Amen — oder die Kreuzzüge der Fundamentalisten

Jack Thompson ist vielleicht dem einen oder anderen ein Begriff. Thompson ist Anwalt in den USA — und zieht gegen die Computerspielhersteller zu Felde, insbesondere Take Two, Hersteller der berühmten GTA-Reihe. Im Vergleich zu Thompson sind Beckstein und Kollegen kleine Vorschulkinder. Nun macht sich Thompson auf, den wahren Charakter der Spielehersteller aufzuzeigen. Er will Take Two nach dem RICO-Gesetz verklagen. Dass sich das Gesetz gegen organisiertes Verbrechen — ich mache ihm ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann — stört ihn dabei nicht weiter.

So liest sich die Klage Thompsons auch sehr interessant:

Take-Two, either directly or through its agents, including but not limited to Blank Rome, has collaborated and conspired with third parties to commit these racketeering activites

Na, das ist ja mal spannend. Agenten, konspiriert — fehlt wirklich nur noch der alte Mann, der den Jungspunden Angebote macht, wie sie ihre Arbeit, ihr Leben zu führen haben — welche sie nicht ablehnen können. Heute Abend werde ich zu Hause wieder eine Runde No One Lives Forever spielen — da stehe ich mit beiden Füßen mehr im Leben, als der gute Herr Thompson.

Herr Thompson gehört zu den radikalen Fundamentalisten in den USA, die, und das ist das gefährliche, erheblichen Einfluß auf den Präsidenten haben — man denke nur die Zwiegespräche des Herrn Bush mit Gott, die er während des Angriffs auf den Irak geführt hat. Wie durchgeknallt Thompson mittlerweile scheint, zeigt ein veröffentlichter Brief an die Spieler, Spielehersteller im Internet und überall auf der Welt:

I have been praying, literally, that Take-Two and its lawyers would do something so stupid, so arrogant, so dumb, even dumber than what they have to date done, that such a misstep would enable me to destroy Take-Two. […]

I encourage folks to read Psalm 35, a Psalm of David, which is brilliant in its entirety (since God Himself wrote it), but for those who don’t own a Bible or who think their hands will catch on fire if they touch one, here is the salient portion that applies to this lawsuit: […]

Amen, and Praise be to God Almighty, maker of Heaven, Earth, and yes, the maker even video games.

Von solchen Menschen wie Thompson geht weltweit eine ebenso große Gefahr aus, wie vom abstrakten Terrorismus. Man könnte sogar der Meinung sein, die Gefahr ist viel größer, sind diese Menschen doch in der freien, westlichen Welt aufgeklärt aufgewachsen. Sie haben großen Einfluß auf die Entscheidungsträger. erzwingen so den einen oder anderen Krieg, eine Gegenreaktion.

Religion ist für manche Menschen, insbesondere ältere Menschen, die viel verloren haben, nicht nur als Halt, sehr wichtig. Doch denke ich auch manchmal, wie sinnvoll es wäre, eben die Religionen dieser Welt abzuschaffen. Wenn Fundamentalisten wie Thompson die Bibel für ihre Feldzüge missbrauchen, ist das ebenso verwerflich und gefährlich, wie der Selbstmordattentäter, der den Koran missbraucht. Doch dann denke ich: Beides sind nur Einzeltäter. Man kann für sie nicht ganze Religionen in Sippenhaft nehmen, Thompson wie auch der Selbstmordattentäter würden für ihr durchgeknalltes Handeln auch andere Ausreden finden. Der gesunde Menschenverstand ist mit oder auch ohne Religion entscheidend — bei beiden genannten Beispielen ist er nicht mehr vorhanden.

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7 Antworten zu “Amen — oder die Kreuzzüge der Fundamentalisten”

  1. Grainger sagt:

    Fundamentalimus ist, wie jede andere Form des Extremismus, ausnahmslos abzulehnen.

    Dabei ist es auch egal ob es sich um politisch, religiös oder sonst wie motivierten Fundamentalismus handelt.

    Ich misstraue allen Extremisten!

  2. EuRo sagt:

    Mein Glaubensbekenntnis heißt «Imagine» und stammt von John Lennon.
    Der wurde erschossen. Ein Indiz dafür, auf der richtigen Seite zu stehen.

  3. Bernd sagt:

    Der wurde erschossen. Ein Indiz dafür, auf der richtigen Seite zu stehen.

    Diese Aussage ist aber sowas von bescheuert!

  4. Oliver sagt:

    >Diese Aussage ist aber sowas von bescheuert!

    Pauschal betrachtet ja.

    http://de.wikipedia.org/w.….ki/Indiz

    Bei Beachtung der Bedeutung von Indiz wiederum auch nicht und wenn man zudem die Geschichte betrachtet.

    Martin Luther King
    der spätere Malcom X
    Gandhi
    Indira Gandhi
    Sadat (Friedensprozeß Israel/Ägypten)

    usw.

    Ist man sich noch dazu der Bedeutung von Sarkasmus/Zynismus/Ironie bewußt stimmts doch und die Aussage ist nicht als dämlich zu bewerten, sondern eher der zu kurzgedachte Kommentar darauf.

  5. Grainger sagt:

    Ich will ja nichts Negatives über John Lennon schreiben (obwohl ich ihn für wahnsinnig üerbschätzt halte), aber man kann ihn beim besten Willen noch nicht mal ansatzweise auf die gleiche Stufe wie einen Mohandas Karamchand Gandhi (Mahatma Gandhi) stellen.

    Das ist so als ob man Albert Einstein mit einem Hauptschul-Mathematiklehrer vergleichen wollte, da liegen doch Welten dazwischen.

    Gandhi hat eine riesige Nation (geographischen einen ganzen Subkontinent) mit gewaltlosem Wiederstand friedlich von der Kolonialherrschaft befreit, John Lennon ein paar Liedchen geklimpert.

  6. Oliver sagt:

    Ach ich stelle ihn (John Winston Lennon ;)) nicht auf eine Stufe, woher denn? Aber es ist der kleinste gemeinsame Nenner, machs Maul auf für eine Sache die anderen nicht paßt und wenn du ein wenig prominent bist, rummst es. Da würde selbst Malcom X nicht reinpassen, der zwar am Schluß geläutert war, aber keine Nation bewegte und auch kein Martin Luther King, der zwar hohe Ziele hatte aber andauernd nicht arg viel bewegen konnte.
    Bei letzterem Punkt könnte man aber auch behaupten Gandhi bewegte und scheiterte letztendlich nicht nur mit seinem Ableben, auch nachhaltig, denn es ging nicht nur um die Herrschaft der Briten, sondern auch um die eigene «Fallout-Gesellschaft». Nehme ich dazu noch die Briten, nun die haben heute immer noch wirtschaftlich die Macht — okay es war schon nett, hat schon was geleistet.
    Wenn man das nur alles gut genug zerhackstückt, kann man so letztendlich jede Argumentation gutheißen oder abwatschen. Der eigentliche Ansatz des *Indiz* bzw. der *Ironie* geht dabei jedoch völlig verlustig.

    Aus dem Grund sparte ich mir z.B. Kennedy auf da oben, weil ich diesen tatsächlich nicht nur als überschätzt ansehe, sondern auch eher zwielichtig in seiner geschichtlichen Funktion. Aber man muß es nun wohl auch nicht bis ins Extrem treiben.

  7. Grainger sagt:

    Kennedy hätte ich da auch nicht in einem Atemzug genannt, wäre er nicht auf so spektakuläre Weise vor laufender Kamera ums Leben gekommen würde heute wohl kaum noch ein Mensch mehr vom ihm reden.

    Wobei auch John Lennons Popularität zu einem gewissen Teil sozusagen posthum wieder auflebte, zu seinen Lebzeiten war es doch schon stiller um ihn geworden (was vermutlich auch von ihm so gewünscht war).

    Menschen, die als Einzelperson tatsächlich großen Einfluß auf die Menschheitsgeschichte hatten gab und gibt es aber ohnehin nur wenige, vielleicht ist das auch besser so da längst nicht alle diese Einflüße positiv waren.

    Schließlich gab es nicht nur Gandhi, Martin Luther King oder Malcolm X sondern auch einen Adolf Hitler, Stalin oder Mussolini.

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