adical startet — schlimmer als befürchtet

Fast hätte ich es gar nicht mitbekommen (Proxomitron sei Dank, mehr dazu unten) — heute ist die Veranstaltung adical, ja genau, die mit den Luftschlössern, gestartet. Der erste Kunde heißt Cisco — genau dieser Kunde sei ihnen gegönnt. Den Lesern der beteiligten Blogs indes wird etwas anderes gegönnt: Flashwerbung, blinkzappeldiwink, genauso nervig, wie Popups oder Overlay-Banner. Wegen der ganzen nervigen Flashwerbung hat das Format den Ruf, den es hat, schlimm, ganz schlimm. Soviel zum Versprechen, keine nervige Werbung einzublenden. Es hätte mich auch gewundert — wenn es um den schnöden Mammon geht, ist jeglicher Idealismus schnell vergessen.

Es muss mir nicht gefallen, wenn Menschen, die ich bisher gelesen habe, sich derart verkaufen — aber auch das sei ihnen gegönnt. Jeder Mensch hat seinen Preis — den der beteiligten Blogs kennt man nun auch: Ein paar Euro Fünfzig. Ach ne, stimmt ja gar nicht, man kann ja bald fast seinen Beruf aufgeben, bei solchen phantastischen Zahlen, ich vergaß. Aber gut, ich schweife vom Thema ab.

Gesteuert wird die ganze Geschichte von einem Adserver von Adition (Proxomitron bitte auf Bypass sonst wird Seite nicht angezeigt *g*). Das heißt: Wahrscheinlich jeder Schritt, jeden Blick, jeden Klick, etc. pp. den Ihr auf den beteiligten Blogs tätigt, jede Sekunde, die Ihr dort verbringt, wird aufgezeichnet, und nicht nur in einem profanen Apache-Logfile, nein, hier wird es professionell ausgewertet. Da kämpfen wir Tag für Tag gegen solche Mißstände, Pläne wie z. B. die Anti-Terror-Datei — hier wird mit Begeisterung der Blogosphäre eine, so nenne ich sie mal, Pro-Werbe-Datei aufgebaut. Wenn ich nur daran denke, dass solche Projekte wie netzpolitik.org da mitmachen, wird mir ganz anders. Kein Wunder, dass vermeintliche Datenschützer in der Politik eher belächelt werden: Kaum ergibt sich die Möglichkeit, macht man genau das, was man anderen vorwirft. Aber hey, was rede ich hier gegen eine Wand, es füllt die Kassen, darum ist es gut, es kommt zum richtigen Zeitpunkt, Bla-Bla, Ihr kennt die Ausreden auf den beteiligten Blogs wenn es um die Begründung geht, warum man die eigene Seele verkauft.

Gegen den Werbe-Flash-Dreck ist aber ein Kraut gewachsen. Es gibt ein paar simple Programme oder auch Add-ons für den Firefox, und man hat mit dem Flashgedöns nichts mehr zu tun — zusätzlich sei dringend angeraten, auf den beteiligten Blogs, wenn überhaupt, Stichwort Feed, nur noch per Tor zu surfen.

Werbeblocker:

Warum Tor?

Je mehr Daten man von Euch hat, bei über 30 Blogs — das sind ne Menge:

Frage an adical: Was wird wie und wo gespeichert und ausgewertet, wer hat Zugriff?

Pflicht–Add-Ons für den Firefox:

Wenn man sich adical anschaut, wer sich da verkauft, was da im Moment geschieht, dann wundert mich im heutigen Internet gar nichts mehr. Das Web verkommt immer mehr. Grausam, einfach nur grausam. Da bleibt nur eines: Frohe Ostern, ab ins RL um diesem Mist zu entfliehen. 😉

Ach ja, und bevor ich es vergesse: Über Cisco, China, Menschenrechte, und das ganze Gedöns wird auch noch zu reden sein — bis dahin sei jedem Adicalianer dieser Artikel von rabenhorst ans Herz gelegt. :)

Das Zitat des Tages bringe ich dann auch gleich hier unter:

Ohne Cisco wäre China nicht in der Lage, das Internet so zu kontrollieren, wie es heute geschieht.

Julian Pain, Leiter des Bereiches Internet der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) in einem Interview mit SPIEGEL Online. Amen.

Nachtrag: adical — Ich bin sprachlos, das kann ich nicht wirklich glauben. Ich geh kotzen, mal eben auf die — Achtung — Human-Network-Kampagne von Cisco hingewiesen und gut. Zhao Jing, Yang Tianshui und alle anderen Namen — prägt sie Euch gut ein.….

Siehe auch:

adical und die Hilflosigkeit

Alice im Wunderland ?oder Adical in der Blogosphäre

Adical, AAL, Datenschutz und andere Luftschlösser

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27 Antworten zu “adical startet — schlimmer als befürchtet”

  1. Jens sagt:

    Schöner Artikel zu Proximotron, der da verlinkt wurde… inkl. dem letzten Absatz:

    Ein Wort zum Schluß: Es gibt Seiten, die gehören zu keinem großen Konzern, die sind — meist nur um die Kosten aufzufangen — auf Werbung angewiesen. Solche Seiten surft man oft auch täglich an. Diese Seiten setze ich grundsätzlich auf Bypass — so bekomme ich dort die Werbung angezeigt, wenn sie interessiert, klicke ich drauf, und unterstütze so die Seiten, die es verdienen — ich steuere mit Proxomitron die Werbung, die angezeigt werden soll. Beim SPIEGEL z. B. kann ich sehr gut damit leben, dass ich keine Werbung sehe — beim einen oder anderen Weblog lasse ich Google AdSense durchaus durch.

    Und zum Thema Nervwerbung:
    Ich persönlich empfinde Pop Ups und Layers als extrem nervig, wobei Layers am allernervigsten sind, weil manche davon ohne funktionieren «Schließen»-Button ausgestattet sind.

  2. […] Update: Einen sehr kritischen Beitrag zum adical-Start gibt es hier. […]

  3. […] [Update] Ausführlicheres über Cisco (via). […]

  4. rene sagt:

    Hach. Flashbanner, Layer und Popups auf einen Haufen werfen. Schön, schön, diese differenzierte Sicht der Dinge. Aber man is ja nix anderes gewohnt.

    Blinkzappeldiwink my ass.

  5. Chris sagt:

    Ne, der ist dreckig, und jetzt geh mir aus den Augen…

  6. rene sagt:

    gottchen, du diva…

  7. Chris sagt:

    Ich kann nicht singen — aber morgens noch in den Spiegel schauen…

    Und nun gehe Deines Weges…

  8. Jens sagt:

    @Chris:
    Naja, es ist schon recht unsachlich die Werbebanner aus Flash (übrigens: kein Ton) mit so Sachen wie PopUps und bildschirmüberlagernden Layers zu vergleichen.

    Außer Du stellst Dich auf den Standpunkt «nervige Werbung ist jegliche Werbung» — dann wäre es konsequent; nur dann wären andere Aussagen nicht konsequent…

    PS: Kann es sein, daß das Plugin, was bei neuen Kommentaren benachrichtigen sollte nicht funktioniert? Ich hab jedenfalls keine Mail bekommen…

  9. Jens sagt:

    Nachtrag: Die Mails landeten im Spam-Filter, das Plugin funktioniert also doch! :)

  10. Chris sagt:

    Dann ist es ja perfekt, wenn Mails zu adical im Spamfilter landen — ymmd. 😀

    Meine Meinung, ob Popup, Layerad oder Flashwerbung, die ohne eigenes zutun blinkzappeldiwink machen (oder eben aufpappen), es ist einfach mal crap.

    Genau aus diesem Grund, weil die ganzen Werbefuzzis eben diese Technik nutzen, gibt es Flashblocker, hat Flash nicht den besten Ruf, aber was erzähl ich, einfach obigen Links folgen — selbst daran hapert es ja schon bei den meisten hier…

    Da gibts auch gar keine Diskussion — übrigens bezeichnend, damit meine ich jetzt nicht Dich Jens, dass neben den ganzen Diffamierungen in meine Richtung das Thema Cisco nicht angesprochen wird.

    Aber so sind sie, die deutschen Blogger, da gefällt mal wieder ein Nebensatz nicht, da kann man sich drüber aufregen, zu mehr als berechtigten Kritik hält man es wie die 3 Affen — nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

    Schon ganz grandios und man lernt manchen Blogger neu kennen…

    $$$$$$$$$$

  11. Jens sagt:

    Zu Cisco habe ich schon wo anders was geschrieben — insofern habe ich das hier nicht aufgegriffen und fühlte mich daher auch nicht angesprochen. :)

    Wenn Du crap so definierst, daß schon Zappeln Crap ist, sind natürlich auch normale (GIF-)Banner Crap, denn die können auch zappeln. Wobei es da ja auch unterschiedliche Stufen des Zappelns gibt.

  12. Oliver sagt:

    @jens, wenn *mir* z.B. jemand Flash unterjubelt egal in welcher Form gehe ich die Wände hoch, gibts dazu noch Trafficschleudern die irgendeinen Schrott abspielen aka Werbung ist es aus. Btw. bei mir z.B. zappelt auf keiner Seite etwas.

    Es gibt also ein paar Möglichten für die «Sinnhaftigkeit» von Werbung:

    a)der Macher ist so dumm zu glauben irgendwer da draußen schaut sich den Schrott an
    b)es gibt Dumme da draußen die sich das freiwillig anschauen
    c)der Werbefilter wird geschickt umgangen, sprich ich werde zugespammt

    Last not least wird es wohl in der Regel so sein, das die meisten Menschen den Werbecrap blocken — beim TV zappen die meisten auch umher, selbst meine Mutter bat mich den Schrott permanent *g* im Web abzustellen. Wo ist also das Zielpublikum? Klar man geiert sich etwas ab an hochgerechneten Zahlen, jemand bezahlt für die Fiktion und viele verdienen auch an dieser Fiktion. Frage, wann verblaßt die Scheinwelt? Wann platzt die Blase und wer finanziert diese Fiktion letztendlich gegen? Zumindest die letzte Frage kann ich beantworten, jeder Konsument der irgendein Produkt kauft finanziert diese Scheinwelt mit.

    Darauf soll man stolz sein, das nennt man Kreativität? omfg

  13. .markus sagt:

    Die Form der Werbung ist mir auch scheißegal, das mit Cisco finde ich aber durchaus bedenklich…

  14. Grainger sagt:

    Und für alle Opera-User ein kleiner Tipp wie man (nur mit Bordmitteln) einen FlashBlocker in Opera einbindet.

    Sogar mit Button zum bequemen ein– und ausschalten (falls man doch mal irgendein spezielles Flash sehen will):

    Link zur FlashBlocker-Beschreibung

  15. Chris sagt:

    Wenn der Link nur da wäre… 😀

  16. Grainger sagt:

    Das Verkinken har nicht geklappt, deshalb mal als Text:

    Klick

  17. Grainger sagt:

    Chris, editier das mal bitte. 😉

    Spanischer Brandy und Rechtschreibung wollen heute nicht so recht harmonisieren.

  18. Chris sagt:

    Passt schon… :)

  19. […] adical startet — schlimmer als befürchtet auf F!XMBR Fast hätte ich es gar nicht mitbekommen (Proxomitron sei Dank, mehr dazu unten) — heute ist die Veranstaltung adical, ja genau, die mit den Luftschlössern, gestartet. (tags: adical werbung datamining) […]

  20. Chris sagt:

    Ich füge hier mal zur Vervollständigung zwei manuelle Trackbacks an:

    rabenhorst — Sautreibereien und Weblogwerbung
    Martina — Produktlebenszyklus für Klein-Bloggersdorf?

    Martina und Kai meinen Dank — manchmal denkt man doch drüber nach, ob man nicht Dr. Evil ist… 😉

    Dem ist aber nicht so.

    Täglich kritisieren die Blogger der Welt jeden kleinen Furz — wenn nicht in unserer kleinen Welt, in der wir noch Einfluß haben, wo dann Rückgrat, wo dann Glaubwürdigkeit zeigen? Und ja, es beginnt bei solchen Sachen. Man kann nicht die (ganze) Welt verändern, aber zumindest dort anfangen, worauf man selbst direkten Einfluß hat — alles andere zeigt kein Rückgrat und ist nicht glaubwürdig.

  21. […] Kritische Beiträge zum adical-Start habe ich via Massenpublikum hier und hier gefunden. Adical selbst äußert sich zum Start der Kampagne ebenfalls — im neu […]

  22. Ich denke, adical wird nichts weiteres als eine 0815-Banner-Schleuder für große Blogs mit viel Traffic, so wie es das heute schon für große Websites und Portale gibt. Die Intentionen dahinter sind an sich eher larifari, natürlich geht es schlicht um Geld, also Umsatz und Gewinn. Ist an sich auch nicht schlimm, aber dann soll man dazu stehen anstatt einen auf besonders toll und besonders glaubwürdig machen zu wollen. Für mich hat adical jedenfalls keine größere Glaubwürdigkeit oder besseren «Style» als jede andere 0815-Bannerschleuder.

    Nicht zuletzt dürfte auch die Beschränkung auf das Netzwerk der selbsternannten Blog-Elite nicht gerade für Sympathie gesorgt haben. Denn eigentlich geht man zuerst in die breite Masse und löst erst später das Filetstück heraus. Das wäre im Übrigen wahrscheinlich auch lukrativer gewesen und hätte vielleicht so manchen Adsense-Werbeblock verschwinden lassen. Aber so bleibt nur der Eindruck von Blog-Snobs mit einem GFlaubwürdigkeitsproblem.

    Gruß

    Alex

  23. […] Seiten. Es gibt sogar das erste Werbesystem von Bloggern für Blogger. Vielen gefällt das nun nicht und proklamieren den Ausverkauf des […]

  24. […] nehmen, Hauptsache kost’ nix) wird dieses Thema auch gerade in vielen Blogs diskutiert. Von professioneller Datenauswertung und ganz vielen anderen schlimmen Dingen ist da die Rede. Ich bezweifle ja, dass bei Adical […]

  25. […] Wie ungeschickt die Werbung technisch umgesetzt wurde, kann man sehr schön in einem Beitrag von Chris vom F!XMBR nachlesen. Am Ende sieht die erste geschaltete Werbung durch Adical aus wie jede andere Werbung […]

  26. […] Blogosphäre ist bei der Vermarktung sehr skeptisch. Kenner der Blogosphäre sind bezüglich all der Zahlen, die von Vermarktern genannt werden […]

  27. […] waren es die Unterstützer des chinesischen Mörderregimes, dann folgte der SPIEGEL mit seinem lächerlichen […]

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