der Beamten und schicken beispielsweise den Filius auf diese Laufbahn — danach ist plötzlich alles anders. Wäre die Gesellschaft anders, wären sie tatsächlich bereit moralisch zu handeln, dann würden sie es tun. Da sie es aber nicht tun, muß man ihnen Egomanentum unterstellen — man zetert nur bis zum geeigneten Moment. Warum etwas tun, warum moralisch handeln — man würde sich letztendlich nur den eigenen Aufstieg verbauen.

    Wer bereit ist handelt, da nur wenige handeln ist der Rest eine Legion von Schwätzern.

  9. Simon sagt:

    > Warum etwas tun, warum moralisch handeln — man würde sich letztendlich nur den eigenen Aufstieg verbauen.

    Die wahre Botschaft des Unterrichts sollte also nicht «Konsum macht nicht gluecklich», sondern «Geld macht keine besseren Menschen» sein.

    Das wuerde ich allerdings nicht als Negativbotschaft an der Wirtschaft aufhaengen, sondern lieber positive Werte vermitteln, und damit sogar noch frueher beginnen.

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