Antwort von Dr. Theo Zwanziger — Von Opfern und Tätern

Dr. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes, hat auf meinen Offenen Brief geantwortet. Da ich meine Zeilen und auch vorangegangene Artikel veröffentlicht habe, hier schon allein aus Gründen der Fairness die Zeilen des Dr. Theo Zwanziger:

Sehr geehrter Chris,

also heute zurücktreten werde ich nicht, weil viele Menschen den Vorgang völlig anders sehen.

Auch Sie gefallen sich in Ihrem Schreiben in der Rolle, Täter und Opfer zu verwechseln. Nicht ich habe Herrn Weinreich beleidigt, sondern es ist umgekehrt. Und ich habe wie jeder andere Staatsbürger auch, das Recht Gerichte entscheiden zu lassen. Die bisherigen einstweiligen Verfügungen sind rein vorläufiger Natur und ohne mündliche Verhandlung ergangen, damit auch keine Urteile. Der wirkliche Sachverhalt wird dem Gericht erst mit der Klageschrift unterbreitet werden. Ich werde nie, als langjähriger Richter liegt mir dies völlig fern, ein Gericht unter Druck setzen. Aber es muss mir doch erlaubt sein, für den Fall eines negativen Prozessausgangs sagen zu dürfen, dass ich meine persönliche Ehre nicht für ein Amt aufgebe.

Ich empfehle Ihnen dringen, bei allen kritischen Anmerkungen, die ich durchaus akzeptiere, nicht Täter und Opfer zu verwechseln. Es scheint gerade in Internetblogs ein Spiel zu sein, Menschen, teilweise auch anonym, zu beleidigen. Da ich persönlich sehr viel von Fair Play und Respekt vor anderen Menschen halte, erwarte ich auch ein wenig davon auch für mich. Ist das zu viel verlangt?

Ihnen persönlich wünsche ich eine schöne Adventszeit, friedvolle Weihnachten und ein gutes Neues Jahr.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Theo Zwanziger

Dem Fairplay wegen, werde ich nun nicht das Schreiben auch noch großartig kommentieren. Nur Eines: Man kann davon ausgehen, dass Redaktionen und Journalisten täglich mit Anwaltsschreiben und Einstweiligen Verfügungen konfrontiert werden — wenn dann aber der kpl. Staatsapparat DFB gegen einen einzelnen freien Journalisten in Stellung gebracht wird, Gerichte, die bisher nur die Argumentation der Anwälte von Dr. Theo Zwanziger zu hören bekommen haben, von zulässiger Meinungsäußerung sprechen, dann ist es mein Empfinden, dass hier das vermeintliche Opfer zum Täter geworden ist, um mich mal der Terminologie des Antwortschreibens zu bedienen. Nicht immer obsiegt vor Gericht die Gerechtigkeit — meist ist es die Geldbörse. Das habe ich auch klipp und klar in meinem initialen Brief geäußert. Aber gut, Herr Dr. Theo Zwanziger ist in diesem Punkt konträrer Meinung, da wird ihn auch niemand von abbringen können. Bei mir macht sich da so langsam Verzweiflung breit.

Herr Dr. Theo Zwanziger, danke für die Antwort, Sie gehen meiner Meinung nach trotzdem mehrere Schritte zu weit.

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Treten Sie zurück, meine Herren!
Offener Brief an Dr. Theo Zwanziger

Logo und Brief: Deutscher Fußballbund, dfb.de.

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8 Antworten zu “Antwort von Dr. Theo Zwanziger — Von Opfern und Tätern”

  1. MS sagt:

    Komisch — ich dachte immer, dieses Interdings sei von anonymen Schmierfinken durchsetzt. Sagt der DFB, und der hat immer recht. Wie hat denn der Antwortbrief dich erreichen können? Bist du am Ende gar nicht anonym unterwegs? Vielleicht findet da sogar «recht wenig» anonym statt?

    Fragen über Fragen …

    Der Brief — erstaunlich. Aber zeigt eine gewisse Lernfähigkeit — mit neuen Medien kann man «wie» mit alten Medien kommunizieren, man kann mit ihnen «umgehen». Bin KURZ DAVOR, klitzekleinen Respekt für den DFB zu entwickeln.

  2. Oliver sagt:

    Mich interessieren keine Medien, ich muß auch keinen Respekt vor Medien haben oder mit diesen kommunizieren können. Wichtig ist die Kommunikation zw. Menschen wie hier geschehen auf niveauvoller Basis, wenn auch gegenteiliger Meinung. Ob das Medium bla-blub lautet ist belanglos und mit der generellen Einschätzung gewisser Webpublikationen geben ich diesen Herrn auch recht, wenngleich selbiges auch von traditionellen Medien behauptet werden kann. Erst kommt der Mensch, der Rest ist höflich ausgedrückt Schmarrn.

  3. Detlef Borchers sagt:

    «Der wirkliche Sachverhalt wird dem Gericht erst mit der Klageschrift unterbreitet werden.»

    Das ist ein Satz, der die bisherige Strategie als unfähige abkanzelt. Man darf gespannt sein, was der eigentliche Sachverhalt nun ist.

    «Es scheint gerade in Internetblogs ein Spiel zu sein, Menschen, teilweise auch anonym, zu beleidigen.»

    Jens Weinreich ist, wie andere Journalisten auch, eben nicht anonym unterwegs und hat das, was Zwanziger als Beleidigung auffasst, unter seinem Namen veröffentlicht. Er hat es auch nicht als Spiel gemeint, sondern als Kommentar, so wie ich hier kommentiere.

    Der Brief ist ein kommunikativer Scheinriese a la Tur-Tur.

  4. Oliver sagt:

    Die Augsburger Puppenkiste schaue ich auch heute noch gerne, unterscheide jedoch zw. Sein und Schein. Und da hinkt eben auch so mancher Vergleich. Man steckt nicht in dem Kopf des einen oder dem Kopf des anderen, man schaut allenfalls ein wenig Oberflächlichkeit und kennt insbesondere bei Rechtsstreitigkeiten selten den kompletten Umfang. Meist leider nur die völlig legitime Selbstdarstellung bei beiden Parteien.

  5. Chris sagt:

    Es scheint gerade in Internetblogs ein Spiel zu sein, Menschen, teilweise auch anonym, zu beleidigen.

    Hier kam auch bei mir im ersten Moment Pawlow hoch. 😉

    Doch muss man doch wohl sagen, dass er ohne Zweifel Recht hat mit dieser Einschätzung. Was sich auch auf sogenannten deutschen Top-Blogs in den Kommentaren tümmelt — es wundert mich, dass bis auf Stefan noch so wenige abgemahnt wurden. Und wenn wir mal die Foren hier mit ins Spiel bringen: Gerade die Heise-Foren solltest auch Du gut kennen… 😉

    Dass er damit natürlich nicht Jens, Stefan, Dich oder mich meint, ist klar. Nur gibt es natürlich nicht nur die über 400 Artikel, die Jens mittlerweile gesammelt hat — es gibt auch jede Menge Kommentare. Und genau da wird auch hingeschaut. Ich hab mal irgendwo folgendes Zitat gelesen. «Ich beneide Stefan nicht um seine Kommentatoren.» Den Satz könnte man auch auf Spreeblick & Co. anwenden…

    Dass es bei der deutschen Blogosphäre nicht zur Gegenöffentlichkeit reicht oder einfach nur zur Alternative, zu einem ergänzenden Medium, liegt nicht daran, dass die etablierten Medien sie klein schreiben. Es liegt an den Blogs selbst. Schau Sie Dir mal mit etwas Abstand, vielleicht im Urlaub, an.

    Und dass Dr. Theo Zwanziger überhaupt auf den Brief geantwortet hat, ist ihm hoch anzurechnen. Auf den initialen Offenen Brief ist sehr schlecht zu antworten. 😉

    Ändert natürlich alles nichts an der Tatsache, das ich weiter konträrer Meinung zu ihm bin — bevor hier wieder die Trolle aufschlagen, wie so oft…

  6. ckwon sagt:

    Theo Zwanziger hat natürlich das gute Recht, Gerichte zu bemühen. Er bzw. der DFB ist aber in meinen Augen «auch» (wenn man denn JW’s Kommentar als «Tat» ansieht, was ich nicht tue) zum Täter geworden, nämlich mit der realitätsverzerrenden Pressemitteilung. Denn dies sah für mich so aus, als wolle man JW’S berufliche Existenz bekämpfen.

    Der obige Brief ist sehr vernünftig geschrieben, wäre dieser Ton die ganze Zeit über angeschlagen worden, hätte dieser Streit evtl. auch gar nicht so hohe Wellen geschlagen.

  7. Timo R. sagt:

    @Chris
    Unbestritten ist die Umgangsform in den Kommentaren wie auch in den Foren teilweise recht herb. Allerdings muss man solche Bereiche als das betrachten was sie sind: Eine offene Kommunikationsplatform.

    Gleichsam einer Pinnwand in einem Stadion an der jeder seine Meinung und seine Sicht der Dinge in Form eines Zettels hinterlassen kann. Greift man diese Analogie auf, so wäre es jedoch töricht für den Inhalt der Zettel den Betreiber des Stadions verantwortlich machen zu wollen. Ihm obliegt jedoch selbstverständlich die Aufgabe all zu derben Stuss zu entfernen was in Form der Moderation auch geschieht.

    Deine Aussage bezüglich der Gegenöffentlichkeit in der deutschen Blogosphäre erscheint mir doch weit hergeholt. Selbstverständlich gibt es diese wie sich durchaus auch immer wieder an entstehenden Diskursen zwischen Blogs und in den Kommentaren zeigt. Das hier wenige die Position des Hr. Dr. Zwanziger nachvollziehen können, liegt wohl mehr an dem konkreten Sachverhalt.

    @ckwon

    Ich denke auch nicht, dass es zu spät es dies wieder gerade zu biegen. Wie wäre es denn einfach mal mit einem Telefonanruf und einer *privaten* Aussprache? Es wird sich doch wohl ein Weg finden lassen, wie das endlich aufgelöst werden kann. Dagegen sind um Legobausteine streitende Kleinkinder ja noch richtig vernünpftig geht es ihnen doch um etwas handfestes.

    p.s. Entdeckte Rechtschreibfehler dürfen behalten werden :-)

  8. Oliver sagt:

    >Allerdings muss man solche Bereiche als das betrachten was sie sind: Eine offene Kommunikationsplatform.

    Aka rechtsfreier Raum? Solche Dinge gibts nur in London in Form des Speaker Corners, der Tradition wegen. Wenn der Mensch nicht mehr weiß was ein Mensch ist, braucht es folglich Gesetze.

    >Selbstverständlich gibt es diese wie sich durchaus auch immer wieder an entstehenden Diskursen zwischen Blogs und in den Kommentaren zeigt.

    Den Stammtisch gabs schon immer und bis heute redet da keiner von einer Gegenöffenlichtkeit. Dazu gehört mehr als ein wenig Blafasel. Es fängt ja schon bei den Nasen an die vermeinen Narrenfreiheit zu genießen ob einer virtuellen Umgebung. Auf gut Deutsch: baust du Mist im Netz zerrt man dich ganz real vor den Kadi — da ist nichts schlimmes bei und manch ein Blogger braucht das gewiß, um wieder Realität zu schnuppern. Übel wird es nur, wenn Mißbrauch stattfindet — leider zu häufig. Seitens der Abmahner, aber auch auf Seiten diverser Blogger die Meinungsfreiheit mit Verleumdung. Tiraden etc. pp gleichsetzen.

    Wir haben mit der Zeit eines herausgefunden, geht man ein wenig mit offenen Augen durch die Welt braucht man sich kaum vor Staat etc. zu fürchten — im Moment, mehr jedoch aber vor Bloggern. Jene die pauschal anders sein wollen, besser, aufgeklärter.

    Das Internet sorgt für ein massives Problem: es ist völlig real, verleitet jedoch viele zu dem Irrglauben in einer Fantasiewelt zu leben und eigene Gesetze schreiben zu können.

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