Alle Daten für Alle

Freunde — ein weit gefächerter Begriff im sogenannten Web 2.0. Praktisch jeder noch so armselige Kontakt, den man irgendwo (online) im Adressbuch stehen hat, wird gleich als Freund deklariert — der mit dem längsten der längsten Buddy-Liste gewinnt. Diese Freunde wollen natürlich gepflegt werden, und so hat sich Google für die Freunde ein neues Spielzeug einfallen lassen. Google hat seinen Reader auf tolle Weise mit seinem Google Talk verknüpft: Alle Abonnements aus dem Reader sind Freunden aus dem Google Talk zugänglich — und tatsächlich, es ist kein Fehler, kein Bug, it’s a Feature.

Die Google Mail–Freunde
Da Google Talk wiederum mit Googles Webmail-Programm Google Mail liiert ist, führt die neue Funktion dazu, dass alle im Google Mail-Adressbuch gelisteten Adressen als Freunde klassifiziert werden.

Das Resultat: Wenn ein Benutzer die neue Funktion aktiviert, dann wird seine Nachrichtenzusammenstellung bei all jenen Google-Benutzern automatisch eingeblendet, die sich im eigenen Adressbuch befinden und ebenso umgekehrt.

Die Folgen
So kommen etwa Personen, mit denen man ein, zwei E-Mails via Google Mail gewechselt hat, automatisch in den Genuss von Nachrichten, die überhaupt nicht für sie bestimmt sind.

Zu allem Überfluss wird auch noch angezeigt, welcher Google-Benutzer diesen Mix zusammengestellt hat. Die Folgen davon sind leicht ausmalbar, wenn etwa Familienmitglieder plötzlich zu sehen bekommen, dass der Herr Vater neuerdings Nachrichten-Feeds von Kontaktbörsen für Swinger abonniert hat.

futurzone.orf.at — Die Wut auf Google

Das ist dann sogar den Web 2.0-Junkies zu viel. Wer sich durch die Reaktionen klicken möchte, hat hier sehr viel zu tun. Ich bin echt dafür, dass alle F!XMBR-Leser in den nächsten Tagen die Farbe der eigenen Unterwäsche offenlegen. Vielleicht sogar mit Foto. Diese Bilder per eMail an mich — diese werden dann gleich jeden Leser per Popup dargelegt. Die Idee hat was, oder? :)

Wir haben ja alle nichts zu verbergen

Die Privatsphäre

Datenschutz und so

Sensibilisierung

8 Antworten zu “Alle Daten für Alle”

  1. Falk sagt:

    die Farbe der eigenen Unterwäsche offenlegen

    DAS willst du nicht wirklich wissen 😀

  2. kobalt sagt:

    Ich finde es seltsam, Googles E-Mailporgramm zu nutzen und sich über den fehlenden Datenschutz zu erregen, insbesondere, wenn man die im Text erwähnte Funktion explizit einschalten muß.

    «Farbe der eigenen Unterwäsche offenlegen»

    schwarz.

  3. Oliver sagt:

    >Ich finde es seltsam, Googles E-Mailporgramm zu nutzen und sich über den fehlenden Datenschutz zu erregen

    Warum? Sobald du mit deinem Rechner online gehst basiert das Gros der Dinge die du auf irgendwelchen Servern verrichtest bzw. über welche du weitergeleitet wirst auf Vertrauen. Selbst einem Jabber Server Betreiber mußt du vertrauen usw. Schlecht ist die Zentrierung diverser Dienst auf einen Anbieter, unvermeidbar die Nutzung diverser Dienst per se. Google möchte natürlich wie jede andere Firma dominieren, aber erst der Anwender stützt dieses Anliegen, indem er sämtliche Dienste aus einem Haus nutzt. Und nur dann passieren in der Regel auch Dinge wie die obigen.

  4. kobalt sagt:

    «basiert (…) auf Vertrauen.»

    Google hat das Vertrauen nicht mißbraucht, denn der User kann es sich aussuchen, ob er diese neue Funktionalität nutzt oder nicht. Dazu müßte er halt einen Blick in die Bedienungsanleitung werfen.

    Ich berufe mich hier auf
    http://www.spiegel.de/net.….,00.html

  5. Oliver sagt:

    Wenn ich im «geheimen» die Modalitäten ändere, wie hier bei Google geschehen, dann hats das nichts mit Dummheit der User zu tun. Du kannst natürlich behaupten minütlich irgendwelche Hinweise zu sichten, sofern diese überhaupt sofort ersichtlich sind, klingt wenig glaubwürdig und hat in der Praxis auch keinen Bestand. Und die Verallgemeinerung bei Googles Diensten hilft auch nicht, da Google durchaus unterschiedlich per default verfährt. Ich behaupte z.B. nicht wie SPON, ich *nutze* ein, zwei der Dienste.

  6. Oliver sagt:

    Passender als die techn. unbeleckten Redakteure von SPON formuliert es wohl Heise und auch Google ist sich des «Lapsus» bewußt.

    heise

  7. kobalt sagt:

    heise gelesen:
    «sofern diese nicht explizit als privat markiert wurden»

    Das ergibt natürlich ein vollkommen anderes Bild.
    Danke für den Hinweis.

RSS-Feed abonnieren