Archaeologica, quo vadis?

Der in der archäologischen Fachwelt umstrittene Fall des Franck Goddio wirft die Frage auf, ob die Archäologie in ihrer klassischen Form ausgedient hat, oder zumindest umstrukturiert werden muß.


Wer ist Franck Goddio? Goddio ist ein in Casablanca (Marokko) geborener französischer Unterwasserarchäologe, der durch spektakuläre Funde wie die Entdeckung des Königsviertels des antiken Alexandria im heutigen Hafenbecken, oder der Bergung der von Admiral Nelson versenkten Flotte Napoleons, auf sich aufmerksam machte.

Das wäre ja alles schön und gut, wenn Herr Goddio denn auch ein studierter Archäologe wäre. Diesen Punkt muß er sich von seinen Fachkollegen immer vorhalten lassen. Vor seiner Karriere als Archäologe hat der Abenteuerer an der Ecole National de la Statistique et de l’Administration Economique in Paris Statistik und Mathematik studiert (nebenbei bemerkt ist Statistik für die Auswertung der Funde essentiell). Danach erarbeitete er sich als Finanzberater von Regierungen und u.a. der Vereinten Nationen ein beachtliches Vermögen, welches ihm erlaubte 1983 der Finanzwelt den Rücken zu kehren. 1985 gründete er das Europäische Institut für Unterwasserarchäologie mit der Idee wissenschaftliche Forschung im Auftrag ärmerer Länder durchzuführen. Dazu fand er u.a. die Unterstützung von der Commerzbank, dem Ölkonzern Elf und der liechtesteinischen Stiftung Hilti. So konnte man mit Hilfe modernsten Equipments und einem Stab internationaler Forscher auf Tour gehen und auch Erfolge verbuchen.

Durch diese zog sich Goddio den Neid seiner Kollegen zu, die ihm den Ruf eines Indiana Jones und unseriösen Schatzsuchers andichteten. Einer aus der Wirtschaft, der ein bisschen rumbuddelt, das geht doch nicht. Geht das wirklich nicht? Ich meine doch, zumal der Erfolg für Goddio spricht. Außerdem leitet er die Unternehmungen, für die Forschung hat er ein ganzes Team an seiner Seite. Das würde ich nicht gerade unseriös nennen. Zudem erreicht der Mann auch eine breite Öffentlichkeit, wie die aktuelle Ausstellung Ägyptens versunkene Schätze in Berlin zeigt. Und genau da liegt das Problem der meisten Archäologen: sie forschen im stillen Kämmerlein an irgendwelchen Dauerprojekten vor sich hin und die Öffentlichkeit bekommt nicht davon mit, und soll auch bis zur Beendigung des Projekts (welches meist in den Sternen steht) nichts davon hören.

Eine Ausgrabung mit Werbung/Sponsoren zu finanzieren bedeutet für die meisten Professoren ein Sakrileg. Unsere restriktiven Unigesetze tun ihr übriges dazu eine solche Finanzierung zu erschweren. Moderne Technik einzusetzen heißt in Deutschland einen PC zu verwenden. Begriffe wie PDA mit GPS rufen Unverständnis hervor und wer braucht schon das Internet. Wenn dann einmal jemand unkonventionell an eine Sache herangeht, wird er behandelt wie ein Ketzer. Aber war das bei Schliemann nicht auch schon so? Auch er wurde von der damaligen Fachwelt verlacht. Ein Kaufmann (aka reicher Spinner) will Troja entdeckt haben, lächerlich.

Wenn die archäologischen Diziplinen an Deutschlands Universitäten überleben wollen muß sich einiges ändern. Die Archäologie muß verstärkt an die Öffentlichkeit treten, Stichwort Transparenz, muß sich wichtig machen, muß Leute davon überzeugen in sie zu investieren. Futterneid ist in einer Zeit, in der es ums Überleben geht der sichere Tod, hier in Deutschland eher früher als später.

Es wurde schon an so mancher Universität das entsprechende archäologische Institut geschlossen, vor– u. frühgeschichtliche Institute haben hierbei noch eine größere Verweildauer, da meist dem jeweiligen Bundesland mit ihrer Forschung verbunden. Die historischen Fakultäten an sich kommen auch noch gut wegen der Lehramtsstudenten, aber sonst? Kultur ist im Abwärtstrend.

Von den teils unzumutbaren Verhältnissen an den Universitäten schreibe ich jetzt nichts.

Franck Goddios Homepage

Eine Antwort zu “Archaeologica, quo vadis?”

  1. Chris sagt:

    Steffi, wenn Du nicht schon verheiratest wärest, würd ich Dich heiraten — und glaub mir, das ist aus meinem Munde eines der größten Komplimente. :)

    Immer wieder grandios, ich hier wieder absolut begeistert, was für Hintergründe zu dem Fund, den ich schon auf SpOn und FOCUS verschlungen habe, ich hier von dir bekomme. :)

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