aTunes

aTunes LogoNach dem neuen Winamp und dem Reinfall Songbird habe ich eine weitere Musik-Suite getestet — aTunes. Eines vorweg: Es wird nicht jedermanns Sache sein, ist es doch eine Java-Applikation, ohne Java 6 Runtime Edition läuft nichts, dementsprechend hoch ist der Speicherverbrauch und manchmal behäbig die Bedienung. Das soll uns aber nicht abschrecken, macht sie doch erstmal nach dem Start einen besseren Eindruck als zum Beispiel Winamp — kein AOL-Dreck oder anderer kommerzieller Mist, den man ohne Zahlemann und Söhne eh nicht abspielen kann. Das ist zu Beginn gleich ein großer Pluspunkt. Nach dem ersten Start erwartet den Nutzer fast schon das gewohnte Bild einer Musik-Suite — in aTunes ist sie wie folgt aufgeteilt: Rechts sehen wir die Navigationsleiste, dort können wir zwischen einzelnen Tags, Ordner auf der Festplatte, angelegten Favoriten, unserem (vielleicht vorhandenen) Mp3-Gerät und unseren Radiosender hin– und herschalten. In der Mitte sehen wir die Playlist und den eigentlichen Player. Rechts komplettieren Informationen rund um den jeweiligen Song, der gerade abgespielt wird, das Bild.

Hier beweist sich gleich die Stärke, der Charme des aTunes-Players — aber es kommt auch ein böser Blick von mir . Es hat was, von Botany Bay, T r y ^ d oder A:M:F automatisch die Alben-Cover zu sehen, zusätzliche Infos zu bekommen, zum Beispiel auch die Lyrics. Doch bitte — lasst es doch per default ausgeschaltet liebe Programmierer. Ich hab das nicht so gerne. wenn ein Programm, ohne dass ich die Berechtigung erteile, Kontakt mit dem Internet aufnehmen will. Einfach per default deaktivieren und alles ist in Ordnung. Die Informationen holt sich aTunes im Übrigen von last.fm (Audiscrobbler) — es ist auch gleich eine Schnittstelle zum eigenen last.fm-Account implementiert (wenn man denn einen hat), so dass man seinen Account dort nutzen kann, Benutzername und Passwort eingegeben und die Welt weiß, welche Songs man hört.

Beim ersten Start fragt aTunes, ob eine Medienbibliothek angelegt werden soll — ich hab meine kleine Creative Commons-Festplatte angegeben (und dran denken, Auswahl per rechter Maustaste), und ich hatte den Eindruck, als würde das Einlesen um einiges schneller vonstatten gehen, als beim guten, alten Winamp. aTunes liest die Tags ein, Songtitel, Albentitel, alle vorhandenen Informationen — es macht schon Spaß, das zu beobachten. Wenn ich da mal an ganz früher denke, mit was für Programmen wir da gearbeitet haben, ist es schon ein kleiner Fortschritt.

Das Programm hat einen integrierten CD-Ripper, die Informationen zu den jeweiligen Alben können von Amazon.com abgerufen werden. Auch wenn aTunes bereits in der Version 1.73 angekommen ist, sind die unterstützten Formate sehr rar gesäht: mp3, ogg, wma, wav, flac and mp4. Hier haben die etablierten Programme ganz eindeutig die Nase vorn — da kenne ich meist die Hälfte der Formate gar nicht. 😉 Beim Handling der Playlist allerdings stört mich eine Sache (fast schon entscheidend): Bei einem Klick auf einem Album, wird nicht dieses anstelle des aktuellen Albums in die Playlist genommen — es wird angehängt . Möchte man also das Album wechseln, muss vorher die Playlist gelöscht werden, oder man springt per Hand zum Ende. Da würde ich mir eine Funktion wünschen, Doppelklick und das neue Album wird auch gleich abgespielt. Aber — das eine will man, das andere muss man.

Das Aussehen der Musik-Suite lässt sich auch den Bedürfnissen anpassen — wem das voreingestellte Schwarz nicht gefällt, der kann auf andere Farben ausweichen. Ebenso können die einzelnen Tabellen nach den eigenen Wünschen angepasst werden — seien es die jeweiligen Spalten oder gar das Ausblenden einzelner Punkte. Eine Statistik wurde dem Programm ebenso spendiert — eine kleine Spielerei rund um die (nicht) gespielten Songs.

Von den Funktionen her gefällt mir aTunes bisher am besten von den von mir getesteten Musik-Suiten. Das gute Stück kommt meinen Wünschen am nächsten, wenn, ja wenn nicht dieses Java wäre. Java ist natürlich für die Programmierer fein, so hat man gleich eine Software für mehrere Plattformen, unter Windows jedoch wirkt es manchmal träge, der Speicherverbrauch liegt nach ein paar Minuten bei exorbitanten 60–70 MB. Diese Schwächen können im Gegensatz zu der Kontaktaufnahme mit last.fm per default nicht abgestellt werden, das ist nunmal dem Umstand geschuldet, dass es sich hier um eine Java-Applikation handelt. Da muss jeder für sich selbst wissen, ob er das toleriert oder nicht. Ich werde aTunes noch ein paar Tage testen und mal schauen, was die Bedienung macht, ob diese der Schnelligkeit meines Opas beim 100 Meter-Lauf gleicht und wie sich der Speicherverbrauch entwickelt. Für manche Nutzer wird der Player schon aufgrund der wenigen Formate, die er nur unterstützt, ausfallen. Wer aber mit den oben erwähnten Formaten völlig ausreichend bedient ist, sollte sich aTunes durchaus mal anschauen. aTunes hebt sich von anderen Programmen ab, positiv, aber auch negativ — ich denke, das wird so ein typischer Fall, man kann sie nur hassen oder lieben. Ich habe mich noch nicht entschieden. 😉

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5 Antworten zu “aTunes”

  1. Matze sagt:

    hatte mir auf euren tipp letztens auch mal wieder die neue winampversion gedownloadet und bin eigentlich zufrieden. und da ich keine java-applikation als player haben will, bleib ich dann auch wohl bei winamp. zumindest bis amarok auch unter windows läuft, was es mW ab der nächsten Version tun soll.…

  2. aTunes sagt:

    Als erstes mal ein grosser Dank für den Text. Ich möchte nur kurz einige Bemerkungen machen:

    1. Zugriff auf Audioscrobbler kann man in den Einstellungen unterbinden. Allerdings ist es in meinen Augen nicht sinnvoll diese Funktion im Ursprungszustand zu deaktivieren. Dann kann man ja die rechte Leiste ganz ausblenden … Wenn keine Webdienste gebraucht werden sollen ist aTunes möglicherweise das falsche Programm.

    2. Der Speicherverbrauch ist wie gesagt auf Java’s Speicherverwaltung zurückzuführen. Was jetzt dabei schlecht sein soll, vorhandene Ressourcen zu nutzen, entgeht meiner Kenntnis.

    3. Ja, die lieben Formate … leider sieht es so aus, dass sofern möglich auch die Tags unterstützt werden sollen und da liegt auch der Hacken: die verwendete Library unterstützt keine weiteren Formate (oder nur sehr unzureichend). Schon bei mp4 fehlen die Tags deswegen.

    4. Das Anhängen an der Playlist ist zur einen Hälfte gewollt (wieso sollte man das vorherige Album entfernen?), zur anderen Hälfte der Schwierigkeit, «richtiges» Drag&Drop unter Java zu realisieren zu verdanken.

  3. Chris sagt:

    1. Meinst nicht, man sollte dem User die Wahl überlassen, ob Daten übertragen werden, oder nicht? Die Funktion mag für die meisten User vielleicht sinnvoll sein, per default gehört sie aus Datenschutzgründen aber IMHO ausgeschaltet.

    2. Java läuft aber bei den meisten im Normalfall nicht. Sprich bei Start von aTunes wird dieses Ressourcen-Monster mitgeladen. Kann man jetzt schlecht noch ändern. Muss also jeder selbst wissen, ob er das für sich okay findet oder nicht.

    3. Für mich als kleinen Privatanwander reichen die Formate. Von daher — andere mögen es anders sehen, ist auch wohl, wie Du schreibst, der Library zuzuschreiben.

    4. Warum man es so wollen würde? Wenn ein Album hier gehört wurde, brauche ich das nicht mehr in der Playlist, nach ein paar Stunden wird sie zudem unübersichtlich.

    Freut mich aber, wenn der Artikel sonst gefällt.

  4. Oliver sagt:

    >Was jetzt dabei schlecht sein soll, vorhandene Ressourcen zu nutzen, entgeht meiner Kenntnis.

    Wenn ich obige ca. 70Mb nehme für einen Player dann sehe ich das als Ressourcenverschwendung an. Ich nutze auch einen Dualcore etc., habe auf einem Rechner den ich als Buildserver mißbrauche 4Gb usw. Aber es muß eben auch Sinn machen dieser Ressourcengebrauch.Rechne ich dann noch eine richtig große mp3 Sammlung dazu, wohin steigt dann der Verbrauch? Ich kenne Java gut genug, um zu wissen wo das hinführt bzw. hinführen kann.

  5. aTunes sagt:

    Der Speicherverbrauch sollte die 70MB nicht überschreiten (um die 130MB auf 1.7.4 wegen einem Workaround), auch mit grosser mp3 Sammlung nicht. Es gibt zurzeit einen Bug, welcher besonders bei kleineren Werten für den Speicher zum einfrieren des Programmes führt. Sollte dieser behoben werden, sollte man den Speicherverbrauch senken können.

    Verwendung von Java und Zulassen der Internetverbindungen sind klare Designentscheide.

    Jedenfalls danke nochmals für den Artikel!

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