adical und die Hilflosigkeit

dollar

Was ich von adical halte, ist mittlerweile nicht wirklich ein Geheimnis mehr. Cisco, China, Flashbanner, die Liste der unglaublichen Verfehlungen zum Start des gruscheligen Werbenetzwerkes einiger InzestBlogger ist lang. Vorgestern hat sich dann einer der Gründer, Bloghahn Sascha1 zu Wort gemeldet — auf meine Replik keine Antwort, darum nun von mir eine weitere Antwort hier: Bei so viel Blödsinn bin ich fast hintenrum gekippt. Wie man nur so viel Schwachsinn in einen Text packen? Muss daran liegen, dass er von Beruf Werber ist — und ich wohl nicht zur ominösen Zielgruppe gehöre. Nein, halt, da war was — stimmt, Blogger, Blogleser sollen ja genau die Zielgruppe sein — omg…

Folgende Stilblüte ist bei adical zu lesen:

Dass eine Professionalisierung der deutschen Blogosphäre ins Haus steht, kann niemand ernsthaft bezweifeln.

Natürlich kann man das bezweifeln. Und ich dachte ja schon, der Don wird alt und sanftmütig, durfte dann aber heute sehen, dass dem nicht so ist. 😉 Wie Maiko schon richtig in den Kommentare feststellte, verwechselt da jemand Professionalisierung mit Kommerzialisierung. Oder will jemand ernsthaft behaupten, dass die Hälfte der Spaßblogger da, die keinen eigenen Inhalt zustande bringen, professionell sind? Will jemand ernsthaft behaupten, eines der Topblogs, welches einfach Tag für Tag Google anschmeißt und Flashgames verlinkt, sei professionell? Ich hätte da noch mehr Beispiele, lassen wir das, sonst gibt es wieder Tränen. 😉 Dort gibt es — und das ist meine ganz persönliche subjektive Meinung — nur sehr selten professionelle Inhalte, die vielleicht nicht nur mich als Leser ansprechen, sondern auch dafür geeignet sind, ausserhalb der Blogosphäre für Interesse zu sorgen.

Die Frage ist, wie kann man so einen Blödsinn veröffentlichen, wie es Sascha getan hat? Die Antwort kann eigentlich nur lauten: Sie haben bei der Auswahl des ersten Unternehmens ganz einfach geschlafen, und müssen es jetzt auf Teufel komm raus verteidigen — sie überrennt die nicht aus dieser Ecke erwartete Kritik — ein Anzeichen dafür ist z. B. das beharrliche Schweigen von netzpolitik.org — auch wenn Markus zur Zeit im Gruschel-Stress ist. 😉 Dass Callboy-Freunde mit Cisco kein Problem haben, verwundert nicht wirklich, bei dem einen oder anderen Blog jedoch hätte ich es aber nicht gedacht — die Quintessenz: mitgefangen, mitgehangen. Schwenkt jetzt jemand aus, bricht das ganze sensible Konstrukt zusammen.

Dazu passt, dass Johnny dort vorhin in die Kommentare stiefeln musste — und der hat wahrlich anderes zutun — um Sascha ein wenig aus dem Sperrfeuer zu holen — guter Bulle, böser Bulle . Aber auch für Johnny heißt es in diesem Fall, er kann nicht anders, er muss mitziehen, er hat keine andere Möglichkeit mehr. Der Point of no Return ist weit überschritten.

adical war von Anfang ein ganz sensibles Konstrukt. Die inzestiöse Auswahl der Blogs war vielleicht aus Sicht der Macher verständlich, jedoch hat man größtenteils die falschen Blogger eingekauft. Man hat beim ersten Kunden schlicht und einfach gepennt — so denke ich zumindest. Ich will und kann nicht glauben, dass man sich von The Great Firewall of China bewusst hat kaufen lassen. Und genau das ist eines ganz sicherlich nicht: professionell. Es ist kommerziell, man hat — nicht nur hier — den Dollar-Zeichen in den Augen dem Vorrang vor der Vernunft und dem Recherchieren gegeben. Dass manchen Teilnehmer des Werbenetzwerkes das Wort Moral nicht bekannt ist, das konnte man schon oft beobachten — bei Johnny indes muss man mal wieder von geschäftlicher Naivität ausgehen, was um so tragischer ist — als Künstler schätze ich ihn ungemein. Pack die Gitarre Johnny, schmeiß den Werbedreck beiseite und auch Du wirst Dich wieder besser fühlen. 😉

  1. Sorry, passt nur zu gut… 😉 []

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17 Antworten zu “adical und die Hilflosigkeit”

  1. Don Alphonso sagt:

    Wäre schon hilfreich, wenn man am Lobo festnagelt, was des Lobos ist. Ich würde Johnny und Lobo nun wirklich nicht in einen Topf jenseits der GbR Adical werfen.

  2. Julius H. sagt:

    Hm… aha, Cisco. Dank Adblock und sowieso manueller Auswahl, was man so liest, hatte ich den (wirklichen) adical-Start komplett verpennt. («Dort, wo niemand hinsieht, könnte ihre Werbung stehen»)

  3. Chris sagt:

    Ich hoffe, das kommt klar rüber, dass ich da trenne. Zur re:publica habe ich mal geschrieben, dass ich ein Problem mit Johnny habe. Ich wusste nie wirklich was es war, konnte es nie begründen — es war halt ein Gefühl. Bis ich bei Robert genau das gelesen habe, was nicht schlimm ist, aber manche Verrenkung von Johnny erklärt, sympathisch erklärt, mich dennoch aber stört. Sascha ist mir bisher kein Begriff gewesen, erstmals habe ich ihn wahrgenommen, als er bei seinem Illner-Besuch durch die Blogs gereicht wurde — ja mei, wer sich bei Illner hinsetzt, hat bei mir schon nen schweren Stand, zugegeben… 😀

  4. Grainger sagt:

    Ich könnte mich immer schier wegschmeißen wenn Werbetreibende sich selbst großspurig als Kreative bezeichnen. 😀

    *gröhl*

    Irgendwann hatte ich ja mal BWL studiert und mich dort auf die Fachrichtung (ich mag das kaum so bezeichnen) Marketing spezialisiert.

    Auch wenn es mich später beruflich in eine ganz andere Richtung verschlagen hat (Pesonalwesen mit einem Standbein im Controlling) kann ich doch aus meinem Studium und den Praktikas behaupten das die sich selbst verliehene Kreativität zu mindestens 90% nichts anderes als Eigenwerbung ist.

    Man muss sich doch nur mal die alltägliche Werbung so ansehen, wieviel davon würde ein durchschnittlich intelligenter, gebildeter und begabter Mensch als kreativ bezeichnen?

    Nach meiner persönlichen Einschätzung maximal 10% (großzügig geschätzt, denn selbst kreative und origenelle Werbung leidet darunter wenn sie ein paar hundert Mal gesendet/gedruckt wird; ich kann z.B. über einen Witz nicht unbegrenzt oft lachen).

    Ich muss allerdings zugeben dass das Internet gegenüber dem TV/Printmedien einen unbestreitbaren Vorteil bietet:

    es gibt halbwegs funktionierende Werbeblocker. 😉

  5. Lotree sagt:

    «Pack die Gitarre Johnny«
    Na, da hat einer in seiner Jugend mal Musik im Städele gemacht, hat das aber schon vor seinem 30. Geburtstag wieder aufgegeben und versucht nun nach seiner Insolvenz und den eher mißlungenen Spreeblick Verlag Aktivitäten (Trackback hat er auch nur rund ein dutzend Sendungen durchgehalten…) mit Werbekram die Kohle für seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Da das allein mit dem Spreeblick Verlag nicht reussiert hat, war das doch der schon vorgezeichnete Weg, so ein Werbenetztwerk zu starten. Johnny Häusler hat doch nie nur aus Jux und Dollerei gebloggt oder weil er so gern schreibt…

  6. […] adical und die Hilflosigkeit auf F!XMBR Was ich von adical halte, ist mittlerweile nicht wirklich ein Geheimnis mehr. Cisco, China, Flashbanner, die Liste der unglaublichen Verfehlungen zum Start des gruscheligen Werbenetzwerkes einiger InzestBlogger ist lang. (tags: adical werbung blogwelt) […]

  7. […] von BILDblog dürfen sich nun auch andere A-Blogger, wie u.a. der Spreeblick-Verlag in der Kritik sehen — auch wenn sie eine durchaus sinnvolle Veranstaltung wie die re:publica ins Leben gerufen […]

  8. […] Nachtrag: Unbedingt lesenswert hierzu auch der Beitrag auf fixmbr. […]

  9. @Lotree:

    Ich würde Johnny und SL niemals über einen Kamm scheren. Du scheinbar schon.

    Woher hast Du denn die Informationen, aus denen sich Deine Schlußfolgerung ergibt?

    Sind die Vergangenheit von Johnny und seine Werdegang Allgemeingut?

    Sich fragend,
    ocj

  10. Oliver sagt:

    >Sind die Vergangenheit von Johnny und seine Werdegang Allgemeingut?

    Mal antwortend, teils wird ja kein Geheimnis drausgemacht. Schlägt ja nicht jeder erst fünf Tage zuvor im Netz auf. Da muß man natürlich seine Hausaufgaben machen, um mitreden und mitdenken zu können.

    Drüber nachdenkend,

    Oliver

  11. @Oliver:

    Ich verstehe Deine Antwort nicht. Gilt das mir?

    ocj

  12. Oliver sagt:

    Natürlich sonst würde ich dich nicht zitieren und die Sprache ist absichtlich so gewählt, da anhand des Blogs und allgemein viel über die Jahre bekannt wurde.

  13. […] Hier schrieb ich von Hilflosigkeit — gestern konnte man eine andere Hilflosigkeit beobachten. Die adical-Crew war gegenüber eines Trolles mit der Situation überfordert1 und sperrte daraufhin das hauseigene Blog zu, die Kommentare wurden auf Moderation gestellt. Schon auf dem StudiVZ-Blog war das der Anfang vom Ende. Ein Web 2.0-Startup, welches einfach die Kommunikation mit Kunden, Freunden, Kritikern abstellt, hat ein Problem — ein Riesenproblem. Dass nunmehr seit 1.440 Minuten nichts passiert ist, ist fast schon dramatisch zu nennen. Und nein, die Ausrede, Zeit, Wochenende, Familie lasse ich nicht gelten. Wer Zeit findet, Artikel zu schreiben, auf anderen Blogs zu kommentieren, wird ja wohl für das großartige, neue, eigene Projekt Zeit haben. […]

  14. till sagt:

    Wenn Du CISCO nicht magst, dann schmeisst Du lieber auch gleich delicious aus Deinem SOBOMA-Menü.

    Und hoffentlich hast Du auch kein Flickr — die gehören ebenfalls zu Yahoo! und leisten sich somit fragwürdige Dinge in China und wer weiss sonst wo.

    Und um hier weg vom Internet zu gehen, ich hoffe Du verzichtest auch auf Nike, Cola und die anderen /guten/ Marken!

  15. Chris sagt:

    Omg…

    Genau, ich mache mit den Genannten auch Geld, genau…

    Ridiculous…

  16. Oliver sagt:

    Hey das nenn ich mal gekonnt, also diese Kurzschlußrethorik ohne den Denkapparat zu nutzen hatten wir ja schon desöfteren in Deutschland. Entweder man ist dafür oder dagegen, dazwischen gibts nichts. Wie macht man das eigentlich ohne Kritik, ohne jegliche Meinung durch die Welt zu rennen? Denn du kannst ja nichts kritisieren ohne es konsequent zu verneinen. Ich könnt so nicht leben.

    Chris wir sollten vielleicht nen Bilderblog starten :)

  17. Chris sagt:

    Dann könnte uns auch der Niggemeier fundiert kritisieren… *muahahahahahaha* 😀

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