Antidemokrat Schäuble im SZ-Interview

Man mag es gar nicht mehr lesen oder drauf verlinken, auf unseren Antidemokraten, auf den Mann, der unsere Freiheit zerstört, der zum oberen Jäger in unserem Polizei– und Überwachungsstaat geworden ist: Wolfgang Schäuble. Unsere Politik ist keine Zumutung, sondern eine Verheißungso titelt die SZ. Klar, an der Macht in einem Orwel’schem Staat lebt es sich nicht schlecht. Man mag es mir nachsehen, wenn ich Politiker wie Schäuble nicht nur als Zumutung empfinde, sondern als große Gefahr für unsere Demokratie, ist sie gerade durch sein Wirken kaum noch vorhanden — ein wahrer Antidemokrat eben.

Wenn jeder sagt, die Politik sei so trostlos und die Politiker seien abstoßend, dann wird die Demokratie nicht stabiler.

Ach, schon mal drüber machgedacht, wenn jeder das sagt, lieber Herr Schäuble, dass dann da etwas dran sein könnte, das Sie in Ihrem Wahn weit über das Ziel hinausschießen?

Die Leute wissen, dass es dem Land gar nicht schlecht geht — auch wenn die Medien das Gegenteil verbreiten.

In was für einer Welt leben Sie, Herr Schäuble? Unserem Land geht es also gut, nur die Journalisten schreiben es schlecht. Dann ist ja alles gut. Dann können wir ja *sofort* alle — eh lächerlichen — Reformen stoppen — uns geht es ja gut.

Aber sicherlich hat die Skepsis gegenüber Politikern zugenommen und der Respekt vor der Politik abgenommen. Bei der Suche nach den Ursachen muss man bei sich selber anfangen.

Ahja, Leute wie Sie zerstören unser Land, rauben uns unsere Freiheit, führen die Demokratie ad absurdum — und jeder, der das kritisiert, muss bei sich selbst anfangen. Interessante Denkweise.

Nehmen Sie unsere gute rechtliche Ordnung: Sie ist so ausgefeilt und ziseliert.

Aber natürlich, Existenzen werden durch Abmahnanwälte und ihre Klienten zerstört, alles was mit dem Online-Recht zu tun hat, ist — dezent gesagt — ein schlechter Witz. Man denke an Ackermann & Co. — Recht haben und Recht bekommen sind zwei unterschiedliche paar Schuhe und wird meist nur durch die größere Geldbörse entschieden — aber der Herr Schäuble findet das alles ganz toll.

Die Mitgliederentwicklung in den Parteien ist nicht schlechter als in anderen vergleichbaren Institutionen, von Kirchen bis zu Gewerkschaften. Wenn die Leute das Gefühl haben, dass sie diese Organisationen derzeit nicht so sehr brauchen, dann könnte dies ja heißen, dass es den Leuten relativ gut geht.

Jetzt wird es richtig peinlich. Die Leute rennen den Parteien also davon, weil es ihnen so gut geht — aber sicherlich Herr Schäuble, da haben sie sicherlich recht. Wo sind die Männer mit den weißen Jacken?

Über sein — in Amerika ist ja alles so toll, auch wenn die Unteschicht da viel größer ist, dort beklagt sich keiner über den Staat — möchte ich nicht näher eingehen — soll er doch auswandern, es wäre ein Riesengewinn für unser Land.

Verglichen mit anderen Zeiten und mit anderen Teilen der Welt dürften wir eigentlich die Probleme nicht haben, die wir beklagen.

Klar, und nun hilft nur noch der Vergleich mit Dritte-Welt-Länder und dem Mittelalter — was für eine armselige Argumentation.

Die materielle Sicherung der Menschen genügt nicht. Es geht darum, dass die Menschen spüren, dass sie gebraucht werden. Es könnte so viel ehrenamtlich gemacht werden. Was könnten wir da nicht alles tun! Unsere Gesellschaft braucht, ob in Sportvereinen oder Altenheimen, die Menschen, die ehrenamtlich arbeiten.

Oha, da haben wir es wieder: Die Vorbereitung auf die Zwangsjobs im Null-Euro-Bereich. Und natürlich zum Guten derer, die die Jobs machen sollen. Abartig.

Eine der bedeutenderen Leistungen dieser Regierung ist, dass sie angefangen hat den Menschen zu sagen: Ihr wisst, dass ihr viel länger leben dürft — also müsst ihr auch länger arbeiten.

Jetzt wirds wirklich richtig spassig. Wer dazu mal etwas nachlesen möchte, dem empfehle ich, auf den Nachdenkseiten nach dem Stichwort Demographie zu suchen. Die bedeutenste Leistung der Regierung Merkel ist es also, der Versicherungswirtschaft nach dem Munde geredet zu haben, und die Altersarmut gefördert zu haben. Hut ab, Herr Schäuble — auf solche Leistungen kann man durchaus stolz sein.

Das Interview ist ein Lehrbeispiel, wie ein Interviewer unkritisch, ohne zu hinterfragen dem Befragten den größten Blödsinn erzählen lässt. Schäuble outet sich mal wieder als große Gefahr für unser Land: Als Antidemokrat, in einer eigenen Welt lebend, darauf bedacht, diese eigene Welt — die es nicht gibt — zu schützen. Die SZ outet sich als Medium, welches man genauer im Auge behalten muss, das war SPIEGEL-Niveau.

5 Antworten zu “Antidemokrat Schäuble im SZ-Interview”

  1. Andreas sagt:

    Schon wieder muss ich mich bedanken… die URL hier geht gleich mal raus an alle Bekannten. :-)

    Wenigstens gibt es noch Leute die nicht so gutgläubig sind und Personen wie Schäuble, Schily und Co. noch so sehen wie sie wirklich sind.
    Man fühlt sich nicht ganz so alleine wenn man solche Artikel liest.

  2. […] Auf F!XMBR gibt es einen weiteren Artikel, der sich mit dem Interview ein wenig genauer beschäftigt. […]

  3. […] Schäuble umgeht Verfassung für den Abschuss von Passagierflugzeugen: […] Nachtrag: Einen exzellenten Artikel zu einem SZ-Interview mit Schäuble… […]

  4. […] erscheint es mir allerdings, erstmal dieses Machwerk aus vergangenen Tagen abzuschaffen, welches die Regierung ständig daran hindert, einen sicheren Staat aus diesem schönen Land zu […]

  5. […] Antidemokrat Schäuble im SZ-Interview […]

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