adical und die Musikindustrie — Minus mal Minus ergibt Plus. Naja, oder auch nicht

adical

Kennt wer noch dieses totes Gebilde, welches auch in Deutschland viele Blogger abgemahnt hat? Ich spreche von dem Gebilde, welches alles daran setzt, Schulhöfe zu den zentralen Dealer-Plätzen unserer Gesellschaft zu machen, welches ihre besten Kunden kriminalisiert, verfolgt und drangsaliert. Es ist das Gebilde, welches eng mit einem schweizerischem und einem hamburgischen Unternehmen zusammenarbeitet und sich so einen gewissen Ruf doch sehr mühsam erarbeitet hat. Für dieses Gebilde ist jegliches Filesharing kriminell und vom Gesetzgeber zu unterbinden. Dieses Gebilde lässt andere Unternehmen in bester Stasi-Manier für sich arbeiten und geht sogar soweit, Musik, welche unter Creative Commons-Lizenz steht, bei Rapidshare löschen zu lassen. Das hamburgische Unternehmen, welche im Auftrag unseres Gebildes arbeitet, ist bei Hausdurchsuchungen zu gegen und stellt schon mal rechtswidrig Server ins Internet und bietet urheberrechtlich geschützte Musik zum Download an, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die unserem Gebilde und den Partnern auf den Leim gegangen sind, gesetzlich verfolgt werden können.

Wenn dieses Gebilde noch den einen oder anderen aktuellen Prozess führt, stehen interessante Grundsatzentscheidungen zur Mitstörerhaftung ins Haus, welche ebenso direkte Auswirkungen auf Blogs haben werden. Dieses nette Gebilde arbeitet in anderen Ländern mit Hochdruck an dem Plan, Downloader die Internetverbindung zu kappen und Internetverbote auszusprechen — wahrlich verfassungsrechtlich unbedenkliche Forderungen. Ich spreche hier von dem Gebilde, welches Euer und mein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und Euer und mein Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme völlig untergräbt und bei jeder Gelegenheit versucht, die Gesetzgeber zu beeinflussen, dass niemand etwas zu verbergen hat, dass zum Beispiel jeder Provider unsere Daten auf Zuruf herausgeben soll. Ihr habt es vielleicht schon erraten — es handelt sich um das Gebilde, welches für das Desaster DRM verantwortlich ist. Ehrliche Kunden konnten mit ehrlich bezahlter Ware nichts anfangen, weil die Ware aufgrund des Wirkens und der Paranoia  des Gebildes technische Rohrkrepierer waren.

Habt Ihr noch Zahlen bezüglich unseres Gebildes im Kopf? Filesharer bekamen schon mal Rechnungen präsentiert, 10.000 Euro pro Song, 3.000 Euro Anwaltsrechnung. Ist Euch klar, dass niemand in Deutschland aufgrund dieses Gebildes und deren Wirken ein offenes WLAN betreiben sollte? Wegen dieses Gebildes sind wir in den letzten Jahren kulturell ins Mittelalter katapultiert worden. Ich spreche hier über das Gebilde, welches nach unseren Daten der Vorratsdatenspeicherung lechzt — eine Vorratsdatenspeicherung, die offensichtlich verfassungswidrig ist. Kann man vielleicht zusammenfassend sagen, dass dieses Gebilde fernab der Menschen, neben den Verfassungen der Länder dieses Planeten steht, weil es in den letzten Jahren die Entwicklung völlig verschlafen hat und nun den eigenen totalen Verlust per gesetzlicher Regelung kompensieren will und so Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Menschen per Diskret zu Kriminellen machen will? Ich denke, ja — so kann man es sagen, auch wenn es eine rhetorische Frage war. Und ja, Ihr habt es vielleicht schon erraten, wir sprechen über unsere geliebte Musikindustrie.

Legen wir die Musikindustrie aber ein wenig zur Seite — obwohl wir sicherlich noch seitenlang über dieses Thema diskutieren könnten. Unterhalten uns nun über ein anderes Gebilde. Erinnert Ihr Euch noch an das Gebilde, welches unabhängig die Blogger in Deutschland vertreten wollte? Ein Gebilde, welches alles anders machen wollte? Man hatte an sich selbst, das eigene Wirken große Ansprüche und wurde anfangs nicht müde, dies raus in die Welt zu schreien. Ich rede jetzt über das Gebilde, welches am Anfang mit Unternehmen wie Cisco und Yahoo zusammengearbeitet hat, so den Menschenrechtsverletzungen und der Verfolgung chinesischer Dissidenten den Segen erteilt hat. Es ist das Gebilde, welches in den Folgemonaten exakt wie andere Unternehmen, die auf deutschen Blogs kritisiert wurden, gehandelt hat. Schweigen im positivsten Fall — auch andere Begleiterscheinungen waren zu vernehmen. Dass bei diesem Gebilde das neoliberale Kampfblatt SPIEGEL werben durfte, ist dabei nur eine Randnotiz — da wuchs zusammen, was zusammen gehört. Und ja, es ist das Gebilde, welches zum zweiten Mal die ach so unabhängige Bloggerkonferenz re:publica ausgenutzt hat, um an die Öffentlichkeit zu treten — obwohl ist ja alles ein und derselbe Brei. Ihr werdet es schon erahnt haben, ich rede hier von adical.

Nun sollte man meinen, dass gerade das Gebilde adical nach dem letzten Jahr es tunlichst vermeiden sollte, mit so einem Gebilde wie der Musikindustrie ins Bett zu steigen. Blogger werden reihenweise abgemahnt, Kinder kriminalisiert, unser Grundgesetz soll ausgehöhlt und ad absurdum geführt werden — für all das steht, auch weltweit, die Musikindustrie. Und wenn man sich die Teilnehmer im adical-Netzwerk anschaut, dann wettern gerade unsere ach so kritischen Blogger seit Jahren gegen diese Musikindustrie. Obwohl, vielleicht hat es ja auch pragmatische Gründe. Wenn Nerdcore das nächste Mal abgemahnt wird, hat er gleich direkten Draht zur Musikindustrie, so kann einiges unter den Tisch gekehrt werden. Erlebt netzpolitik.org ihr zweites Desaster, nachdem man in unzähligen Artikeln gegen die chinesische Regierung, pro den chinesischen Dissidenten die Feder geführt hatte, dann aber für Yahoo geworben hat? Wiederholt sich nun Geschichte mit der Musikindustrie? Dass Johnny von Spreeblick ein Kind der Musikindustrie ist, wissen wir nicht erst seit gestern — von daher passt es schon ganz gut. Alte Kontakte sterben halt nie aus. Vielleicht werde ich ja positiv überrascht und gerade die Angesprochenen werben nicht für die Musikindustrie. Wir werden es erfahren.

Und wenn Ihr nun denkt — adical und die Musikindustrie, der will uns auf den Arm nehmen. Es kommt nicht von mir. adical: Die tun ja doch was — Sie sprechen nur nicht darüber, so der Artikel nebenan beim Massenpublikum (via). Sachar kritisiert die Kommunikation von adical — ich erwarte da gar nichts mehr anderes. Die ziehen ihr Ding durch — und auf der einen Seite muss man das akzeptieren, egal ob nun für Yahoo oder die Musikindustrie geworben wird. Auf der anderen Seite muss man sich von diesen Machenschaften distanzieren, solange sie angeben, für die Blogger zu sprechen. Reden Sie mit Bloggern. Reden Sie mit uns. Solange dieser Alleinvertretungsanspruch, ich würde es fast schon größenwahnsinnig nennen, gestellt wird, muss dagegen angegangen wird. Für Menschen, die ihr Leben ausschließlich auf Blogs, im Web 2.0 und diesem Dunstkreis leben, mag es eine tolle Welt sein — wenn man jedoch fernab dieser Gebilde mit negativen Folgen zu rechnen hat, wenn man sagt, ich blogge, muss weiter dagegen vorgegangen werden. Sie reden nicht für Blogger, sie reden für sich selbst, sie verkaufen sich selbst — der Großteil der deutschen Blogger hat nichts damit zu tun. Und bevor es wieder heißt, dass auf adical nur eingeprügelt wird: Stimmt.

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22 Antworten zu “adical und die Musikindustrie — Minus mal Minus ergibt Plus. Naja, oder auch nicht”

  1. Sachar sagt:

    Du weißt ja, dass ich einer der größten adical-Kritiker überhaupt bin, aber das geht mir hier zu weit.

    So sehr, wie Du erwartest, dass adical sich nicht als die Anwälte aller Blogger gerieren, so sehr musst Du ihnen zugestehen, die Blogger zu vermarkten, die sich von adical vermarkten lassen wollen.

    Und dass die Musikindustrie durch und durch schlecht ist, möchte ich bestreiten. Vieles von dem, was Du schreibst, stimmt. Aber da muss man nun mal Ursache und Wirkung sehen. Urheberrechtsverletzungen führen zu einer Strafverfolgung. Dass die Musikindustrie da übers Ziel hinausschießt, kann man vielleicht sogar zumindest eine Minute lang nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass ihr Schäden in Höhe von Milliarden entstanden sind und weiterhin entstehen.

    Sollen die deswegen in Zukunft nicht mehr werben dürfen? Sollen die deswegen auch nicht in Blogs werben dürfen? Ich sehe das — wie gesagt — ein wenig anders als Du.

  2. Chris sagt:

    Die sollen ihr Ding machen, kein Thema. Dennoch habe ich etwas gegen diesen Alleinvertretungsanspruch und, nenne mich naiv, bin ich der Meinung, dass Blogger moralisch, bei allen Fehlern, die wir haben, anders als die herkömmlichen Medien sind und auftreten sollten.

    Es kann IMHO nicht sein, dass für die Musikindustrie, die sich seit Jahren fernab von Gut und Böse lebt, geworben wird. Die Punkte, die ich oben anführe, sind im Übrigen alle stimmig — per Suche in dem Blog netzpolitik.org nach «Musikindustrie» schnell zusammengetragen. 😉

  3. Sachar sagt:

    Vielleicht ist es ja ein Fehler, von DER Musikindustrie zu sprechen. Letztendlich begehst Du, wenn Du da generalisierst den gleichen Fehler, den Du adical ankreidest: Du suchst Dir Einige heraus, die in Deinen Augen unmoralisch vorgehen und stellst sie als Vertreter des Ganzen dar. Aber eben das möchtest Du im Fall von adical auf alle Blogger bezogen nicht sehen, was auch richtig ist.

    Wie gesagt: Ich widerspreche Dir nicht in allen Punkten, aber ein wenig geht mir das schon zu weit, dass ganze Branchen verteufelt werden.

  4. Chris sagt:

    Die Kritik nehme ich an, verweise aber abschließend darauf, dass die 5 großen Majors auf jeder Abmahnung stehen und hinter jeglicher Lobby-Organisation stehen.

    Wenn ich von Musikindistrie spreche, meine ich nicht kleine Indy-Labels wie Falk:

    http://falkmerten.info/
    http://www.af-music.de/

    Im Gegenteil, die unterstütze ich, wo ich kann:

    http://www.fixmbr.de/?s=a.….=+Suche+

  5. Oliver sagt:

    Ich gehe sogar soweit und rede wie auch fefe von der Content-Mafia, mehr ist da nicht drin. Und natuerlich differenziere ich auch. Wie? Nun indem ich auf falk und seine lobesnwerte Arbeit verweise. Er arbeitet direkt mit der Quelle, den Musikern. Eben jene die in diesem perfiden Spiel diejenigen sind mit der Arschkarte, wer interessiert sich denn fuer die Content-Mafia? Jene die wie fruehere Seelenverkaeufer Kuenstler einsammeln und diese «ausschlachten». Wenn einen schon die Pauschalisierung stoert, dann sollte man auch tacheles reden.

  6. Falk sagt:

    Oops, wenn ich schon genannt werde, dann will ich mich auch grad mal einmischen. Ich hab mir grad das Uploadformular von Adical angeschaut und das wiederum sieht für mich weniger nach Anbieterung an die Contentmafia aus. Ganz im Gegenteil, wenns vernünftig kommuniziert würde, wäre das bei den Preisen sogar für einzelne Bands oder kleine Indepentendlabels eine Überlegung, die ja mittlerweile oft genug auch mit Musikblogs in Kontakt stehen, um ihre Musik zu verbreiten. Deshalb kann ich grad die oben geäußerte Kritik auch nicht nachvollziehen.

  7. Chris sagt:

    So könnte man es natürlich auch sehen — warten wir es ab. Ich traue adical nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, mittlerweile *alles* zu…

  8. Sachar sagt:

    Chris: Das ist ein Vetrauensvorschuss, dem adical nun erstmal gerecht werden muss. 😉

  9. Chris sagt:

    Sie haben es mehrfach bewiesen. Steht im Kontakter noch näheres zu «der» Musikindustrie?

  10. Sachar sagt:

    Ich habe die Ausgabe im Büro liegen lassen, kann Dir aber gerne morgen ein Scan von dem Artikel per Mail zukommen lassen. Bei Interesse einfach eine Mail an mich schicken, damit ich es nicht vergesse. :-)

  11. Chris sagt:

    Mail ist raus. :)

  12. Chris sagt:

    Btw, wo wir gerade beim Thema sind…

    Musikindustrie soll Zugriff auf Vorratsdaten erhalten

    P.S. Oben einen Nachtrag verfasst…

  13. Robert B. sagt:

    Wieso führen wir nicht gleich das Faustrecht wieder ein, unbürokratischer geht es ja nun wirklich nicht. Ich hätte ja nicht gedacht, dass Filesharing eine Form von Terrorismus ist, die eine konkrete Gefahr für das Leben oder den Fortbestand unserer Gesellschaft darstellt, aber wenn sie das meinen, unsere klügsten Männer der Welt … OK, ich drifte ab, aber diese Arroganz dem Volk und der Judikative gegenüber – ein Gesetz beschließen, welches auf einem anderen Gesetz basiert, dass gerade beim BVG liegt.

    Zurück zum Thema: Wer oder was ist eigentlich adical? Ich kenne die nicht, aber wer (indirekt) ein Regime unterstützt, das sich um Menschenrechte einen feuchten Kehricht schert, vertritt mich nicht. BTW: Lasst mich raten, dass neben deren Werbung dieser rote „Free Burma“ Button klebte 😉

    Und zur „Musikindustrie“ sage ich, dass man das verallgemeinern kann, vielleicht hilft die Hervorhebung in diesem Satz, warum.

  14. Oliver sagt:

    @falk, ich meine damit allgemein eben die anderer Seite der Musikindustrie — Adical & Co selbst ist mir ungefähr so wichtig wie ein sechster Finger.

  15. Falk sagt:

    Das erscheint mir klar. Allerdings macht die öffentliche Meinung da nicht so große Unterschiede, wie diejenigen, die ihre grauen Zellen nicht nur zum Vakuumfüllen haben. Genau deshalb ist ‘Contentmafia’ als Abgrenzung gar nicht mal so verkehrt. Im Übrigen sehen die unabhängigen Tonträgerhersteller (und damit sind wir ja bei Industrie @ Robert) die neue Entwicklung beim Urheberrecht auch mit ziemlichen Bauchschmerzen. Es wird von der Politik billigend in Kauf genommen, für den Profit von 20% aller tätigen Unternehmen in dem Bereich den anderen 80% das Leben wieder schwerer zu machen. Ich kann nur leider niemals soviel essen, wie ich kotzen müsste, wenn ich mir dieses Dreckslobbyismus so anschaue. Und btw. wenn eine Werbefirma solch eine Idee (Musik in den Blogs verbreiten) wirklich mal öffentlichkeitswirksam umsetzt und für die angebotenen Preise Musikblogs und –fans erreichen könnte, dann ist das imho wirklich keine üble Idee. Nur die Umsetzung erscheint eben wieder etwas mehr als seltsam…denn die Bannereinblendungen und Songdownloads sollten dann wohl eher in thematisch passenden Blogs erfolgen, die mit Sicherheit gern Werbung für unabhängige Künstler laufen. Hier wird wieder viel an Potential vertan, durch ein elitär wirkendes Auftreten.

  16. tom sagt:

    Nach zwanzig Jahren der immergleichen «Argumente» der Musikindustrie kann man allmählich endgültig jeder Diskussion müde werden. Wer diesen Mist glaubt, gehört ins Irrenhaus, wer ihn verzapft, der gehört ausnahmslos verprügelt. Basta.
    Nein, bei diesen Typen da helfen keine Argumente. Da hilft auch kein gutes Zureden, keine Protestsongs, kein halbes Jahrhundert ununterbrochenes Bemühen der talentiertesten Künstler, keine Milliarden frischer Dollars. Kein John Lennon und auch kein Frank Zappa konnte das geringste Unrechtsbewusstsein einer Industrie, die lustig ihre Kunden bedroht, Künstler bescheisst, schamlos ihre Charts fälscht, die offensichtliche Lügen als die freundlichste Form der Kommunikation und Drohung, Verleumdung und Rufmord als ihren Umgangston pflegt, Radios erpresst und als einziges «Produkt» die Monopolisierung und Legalsisierung ihres Raubzugs durch die Kultur vorantreibt.
    Nein, die MI ist, im Gegenteil, ständig schlimmer geworden, als man es einen Atemzug vorher noch für möglich gehalten hätte. Man kann wohl ohne weiteres behaupten, die Menschheit, insbesondere deren künstlerisch veranlagter Teil hat alles mit diesen Typen versucht — es hat nichts geholfen.
    Nicht einmal Musik konnte sie besänftigen. Da bleiben wohl wirklich nur noch Prügel…

  17. Falk sagt:

    Tom, ich wiederhol mich ungern, aber in der Wahrnehmung gehören die Klein– und Kleinstlabels auch zu DER Industrie. Und das wird dadurch nicht besser, wenn du das alles scheiße findest, was du gern darfst. Aber ein wenig Differenzieren schadet wirklich nicht in dem Fall. Die Welt ist nunmal nicht nur schwarz und weiß…Das der Grabenkampf für mich persönlich auch woanders stattfindet, als ich mich aufhalte, ändert nichts daran, daß ich das Wort «Label» in den Mund nehmen muss, um meine Arbeit zu beschreiben. Und schwupps erfasst deine Krtik für die Denkfaulen auch wieder mein Tun…

  18. Oliver sagt:

    Die Wahrnehmung der Leute ist auch meist gleichbedeutend mit einem Griff ins Klo. Ich denke man kann hier recht einfach trennen ähnlich der normalen Wirtschaft, mittelständische Betriebe und Industrie. Und die Industrie das sind die Großen, fernab irgendeines Bezugs zum Künstler oder des Konsumenten.

  19. Falk sagt:

    Würd ich dann in dem Bereich auch nicht unterschreiben, dafür kenn ich leider zuviele Beispiele von Mittelständlern, die unter eigener Flagge aber im Fahrwasser eines der großen Labels segeln. Und die durchaus noch eine recht enge Bindung an ihre Künstler haben, da sie auf deren Erfolg ja mit angewiesen sind und sich dessen eben auch bewußt. Sicher, hätten diese Unternehmen die Wahl, sich ihre Muttergesellschaft auszusuchen, aber da geht dann schon wieder die Interessenabwägung los, was nützt dem Künstler mehr. Und um Musik zu verbreiten und zu verkaufen reicht eben das Internet und alles in Eigenregie auch noch nicht wirklich aus, egal wie schön man sich das zu reden versucht. Es ist immer nur ein Teil des Ganzen und kann für ein Einkommen sorgen. Das ich das bisherige System der Verwertung auch ablehne, ist klar. Auch ich rate eher zu unkonventionellen Strategien und klassischen Labeldeals ab. Aus gutem Grund, da diese eben immer noch so gestaltet sind, das die Hauptprofiteure nicht die Künstler sind. Das ist unbestritten. Die Aufteilung in Industrie und Mittelstand schlägt hier meines Erachtens allerdings ein Stück weit fehl.

  20. Oliver sagt:

    >Würd ich dann in dem Bereich auch nicht unterschreiben

    Aka Ausnahmen bestätigen die Regel?

    >Die Aufteilung in Industrie und Mittelstand schlägt hier meines Erachtens allerdings ein Stück weit fehl.

    Mag sein, aber in der Regel(!) ist es so das große Strukturen zur Unübersichtlichkeit neigen, sprich die berühmt, berüchtigte «Wasserkopfverwaltung». Und so ein großer Apparat, aka «Industrie», ist seltenst flexibel genug um auf die Anforderungen des Markts in Form von Künstlern und Konsumenten entsprechend zu reagieren.

    Oder definieren wir es einmal anders herum, möchtest du das große Geld, das richtig große Geld, dann müssen dir solche Dinge wie CC, Eigenvertrieb und überschaubare Strukturen oder einigermaßen gerechte Verteilung innerhalb der Künstlerschaft am Anus vorbei gehen. Dafür opfert man dann auch gerne die angesprochene Flexibilität, was auch wiederum völlig schnuppe ist, denn schließlich kann man als Koloss behände über diverse Mißstände hinwegschreiten — natürlich mit gebilligtem einhergehenden Kolateralschaden.

    Das Gegenteil wäre nun überschaubare Strukturen, der Künstler im Mittelpunkt, gerechtere Verteilung, ein Miteinander mit dem Konsumenten etc. pp. Ich kann natürlich selbstreden überall noble Ausnahmen ausmachen, aber das ändert nichts an der validen Pauschalität, denn eben diese macht die vorherrschende Problematik aus.

    Das der Kunde höchstselbst natürlich so manches mal mehr oder weniger auch arg daneben liegt ist unbestritten. Aber das sollte wohl klar sein, daß solch eine Problematik immer zwei Seiten besitzt.

  21. Chris sagt:

    So, ich hab nun den «Artikel» im Kontakter gelesen — mein Nachtrag oben könnte ich eigentlich wieder entfernen. Musikindustrie, eigenes Banner-Format und die ganzen Lemminge, die nicht zum Netzwerk gehören, sollen auch teilnehmen können.

    Johnny hat auch reagiert — der beherrscht das PR-Sprech mittlerweile besser als der Herr Lobo oder die PR-Abteilung von Jamba.

    Mal schauen, was folgt — der Nachtrag da oben ist jetzt eigentlich Blödsinn. Kann eigentlich entfernt werden. Aber da ich ja ein fairer Mensch bin, lasse ich ihn bis zu den ersten Bannereinblendungen drin. :)

    Und über die lächerlichen Preise sag ich mal nichts — es wird so verkauft werden, dass man relativ unbekannten Bands helfen will. Wenn ich aber an die Aussagen des Herrn Lobo zum adical-Start denke, komme ich um ein Lächeln nicht drumrum.

    Wie wäre es mal mit einer Image-Kampagne? So nach dem Motto «Du bist adical». Wäre so langsam mal dringend notwendig… 😉

  22. Chris sagt:

    Rene im Übrigen hat heute bestätigt, dass *die» Musikindustrie mit an Board ist — somit passen obigen Zeilen wieder perfekt auf adical und die angeschlossenen Funkhäuser Lemminge. Da nützen dann auch Ein-Satz-Pamphlete nichts… 😀

    Möge die Werbung mit Euch sein — und natürlich auch bei den Video– und Bilderblogs von adical die täglichen Urheberrechtsverletzungen… *g*

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