Alice im Wunderland …oder
adical in der Blogosphäre

Gestern war ich ein wenig gemäßigt. Man mag es mir also nachsehen, wenn ich heute ein wenig Emotion zeige — ich liege gerade mal wieder vor Lachen unterm Tisch. Meine Arbeitskollegin schaut mich schon schief an — ich mag Dich auch Kleine, bring mir mal bitte nen Kaffee. *autsch* 😀 Wenn über Adical und einen der Macher zur Zeit stolpert, fühlt sich im Moment wie Alice im Wunderland. Das ganze strotzt einfach nur so von Absurditäten. Und wenn es alles nicht so ernst gemeint wäre, würde ich sagen: Besser könnte eine Realsatire auch nicht sein, womit wir wieder bei der Jagd auf das weiße Kaninchen sind. *g*

*singt: sag mir wo die zahlen sind, wo sind sie geblieben?* 😀

Sascha hat futureZone.ORF.at ein Interview gegeben — ganz ehrlich, das ist so genial, das machte meinen Tag bisher. Zur Professionalisierung sprach Alice Sascha:

Zum einen ist in Deutschland 2006 eine inhaltliche Professionalisierung der Weblogs passiert. Das drückt sich auch dadurch aus, dass etwa Grimme Online Awards massiv in die Blog-Welt verliehen werden werden.

Na super, da springen also ein paar Sesselpupser auf den Blog-Zug auf, verleihen einen Pokal an ein paar Blogs (über die man streiten kann, ob da ein Grimme-Award angemessen ist), und schon ist die Blogosphäre professionell. Interessante Logik. Zu den Auswahl der Blogs wird zu Protokoll gegeben:

In unserem Netzwerk haben wir auch Weblogs mit inhaltlichen Schwerpunkten, etwa Netzwelt und Technologie, Musik und Konsum.

Dazu im Moment nicht viel — über die Auswahl der Blogs, die Teilnehmer selbst, wird gesondert zu sprechen sein. Eine kleine Anmerkung: Wenn z. B. eines der größten Blogs für die Playstation Portable wirbt, klemme ich mir da nicht eine Menge potentieller anderer Kunden ab? Nintendo, Microsoft vielleicht?

Zu den Formaten wird gesagt:

Wir bieten klassische Bannerwerbung, Textlinks, aber auch innovative Formate an, etwa kommentierbare Werbung. Das sind Banner mit Link auf eine Kommentarseite, auf der zentral die Kommentare zur Werbung abgebildet werden.

In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn darüber nachgedacht wird, Werbung kommentierbar zu machen? Sorry, da leben wir einfach auf völlig unterschiedlichen Planeten. Leute, kommt mal wieder von Eurem Trip runter. Auch wenn der eine oder andere Jubelperser Euch unterstützt, sagt, Werbung wäre geil — die überwältigende Mehrheit Eurer, aller Leser, will keine Werbung, Punkt. Und da die meisten technikaffin sind, wird geblockt werden, mehr als z. B. vom Internet Explodierer-Nutzer, der rtl.de ansuft. So wird die Realität aussehen — darüber schon mal nachgedacht? Nicht? Hab ich mir gedacht. 😉

Aber die bisher angesprochenen Punkte waren nur Kleinkram. Schokolade wächst auf den Bäumen, Alice um Wunderland ist real, und Eure Träumereien werden wahr — genau, so wahr mir Gott helfe. 😀 Sascha gab wieder mal interessante Zahlen raus:

Wenn man davon ausgeht, dass unsere Blogger im Schnitt bei 2.000 Seitenaufrufen pro Tag liegen, können sie auf niedrige vierstellige Beträge im Monat kommen.

Und zu der prozentualen Verteilung, die einzelnen Blogs bekommen:

65 Prozent. Fünf Prozent der Einnahmen kommen in einen Topf, der Weblog-Autoren rechtliche Hilfe bei Abmahnungen bieten soll.

Ich fass das nicht. Wir sprechen also nicht über, wie von mir gestern noch angenommen, über 2.000 unique IP’s — wir sprechen über läppische 2.000 Impressions. Wie geil ist das denn? Diese Zahl erreicht F!XMBR z. B. locker im Schnitt in einem Drittel eines Tages (bereinigte Zahlen). Gut, die meisten der beteiligten Adical-Blogs erreichen selbst diese 2.000 Impressions nicht — das aber nur am Rande. Niedrige vierstellige Beträge sollen es bei 2.000 Impressions also werden. Das ist ja mal richtig spannend. Wo sind die Männer mit der weißen Jacke? 😀

Das ist doch wohl hanebüchender Quatsch. Wie kann ich mit so einem Blödsinn an die Öffentlichkeit treten? Da nutzt es nichts, dass manche Blogs eher zurückhaltend an die Sache rangehen, wenn man hier dem weißen Kaninchen folgt. 1.000 Euro für 2.000 Impressions? Der eine oder andere Werbetreibende mag mich korrigieren — aber ich halte das für nen GAU — den größten anzunehmenden Unfall. Wer mit solchen Zahlen an die Öffentlichkeit tritt, kann doch nicht ernst genommen werden, da nutzt es auch nicht, wenn irgendwelche Businesskasper meinen, Klappern gehört zum Handwerk.

Auch die Verteilung der Gelder ist sehr interessant. Von 1.000 Euro bekommen die Blogs 650 Euro, Adical 300 und 50 Euro wandern in einen Notfalltopf. Man mag mir marktüblich entgegenhalten, als ich das vorhin das erste Mal gelesen habe, habe ich an Abzocke gedacht. Wir sind hier in keiner normalen, realen Welt — und da von marktüblich auszugehen, ist schonmal grundsätzlich falsch. Ich hatte es gestern bereits erwähnt: Spreeblick und die anderen großen Blogs kommen an mehr Geld, wie bisher, nur durch das Netzwerk, sprich: Bis zu einem gewissen Anteil, ist Retromedia genauso wichtig, wie Spreeblick selbst. Retromedia da mit ein paar Cents abzuspeisen, sagenhafte 30% vom Anteil noch bei Adical zu behalten — ohne jeglichen Grundbetrag — genau das riecht ganz streng nach Abzocke. Leute, Ihr redet die ganze Zeit davon, dass die Blogosphäre etwas besonderes ist, dass man gesonderte Formate entwickeln muss. Beim schnöden Mammon ist dann aber auf einmal alles wieder marktüblich?

Ja mei, wenn ‘s schö macht.

Über die Teilnehmer reden wir dann ein anderes Mal — und wenn ich mich mit der Technik eines Adservers auseinandergesetzt habe, werden wir uns auf .get privacy über den Datenschutz unterhalten. Ist es nicht wunderschönes Wetter heute. *g*

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10 Antworten zu “Alice im Wunderland …oder
adical in der Blogosphäre”

  1. enterhaken sagt:

    Hiermit verleihe ich den Jungs von fixmbr den blog-pokal «hanswurstgruenescolasalat» 😀

    Ist es nicht so, dass jedes blog irgendwo einen schwerpunkt hat?
    Bei etlichen steht da die finanzielle Seite eher im hintergrund. Ich zumindest will mit meinem kein Geld verdienen.

  2. Chris sagt:

    Es wurden keine mit Ihrer Suchanfrage — hanswurstgruenescolasalat — übereinstimmenden Dokumente gefunden.

    [x] Googleloch fixed. 😀

  3. Grainger sagt:

    Wenn man davon ausgeht, dass unsere Blogger im Schnitt bei 2.000 Seitenaufrufen pro Tag liegen, können sie auf niedrige vierstellige Beträge im Monat kommen.

    Niedrige vierstellige Beträge sind natürlich im Extremfall genau 1.000 Euro, aber sind wir mal so euphorisch wie die Adical-Betreiber und setzen 2.500 Euro an (damit sind wir immer noch im ersten Viertel der mathematisch möglichen vierstelligen Beträge, ich betrachte das auch noch als niedrig).

    … wir sprechen über läppische 2.000 Impressions. Wie geil ist das denn? Diese Zahl erreicht F!XMBR z. B. locker im ersten Drittel des Monats (bereinigte Zahlen).

    Wenn F!XMBR diese Zahl bereits im ersten Drittel eines durchschnittlichen Monats erreicht sind das am Monatsende also rund 6.000 Impressions.

    Das müsste meiner Logik zufolge also auch dreimal so viele Werbeeinnahmen bedeuten, also

    2.500 Euro x 3 = 7.500 Euro

    Davon gingen 65% an die Blogger, also 4.875 Euro.

    Wenn das stimmt fresse ich nicht nur einen Besen, dann sollten Chris und Oli doch schnellstens bei Adical mitmachen.

    Denn obwohl ich Werbung wie die Pest hasse, fast 5.000 Euro im Monat würde ich mir auch nicht entgehen lassen.

    So, jetzt setze ich meine rosarote Brille wieder ab und nehme die Realität ungefiltert in all ihrer grausamen Schönheit wahr. 😀

  4. Dr.Thodt sagt:

    Wenn z. B. eines der größten Blogs für die Playstation Portable wirbt, klemme ich mir da nicht eine Menge potentieller anderer Kunden ab?

    Nicht zwangsläufig. Sei denn es gibt Exklusivverträge. Vielleicht rechnet man auch damit, dass sich konkurierende Unternehmen gegenseitig bei den Werbeausgaben (für Blogs) überbieten.

    wir sprechen über läppische 2.000 Impressions

    Ja, aber pro Tag und nicht im ersten Monatsdrittel. Im Monatsdrittel wären das ca. 20.000.
    Das man die Pageimpressions als Berechnungsgrundlage heranzieht (vs. IPs) scheint mir logisch. Immerhin sagt eine IP nichts über die Nutzung der Seite aus, ausser, dass überhaupt eine Nutzung stattgefunden hat.

    (…) da nutzt es auch nicht, wenn irgendwelche Businesskasper meinen, Klappern gehört zum Handwerk.

    Ich glaube «klappern» ist das einzige Handwerk, was die Werbefuzzis (aka Businesskasper) beherrschen.

    Auch die Verteilung der Gelder ist sehr interessant. (…) Man mag mir marktüblich entgegenhalten, als ich das vorhin das erste Mal gelesen habe, habe ich an Abzocke gedacht.

    Ich habe an diese Kleinanzeigen in der Zeitung gedacht «Monatlich bis zu 1000 Euro von zu Hause aus mit minimalem Aufwand».
    Ich halte die Zahlen nicht für Marktüblich, aber ich hab ja keine Ahnung davon. Die ganze Branche ist ohnehin nur Schein, wieso sollte das dann bei den Zahlen hier anders sein?
    Das mit dem Notfalltopf für Abmahnungen ist ne nette Idee, aber damit handeln die sich mehr Probleme ein als man denkt. Mal ganz davon abgesehen, dass dieser Topf viel zu klein bemessen sein dürfte, betrachtet man die «marktüblichen» Streitwerte (nur EIN Beispiel) im Wettbewerbsrecht.

  5. Chris sagt:

    wir sprechen über läppische 2.000 Impressions

    Ja, aber pro Tag und nicht im ersten Monatsdrittel. Im Monatsdrittel wären das ca. 20.000.

    Autsch, danke für dne Hinweis. Natürlich meinte ich den ersten Drittel des Tages. Je nach Artikelfrequenz kommen wir bereinigt auf 5000 bis 8000 Impressions pro Tag, nicht pro Monat… 😀

    Pro Monat, dann hätte ich schon lange aufgegeben… 😉

    Ich korrigiere das gleich mal oben. Grainger indes hat es richtig gerechnet… 😀

    Bei der Abmahngeschichte sehe ich auch schwarz, siehe Diskussion von gestern, da habe ich Johnny schon ein paar Argumente und Zahlen um die Ohren gehauen… *g*

    So, nu werd ich aber mal flink den Fehler korrigieren… 😉

  6. Oliver sagt:

    >Pro Monat, dann hätte ich schon lange aufgegeben? 😉

    Flasche, Weichei 😛

  7. Dr.Thodt sagt:

    Gerade diese Abmahngeschichte zielt für mich doch auf die emotionale Schiene ab. Frei nach dem Motto «Was gegen Abmahnungen gut ist, ist auch sonst gut.«
    Wie weit man sich darüber Gedanken gemacht hat weiss ich nicht, denke aber hier denkt man nur von der Wand bis zur Tapete.

    Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht wieso überhaupt mit solchen (in meinen Augen) utopischen Beträgen (vierstellige Summe) rumgeworfen wird. Wer glaubt denn noch ernsthaft, dass man mit Werbung reich wird? Hat es sich noch nicht rumgesprochen, dass man froh sein kann, wenn man mit Werbung seine eigenen Kosten decken kann? Man braucht doch nur mal drüber nachzudenken wieviel traffic 2000 PIs am Tag generiert. Der will auch bezahlt werden (im Regelfall).
    Wofür die 300 Euro (im Fallbeispiel des Artikels) für Adical sind ist mir auch schleierhaft.

  8. Oliver sagt:

    >Wofür die 300 Euro (im Fallbeispiel des Artikels) für Adical sind ist mir auch schleierhaft.

    … damit Träume nicht Schäume bleiben.

    >Wer glaubt denn noch ernsthaft, dass man mit Werbung reich wird?

    Na eben jene, die diese bündeln und feil bieten 😀

  9. Chris sagt:

    Werbekasper halt…

  10. […] Alice im Wunderland ?oder adical in der Blogosphäre […]

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