An die Wählerinnen und Wähler denkt niemand

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Foto: F!XMBR

Die Diskussionen nach den Landtagswahlen in diesem Land tragen sozialistische Züge. Debattiert wird die Frage: Wer bekommt mehr? «Unseren Erfolg» nennen kleine Splitterparteien die Entscheidungen der Bürgerinnen und Bürger. Dabei sind es klare Aufträge an andere, die die Wähler verteilen. Wie in einem pawlowschen Reflex wurde nach fast jeder Landtagswahl gerufen, mehr Stimmen für die FDP, die FDP habe Mitleid verdient.

Es scheint in Deutschland nur noch Bezieher von Mitleid zu geben, aber niemanden, der den Erfolg erarbeitet. Wahlverlierer sind in aller Munde, doch die, die gewählt werden, finden kaum Beachtung.

Die Volksparteien in Deutschland sind in den vergangenen zehn Jahren auf fast die Hälfte ihrer Mitglieder geschrumpft. Damit bröckelt die Brücke zwischen denen, die wählen, und denen, die gewählt werden. Eine Gesellschaft ohne Volksparteien fliegt auseinander, und der Politik fliegt sie um die Ohren.

Innerparteiliche Diskussionen der FDP erregen die ganze Republik. Parteien, die solide arbeiten, sind uninteressant. Was sagt eigentlich die Kellnerin mit zwei Kindern, SPD– oder CDU-Wählerin, zu Schlagzeilen, die von der FDP bestimmt werden? Wer kellnert, verheiratet ist, dessen Stimme scheint in der Öffentlichkeit weniger wert zu sein, als diejenigen Stimmen, die noch die FDP wählen. Diese Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Leistungsgedanken besorgt mich zutiefst. Die Missachtung der Mitte hat System, und sie ist brandgefährlich. Wer, wie die Medien, FDP-Wählern anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.

An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern. In vielen aufstrebenden Parteien wird hart gearbeitet, damit unsere Kinder es einmal besser haben. Bei uns dagegen wird Leistung der Wahlgewinner gering geschätzt: Wir debattieren über die FDP, Guido Westerwelle und Philipp Rösler. Dabei muss doch gerade die Jugend lernen, dass andere Parteien keine Körperverletzung darstellen. Im Gegenteil.

Zu lange haben wir in Deutschland die FDP-Schlachtgesänge optimiert und darüber vergessen, wo der Wählerauftrag herkommt. Ein Wählerauftrag ist mehr als eine Schlagzeile in den Medien. Demokratie ist unser Gesellschaftsbild. Bei fairem Wählervotum müssen die Volksparteien wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken.

Dieses Umsteuern ist für mich der Kern einer neuen geistig-politischen Wende, die ich nach den Landtagswahlen dieses Jahres für nötiger halte denn je.

Disclosure: Ich werde in Zukunft, den einen oder anderen Text von Google+ crossposten, weil mich ein paar Mails erreicht haben, man lese hier, von Google+ aber die Finger lassen würde.

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5 Antworten zu “An die Wählerinnen und Wähler denkt niemand”

  1. vera sagt:

    Ja. Aber: «Bei fairem Wählervotum müssen die Volksparteien wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken.» Ich wäre auch nicht völlig dagegen, wenn die Menschen (vulgo Bürger) mal wieder ins Gesichtsfeld der Damen und Herren Politikdarsteller rücken würden.

  2. Solarix sagt:

    Also ich geb jetzt vorsätzlich den Ketzer. 😉
    Die Leistung der Gewinner wird immer gering geschätzt, dass ist eine Volkskrankheit. Das betrifft nicht nur Politik, sondern auch Sport, Kunst und Beruf. Wer Erfolg hat, wird oftmals verachtet.
    Unabhängig davon, die FDP verdient kein bisschen Mitleid, die haben sich selbst gegen die Wand gefahren. Es ist deren eigenes Versagen, sie sind vom liberalen Gedanken abgekommen und ausser Klientelpolitik und Zickenkrieg, plus peinliche Aussenpolitik hat die FDP nichts auf die Reihe bekommen. Wenn man schon Rainer Brüderle, als Spitzenkraft herausstellen muss, könnte einem schon das heulen kommen. Aber.… der Punkt ist wie ich finde ein ganz anderer, die Parteien arbeiten aktiv an ihrer eigenen Erosion, der Unterschied zwischen Parteien und der Lebenswirklichkeit der Menschen ist viel zu groß. Wenn ich schon sehe, das im Bundestag Probeabstimmungen durch geführt werden, muss ich mir an de Kopf fassen, wo sind wir denn? Lieber Christian Welche Partei auf Bundesebene stellt denn aktuell keine Körperverletzung dar? Mir fällt absolut keine ein. Auf Landes und Kommunaler Ebene ist dies etwas anderes, aber weder im Bund noch im Europaparlament sehe ich Persönlichkeiten, die uns vertreten. Ob die Zukunft in unseren bestehenden Parteien liegt? Nun persönlich bezweifle ich dies, aber ich habe im Moment darauf auch überhaupt keine Antwort, weil ich oftmals nur noch sprachlos bin. Was die sozialistischen Züge angeht, will ich Dir gar nicht widersprechen, aber das kann man auch auf andere Dinge ausweiten.

  3. Susan sagt:

    Ist ja niedlich vom Wählerauftrag zu sprechen. Diese Zeiten — ich weiß nicht, ob es die je gegeben hat — sind längst Geschichte. Man tut nur so, als ob man einen Wählerauftrag habe. Aber viele glauben noch an die Macht der Wahlen. Die Nichtwähler haben den Glauben an den Wählerauftrag schon lange verloren und haben sich frustriert abgewendet. Im Grund genommen ist es egal von welcher Partei man spricht oder auch nicht. Uns Normalos geht das Theater eigentlich nichts mehr an. Keiner repräsentiert uns.

  4. Ach wie niedlich, dass ich eine Anleitung zum Lesen dieses Artikels mitgeben muss:

    1. Artikel lesen.
    2. Westerwelles Artikel aus der Welt, Stichwort spätrömische Dekadenz lesen.
    3. Man beachte das Schlagwort «Satire».

    Danke.

  5. Solarix sagt:

    NUn.… wenn es eine Satire sein soll.. wegen mir. Schlagwörter und Tags sind ja schön und gut.
    Aber ich würde das ganze eher als treffende Zustandsbeschreibung mit Unterton einordnen. 😉 Für eine richtige Satire, fehlt wie ich finde ein wenig Überzeichnung des ganzen. Leider ist die Realtität fast noch «besser» als die Satire. 😀

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