Augstein kauft Wochenzeitung Freitag

Wenn man, wie ich, seine Informationen insbesondere abseits der Mainstreammedien sucht, gerät man eher in Gefahr, dass die bevorzugten Publikationen eingestellt werden, als dass sie übernommen — so vielleicht Teil des Mainstreams — werden. Linke haben nunmal chronisch mit Geldmangel zu kämpfen.  Hier hatte ich eine der für mich besten und informativsten deutschen Wochenzeitungen vorgestellt. Freitag, die Ost-West-Wochenzeitung glänzt Woche für Woche mit grandiosen Artikeln, deren Meinung ich überwiegend teile. Oftmals sitze ich vor dem Rechner, und nicke einfach nur mit dem Kopf, für eigene Artikel sind die Arbeiten auf freitag.de oftmals Anregung und auch Recherche. Dass der Freitag neben der normalen Printvariante zugleich als kostenloses PDF angeboten wird, komplettiert das hervorragende Bild. Diese großartige Zeitung ist nun meiner Meinung nach in nicht kleiner Gefahrder Branchendienst Kress vermeldet den Verkauf der Freitag an Jakob Augstein.

Ich denke, ich werde hier im eine meiner bevorzugten Publikationen gebracht. Allein die Personalie des Geschäftsführers, die mit dem Verkauf an den Sohn des vielleicht berühmtesten Journalisten unseres Landes einhergeht, birgt Sprengstoff und lässt die schlimmsten Befürchtungen wahr werden. Detlev Hustedt wird diesen Posten übernehmen. Nun muss dieser Name nicht wirklich jemandem etwas sagen — doch die Folgen für den Freitag lassen sich aus dem bisherigen Lebenslauf ableiten. Hustedt ist schlicht und einfach Anzeigenverkäufer, ein Job, den er schon beim Springer’schen Hetzblatt WELT ausgefüllt hat. Als wäre das nicht genug, hat Hustedt 2002 eine eigene Beratungsfirma gegründet — alles Zeitungen, Dinge, Entwicklungen, Unternehmen die der Freitag so vehement bekämpft. Es stellt sich schon die Frage, wie das zusammenpassen soll. Vielleicht soll hier aber eine moderate, linke Vorzeigezeitung einfach nur auf Linie getrimmt, somit zerstört werden? Wer weiß das schon. Vielleicht hätte Augstein doch einen anderen Beruf ergreifen sollen — die Schuhe seines Vaters sind um einige Nummern zu groß. Während Rudolf in Übergrößen durch die Welt gelaufen ist, läuft Junior im Vergleich dazu in Kinderschuhen über unseren Planeten. Um meine Meinung mal bildlich darzustellen.

Mit Augstein soll angeblich abgemacht sein, dass die Identität und das politische Profil der Freitag gewahrt bleibt. Die Redaktion soll die gleiche bleiben. Das wäre ganz grandios, und ich würde mir wünschen, dass ich mich in Augstein irre — er hat fast keine Chance, ich hoffe er nutzt sie. Ein Augstein, der den Freitag einen starken neuen Impuls gibt, einen neuen Weg aufzeigt und vielleicht einen ähnliche Weg geht, wie der SPIEGEL zu seinen Anfängen. Sollte dies gelingen, ist Jakob in die Schuhe von Rudolf reingewachsen. Ich glaube nicht daran — ich befürchte das Schlimmste. Das sind so die News, die keinen Menschen interessieren, die sich aber, sollten sich meine Befürchtungen bewahrheiten, auch auf F!XMBR auswirken. Es werden Artikel in gelinkt fehlen, mir persönlich fehlt eine bevorzugte Informationsquelle, ein großer Ausgleich zum Mainstreamjournalismus, der gerade am Wochenende rund um die Schwan-Nominierung sein gesamte hässliche Fratze gezeigt hat. Erste Gerüchte zum Verkauf des Freitag gab es bereits vor knapp 2 Monaten: Damals hieß es von anonymer Seite, Augstein wolle von der Zeitung nur den Namen beibehalten und diese ansonsten radikal verändern. Hoffen wir, dass ein unzufriedener Mitarbeiter einfach nur den Verkauf bombardieren wollte und nun alles gut wird. Irgendwie fehlt mir der Glaube, wenn ich mir den Journalismus in diesem Land so anschaue — ist er doch kaum noch existent. Alles ein neoliberaler Mist. Nun auch der Freitag? Es wäre mehr als schade.

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23 Antworten zu “Augstein kauft Wochenzeitung Freitag”

  1. Oliver sagt:

    >Mit Augstein soll angeblich abgemacht sein, dass die Identität und das politische Profil der Freitag gewahrt bleibt.

    Das ist der übliche Tod auf Raten. Informationsquellen gibts jedoch weiterhin en masse. Die besten Quellen sind zudem immer jene, die größtenteils ohne explizit abgesonderte Meinung auskommen und die man eigenständig mit einer vernünftigen politisch/historischen Basis ausstaffiert. wie der SPIEGEL zu seinen Anfängen. — tja die Mär vom demokratischen Magazin, diese Gesinnung hatte das Blatt mal kurzeitig inne in den 60ern und die Legendenbildung kam vor allem ob der fortwährenden antidemokratischen Angriffe Franz Josef Strauß zustande. Als dieser jedoch verlustig ging, fiel auch die Motivation ein linkes Profil in der Medienlandschaft abzubilden. Denn Links ist heute ohnehin anders. Links kann auch neoliberal sein, sprich modern oder Links 2.0, die alten Linken sind einfach nur alt.

    Informationsquellen sterben so oder so, weil das Gros der freiwillig, hirntoten Bevölkerung bei mehr als drei Sätzen ohnehin streikt und das Sinnieren über jene einer Blähung gleichkommt — man merkt es doch selbst recht oft in den Kommentaren hier auf F!XMBR oder anderer Blogs die schreiben. Das Linke Publikationen immer irgendwie vor einer Krise stehen, sofern sie nicht auschließlich um ihrer Selbst Willen betrieben werden, ist nicht wirklich verwunderlich, da müßten denn auch Leute da sein, die bereit sind diese zu finanzieren und da erntet man doch nur eher Hohn und Spott.

  2. *grrr*

    Erst vor einer Woche habe ich den Print-Freitag abonniert, da ich dachte, ich unterstütze da ein löbliches Projekt … und jetzt das.

    Andererseits würde ich nicht unbedingt sagen, dass der Freitag jetzt gleich automatisch untergeht — immerhin scheinen die alten Herausgeber und die Redakteure nichts gegen die Übernahme zu haben. Ein «guter» Name und etwas Geld könnten die Zeitung sogar voranbringen — rein wirtschaftlich betrachtet, gibt es da eine echte Marktlücke für qualitativ hochwertige «alternative» bzw. «linke» Wochenzeitungen. Schaun mer mal.

  3. Streifzug sagt:

    Versuch es mal mit jungeWelt

    junge Welt

  4. Chris sagt:

    Wer uns regelmäßig liest, weiß, dass die junge Welt hier durchaus ein Begriff ist. In letzter Zeit vermeide ich die Zeitung, wo es geht — seit sie sich nicht entbödet haben, Solidarität mit Christl Wagner zu fordern. Ich habe selten eine so schwachsinnige Petition gelesen…

    @Oliver: Die SPD bekommt Dir nicht…

  5. Robert B. sagt:

    Jaja, bei der FR waren sie wenigstens so ehrlich zu sagen, dass sich mit Vorkötter und dem neuen Papier– respektive Zeitungsformat etwas ändert. Wenn man sich den Zeitungsmarkt anschaut, was daraus geworden ist, dann hat man schon das Gefühl, dass „die (gerne auch etablierten) Medien“ nur wenig Interesse am aufgeklärten und wissensdurstigen Zeitgenossen haben, überall wirds flacher und inhalts– sowie sinnentleerter. Wobei man sich mit überregionalen Zeitungen noch ein wenig glücklich schätzen kann – dort, wo ein regionales Käseblatt ein Monopol innehat, sind Druckerschwärze und Lettern verloren.

    Ich will ja keinen Teufel an die Wand malen, aber wenn ein Mann von WELT zu einer linken Zeitung geht und gleichzeitig

    die Identität und das politische Profil der Freitag gewahrt […] die Redaktion […] die gleiche bleiben [soll]

    kann ich das nur schwerlich glauben. Mir sieht es eher so aus, als hätte man aus dem Fall FR gelernt und verkündet jetzt erst einmal nichts was in Richtung Revolution deuten könnte.

    Aber vielleicht täuschen wir uns auch nur. Zeit, alte Freitage aufzuheben, damit man dann vergleichen kann.

  6. Oliver sagt:

    Chris es ist immer wieder ein Genuß selbiges von Genossen, Bekannten, normalen Leuten zu hören … dieses und jenes bekommt dir nicht, einmal ist es die Partei, zum anderen die Bildung oder auch gar die Angst vor dem recht hohen Niveau, das leider so manches Mal lieber in die Theorie abschweift als allzu exemplarisch zu jammern. Dann wiederum Strafe ich das Gros dieser Leute Lügen, wenn sie mich bei sozialen/ehrenamtlichen Tätigkeiten beobachten konnten bzw. können. Hängt man nicht an die Große Glocke, aber Meister Zufall läßt so manchen Einblick zu. Und ich mußte weder Bund noch Zivi beiwohnen, sondern kam ganz alleine auf die Idee mich fortwährend sozial zu engagieren — für Hilfe bin ich immer zu haben und auch für ein gepflegtes Nachdenken. Wenn man jedoch erst einmal der Bitterkeit komplett verfällt kann man sich nur schwerlich wieder daraus befreien, der Sog ist gewaltig. Das geschah auch schon einmal mit mir in jungen Jahren und ein zweites Mal ob des tragischen Verlustes meines Vaters vor ein paar Jahren. Aber dieses Mal gab es mir zumindest den Anlaß mich nicht mehr emotional hinabreißen zu lassen.

    Mein Vater liebte den Albrecht Müller und gab mir auch schon recht früh entsprechendes an die Hand, ebenso wie auch Günter Wallraff & Co. Ich habe hier daheim ein signiertes Werk von Lafontaine, wirkte früh auch in der Gewerkschaft mit — machte mir mein eigenes Bild ohne auf die übliche Jammerliteratur abzufahen, aber auch nicht ohne diese mit als Quelle heranzuziehen. Das unter anderem bekam ich schon früh von meinem Vater mit, der profaner Maler war, sich jedoch nicht scheute in der Freizeit ein hohes Maß an politischer u. historischer Bildung anzueignen und das bei Dauernachtschicht. Denn ein gebildeter Mensch, der des differenzierenden Denkens mächtig ist zieht diverse Quellen zu Rate und bildet sich somit seine aussagekräftige Meinung.

    Es wäre dumm zu behaupten, daß ich dies alleinig meinem Vater schuldig bin, nein ich bin es mir auch als Mensch schuldig, um nicht dem selben Habitus zu verfallen, welche jene antreibt die zum unmenschlichen Kurs dieses Landes beitragen. Wenig erzähle ich normalerweise auf dem Blog zu solcherlei Dingen, einfach aus dem Grund heraus da unter Bloggern in der Regel nur das Ego zählt und die soziale, menschelnde Plauderei oft auch nur dem jetzigen Zeitgeist gilt. Tatsächlich, differenziert postulierte Meinung, gepaart mit privaten Einblicken werden da in der Regel als Angriffsvektoren mißbraucht — Ego eben, Ellbogengesellschaft, der fun den anderen in die Ecke zu hetzen. Aus diesem Grund liest man von mir auch in der Regel zu derlei nonsense kaum etwas, allenfalls allgemeine Gedanken die dann, wie könnte es anders sein, mittels Mails gekürt werden … wen hast du da gemeint? Erbärmlich, abartig … die bessere Gesellschaft, die Chance für die Leute? No way!

  7. Chris sagt:

    Oliver, darüber diskutiere ich nicht mit Dir. Im Großen und Ganzen sind wir immer einer Meinung, keine Frage. Ich beobachte trotzdem die letzten Wochen mit Sorge bei Dir, mehr wollte ich Dir als Freund nicht sagen. Und damit sollte es gut sein, sonst schließe ich hier die Kommentare.

  8. Oliver sagt:

    Wie lange hast du schon bemerkt das ich in der Humanistischen Union bin? Drei Wochen? Drei Monate oder länger? Oder der SPD? Dir ist schon klar warum ich erst vor kurzem die Sache erwähnte, vor diesen «paar Wochen». Ich erwähne in der Regel eigentlich so gut wie nie private Dinge, dreimal darfst du raten warum. Ich scheiß drauf ehrlich gesagt, ich stehe hintern den Dingen die ich hier postuliere und auch aktiv lebe. Irgendwann kann ich schon Wetten abschließen wo ich als erste fliege: hier oder bei den Genossen. Bei letzteren bin ich wohl eher zu unwichtig. Und Sorgen macht man sich um jene, die sich fortwährend hinabziehen lassen, an jemandem der Menschlichkeit lebt und auch zu seinen Schwächen steht prallt derartiges mit der Zeit nur ab.

    Und wenn die Sorgen auf der mangelnden Kommunikation basieren, dann laß dir gesagt sein es gibt auch ein Leben da draußen und in diesem kanns manchmal wirklich hart zur Sache gehen und nebenbei trägt man auch Verantwortung für einen Lebenspartner, der einen nun seit knapp 12 Jahren ehelich begleitet. Zeit zum jammern bleibt mir da halt nicht, da wird gehandelt und danach vergißt man lieber als darüber zu reden. Wer mir meinen Intellekt ob der erst kürzlich offerierten *Kenntnis* einer Partei-Zugehörigkeit streitig macht, stellt sich ohne weit außerhalb eines jeden nur annehmbaren Diskurses!

    Apropos schließen/kicken/whatever, von mir aus können wir auch zukünftig jeglichen Kommentar zulassen, mal abgesehen von jenen die rechter Gesinnung sind, in Fäkalsprache verfallen oder werben. Da bleibt noch eine Menge über, die zwar auch stinkig werden, aber man behält eine Menge Glaubwürdigkeit. Vielleicht hast du diese Änderung bemerkt, darüber mache ich mir zumindest in puncto meiner Person u.a. auch mit der Zeit Gedanken. Was ich postuliere, was ich lebe und was ich hier in der Virtualität teils veranstalte paßt imho nicht ganz zusammen. Und nur wer zu seinen Schwächen steht, kann auch mit gutem Gewissen hart austeilen. Kurzum ich werde theoretischer, schiebe Dampf mehr auf diese Dinge, betätige mich innerhalb eines großen thematischen Spektrums.

    Warum sollte ich das verheimlichen? Das ich mich auch hier verfahren habe zum Teil in der Ausführung? Warum? Eben, ich will besser sein als jene die uns fortwährend auf niedrigster Ebene ob ihres recht einfältigen Intellekts torpedieren auf ihren Publikationen. Und das kann auch jeder lesen, Transparenz in der Denkweise, in den Handlungen hebt einen vom Rest ab. Ich mache weil ich kann, hat nur bis zu einem gewissen Grad Geltung, darüber hinaus verfällt man in jenen Habitus den man bei anderen allgemein oder auch teils personalisiert tadelt. Und da spanne ich den Bogen wieder zu meiner persönlichen Glaubwürdigkeit. Man geht weiter, man bleibt nicht stehen, man stellt auch die virtuelle Existenz auf eine probate Basis.

    Und zu diesem Diskurs kann sich von mir aus auch jeder gerne hier einklinken. Denn es ist ein Diskurs der doch so viele betrifft, denn immer wieder geht man gerne den Weg des geringsten Widerstands, schließt weg, kickt, schmeißt mit Dreck hier und da. Das ist eine Selbsterkenntnis, kein Tadel gegenüber anderen! Links, freiheitlich, menschlich … das möchte ich auch im Netz leben und muß wie in der Realität mit Mißbrauch rechnen — Mißbrauch den ich dort ebenso tadel und auch jene die präventiv «Mißbrauch» vereiteln möchten. Manchmal komme ich mir schon vor als würde ich mich der Mittel letzterer befleißigen — genau das ist die Änderung in meinem Habitus.

    Offtopic kann man auf viele Arten sein, die unsinnige, ablenkende Art oder die ausschweifende, erklärende Art.

  9. Chris sagt:

    Ich kann es gar nicht mal festmachen, wo ich da zur Zeit die Sorge sehe — es sind Kleinigkeiten, die sich geändert haben. Vielleicht sehe ich aber auch Gespenster. Ja mei, ich werd halt auch älter.

    Dass Du zur Ziet weniger Zeit hast — geschenkt, wo ist das Problem, solche Phasen gibt es immer. RL geht vor, so war es schon vor, wann sind wir gemeinsam angefangen, xx Jahren. Da mach Dir mal keinen Kopp. Zudem gibbet ja Mail. Aber eines ist auch klar: Wo zur Zeit die tägliche Kommunikation fehlt, kann sich durchaus ein Missverständnis mal hochschaukeln. Aber hey, auch das bekommen wir in den Griff. Wäre ja auch nicht das erste Mal.

    Zum Kommentar-Problem: Deppen lasse ich weder im RL noch hier an mich ran. Das hat dann auch bei mir nichts mit Glaubwürdigkeit zu tun, sondern mit Selbstschutz. Wenn ich solche Leute an mich ranlasse, gibt es bildlich gesprochen Tote. Das Problem aber haben wir hier ja im Griff. Mal löscht Du nen Kommentar, den ich stehen gelassen hätte, mal ist es andersrum — wir sind halt zwei Menschen, völlig egal. Wichtig ist mir nur, dass Vollpfosten hier keine Chance haben — dafür ist der Laden hier zu «wertvoll» Wir versuchen es ja immer wieder, hier sind genügend harte Diskussionen zu finden — aber unsere Grenze, seit Jahren, sollte nicht zu weit verschoben weren. Was natürlich nicht heißt, dass man ruhig mal drüber nachdenken kann, etwas moderater zu werden und auch bei schlechten Erfahrungen einfach mal auf das Gute im Menschen hoffen soll. Man muss sich auch selbst mal korrigieren können — dass wir beide dies können, haben wir in der Vergangenheit bewiesen.

  10. Streifzug sagt:

    @Chris
    «In letzter Zeit vermeide ich die Zeitung, wo es geht — seit sie sich nicht entbödet haben, Solidarität mit Christl Wagner zu fordern.»

    Christl Wagner ist mir egal (obwohl die Aktion gegen sie recht verlogen war).

    Genau auf diese Art und Weise marginalisiert sich die kritische (Linke?) stetig selber. –Freitag– verkauft, jungeWelt nicht lesen, weil es eine lächerliche Aktion gab.

    Ergebnis:
    Die kritischen Stimmen erledigen sich selber und verschwinden komplett aus dem Gesichtsfeld der Öffentlichkeit — Glückwunsch zur Selbstauflösung.

  11. Oliver sagt:

    >Genau auf diese Art und Weise marginalisiert sich die kritische (Linke?) stetig selber.

    Nein auf diese Weise wird die Linke mündig und folgt nicht den Dogmen anderer, der Humanismus als Basis, die üblichen Dogmen als Zierwerk. Betonköpfe finden wir überall, die von Grundlagen nichts wissen und auch nichts hören möchten, die jedoch tagtäglich ihren Balsam benötigen. Es geht auch nicht um die Stigmatisierung von derlei Medien, sondern um den mündigen Umgang mit diesen. Balsam tut gut, macht jedoch alleinig auf die Dauer nur abhängig. Die junge Welt und ähnliche Blätter dürfen nur eine Facette des linken Spektrums darstellen, den Fehltritte übelster Art findet man bei diesen nicht nur auf dem Hauptschauplatz wie im hier angesprochenen Fall, sondern auch auf diversen Nebenschauplätzen. Und diesem Umstand sind sich viele überhaupt nicht bewußt, weil sie den Balsam nicht nur über den Rücken fließen lassen, sondern auch inhalieren und keinen Raum mehr für die tatsächlichen Grundlagen lassen. Denn letztere regen zum eigenen Denken an, Balsam mag unterstützen, alleinig gesehen stumpft dieser jedoch ab, man marschiert nur noch willig in die gleiche Richtung — wird geführt.

  12. Bogus sagt:

    Ich lese ja erst seit kurzem hier mit und bin manchesmal überrascht über die Direktheit, die hier geschrieben wird.

    Hab euch beide bei einigen Projekten erlebt und leider ein wenig aus den Augen verloren. In meinen Augen wart ihr immer Querdenker von Haus aus und manchesmal habt ihr angeeckt und seit gekickt worden aus manchen Projekten … lol

    Ich finde die Texte aber zu den anderen Texten, die in den Blogs im Internet zu finden sind, sehr gut lesbar.Was Medien angeht, wie Spiegel etc. bin ich kein grosser Leser von. Wenn dann lese ich sie im Wartezimmer.

  13. @Oliver

    Die «Junge Welt» ist in meinen Augen auch gar nicht mit dem «Freitag» zu vergleichen. Für denjenigen, der sich in der «linken Gedankenwelt» auskennt, ist die «Junge Welt» schlicht überflüssig. Sie ist berechenbar und agiert stets wie Pawlows Hunde.

    USA machen irgendwas -> jW dagegen
    Myanmar wird attaktiert -> jW vertedigt Myanmar
    Dummkopf XYZ verteidigt Stasi/Mauer -> jW verteidigt Dummkopf XYZ

    Ich halte dieses Programm nicht für ein Teilspektrum «linken» Gedankengutes und sollte es dennoch ein solches sein, so habe ich keine Probleme damit, wenn es in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

    Der «Freitag» ist auch «links», keine Frage. Aber er ist erfrischend nonkonformitisch zu traditionellen «linken» Denkschemata. Artikel aus dem «Freitag» sind nicht berechen– und vorhersehbar, oft attakieren sie auch «linke» Selbstgerechtigkeit.

    Außerdem wird auch anderen Meinungen Platz eingeräumt. Willy Wimmer und der olle Gauweiler hatten im «Freitag» z.B. mehrfach Gelegenheit, ihre Argumente zur Außen– und Sicherheitspolitik kundzutun. So etwas finde ich interessant und es erweitert meinen Horizont — das tun die typischen 0815-Artikel aus der jW meist nicht … Ausnahmen bestätigen in beiden «Zeitungen» freilich die Regel.

  14. Oliver sagt:

    >Die “Junge Welt” ist in meinen Augen auch gar nicht mit dem “Freitag” zu vergleichen.

    Ich werte zwar dogmatische Quellen jedweder Couleur ab bzw. ordne sie ein, dennoch ignoriere ich keine davon. Die Wertigkeit entscheidet, wo welcher Parameter im gesamten Spektrum beim mir etwas triggert. Und «ein Herz für Gauweiler» ist heute nun auch nichts mehr besonderes, gehört er doch schon beinahe zum «ultralinken» Flügel der CSU und zum Blick über den Tellerand mündiger Linker.

  15. @Oliver

    Na, ums «ignorieren» oder «wahrnehmen» geht es ja beim «Überlebenskampf» der Zeitungen auch nicht. Natürlich schaue ich auch mal hin und wieder auf den Seiten der jW vorbei. Aber abonnieren werde ich ein solche Zeitung, die aufgrund ihrer Berechenbarkeit nicht zu «triggern» vermag, ganz sicher nicht und da bin ich nicht alleine. Die jW kämpft nicht ums Überleben, weil es keinen Markt für «linke» Zeitungen gäbe, sondern weil es keinen Markt für phantasielose, uninspirierte altlinke Konditionierungen gibt. Die nimmt man (mal mit Amüsement, mal mit Kopfschütteln) wahr, gibt aber kein Geld dafür aus.

  16. Oliver sagt:

    >sondern weil es keinen Markt für phantasielose, uninspirierte altlinke Konditionierungen gibt.

    Trifft das nicht immer und überall zu? Je nachdem welchen Bildungsgrad man inne hat respektive Niveau? Ein Kopfschütteln habe ich ab und an immer für jegliche Medien über, mal mehr — mal weniger. Was ist heute Links? Neoliberal Links wie man uns mal vorschlug oder Links gemäß irgendwelchen ewig gestrigen Kommunisten? Links wie die SPD-Spitze oder Links wie ein Gauweiler/Geißler? Ich denke von diesem Begriff sollte man sich verabschieden, es wurde zuviel Schindluder gerade in der jüngeren Geschichte damit getrieben. Bliebe Humanismus, Menschlichkeit per se über und damit kann man nie falsch liegen, einzig in den Augen jener, die pragmatisch an den Menschen heran gehen.

    Vielleicht ist das auch das Problem der linken Medien: was ist links?

  17. @Oliver

    Jo, da gebe ich Dir recht. In D herrscht leider das Schubladendenken vor — bei den Lesern und den Machern von Zeitungen. Wenn Du Dir «linke» Zeitungen und Zeitschriften in den USA anschaust — dort fällt alles was «links» ist unter den Sammelbegriff «liberal» -, so entdeckst Du dort einen bunten Strauß an Ideen, Inspirationen und Sichtweisen. Der Michel legt sich da lieber auf einen sehr eingeengten Bereich fest, streitet mit sich selbst und anderen, was «links», «rechts», «mitte» und «liberal» ist und sorgt dann dafür, dass seine Haus– und Hofzeitung auch genau sein Spektrum abbildet — das erinnert mich immer an intellektuelles Eierschaukeln; man sieht sich und sein Weltbild bestätigt und vermeidet es tunlichst über den Rand seiner Schublade zu schauen.

  18. Streifzug sagt:

    «Sie (jungeWelt) ist berechenbar und agiert stets wie Pawlows Hunde.»

    Welche Zeitung/Zeitschrift tut das momentan denn nicht? Egal ob Spiegel, FAZ, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche .….….. pawlowsche Reflexe ohne Ende.

    Diese Bewertung und Einteilung ist recht schablonenhaft — um nicht zu sagen schubladenhaft 😉

    Es ist wie immer: Die Kritik entkleidet den Kritiker.

  19. Oliver sagt:

    >Spiegel, FAZ, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche

    Wer sprach von den Medienhuren der Nation?

    >Es ist wie immer: Die Kritik entkleidet den Kritiker.

    Muß man diese Kadersprüche irgendwo auswendig lernen?

  20. Streifzug sagt:

    @Oliver
    Locker bleiben. Auch wenn du es dir vielleicht nicht vorstellen kannst: Man kann sich so was selber ausdenken.

    Und schon wieder steckst du jemanden ohne ihn zu kennen in eine Schublade (Kader). Das bestätigt nur meinen Spruch.

    So etwas endet dann (um das Ka… zu verwenden) schnell im Kadaverjournalismus :-)

  21. Oliver sagt:

    >Und schon wieder steckst du jemanden ohne ihn zu kennen

    Die Kurzatmigkeit deines Auftritts macht es einem da recht einfach, inklusive. dem sporadisch in Halbsätzen postulierten Gedankengut. Wenn es wirklich ans Eingemachte geht bevorzuge ich ohnehin nicht die Anonymität. Nett Menschen müssen nicht zwangsweise politische Weisheiten von sich geben, insofern erübrigt sich auch eine tiefere Bekanntschaft um zu einem solchen Schluß zu kommen.

  22. Streifzug sagt:

    @Oliver
    Alles wird gut :)

  23. […] Hier hatte ich bereits über den Verkauf der Ost-West-Wochenzeitung Freitag geschrieben. Ich hatte meine Befürchtungen zum Ausdruck gebracht, dass die Zeitung nun zerstört werden soll. Sie, der offensichtlich nie des Vaters Sohn war, der Herr Detlev Hustedt, ein ehemaliger Springer – das ließt nichts Gutes erahnen. Und wie das so ist, man wird nicht enttäuscht. Sie haben es geschafft. Sie haben die Ost-West-Wochenzeitung Freitag zerstört. Wie fühlt sich das so an, eine der letzten Bastionen humanistischer und kultureller Gedanken in gehobener Qualität auf dem Gewissen zu haben? Wissen Sie, in einem gewissen Rahmen muss man heute mit Werbung leben, auch mit Online-Werbung. Ich kann es als Leser nach wie vor als Belästigung empfinden, aber ich kann auch nachvollziehen, dass Kosten gedeckt werden wollen. Es gibt kleine Banner und es gibt große Banner, es gibt Flash-Werbung, Layer-Ads und was noch nicht alles, was den Leser belästigt. Was Sie aber heute aus der Ost-West-Wochenzeitung Freitag gemacht haben, spottet jeglicher Beschreibung. Wenn ich freitag.de aufrufe, erscheint quer über den kpl. Bildschirm Werbung, die sich nur über das kleine X schließen lässt – jeglicher andere klick führt zur Seite des Werbers. Ganz großes Kino. […]

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