Angepasstes Verhalten

Es ist kein Geheimnis, dass Menschen, die (ständig) überwacht werden, sich anpassen, sich so verhalten, wie man es erwartet — und sei es nur unterbewusst. Terrorismus allen Ortes, die Medien tun ihr Übriges, die Thematik hatten wir schon mehr als oft. Die SZ hat nun aber einen sehr interessanten Artikel veröffentlicht, indem es nicht direkt um die riskante Bevölkerung geht, das Augenmerk wird auf die Familie gelenkt. Der Fall Madeleine ist in aller Munde, die Medien spielen ihr perverses Spiel. Und was machen Mama und Papa? Sie beschützen ihre Kleinen rund um die Uhr — und nehmen ihnen so immer mehr Spielraum.

Das Verschwinden eines Kindes, gar der Tod eines Kindes muss zum Schlimmsten gehören, was Eltern durchmachen müssen. Kein Elternteil sollte sein Kind überleben müssen. Umso panischer mittlerweile die Reaktionen mancher Eltern auf die Medienkampagne von Madeleines Eltern.

Im Moment senden wir das Signal aus, dass Erwachsene so vertrauensunwürdig sind, dass die Polizei sie alle überwachen muss. Genau das lernt jedes Kind, und das ist eine weit größere Tragödie für das Land als die Entführung eines einzelnen Kindes. Wenn die ganze Nation von dieser dysfunktionalen, fehlgeleiteten Kultur beherrscht wird, dann hat das vernichtende Konsequenzen.

Das sagt Frank Furedi, Autor des Buches Die Elternparanoia. Hätte er doch nur den Vergleich mit der Entführung eines einzelnen Kindes unterlassen. Die Feststellung, dass die Bevölkerung ansich so vertrauensunwürdig ist, dass alle überwacht werden müssen, dass heutzutage niemand etwas zu verbergen hat, dass dieses unterwürfige Verhalten den Kindern mit auf den Weg gegeben wird, ist schlimm genug. Eine ganze Generation wird hier meiner Meinung nach verzogen — ein nie wieder gutzumachender gesellschaftlicher Schaden tritt ein.

Ein Problem, welches sich bis tief in die Erziehung der Kinder hineinzieht. Kinder werden (fast) rund um die Uhr bewacht, man lässt sie nicht mehr aus den Augen, Kinder dürfen nichts mehr selbstständig tun. Wichtige Erfahrungen fehlen dem Kind, anstelle wichtiger positiver und auch negativer Erlebnisse tritt die Erfahrung der Überwachung, es ist ja zur eigenen Sicherheit. Manche Eltern schenken bereits den Jüngsten Handys mit Ortungschip — ein Traum, den viele offen ansprechen, der implantierte Ortungschip.

Die Gesellschaft ist geschädigt, jegliches Vertrauen ist zerstört worden, Solidarität ist für die meisten ein Fremdwort, Lehrer nehmen Kinder zum Trost nicht in den Arm — der Missbrauchsverdacht ist allgegenwärtig. Und wenn man die Leute darauf hinweist, dass es nicht viel mehr Entführungs– und Missbrauchsfälle gibt, wie früher — dass halt nur die Medien völlig durchdrehen, dann wird einem vorgeworfen, man ist selber nicht Vater und kann es nicht verstehen. Ich verstehe sehr wohl, und hoffe, das oben klargemacht zu haben. Kinder sind unser wertvollstes Gut, nur eine Totalüberwachung wird sie fürs Leben schädigen, genauso wie eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung unser Verhalten beeinflusst — nur, Kinder können und kennen es dann nicht anders, haben es nie anders gelernt. Feine Aussichten.

SZ — Big Mother is watching you

4 Antworten zu “Angepasstes Verhalten”

  1. Falk sagt:

    Und was machen Mama und Papa? Sie beschützen ihre Kleinen rund um die Uhr…

    …vor den Medien.

    Das Tragische an solchen Situationen ist eigentlich, dass hier mit einer geballten medialen Macht, die Gestörten dieser Welt ihre Thesen von Totalüberwachung noch dazu nutzen, um den Eltern ein schlechtes Gewissen einzureden. Das sind so Momente, wo ich es wirklich manchmal bereue, kein gewalttätiger Mensch zu sein.

  2. […] Bei F!XMBR, wo ich auf den Artikel in der SZ aufmerksam geworden bin sagt Chris: […]

  3. […] Überwachung — Angepasstes Verhalten […]

  4. /privacy sagt:

    Sammelsurium 24/07…

    jetzt.de: was man über die Überwachungspläne wissen muss (10.06.07) [via]
    stern-Umfrage: Bundesbürger mehrheitlich gegen Schäubles Sicherheits-Pläne (06.06.07)
    Gulli: Totalerfassung aller Bundesbürger (10.06.07)
    Stern: Schläge, Schikane, Käfi…

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